home
Bürgerinitiative gegen BoA- Erweiterung
Niederaußem e.V.
Home
Termine
Ziele
Presse
Alternativen
Weitere Infos
Bildergallerie
Vorstand
Impressum
Gästebuch
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008

Pressestimmen 2003

Hier finden Sie einige Pressestimmen zum RWE-Konzern, zum BoA-Kraftwerk und zu unserer Bürgerinitiative Big BEN. Wir haben zusammengetragen was an Veröffentlichungen zu finden war. Auffallend ist dabei, dass das Unternehmen RWE nicht nur Strom produziert sondern auch fasst ausnahmslos negative Schlagzeilen.

23.12.2003 Regionalrat will Zeitplan für BoA Kölner Stadt-Anzeiger
16.12.2003 Stommelner machen mobil Kölner Stadt-Anzeiger
16.12.2003 Stark machen gegen Braunkohlenkraftwerk Kölnische Rundschau
29.10.2003 "Macht den Auenheimern Mut" Kölnische Rundschau
22.10.2003 "Hier zieht keiner mehr hin" Kölnische Rundschau
08.07.2003 Doppel-BoA in Neurath? Kölnische Rundschau
15.08.2003 Initiative weiter gegen neue Blöcke Kölner Stadt-Anzeiger
13.08.2003 "Bekenntnis zur Braunkohle" Kölnische Rundschau
29.05.2003 Die Republik ohne Strom Kölner Stadt-Anzeiger
29.05.2003 Pulheim protestiert gegen die BoA-Kraftwerke Kölnische Rundschau
26.05.2003 Für Rheinbraun drängt die Zeit ... Kölner Stadt-Anzeiger
23.05.2003 RWE muss nachbessern Kölnische Rundschau
07.05.2003 "Wir wohnen wie auf einem Fabrikgelände" Kölnische Rundschau
29.04.2003 RWE will Terrain für BoA sichern Kölner Stadt-Anzeiger
09.04.2003 Rat bekennt sich zu BoA-Standort Kölner Stadt-Anzeiger
25.03.2003 Zweiter Block erst 2012? Kölner Stadt-Anzeiger
25.03.2003 SPD im Regionalrat für neue BoA-Blöcke Kölnische Rundschau
22.03.2003 SPD will ins Verfahren einsteigen Kölner Stadt-Anzeiger
15.03.2003 "Die alten Blöcke werden nur ersetzt" Kölnische Rundschau
08.03.2003 Mitspracherecht gefordert Kölnische Rundschau
26.02.2003 BoA-Block nach Störfall abgeschaltet Kölnische Rundschau
22.02.2003 Im April kein Antrag für Blöcke Kölner Stadt-Anzeiger
22.02.2003 Regionalrat vertagt BoA-Entscheidung Kölnische Rundschau
19.02.2003 CDU-Chefs sind nun wieder einig Kölnische Rundschau
18.02.2003 Jetzt kommt Protest aus Bedburg Kölner Stadt-Anzeiger
15.02.2003 Kraftwerk bei Kirchherten? Kölner Stadt-Anzeiger
01.02.2003 BoA bleibt Zankapfel in Niederaußem Kölner Stadt-Anzeiger
25.01.2003 BoA-Pläne sorgen für Zündstoff Kölner Stadt-Anzeiger
18.01.2003 Der Protest zeigt Wirkung Kölner Stadt-Anzeiger
16.01.2003 CDU gegen BoA Kölnische Rundschau

Regionalrat will Zeitplan für BoA
Kölner Stadt-Anzeiger
23.12.2003

Müll und Papierschlämme werden in alten Kraftwerksanlagen verbrannt.

BERGHEIM - Präzisere Angaben über weitere BoA-Blöcke fordert der Kölner Regionalrat von RWE Power. Das bestätigten der Vorsitzende Gerhard Lorth (CDU) und seine Stellvertreterin, die Grüne Bettina Herlitzius. Alle Parteien wollen laut Lorth "eine Art Verpflichtungserklärung von RWE Power haben, die Neubau, Abschalten und Abbau in ein Zeitraster bringt". Die Bürgerinitiative "Big Ben" aus Rheidt-Hüchelhoven begrüßte diese Entscheidung. Der stellvertretende Vorsitzende Hans-Joachim Gille sagte: "Der Regionalrat hat die richtigen Fragen gestellt und das über alle Fraktionen hinweg."
Tatsache ist, dass die neuen BoA-Blöcke nicht nur im Kohleverbrauch effizienter sind als die alten, sondern auch weniger Platz brauchen. So ersetze der hohe Turm in Niederaußem von seiner Stromleistung (über 950 Megawatt) her mehr als sechs der alten 150-Megawatt-Blöcke in Frimmersdorf. Dort, so folgern Gille und Big-Ben-Schatzmeister Walter Winkelius, müsse dann auch Platz frei werden, den man für den Bau von neuen BoA-Blöcken nutzen könne. Oder andersherum: "Es ist nicht notwendig, zwischen Niederaußem und Rheidt-Hüchelhoven aus einer jetzigen landwirtschaftlichen Fläche neues Bauland für weitere Blöcke zu machen."
RWE Power habe in der Sitzung schließlich auch erklärt, man wolle keinen der jetzigen Kraftwerksstandorte in Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem und Weisweiler aufgeben. Überall sei der Bau der neun weiteren geplanten BoA-Blöcke möglich. Nach jetzigen Planungen sollen in Neurath fast zeitgleich die nächsten beiden BoA-Blöcke gebaut werden. 2008 und 2009 sollen sie laut RWE Power ans Netz gehen. Dafür sollen in Frimmersdorf zwölf und in Niederaußem zwei 150-MW-Blöcke außer Betrieb genommen werden. Auch ein 300-MW-Block in Niederaußem soll stillgelegt werden. Die Inbetriebnahme des zweiten BoA-Blockes in Niederaußem soll laut RWE Power "nicht vor 2014 / 15 erfolgen". Auch für dieses BoA sollen Altanlagen in Niederaußem und Frimmersdorf weichen.
Wann genau die Stilllegungen erfolgen und wie es nach 2014 weitergeht, wollen die Politiker und die Mitglieder der Initiative nun von der Firma wissen. Gille möchte Klarheit haben: "Die Braunkohle in Hambach und Garzweiler reicht für etwa 40 Jahre. Das BoA-Programm läuft aber bis etwa 2030. Was soll dann aus den Kraftwerken werden?" Er fragt, ob langfristig geplant sei, statt Kohle Müll, Klärschlamm, Holzabfälle oder auch Gas in den Kraftwerken zu verheizen.
Sprecher Dr. Wolfgang Rönnebeck erklärte, RWE Power habe die Fragen im Regionalrat umfassend beantwortet und werde auch die Zusatzfragen beantworten. Man hoffe, dass das Gremium so zu einer Entscheidung kommen könne. Rönnebeck bestätigte, dass Ersatzbrennstoffe verbrannt würden. So werde in Weisweiler und in Frimmersdorf versuchsweise Papierschlamm verfeuert. Da 2005 die Deponiegenehmigung durch eine Gesetzesänderung erlösche, sei für manchen Abfall "die thermische Verwertung das Mittel der Wahl" - aber nur in den alten Kraftwerken "als Standortsicherung".

Stommelner machen mobil
Kölner Stadt-Anzeiger
16.12.2003

PULHEIM / STOMMELN - Vertreter von Umweltorganisationen, Kirchen und Parteien haben sich zum "Aktionsbündnis Stommelner Bürger - Leben ohne BOA" zusammengeschlossen.
Schon seit vielen Jahren kämpft die Bürgerinitiative Stommeln, ebenfalls Mitglied des Bündnisses, für eine Verbesserung der Lebensqualitäten für die Stommelner Bürger. In den 80er Jahren litten vor allem viele Kinder unter "Pseudo-Krupp",
laut Initiative Auswirkungen der Schadstoff-Emissionen aus den benachbarten Braunkohle Kraftwerken in Niederaußem, Neurath und Frimmersdorf. Das Öko-Institut Darmstadt, das im Auftrag der Initiative ein Gutachten erarbeitete, habe die Ableitung der Rauchgase über die Kühltürme bei ungünstigen Wetterlagen für den Nahbereich der Kraftwerke, also auch Stommeln, als sehr problematisch bewertet, berichtet Willi Robertz, einer der Sprecher der Bürgerinitiative. Mangels Messstationen in Stommeln habe man dies nie überprüfen können. Angesichts der nach wie vor vorhandenen Bedrohung sei die Intensivierung der Braunkohleverstromung durch den Bau neuer, noch größerer Kraftwerkblöcke mit einer Betriebszeit von bis zu 50 Jahren (je nach Stand der eingesetzten Technik) für diese Region nicht mehr erträglich.
Ähnlich wie Bürger aus Niederaußem und eine Bürgergemeinschaft aus Rheidt / Hüchelhoven kämpft das neue Aktionsbündnis gegen die neuen Großblöcke, die die alten Türme ersetzen wollen. Eine der zentralen Forderungen ist die Abschaltung der alten Blöcke. Umweltschützer Helmut Spahn: "Wir würden eine Übergangszeit für die Abschaltung der alten Blöcke akzeptieren. Sechs bis acht Jahre sind uns aber zu lang." Robertz forderte eine dezentrale Energieversorgung. Dies könne im Zusammenschluss einiger Kommunen geschehen. Die Stadt Pulheim solle frühzeitig einen Beschluss zum Ausstieg aus den Konzessionsverträgen mit dem RWE fassen.
Weitere Punkte, die geklärt werden müssten, so Landschaftswärter Dieter Bunge, seien der Verbleib der Kraftwerksasche und sichere Zahlen über die künftige Belastung der Region mit Emissionen. Ansprechpartner der Gruppe ist Georg Ecker.

Stark machen gegen Braunkohlenkraftwerk
Kölnische Rundschau
16.12.2003

PULHEIM - "Ich vermisse bei unserem Bürgermeister die Fürsorge für unsere Bürger." Dieter Bunge, Sprecher des "Aktionsbündnisses Stommelner Bürger - Leben ohne BoA", gibt sich kämpferisch. Neun Monate vor der Kommunalwahl scheinen die Bürger Stommelns ein Thema gefunden zu haben, mit dem sie die Politik vor sich hertreiben könnten. Es ist der geplante Bau von drei neuen Kraftwerksblöcken mit optimierter Anlagentechnik in Niederaußem.
Schon das vorhandene Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA) beunruhigt die Bürger Stommelns, die Dunstwolken würden ihnen das Sonnenlicht rauben. Vor wenigen Wochen haben sich Bürger zusammengetan, um das ihrer Meinung nach verschleppte Thema auf die Tagesordnung zu setzen und stellen die provokante Frage: "Warum hat der Pulheimer Rat bislang so pflaumenweich auf die RWE-Pläne reagiert?", so Bunge. Und Willi Roberts, Experte für Solarenergie, fürchtet, dass nach einem Bau "wir und die nachfolgenden Generationen erheblich an Lebensqualität in der Region verlieren".
Zusammen mit Helmut Spahn, Mitglied des BUND und der Agenda 21 sowie Georg Ecker (Bürgerinitiative Stommeln, BIS) hofft Roberts, noch weitere Initiativen mit ins Boot zu bekommen. "Die Bevölkerung muss endlich hinreichend aufgeklärt wird", fordert Helmut Spahn. Das soll spätestens im Frühjahr in einer Bürgerversammlung geschehen.
Vor allem wehrt sich die Gruppe gegen die Pläne von RWE, die alten Feuerungsanlagen parallel zu den neuen zu betreiben. Damit würde das Versprechen, Braunkohlekraftwerke mit optimierter Kraftwerkstechnik produzierten weniger Schadstoffe, ad absurdum geführt. Der Ausweg aus dem Dilemma könne nur sein, wenn die Stadt Pulheim aus dem Konzessionsvertrag mit RWE aussteige und die Stromversorgung im Verbund mit anderen Kommunen selbst in die Hand nähme.

"Macht den Auenheimern Mut"
Kölnische Rundschau
29.10.2003

BERGHEIM / AUENHEIM - "Können Sie lauter reden, ich kann nichts verstehen", kam es spöttisch aus dem Publikum. Es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass sich die Auenheimer über den Lärm eines Überdruckventils aus der Brikettfabrik gefreut haben. Denn so konnten die Stellvertreter von RWE Power am Dienstagabend am eigenen Leib erfahren, worunter die Auenheimer unter anderem leiden.
Michael Naujoks von der Brikettfabrik, Hermann Oppenberg vom Tagebau Garsdorf und Achim Niepel vom Kraftwerk Niederaußem waren zu einer Bürgerversammlung ins Festzelt gekommen. Hier stellten sie sich den Fragen der Bewohner des von Braunkohlenkraftwerk, Tagebau und Werksbahn umgebenen Dorfes. Seit 40 Jahren ertragen die Auenheimer nun die Umwelt- und Lärmbelastungen. Nun, da im Gespräch ist, einen weiteren BoA-Block zu bauen, gehen sie auf die Barrikade.
Den Auftakt bildete ein Film, den SPD-Stadtrat Wolfgang Sewelies im Auftrag des Stadtteilforums Auenheim gedreht hat und der auf dramatische Weise die Situation des kleinen Stadtteil präsentiert. "Zurzeit funktioniert das Dorf noch, aber viele fragen sich, wie lange noch", hieß es. Unter anderem wurden Bilder von einer Aschewolke am Pfingstsonntag dieses Jahres gezeigt, der Krach eines ausgelösten Überdruckventils abgespielt und über die Gettobildung im Ort berichtet. Hans Lietzau, Sprecher des Agenda-Forums, nannte die Situation erschreckend: "76 Leute sind allein in den vergangenen drei Monaten weggezogen." Das sind über zehn Prozent der Einwohner. Lietzau forderte "Planungssicherheit für RWE Power und Auenheim gleichermaßen".
Im Gegenzug meinte Achim Niepel: "Es hat sich einiges geändert seit der letzten Veranstaltung 1998." So würden zum Beispiel 75 000 von 90 000 Tonnen Kohle pro Tag über eine schall- und staubgeschützte Kohlenversorgung transportiert, und der Eimerkettenbagger laufe nur noch acht Stunden pro Tag. "Wir haben versucht, Ihnen entgegenzukommen und den Lärm zu minimieren", sagte Niepel.
Doch das reicht den Auenheimern nicht. "Ich muss mir nachts zum Teil Kissen auf die Ohren legen. Ich habe noch ein Gästezimmer, da kann ja mal einer von den Herren von RWE Power übernachten." Mathilde Mock sprach diese Einladung aus. Auch Ortsvorsteher Klaus Gülden beschwerte sich: "Wir haben Doppelverglasung in den Fenstern, aber es ist trotzdem zu laut." Noch vieles gebe es zu verbessern. Und einiges davon wurde von den RWE Power-Vertretern auch zugesagt. So versprach Hermann Oppenberg unter anderem, die Fahrer der Oberbaufahrzeuge anzuhalten, den Missbrauch der Warnsignale zu vermeiden. Außerdem sollen die Aschedeponien zukünftig mit Kompost belegt werden, um Staubaufwirbelungen zu vermeiden. Auch ein Bürgertelefon ist unter der Rufnummer (0 22 71) 75 47 30 eingerichtet worden.
Oppenberg versprach darüber hinaus, die Subunternehmer darauf aufmerksam zu machen, nur noch die Hauptzufahrt zu benutzen, um den Werksverkehr durch Auenheim zu verringern.
Zum Abschluss mahnte Gülden seine Mitbürger: "Nehmt an unseren Festen teil und macht so den anderen Auenheimern Mut." Ein Dankeschön ging von ihm an die "Power-Männchen", weil sie sich dieser Diskussion gestellt hätten. Aber auch eine Mahnung sprach er aus: "Denkt bitte an die Auenheimer."

"Hier zieht keiner mehr hin"
Kölnische Rundschau
22.10.2003

BERGHEIM / AUENHEIM - "Es geht um die Existenz eines 1000 Jahre alten Dorfes", sagt Hans Lietzau. Und: "Die Frage ist, wie lange es Auenheim noch geben wird." Lietzau ist Sprecher des Agenda-Forums, das sich eine Menge Gedanken über die Zukunft des Ortes im Schatten des Kraftwerks Niederaußem macht.
Er ist nicht der Einzige, der besorgt ist. "In den vergangenen drei Monaten ist die Bevölkerung geschrumpft. Die Zahl der Einwohner ist um 76 gefallen. Die Wohnungen stehen leer, hier zieht keiner mehr hin", schildert SPD-Stadtrat Wolfgang Sewelies. "Wenn das so weitergeht, müssen wir den Antrag auf Umsiedlung gar nicht mehr stellen. Dann löst sich Auenheim von selbst in Wohlgefallen auf."
Doch so weit wollen es die Bewohner des alten Dorfes nicht kommen lassen. Sie wissen durchaus, warum die Mietwohnungen leer stehen, ihre Häuser an Wert verlieren und keiner mehr nach Auenheim ziehen will. Der kleine Ort ist umzingelt von Industrieanlagen: Auf den Gleisen der Kohlebahnen fahren die Züge Tag und Nacht im Zehn-Minuten-Takt um den Ort. Dabei hupen die Lokomotiven praktisch ohne Unterbrechung - in der Nacht genauso wie am Nachmittag.
Dazu kommt das Kreischen der Bremsen kurz vor Einfahrt ins Kraftwerk, das Zischen der Überdruckventile, die bei Betriebsstörungen Dampf aus den Kraftwerkskesseln ablassen sowie das monotone Rattern der Eimerkettenbagger am Kraftwerksbunker. Kohlestaub und Asche aus den Bunkern, Zügen und der Deponie bedecken den Ort. Die Dampfschwaden aus den Kühltürmen sorgten dafür, so erzählen die Auenheimer, dass auch an schönen Tagen die Sonne nicht vor 11.30 Uhr aufgehe. An schlechten Tagen bringt der Dampf Nebel in die Straßen des Dorfes.
Seit mehr als 40 Jahren ist das so. Warum regen sich die Auenheimer jetzt darüber etwas auf? "Weil nach dem Bau des BoA-Blocks und den neuen Plänen klar wurde, dass es nur noch schlimmer wird und nicht besser", sagt Sewelies. Immerhin wolle RWE Power drei neue Kraftwerksblöcke an den Rand des Ortes setzen.
Und zudem, so Lietzau: "Vor 40 Jahren arbeiteten 98 Prozent der Auenheimer bei RWE oder Rheinbraun. Sie haben sich mit dem Unternehmen identifiziert." Heute, so schätzt Ortsvorsteher Klaus Gülden, stehen noch eine Hand voll Auenheimer auf den Gehaltslisten von RWE Power. Die Distanz zum Konzern wächst. RWE Power, das sind jetzt "die". Früher hieß es "wir".
Die Auenheimer haben ihre Forderungen formuliert: Sie wollen, dass RWE Power die etwa 100 Werkswohnungen so ausbaut, dass sie vermietet werden können - oder sie abbricht und günstige Baugrundstücke anbietet. Sie wollen, dass das Hupen der Loks aufhört und der Staub im Kraftwerk gehalten wird. Sie wollen, dass die Kohle per Band und nicht mit Zügen ins Kraftwerk gebracht wird.
Dass das alles Geld kostet, wissen sie, aber, so Sewelies: "Die haben 40 Jahre lang auf Kosten der Bevölkerung richtig Geld verdient. Jetzt kann RWE Power auch mal powern."
Am Dienstag, 28. Oktober, 19 Uhr, gibt es eine Bürgerversammlung im Festzelt. RWE Power wird vertreten sein.

Doppel-BoA in Neurath?!
Kölnische Rundschau
08.07.2003

NEURATH - Holt RWE Rheinbraun zum Doppelschlag am Standort Neurath aus? Bei einer Sitzung der FDP-Landtagsfraktion auf Schloss Paffendorf beziehungsweise einer Besichtigung des Niederaußemer Kraftwerkes sickerte die Information durch, das Unternehmen wolle Ende 2004 in Neurath gleich zwei Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA) bauen.
Rheinbraun-Pressesprecher Guido Steffen bestätigte diese Überlegungen. Ingenieure hätten errechnet, dass sich durch den Bau eines Doppelblocks die Kosten um 20 Prozent senken ließen. Ein einzelner BoA-Block wird derzeit in einer Größenordnung von 1,2 Milliarden Euro
kalkuliert. Die Entscheidung, so Steffen, hänge noch vom Verlauf des Genehmigungsverfahrens ab und werde Ende 2004 getroffen.

Initiative weiter gegen neue Blöcke
Kölner Stadt-Anzeiger
15.08.2003

Erste Erfolge kann die "Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung Niederaußem",
kurz "Big BEN", schon verzeichnen. Und die 100 Mitglieder wollen nicht nachlassen.

BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Dass sich sowohl der Bergheimer Stadtrat als auch der Regionalrat bis auf weiteres gegen die Bereitstellung von Flächen für BoA-Blöcke in Niederaußem ausgesprochen haben, kann "Big BEN" sich schon auf die Fahne schreiben. Immer wieder hat der Vorstand, allen voran der zweite Vorsitzende Hans-Joachim Gille, selber Diplom-Ingenieur für Anlagenbau und Kraftwerkstechnik, das Gespräch mit den Politikern gesucht und auf die Probleme für Auenheim, Niederaußem und Rheidt-Hüchelhoven aufmerksam gemacht, wenn - wie von RWE Rheinbraun angedacht - eines Tages wirklich fünf BoA-Blöcke in Niederaußem stehen sollten.
Vor zwei Jahren hat sich die Bürgerinitiative gegründet, die betont, nicht generell gegen die BoA-Blöcke zu sein. "Wir plädieren nur dafür, dass keine weiteren Flächen zur Verfügung gestellt werden", sagt der Vorsitzende Georg Keulertz. "Wenn an einem Standort alte Kraftwerke abgeschaltet und abgebrochen werden, können dort auch neue Blöcke gebaut werden", stimmt der Kassierer Walter Winkelius zu.
Anderer Standort
Darüberhinaus haben die Mitglieder der Bürgerinitiative dem Unternehmen bereits einen alternativen Standort für neue BoA-Blöcke vorgeschlagen. "Am Rand von Garzweiler I", sagt der zweite Vorsitzende Gille, "an der A 61, liegt ein Gebiet, auf dem sechs bis sieben neue BoA-Blöcke gebaut werden könnten, ohne dass Bürger betroffen wären". So bliebe Kirchherten bei den vorherrschenden Westwinden auf der Sonnenseite, der Autobahnanschluss sei schon da und die Kohle auch in der Nähe, zählt Gille die Vorteile auf.
Den Einwand, Schienen, Wasserleitungen und Hochspannungstrassen müssten gelegt werden, will "Big BEN" nicht gelten lassen. "Das kostet nicht mal zehn Prozent dessen, was ein neuer Block kostet", argumentiert Gille, und bei sieben möglichen Blöcken seien die Investitionen verschwindend gering.
"Wie dem auch sei", gibt sich die Bürgerinitiative kämpferisch, "wir bleiben jedenfalls dran und werden alles ausschöpfen, was rechtlich machbar ist, damit hier kein BoA-Riegel mit fünf Blöcken entsteht und die Bürger die Sonne gar nicht mehr sehen". Zu diesem Zweck hat die Bürgerinitiative bereits eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, die die Interessen von "Big BEN" vertritt.


"Bekenntnis zur Braunkohle"
Kölnische Rundschau
13.08.2003

ESSEN - Vor Mitte des kommenden Jahres wird keine Entscheidung über den Bau eines weiteren Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) fallen. Das erklärte RWE-Vorstandschef Harry Roels gestern bei der Halbjahresbilanzkonferenz seines Unternehmens in Essen. Diese Entscheidung hänge - wie andere große Investitionsvorhaben auch - davon ab, nach welchen Prinzipien die Emissionsrechte verteilt würden. Grundsätzlich halte RWE jedoch am breiten Energiemix in Deutschland fest - und in dieser Mischung habe die Braunkohle nach wie vor eine wichtige Stellung.
"Wir haben nachgewiesen, dass Kohlekraftwerke ,made in Germany und Klimaschutz sich gut vertragen können", sagte Roels in seiner Rede. Das neue Braunkohlenkraftwerk in Niederaußem senke den Kohlendioxid-Ausstoß um 30 Prozent. (Kommentar Big BEN: Bei der Verbrennung von 1t Braunkohle wird 1t CO2 freigesetzt, unabhängig von der Kraftwerkstechnik, der BoA-Block in Niederaußem verfeuert ca. 800t/h. Will man den CO2 Ausstoß wirklich senken muß man weniger Kohle verbrennen und nicht mehr.)
Ob es noch eine zweite Anlage dieser Art geben werde, hänge jedoch entscheidend von den politischen Rahmenbedingungen ab. Es gebe zwar eine gemeinsame Erklärung der Minister Trittin und Clement, dass der ab Januar 2005 geplante Emissionshandel nicht zu einem Ausstieg aus der Kohleverstromung führen dürfe. Dafür müssten jedoch einige Bedingungen erfüllt sein. Vor allem müsse der Handel so geregelt sein, dass langfristige Planungssicherheit für große Investitionen bestehe. Die Bundesregierung müsse auch darüber nachdenken, ob Begünstigungen anderer Energieformen dann noch vertretbar seien.
"Wollen und können wir uns zukünftig neben dem Emissionshandel weiterhin Regelungen leisten wie die Ökosteuer, die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung oder das Erneuerbare-Energien-Gesetz?", fragte Roels. (Kommentar Big BEN: Die genannten Steuern und Abgaben werden vom Verbraucher getragen, nicht von RWE Power. Sie werden aber zum Teil von RWE über die Stromrechnung eingezogen.)
Den künftigen "Doppelsitz" für den Bereich RWE Power, in dem auch Rheinbraun aufgehen wird, in Essen und Köln verteidigte Roels: "Wir zeigen so, dass uns die Braunkohle und unser Engagement im rheinischen Braunkohlenrevier wichtig sind."

Die Republik ohne Strom
Kölner Stadt-Anzeiger
29.05.2003

NIEDERAUSSEM - Das Werk in Niederaußem war stets Vorreiter in Sachen Technik. Als kürzlich ein Stahlträger einknickte und das neue BoA-Kraftwerk vom Netz genommen werden musste, da rümpften manche schon die Nase über die neue Technik, die Milliarden verschlungen hatte. Dr. Günther Schöddert tat das nicht, denn der frühere Niederaußemer Kraftwerksdirektor kennt sich in der Geschichte der Bergheimer Stromfabrik bestens aus, weil er von Anfang an dabei war: "Niederaußem war immer das Test-Kraftwerk für die neuen Blockgrößen. Von den Kinderkrankheiten, die wir erleben mussten, haben andere Kraftwerke profitiert." In Niederaußem zu arbeiten, sei aber gerade wegen dieser Pionierarbeiten "spannend und schön" gewesen.
Als 1961 mit dem Bau der ersten beiden 150 Megawatt-Blöcke am Rande von Niederaußem begonnen wird, hat RWE gerade eine denkwürdige Stunde hinter sich. Am 21. Juni 1960 erleben die deutschen Energieversorgungsunternehmen einen "Black-out". Seit längerer Zeit schon fahren die Kraftwerke der Bundesrepublik an der Grenze ihrer Kapazität. Aus dem Ausland wird jede Menge Strom bezogen.
Um 11.43 Uhr ist es dann an diesem Junimorgen so weit. Es gibt auf dem Strommarkt kein einziges Megawatt mehr zu kaufen. Die Folge: Das Netz bricht zusammen. Im alten Kraftwerk Fortuna bleibt nur der Block I noch am Netz, doch auch der schaltet sich um 12.12 Uhr ab. Kein Strom fließt mehr. Erst im Laufe der nächsten Stunde kommen die deutschen Kraftwerke langsam wieder auf Touren. Als Folge des Stomausfalls wird am 30. Mai 1961 der Grundstein für das Kraftwerk "Fortuna IV" gelegt - das spätere Kraftwerk Niederaußem.
Zunächst besteht es aus den beiden 150-Megawatt-Blöcken A und B, 1965 geht mit Block C die erste 300-MW-Dampfmaschine ans Netz. Weitere 300-MW-Blöcke folgen 1968, 1970 und 1971. 1974 kommen zwei 600-MW-Blöcke hinzu. Im vergangenen Jahr drückte Bundeskanzler Gerhard Schröder symbolisch auf den roten Knopf, um den knapp 1000 Megawatt produzierenden BoA-Block anzuwerfen.
Dass mehr verkaufter Strom mehr Menschen in Lohn und Brot bringt, ist allerdings eine Rechnung, die weder in Niederaußem noch anderswo aufgeht. Schöddert erinnert sich an die 80er Jahre, als es im auslaufenden Kraftwerk Fortuna, das vom Tagebau geschluckt wurde, und in Niederaußem zusammen inklusive Auszubildenden mehr als 2200 Arbeitsplätze gab, davon rund 900 in Fortuna. Heute gibt es im Kraftwerk Niederaußem nur noch knapp 850 Beschäftigte.
Seinen Glück verheißenden Namen "Fortuna" hat das Kraftwerk übrigens abgelegt, noch bevor der erste Strom produziert wurde. Grund: Das alte Kraftwerk "Fortuna" gehörte Rheinbraun. Als RWE ein eigenes baute, musste ein neuer Name her - und so hieß es eben "Niederaußem". Jetzt, da RWE und Rheinbraun zu einer Einheit verschmolzen sind, könnte man es eigentlich wieder Fortuna nennen.

Nummer zwei in Europa
Um eine Kilowattstunde Strom herzustellen, muss ungefähr ein Kilogramm Braunkohle verbrannt werden. In Deutschland wurden 2002 insgesamt 581 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Das Niederaußemer Kraftwerk inklusive des neuen BoA-Blockes soll künftig nach Konzernangaben pro Jahr 27 Milliarden Kilowattstunden liefern. Damit werden knapp fünf Prozent des in der Bundesrepublik verbrauchten Stroms in Niederaußem hergestellt. Dazu werden in den neun Blöcken 30 Millionen Tonnen Braunkohle verfeuert.
Das Kraftwerk Niederaußem mit seinen 745 Beschäftigten und rund 100 Auszubildenden ist damit nach der Anlage im polnischen Belchatów das zweitgrößte Braunkohlekraftwerk Europas. Die Maximalleistung in Belchatów liegt bei 4400 Megawatt, die in Niederaußem bei 3852 Megawatt.
(Kommentar Big BEN: Dazu kommen dann noch die Kraftwerke in Neurath und Frimmersdorf, beide nur wenige km von Niederaußem entfernt - Luftlinie zwischen Niederaußem und Neurath ca. 1,6km. Hier wachsen drei Kraftwerksstandorte zu einem Kraftwerkspark zusammen.)

Pulheim protestiert gegen die BoA-Kraftwerke
Kölnische Rundschau
29.05.2003

PULHEIM - "Bald sehen wir die Sonne nur noch, wenn sie von Osten her scheint." Josef Heibel (SPD) drückte drastisch die Sorge der Pulheimer Bürger über den Kraftwerksneubau in Niederaußem aus. Bislang wurde Pulheim aber nie gesondert informiert. Deshalb wurden Vertreter des Energie-Konzerns RWE zu einer gemeinsamen Sondersitzung von Haupt- und Finanzausschuss, Umweltausschuss und Stadtplanungsausschuss eingeladen.
Diese Sondersitzung erlebte einen erregten Bürgermeister, erboste Stadtpolitiker und zum Kampf entschlossene Bürger. Selten war Meinung so einträchtig. Zu keinem Zeitpunkt gelang es den Vertretern des Konzerns, die Kommunalpolitiker davon zu überzeugen, dass die Pläne der RWE keine Nachteile für die Bevölkerung Pulheims bringen. Vielfach wurde über deren Darstellungen nicht mal geschimpft, sondern gelacht.
Es sind die Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA), die die Gemüter erregen. Vier davon sollen in Niederaußem errichtet werden. Mit der neuen Technologie sollen 34 veraltete Kraftwerke ersetzt werden. Allerdings sollen die neuen, leistungsfähigeren Kraftwerksanlagen an zwei Standorten konzentriert werden, Niederaußem und Neurath.
"Was bringt die Verringerung an CO2-Ausstoß, wenn an einem Platz die vierfache Menge an Kraftwerksleistung konzentriert werde?", kritisierten die Politiker.
Für die RWE-Vertreter steht Effizienz in der Energiegewinnung, Umweltschutz und die Sicherung von Arbeitsplätze im Vordergrund. Bei der Frage nach den Arbeitplätzen wurde auf intensives Nachbohren eingeräumt, dass sich mit der neuen Technik die Zahl der Beschäftigten um die Hälfte reduziere. Groß war die Angst vor der "Verschattung" durch die Dampfschwaden. Vier Kühltürme von je 200 Metern Höhe wirkten wie eine "riesige Wand vor dem Himmel", befürchteten die Ausschussmitglieder.
Vor allem erregte die Volksvertreter, dass der Zeitplan der Bauvorhaben nicht vertraglich gesichert sei. Es gäbe, so bestätigten die RWE-Vertreter, keine Maßgabe, wann die alten Kraftwerke abgeschaltet werden. In der Erprobungsphase der BoA-Blöcke sollen die alten Kraftwerke zusätzlich weiter am Netz bleiben.
(Komentar Big BEN: Laut verschiedenen, sich zum Teil widersprechenden, Aussagen von RWE Power werden die alten Kraftwerksblöcke in Niederaußem noch ca. 20 Jahre am Netz bleiben.)
Verärgert war Bürgermeister Karl August Morisse, dass die Stadt Pulheim kein Mitspracherecht habe: "Ich sehe die Gefahr, dass alle über uns wegmarschieren, als wären wir gar nicht da." "Wir werden Widerstand leisten. Auch wenn wir die Pläne nicht verhindern können, so wollen wir zumindest dafür sorgen, dass sie erheblich modifiziert werden", sagte Paul Maenz für die Gruppe Agenda 21.

Für Rheinbraun drängt die Zeit.
Die Planung für neue Kraftwerke bei Niederaußem verzögert sich.

Kölner Stadt-Anzeiger
26.05.2003

Köln / Bergheim - Das für Kraftwerksneubauten vorgesehene Gebiet zwischen der Landstraße 279 und der Bundesstraße 477 bei Niederaußem bleibt vorläufig "Allgemeiner Freiraum mit Agrarbereich". Der Regionalrat folgte am Freitag einstimmig einem Beschlussvorschlag der CDU-Fraktion. Danach wird das Verfahren zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans (GEP) vorerst nicht eingeleitet.
Bereits vor Tagen hatte die CDU-Fraktion erklärt, dass der Antragsteller RWE Rheinbraun eine Reihe von Fragen "nicht zufrieden stellend" beantwortet habe. Dabei ging es nicht nur um die exakte Größe der Fläche, um den genauen Zeitplan und Abbruch alter Anlagen. Gefragt ist im CDU-Antrag auch nach der "Planungsnotwendigkeit zum heutigen Zeitpunkt". Politiker im Regionalrat erkennen den Grund zur Eile offenbar nicht. Denn im Antrag heißt es: "Durch die Beschlüsse zur Ausweisung weiterer Flächen in Neurath ist für die RWE Rheinbraun AG bereits Planungssicherheit zum Bau weiterer Kraftwerke für das nächste Jahrzehnt gegeben.
Eingegangen waren die Christdemokraten in ihrem Antrag aber auch auf Einwände der Bürgerinitiative gegen den Bau neuer Anlagen. Die Anwälte der Initiative hielten die Einleitung des Änderungsverfahrens aufgrund fehlender Angaben sogar für unmöglich. Rheinbraun-Pressesprecher Guido Steffen bedauerte die Entscheidung des Gremiums. "Schade", sagte er, "dadurch entsteht eine Verzögerung". Die aus der Sicht der CDU offenen Fragen hätte man auch während des Verfahrens klären können. "Wir hoffen nun, dass in der nächsten Sitzung des Regionalrates entschieden werden kann." Steffen machte deutlich, dass Rheinbraun an einem zügigen Verfahren gelegen ist. Dass der nächste BoA-Block in Neurath gebaut werde, sei zwar wahrscheinlich, stehe aber längst nicht fest. Für Rheinbraun drängten daher die Zeit und die Notwendigkeit, eine Alternative zu Neurath zu haben. Denn 2005 soll auf jeden Fall der Bau des zweiten BoA-Blocks beginnen.

RWE muss nachbessern
Kölnische Rundschau
23.05.2003

KÖLN / BERGHEIM - RWE Rheinbraun muss nachbessern. Der Regionalrat Köln hat es gestern einstimmig abgelehnt, das Verfahren zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans einzuleiten und damit dem Bau weiterer Kraftwerksblöcke in Niederaußem zuzustimmen.
Die Politiker aller Fraktionen möchten Fragen beantwortet haben, die schon lange gestellt, vom Unternehmen aber bisher ignoriert worden sind. "Wir sind enttäuscht über dieses Verhalten", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Regionalrat, Stefan Götz, gestern und forderte Rheinbraun auf, das Versäumte rasch nachzuholen.
Alternativen zum Standort Niederaußem soll das Unternehmen unter anderem aufzeigen, ein Gutachten zu Klimaauswirkungen vorlegen, technische Ansätze zur Reduzierung der Dampfschwaden belegen und einen verbindlichen Zeitplan für die Stilllegung der alten Kraftwerksblöcke aufstellen.
(Kommentar Big BEN: Das kann oder besser will RWE zur Zeit absolut nicht.)
"Bevor diese und andere Fragen nicht geklärt sind, wollen wir das Thema nicht mehr auf der Tagesordnung sehen", sagte Götz mit Zustimmung seiner Kollegen Horst Becker (Grüne) und Rudolf Finke (FDP). Gleichwohl unterstütze man das Kraftwerkserneuerungsprogramm. SPD-Fraktionsvorsitzender Wilfried Mercks nahm inhaltlich nicht Stellung, stimmte aber der vorläufigen Absetzung zu.
Der Vorsitzende des Rates, Gerhard Lorth, riet Rheinbraun dringend zu "weitreichender Kompromissbereitschaft".

"Wir wohnen wie auf einem Fabrikgelände!"
Kölnische Rundschau
07.05.2003

AUENHEIM - "Die Grube kommt!" Als im Tagebau Garsdorf noch Kohle gefördert wurde, eilte dieser Schreckensruf öfters durch Auenheim. Am helllichten Tag gingen die Straßenlampen an. Braunkohlenstaub wirbelte durch die Straßen, drang in die Häuser. "Fenster zumachen, Wäsche abhängen!" Die Warnung erreichte nicht immer alle rechtzeitig.
Seit über 40 Jahren leben die Bewohner des kleinsten Stadtteils mit der Kohle und dem Kraftwerk Niederaußem. "Die Grube kommt" zwar heute nicht mehr, doch die Auenheimer leiden noch immer. Der Plan von RWE Rheinbraun, in den nächsten 30 Jahren drei weitere Kraftwerke zu bauen, hat sie empört. Deshalb kamen sie auf eine kühne Idee: Sie wollen umgesiedelt werden. Dann könne RWE auf dem Gebiet des Ortes seine BoA-Kraftwerke bauen.
Den Umsiedlingsantrag haben die Bewohner jetzt bei der Stadt gestellt. Am Montag stellten Ortsvorsteher Klaus Gülden und Hans Lietzau vom Stadtteilforum den Plan vor.
Lärm, Staub, Dampfwolken, Verschattung - das sind die Klagen. Züge hupen, Sirenen heulen - morgens oder nachts. Lärm gibt es etwa, wenn am Wochenende Kraftwerksblöcke hochgefahren werden. Und noch immer kommt Kohlenstaub von den Bunkern und den Zügen. Die Auenheimer befürchten, dass noch mehr Züge fahren, wenn neue Blöcke gebaut werden.
"Wir wünschen uns Neu-Auenheim, wir kämpfen dafür", sagte Gülden. In ihrem Umsiedlungsantrag machen die Auenheimer Vorschläge, wie RWE Umweltbelastungen verringern könnte. "Wir wollen ein offenes Gespräch und gemeinsam eine Lösung suchen", meinte Hans Lietzau. Nach Angaben von Albert Willems, Beigeordneter der Stadt, prüft die Stadt, in welchem Gremium der Antrag beraten werden soll. Eine Umsiedlung ohne die Zustimmung von RWE Rheinbraun sei aber wohl nicht möglich. Das Unternehmen müsse prüfen, ob eine Umsiedlung nicht günstiger sei als alle Lärmschutzmaßnahmen. Wenn neue Kraftwerke gebaut würden, sei zusätzlicher Lärmschutz in Millionenhöhe nötig.
RWE Rheinbraun hat inzwischen beim Regionalrat den Antrag gestellt, den Gebietsentwicklungsplan für drei neue Kraftwerksblöcke zu ändern.
Eine Umsiedlung ist für RWE Rheinbraun kein Thema. "Auenheim kann kein Standort für Kraftwerksblöcke sein, weil dies die Landesplanung nicht zulässt", sagt Rheinbraun-Sprecher Guido Steffen. Ein Ort könne nur dann umgesiedelt werden, wenn er auf einer Lagerstätte stehe. Außerdem würde eine Umsiedlung zu lange dauern. Werde der zweite BoA-Block nicht wie geplant in Neurath gebaut, müsse er um 2008 in Niederaußem ans Netz gehen. BoA-3 würde in Niederaußem um 2012 ans Netz gehen - nach etwa vier Jahren Bauzeit.

RWE will Terrain für BoA sichern
Kölner Stadt-Anzeiger
29.04.2003

Rheinbraun hat eine Änderung des Gebietsentwicklungsplans am Kraftwerk Niederaußem beantragt.

ERFTKREIS - Die RWE Rheinbraun AG will das Kraftwerkserneuerungsprogramm fortsetzen und plant den Bau eines weiteren Kraftwerksblocks mit optimierter Analgentechnik (BoA) in Bergheim-Nieder-außem. Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen dazu einen entscheidenden Schritt getan: Rheinbraun hat den Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans bei der Kölner Bezirksregierung eingereicht. Ziel des Antrages ist es, das Gelände am bestehenden Kraftwerk Niederaußem von anderen Nutzungen frei zu halten, damit das Terrain für den Bau von neuen Anlagen zur Verfügung steht.

Nicht über die Landstraße
Nach Angaben des Unternehmens ist die Planung des Areals überarbeitet worden. Demnach soll die Landstraße 279 entlang der Mönchshöfe nicht überschritten werden. Der Raum hingegen, auf den sich der Betrieb der Anlage auswirken kann, ist von einem Radius von 500 Metern auf 2000 Meter erweitert worden. Damit werden die Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner intensiver als ursprünglich geplant untersucht. "Wir wollen mit diesen Anpassungen schon im Antrag deutlich machen, dass wir um Konsens mit der Stadt Bergheim und den Anliegern des Kraftwerks bemüht sind", sagte Dr. Johannes Lambertz, im Rheinbraun-Vorstand für die Verstromung zuständig. Außerdem seien bereits damit Forderungen der Stadt erfüllt worden.
Das Unternehmen hofft, dass sich der Regionalrat bei der Bezirksregierung noch vor der Sommerpause mit den Antrag beschäftigt.
Erst vor wenigen Wochen war Rheinbraun im Regierungsbezirk Düsseldorf mit einem Antrag auf Änderung des Gebietsentwicklungsplanes für die Errichtung eines BoA-Blocks in Neurath erfolgreich gewesen. Dem Antrag hatte auch der Kölner Regionalrat zugestimmt.

Rat bekennt sich zu BoA-Standort
Kölner Stadt-Anzeiger
09.04.2003

Einstimmig verabschiedete der Rat eine Stellungnahme zur geplanten Erweiterung des Kraftwerks.

NIEDERAUSSEM - Bürgermeister Jürgen Peters freute sich: "Die Richtung stimmt. Wir dürfen auf der einen Seite nicht jammern, die Hauptverwaltung von RWE Rheinbraun dürfe nicht nach Essen ziehen, und auf der anderen Seite sagen, die Kraftwerke sollten weg." Sonst würde man aus Sicht der Wirtschaftsförderung Chancen verspielen, warnte Peters. Mit dem Beschluss, den der Rat bei einigen Enthaltungen auf Seiten der SPD einstimmig traf, war nicht nur der Bürgermeister zufrieden. Auch die Bürgerinitiative gegen die Kraftwerkserweiterung "Big BEN" zeigte sich einverstanden.
Der Vorschlag werde zwar von der CDU eingebracht, sagte Fraktionschef Dr. Winfried Kösters, aber er werde auch von UBB, FDP, Grünen und der Bürgerinitiative mitgetragen. In dem Beschluss heißt es, dass der Rat den Standort Niederaußem "ausdrücklich" begrüßt. Man wolle RWE Rheinbraun darin unterstützen, Emissionen zu mindern und einen "effektiven Beitrag zur Kohlendioxid-Klimaproblematik" zu leisten. Deshalb plädiere auch der Rat für den Einsatz der "stets modernsten Technologie".
Allerdings gebe es Zielkonflikte zwischen Großtechnologie und deren Akzeptanz "in der unmittelbar umliegenden Bevölkerung". Deshalb sieht die Stellungnahme des Rates zum geplanten Neubau von BoA-Blöcken in Niederaußem eine Reihe von "Eckpunkten" vor, die der Regionalrat im weiteren Verfahren beachten soll (siehe integrierten Artikel). Wenn er einen der Eckpunkte nicht befürwortet, soll der Rat erneut darüber beraten.
Während UBB / FDP und Grüne dem Beschlussvorschlag gleich zustimmten, lehnte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Tilmanns ihn zunächst ab, weil er "keine klare Position" enthalte. Die SPD begrüße die Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans, sagte Tillmanns. Sie ist für den Neubau weiterer Blöcke notwendig. Allerdings sei man gegen eine Ausdehnung des Kraftwerks über die Landstraße 279 hinaus. Bedenken der Bürger könne man innerhalb des Verfahrens einbringen. Nachdem Peters einige Punkte ergänzt hatte, stimmten auch die meisten Sozialdemokraten zu.

Zweiter Block erst 2012?
Kölner Stadt-Anzeiger
25.03.2003

Regierungspräsident Jürgen Roters will sich in der Frage der Planung künftiger BoA-Kraftwerksblöcke noch nicht festlegen.

BERGHEIM - Für den Regierungspräsidenten wird ein neuer BoA-Block in Niederaußem "erst 2010 / 2012" stehen. "Vorher tut sich da nichts", sagte er gestern im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Und wie es dann mit dem Problem der Verschattung und der Dampfschwaden aussehe, könne heute nicht gesagt werden. "Da muss die technische Entwicklung abgewartet werden." Bei der Planung sei man noch in einem "sehr, sehr frühen Stadium". Er gehe davon aus, dass "der nächste Block in Neurath platziert wird". Zurzeit befinde man sich im "informellen Vorverfahren" zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes, das "möglicherweise in ein formelles Verfahren mündet". Und erst wenn das abgeschlossen sei, gehe es in ein Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung.
Zur Frage, ob er sich dafür einsetzen würde, dass die Belastung der Niederaußemer künftig zumindest nicht steige, mochte Roters sich nicht äußern. "Ich muss das Genehmigungsverfahren abwarten." Nur so viel: Während des gesamten Prozesses müssten die Bürgerinitiativen umfassend informiert und ihre Interessen ernst genommen werden.

SPD im Regionalrat für neue BoA-Blöcke
Kölnische Rundschau
25.03.2003

ERFTKREIS - "Die SPD-Fraktion im Regionalrat Köln steht zum Kraftwerkserneuerungsprogramm", sagt Fraktionschef Wilfried Mercks aus Erkelenz.
Die SPD sehe zwar die Probleme der Menschen in der Nachbarschaft der Standorte Niederaußem und Neurath, setze aber darauf, dass bis zur Realisierung neuer Blöcke die Technik weitere Fortschritte machen und die Belastungen verringern werde. Außerdem weist Mercks auf die wirtschaftliche Bedeutung hin: "Ein Auftragsvolumen für ein neues Kraftwerk in Höhe von einer Milliarde Euro stellt in dieser Zeit und für unsere Region einen wichtigen Beitrag dar."
Teile der von den Kommunen und den Kraftwerksgegenern gestellten Fragen können nach Meinung der SPD erst im Verfahren zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans (GEP) beantwortet werden. Deshalb sei es sinnvoll der Einleitung des Prozesses zuzustimmen, ihn aber kritisch zu begleiten.
Die CDU-Mehrheit im Regionalrat hat sich zumindest zum Standort Niederaußem ablehnend geäußert. Die Menschen dort hätten die Belastungsgrenze erreicht.
RWE Rheinbraun plant in Neurath und Niederaußem den Bau weiterer Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA). Insgesamt sollen acht bis zehn solcher Blöcke die alten Kraftwerke im rheinischen Revier ersetzen. In Niederaußem möchte sich RWE Rheinbraun die Option auf drei weitere Blöcke sichern, in Neurath sollen bis zu fünf BoA-Blöcke gebaut werden.
In seiner Sitzung am 4. April wird sich der Regionalrat Köln noch einmal umfassend über die Pläne des Unternehmens informieren lassen, am 23. Mai soll dann die Entscheidung über die Einleitung des Verfahrens zur GEP-Änderung fallen.

SPD will ins Verfahren einsteigen
Kölner Stadt-Anzeiger
22.03.2003

BERGHEIM - Am Freitagnachmittag fand eine Sitzung der SPD-Fraktion im Regionalrat im Bergheimer Rathaus statt.
Wie Fraktionsgeschäftsführer Hajo Hoffmann mitteilte, befasste sich die SPD im Regionalrat mit den Plänen von RWE Rheinbraun, am Kraftwerksstandort Niederaußem weitere BoA-Blöcke zu bauen. Man habe sowohl mit den SPD-Fraktionen in Stadtrat und Kreistag, aber auch mit RWE Rheinbraun, Vertretern der Bezirksregierung und der Bürgerinitiative gegen den Bau weiterer Blöcke aus Rheidt-Hüchelhoven gesprochen, berichtete Hoffmann unmittelbar nach der Sitzung.
Die SPD im Regionalrat sei grundsätzlich für das Kraftwerkserneuerungsprogramm von RWE Rheinbraun, erklärte Hoffmann. Man erwarte, dass RWE Rheinbraun den Antrag zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes stelle: "Alle Bedenken, die inzwischen aufgekommen sind, sollen innerhalb des Verfahrens behandelt werden. Wir wollen nicht, dass das Verfahren im Vorfeld überfrachtet wird." Es habe noch nie eine so große Öffentlichkeit wie bei den BoA-Plänen gegeben, berichtete Hoffmann: "Wir erwarten von der CDU, dass sie im Vorfeld die Entscheidung des Regionalrates nicht überfrachtet. Schließlich haben wir lediglich darüber zu entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird und nicht über inhaltliche Fragen." Nach Einstieg in das Verfahren gebe es noch "eine ganze Latte von Verfahren", bis die BoA-Blöcke gebaut werden könnten. Daran seien auch die Bürger beteiligt.

"Die alten Blöcke werden nur ersetzt"
Kölnische Rundschau
15.03.2003

KÖLN / NIEDERAUSSEM - RWE Rheinbraun möchte sich die Standorte Bergheim-Niederaußem und Neurath großzügig für weitere Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA) sichern. Dazu bedarf es mancherlei Überzeugungsarbeit - auch bei Politikern.
Gestern ließen sich die Mitglieder des Braunkohlenausschusses und des Regionalrates Köln in Niederaußem den bereits bestehenden BoA-Block zeigen und über weitere Bauvorhaben informieren.
Rheinbraun-Vorstandsmitglied Johannes Lambertz erläuterte noch einmal das Kraftwerkserneuerungsprogramm und seine vom Unternehmen gewünschte Konzentration auf die Standorte Niederaußem und Neurath. Drei weitere BoA-Blöcke sollen in Niederaußem entstehen, fünf in Neurath. Dabei betonte Lambertz, dass aufgrund des höheren Wirkungsgrades nach der Kraftwerkserneuerung zwar mehr Strom produziert, aber nur die heutige Menge Braunkohle verfeuert werde. "Wir erweitern den Standort nicht, wir ersetzen nur die alten Blöcke."
Bei einer Rundfahrt erkundeten die Besucher die so genannten Vorhabensflächen. Die eine erstreckt sich östlich der Bundesstraße 477 über einige Hektar Ackerfläche, die im Wesentlichen auch erhalten bleiben soll. Sie wird eine Gleisschleife aufnehmen, die den Zügen der Kohlenbahn das Wenden ermöglicht. Westlich der Bundesstraße Richtung Auenheim sollen die weiteren Kraftwerksblöcke entstehen. Die denkmalgeschützten Mönchshöfe und der Verlauf des Gillbachs sollen dabei erhalten bleiben. Das Areal könne als Grünzone und Besucherzentrum genutzt werden, hieß es. Die Vorhabensflächen umfassen 163 Hektar, von denen die neuen Kraftwerksblöcke 36 Hektar einnehmen sollen.
Die Mitglieder des Regionalrates, die ursprünglich am 4. April über die Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans entscheiden sollten, werden in dieser Sitzung zunächst weitere Informationen einholen. Eine Entscheidung ist jetzt in der Sitzung am 23. Mai vorgesehen.

Mitspracherecht gefordert
Kölnische Rundschau
08.03.2003

STOMMELN - Die vier neuen von der RWE geplanten Kraftwerksbauten in Niederaußem verschatten schon jetzt die Gemüter der Stommelner Einwohner. Karl-Heinz Grebe, Ortsverbandsvorsitzender der CDU für Stommeln und Ingendorf, wandte sich deshalb in einem Brief an den Regierungspräsidenten Jürgen Roters.
In dem Schreiben widerspricht Grebe "nachdrücklich" der Behauptung von Kreisbehörde und Kraftwerksbetreibern, die Bürger Pulheims seien von dem Bau der vier Kraftwerksblöcke in Niederaußem nicht betroffen - deshalb habe Pulheim auch kein Mitspracherecht. "Die Einwohner von Stommeln und besonders von Ingendorf sind je nach Windrichtung schon jetzt von der Verschattung betroffen." Bei einem weiteren Ausbau nähme die Beeinträchtigung erheblich zu, schreibt Grebe und fordert, dass die Bevölkerung Pulheims "in die Entscheidungsfindung eingebunden wird".
Dieter Wesselow, CDU-Ratsmitglied aus Stommeln unterstreicht die Haltung Grebes, betont aber: "Wir sind nicht gegen technischen Fortschritt. Das neue BoA-Kraftwerksverfahren ist wesentlich sauberer und wirtschaftlicher. Allerdings wehren wir uns dagegen, dass es kein Mitspracherecht für unsere Bürger geben soll."
Bereits in der jüngsten Ratssitzung führte das Thema Kraftwerksbau Niederaußem zu Diskussionen. Auch Bürgermeister Karl August Morisse äußerte sich verärgert darüber, dass Pulheim ein Mitspracherecht verwehrt wurde.
Grebe hofft, dass die RWE einlenkt und die Bedenken der Bürger Pulheims ernstnimmt: "Es müssen ja nicht immer erst Bürgerinitiativen gebildet werden, damit man Gehör findet."

BoA-Block nach Störfall abgeschaltet.
Kölnische Rundschau
26.02.2003

BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Der BoA-Block im Kraftwerk Niederaußem musste am Samstag abgeschaltet werden. Gegen 3.40 Uhr in der Nacht trat im Kesselhaus ein Schaden an der Statik des Rauchkanalsystems auf. "Die Stützpfeiler sind eingeknickt", bestätigte RWE Rheinbraun-Pressesprecher Guido Steffen gestern auf Anfrage. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, auch habe es durch den Störfall keine Umweltschäden gegeben.
Der Kessel des BoA-Blocks sei sofort ausser Betrieb genommen worden, sagte Steffen. Die Reparaturarbeiten hätten sofort begonnen. Wie lange sie dauern werden, sei so nicht zu sagen.
"Wir hatten in Kürze eine längere Phase geplant, in der das Kraftwerk abgeschaltet werden sollte", sagte Steffen. Das Kraftwerk befinde sich zurzeit am Ende der Inbetriebnahmephase. In den vergangenen Monaten sei die neue Technik immer wieder unter verschiedenen Bedingungen getestet worden. Danach hätten die Kraftwerksplaner eine längere so genannte "Revision" vorgesehen, in der der Block abgeschaltet und noch einmal gründlich gewartet werden sollte.
"Es ist normal, dass neue Entwicklungen erstmal Kinderkrankheiten haben", meinte Guido Steffen gelassen. Der Störfall von vergangenen Samstag habe nun dafür gesorgt, dass die geplante Revision vorzeitig eingeleitet wurde.
Die Bürger von Niederaußem und Rheidt-Hüchelhoven waren auf den Störfall aufmerksam geworden, weil am Wochenende aus dem großen Kühlturm des BoA-Blocks ungewöhnlicher Weise kein Dampf aufgestiegen war. Wenn er wieder läuft, soll der BoA-Block im Normalbetrieb eine Leistung von 965 Megawatt ins Leitungsnetz einspeisen. Damit könne man, so die die Unternehmensangaben, 4,9 Millionen Menschen - jeden vierten Einwohner des Landes Nordrhein-Westfalen - mit Strom versorgen. Der BoA-Block hat 1,2 Milliarden Euro gekostet.

Im April kein Antrag für Blöcke.
Kölner Stadt-Anzeiger
22.02.2003

Die Entscheidung über weitere BoA-Blöcke soll vertagt werden.

NIEDERAUSSEM - Am Freitag, 4. April, so hatten viele erwartet, werde der Regionalrat darüber entscheiden, ob in das Verfahren zur Änderung des Gebietsentwicklungsplans (GEP) eingestiegen wird. Dieses Verfahren ist notwendig, damit RWE Rheinbraun in Niederaußem weitere Kraftwerksblöcke bauen darf. Nach Informationen des Grünen Reinhard Jütte und der CDU-Fraktion soll an diesem Tag aber noch kein Beschluss gefasst werden. "Das Unternehmen RWE Rheinbraun wird zurzeit keinen Antrag auf Änderung des GEP einreichen", berichtet CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried Kösters. Die Firma bestätigte das.
"Gute Nachbarschaft"
Das Unternehmen wolle erst den Regionalrat "umfangreich informieren und dann ins Verfahren einsteigen", sagte Sprecher Guido Steffen: "Wir wollen das Verfahren nicht durchpauken, sondern Einvernehmen mit den Leuten herstellen, denn wir brauchen eine gute Nachbarschaft über Jahrzehnte hinaus."
Das Votum der Menschen vor Ort sei klar, glaubt Kösters: "Keine Erweiterung des Kraftwerkes, keine Zustimmung zur Änderung des GEP." Kösters und Jütte sehen sich in ihrer Arbeit bestätigt. Jetzt gelte es zu klären, ob Alternativstandorte eine Chance hätten, ob man Blöcke in Niederaußem früher abschalten und ein Klimagutachten verlangen könne, sagte Jütte am Freitag. Kösters: "Jetzt gilt es, unsere Vorstellungen auf regionaler und auf Landesebene mehrheitsfähig zu machen. Das wird schwer genug."
Für den FDP-Kreisverband Erft erklärte Horst Engel, es sei Ziel der FDP, am Standort Niederaußem noch weitere Betriebe anzusiedeln, damit die durch den Kraftwerksdampf entweichende Energie besser ausgenutzt werden könne. Wenn sich dort Betriebe ansiedelten, die die restliche Energie aus dem heißen Wasserdampf nutzen könnten, würden letztlich auch die Schwaden aus den Kühltürmen kleiner. Dazu sagte Steffen: "Eine solche Form von Kraft-Wärme-Kopplung ist zwar denkbar, aber dafür müsste das Kraftwerk mit völlig anderen Turbinen ausgestattet werden, und wir brauchten einen Industriebetrieb, der auch den Dauerverbrauch sicherstellt." Die FDP ist dafür, das Kraftwerkserneuerungsprogramm an mehr als nur den beiden Standorten Niederaußem und Neurath umzusetzen. Die Menge der in Niederaußem eingesetzten Kohle und die Kraftwerksschwaden müssten "langfristig" auf das Niveau vor dem Bau von BoA I begrenzt werden, forderte Engel.

Regionalrat vertagt BoA-Entscheidung.
Kölnische Rundschau
22.02.2003

Der Widerstand gegen weitere BoA-Blöcke in Niederaußem zeigt Wirkung. Die Tagesordnung des Regionalrates für den 4. April sieht nicht mehr die Einleitung einer Änderung des Gebietsentwicklungsplanes (GEP) vor.
Stattdessen will das Unternehmen RWE Rheinbraun den Politikern noch einmal das gesamte Kraftwerkserneuerungsprogramm im Detail erläutern. - Aufgehoben ist nicht aufgeschoben: Gleich im Anschluss an die Sitzung wird Rheinbraun den Antrag zur GEP-Änderung stellen.
Unternehmenssprecher Guido Steffen räumt ein, dass "Rheinbraun sehr viel Gegenwind bekommen hat". Deshalb werde zunächst das Gespräch gesucht. "Seit vielen Jahrzehnten pflegen wir gute Nachbarschaft zu den Anwohnern rund um das Kraftwerk Niederaußem. Das soll auch in Zukunft so bleiben."
CDU und Grüne im Bergheimer Stadtrat werten die Absetzung des Tagesordnungspunktes im Regionalrat als ihren Erfolg. Jetzt gelte es, so CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Kösters, die Position auf Regional- und Landesebene mehrheitsfähig machen. Reinhard Jütte (Grüne) will erreichen, dass Klimaauswirkungen beschrieben und andere Standorte geprüft werden.

CDU-Chefs sind nun wieder einig.
Kölnische Rundschau
19.02.2003

BERGHEIM / BEDBURG - Die Unstimmigkeiten über die Standortalternative weiterer BoA-Blöcke in Kirchherten zwischen dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden von Bergheim, Winfried Kösters, und seinem Bedburger Kollegen Norbert Michels konnten nun ausgeräumt werden. Kösters zeigte Verständnis für die Verärgerung seines Bedburger CDU-Kollegen. Bei der Standortalternative handele es sich lediglich um eine Anregung der Bürgerinitiative Rheidt-Hüchelhoven, betonte Kösters. Zudem seien die Mitglieder des Arbeitskreises und er selbst im Vorfeld nicht informiert worden.
Einig sind sich Michels und Kösters, dass es in Zukunft kein Gegeneinander von Bedburg und Bergheim geben dürfe. "Der Wunsch der Bergheimer, die Konzentration der BoA-Blöcke in Niederaußem abzuwenden, findet auch bei uns Verständnis", sagte Michels. Damit ist nun der ursprünglich entstandene Eindruck, dass die Bergheimer eine Lösung alleine auf Kosten der Bedburger favorisieren, vom Tisch. Beide wollen zukünftig gemeinsam innerhalb der CDU und in Gesprächen mit RWE / Rheinbraun eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung finden. Dazu stehen in nächster Zukunft mehrere Gespräche auf der Tagesordnung.

Jetzt kommt Protest aus Bedburg.
Kölner Stadt-Anzeiger
18.02.2003

Bedburger CDU fühlt sich vom Arbeitskreis "BoA-Planung" übergangen.

BERGHEIM / BEDBURG - Auf gemeinsamen Antrag aller Fraktionen ist der Tagesordnungspunkt "Sicherung des Kraftwerksstandortes Niederaußem" gestern in Hauptausschuss und Rat vertagt worden. CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried Kösters erinnerte daran, dass eine Stadt in dem Genehmigungsverfahren für weitere BoA-Blöcke "kaum Mitentscheidungsmöglichkeiten" habe. Äußerungen der Landesregierung gäben allerdings zu der Vermutung Anlass, dass "lokale Probleme nicht so entscheidend" für den Bau weiterer Kraftwerke seien. Die von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Standortalternative für weitere BoA-Blöcke bei Bedburg-Kirchherten solle nicht beschlossen, sondern zunächst mit RWE besprochen werden. Kösters: "Wir wollen im Dialog bleiben." Das sei auch Meinung der SPD, sagte Willi Abts, der den erkrankten SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Wolle vertrat. Am Rande der Sitzung erklärte Abts, warum er für den Beschluss des Arbeitskreises BoA-Planung gestimmt hatte, der beinhaltet, nicht ins Planverfahren einzusteigen. Der Beschluss sehe aber auch vor, dass der Alternativstandort im Regionalrat diskutiert wird. Abts: "Deshalb habe ich zugestimmt."

"Keine Konzentration!"
Vor der Sitzung nahm Kösters noch zu einer Äußerung des anderen stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden, Helmut Tillmanns, Stellung. Der hatte der CDU vorgeworfen, das Kraftwerk Niederaußem bis auf einen BoA-Block abbauen lassen zu wollen. Kösters dementierte das: "Wir wissen auch, dass ein einzelner BoA-Block nicht wirtschaftlich ist. Unser Motto lautet: "BoA ja - Konzentration nein". Wenn Blöcke abgebaut worden sind, dann kann auch wieder etwas Neues kommen. Bevor man schon jetzt über weitere Blöcke nachdenkt, muss man über eine Entlastung der umliegenden Orte nachdenken."
Scharfe Kritik kam aus Bedburg. CDU-Vorsitzender Norbert Michels ist "unangenehm überrascht" von dem Vorschlag, weitere BoA-Blöcke bei Kirchherten zu bauen. So könne man unter Nachbarn einfach nicht miteinander umgehen: "Jetzt einfach Kirchherten ins Gespräch zu bringen, verlagert das Problem nur." Das Gebiet liege in der Nähe des Landschaftsschutzgebiets Rübenbusch: " Das ist einer von wenigen Waldstreifen und eines der wenigen Gebiete in Bedburg, die bisher vom Bagger unberührt sind." In Bedburg würden Rat und Verwaltung das Problem mit den betroffenen Bürgern in Bedburg-Rath diskutieren. Zunächst solle RWE die Planung in Niederaußem vorstellen. Dann könne in Abstimmung mit allen Betroffenen - "und dazu gehören alle Nachbargemeinden" - eine Meinungsbildung erfolgen.

Kraftwerk bei Kirchherten?
Kölner Stadt-Anzeiger
15.02.2003

Bürger und RWE Rheinbraun haben miteinander gesprochen, aber sie sind sich nicht wirklich näher gekommen.

BERGHEIM / BEDBURG - Am Donnerstag trafen sich die Mitglieder des Arbeitskreises "BoA-Planung" zum dritten und letzten Mal, um eine Stellungnahme für Hauptausschuss und Rat, die am kommenden Montag, 15 Uhr, im Rathaus tagen, zu verabschieden. Die Vertreter aus Bürgerschaft und Parteien lehnten jede Planung weiterer Kraftwerksblöcke in Niederaußem ab. Gegen die Stimmen der Vertreter von RWE Rheinbraun lautete der Beschluss des Arbeitskreises bei einer Enthaltung: "Der Arbeitskreis empfiehlt dem Rat, der Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes nicht zuzustimmen."
Stattdessen schlugen Hans-Joachim Gille und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative gegen den BoA-Ausbau einen Alternativ-Standort vor. Mit Bussen fuhr der Arbeitskreis zu dem Gelände nördlich der ehemaligen Nato-Anlage bei Kirchherten in der Nähe von Kaiskorb und dem Jackerather Autobahnkreuz. Dort, so Gille, könne man ein Kraftwerk bauen, ohne dass Dörfer durch Wasserschwaden verschattet würden. Zwischen fünf und sieben Kilometer seien die Orte entfernt, in deren Richtung die Schwaden zumeist zögen. Außerdem verlaufe im angrenzenden Tagebau Garzweiler die Bandanlage, so dass der Kohletransport kein Problem darstelle. In Bedburg zu bauen, würde nur fünf Prozent mehr kosten, schätzt Gille.
RWE-Rheinbraun-Sprecher Guido Steffen: "Wir haben viele Standorte sehr gründlich geprüft. Die bestehenden haben den Vorteil, dass die Infrastruktur dort vorhanden ist, wie etwa Wasser-, Kohle- und Ascheentsorgung oder Höchstspannungsleitungen. Standorte auf der grünen Wiese sind im Vergleich nicht rentabel." Die "goldenen Zeiten" seien ohnehin vorbei: "Wir bauen ja nicht ohne Grund so viel Personal ab und sparen an allen Ecken."
Die CDU stehe hinter dem Beschluss des Arbeitskreises, weil es für die Menschen in der Umgebung des Kraftwerks "unzumutbar" sei, noch weitere Blöcke zu errichten, erklärte Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried Kösters. Der Grüne Reinhard Jütte fordert sogar, dass man RWE auffordern solle, schon jetzt die beiden alten 150-Megawatt-Blöcke in Niederaußem für BoA I abzuschalten. Die Standortalternative soll dem Regionalrat und der Bezirksregierung zugeleitet werden.
Anders sieht es Helmut Tillmanns von der SPD-Fraktion. Die SPD werde die Empfehlung "sicherlich mit berücksichtigen", wolle sich aber nicht daran beteiligen, in anderen Gemeinden Plätze für Kraftwerke zu suchen. Die SPD sei nicht für eine Erweiterung in Niederaußem, "aber auch nicht gegen eine Erneuerung des Kraftwerkes", sagte Tillmanns: "Es gibt dabei viele Interessen zu berücksichtigen wie Verkehr und Immissionen, aber keineswegs folgen wir dem CDU-Vorschlag, nur BoA I dort stehen zu lassen und den Rest stillzulegen. Wir wollen neu für alt. Es darf keine Mehrbelastung der Bürger geben."

BoA bleibt Zankapfel in Niederaußem.
Kölner Stadt-Anzeiger
01.02.2003

Im Interessenkonflikt zwischen RWE und den Kraftwerksnachbarn ist ein Kompromiss in weite Ferne gerückt.

BERGHEIM - Ernüchtert kehrte Hans-Joachim Gille von der Bürgerinitiative aus Rheidt-Hüchelhoven vom zweiten Treffen des Arbeitskreises "BoA-Planung" zurück: "RWE Rheinbraun hat keine Alternativstandorte für BoA-Blöcke aufgezeigt." Es bleibe dabei, dass die Kraftwerkskapazitäten in Neurath und Niederaußem zusammengezogen werden sollen. Andere Möglichkeiten seien nicht rentabel, weil etwa Bahnlinien und Straßentrassen verlegt werden müssten, hatte der Konzern verlauten lassen. Für Gille sind jetzt die Fronten klar: "RWE will zusätzliche BoA-Blöcke in Niederaußem, wir nicht."
Gille weiß sich in Gesellschaft. Dr. Winfried Kösters, Vorsitzender der Bergheimer CDU-Fraktion, erhielt am Donnerstagabend viel Applaus von den Bürgern im Rheidt-Hüchelhovener Pfarrzentrums, als er sagte: "Niederaußem hat mit dem Bau des ersten BoA-Blockes seinen Anteil an der Energiegewinnung in Deutschland geleistet." Beim Kraftwerks-Modernisierungsprogramm sei keine Konzentration der Standorte vereinbart worden, sagte Kösters: "Der Standort Niederaußem verträgt keinen weiteren BoA-Block. Wir müssen uns über Standortalternativen unterhalten und sonst über gar nichts mehr."
Ulrich Martin von der UBB / FDP-Fraktion machte einen Vorstoß in die gleiche Richtung. Warum könne RWE Rheinbraun nach dem zweiten BoA-Block nicht auch noch den dritten im Grevenbroicher Stadtteil Neurath bauen? Grevenbroich werde doch durch den kompletten Abbruch des Frimmersdorfer Kraftwerks weitaus stärker entlastet als Bergheim, was Emissionen und Dampfschwaden angehe. Dr. Frank Drake von RWE signalisierte Verständnis: "Ich sagte ja schon, dass es nicht gesetzt ist, dass der dritte BoA-Block nach Niederaußem kommt. Vielleicht kommt man auch angesichts der von Ihnen hier geschilderten Tatsachen zu dem Schluss, ihn in Neurath zu bauen."
Eine Umsiedlung Auenheims ist laut Gilles jedenfalls kein Thema mehr: "Wir wollen hier keinen weiteren BoA-Block. Dann brauchen wir auch keine Umsiedlung."

BoA-Pläne sorgen für Zündstoff.
Kölner Stadt-Anzeiger
25.01.2003

Der Fraktionsvorsitzende wirft dem Ortsvereinsvorstand Unkenntnis vor.

NIEDERAUSSEM - Der SPD-Ortsverein Außem lehnt eine Erweiterung des Kraftwerksstandortes Niederaußem ab, schreibt Vorsitzender Wolfgang Sewelies. Insbesondere die Bürger Auenheims, Nieder- und Oberaußems erwarteten den "zügigen Abbau von Alt-Anlagen" in Niederaußem. Durch die Akzeptanz des ersten BoA-Blockes sei die Bevölkerung "dem Energieerzeuger gegenüber bereits in Vorleistung getreten". Die SPD Außem sei aber "prinzipiell" nicht gegen eine Erneuerung der Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier, denn die führe "in der Regel zur Senkung von Schadstoffemissionen".
In einem Schreiben an SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Wolle beklagt Sewelies, dass Wolle eine Anfrage des Ortsvereins zur BoA-Erweiterung unbeantwortet gelassen haben soll. Außerdem will er von Wolle wissen, wie er als Mitglied im Regionalrat über die für die BoA-Erweiterung notwendige Änderung des Gebietsentwicklungsplanes abstimmen wird: "Siehst Du dich persönlich als Mitarbeiter des RWE-Konzerns als befangen in dieser Angelegenheit an?"
Wolle sagte dazu: "Diese Fragen sind unsachlich und darauf ausgerichtet, mich in eine bestimmte Ecke zu drücken. Ich stelle mich der Angelegenheit aber sachlich." Am Freitag habe er der SPD-Fraktion im Regionalrat in Köln die Lage in Niederaußem geschildert. Die nächste Fraktionssitzung werde in Bergheim stattfinden. Auch die SPD-Abgeordneten aus dem Kreistag und dem Stadtrat würden daran teilnehmen. Am 14. März werde man den BoA-Block besichtigen und auch mit der Bürgerinitiative aus Rheidt-Hüchelhoven sowie den Planungsbehörden sprechen, berichtete Wolle: "Das ist meine Art, mit diesen Fragen umzugehen. Die Äußerungen des Ortsvereinsvorstandes Außem sind hingegen gekennzeichnet von Unkenntnis. In der Regionalratssitzung am 4. April geht es nicht um einen Beschluss über den Gebietsentwicklungsplan, sondern nur um die Einleitung eines Verfahrens, an dessen Ende erst ein Beschluss steht."
Die Stadtverwaltung teilte mit, dass der öffentliche Arbeitskreis "BoA-Planung" am Donnerstag, 30. Januar, um 18 Uhr im Pfarrheim St. Michael an der Nikolaus-Adams-Straße 29 in Rheidt-Hüchelhoven zusammentreten wird. RWE Rheinbraun werde zu Fragen wie Standortkonzentration und Umsiedlung Auenheims Stellung nehmen.

Der Protest zeigt Wirkung.
Kölner Stadt-Anzeiger
18.01.2003

Noch konnten sich Bürger und RWE Rheinbraun auf keine Lösung einigen.

AUENHEIM - Über die Landstraße 279 n hinweg will Rheinbraun RWE das Niederaußemer Kraftwerk nun nicht mehr ausdehnen. Überhaupt heiße die Devise nicht mehr "Erweiterung", sondern "Erhalt" des Kraftwerks, betonte Dr. Frank-Detlef Drake, Abteilungsleiter Kraftwerksplanung bei RWE Rheinbraun. Ursprünglich seien fünf BoA-Blöcke in Niederaußem geplant gewesen, jetzt setze RWE Rheinbraun auf "neu für alt". Zurzeit stimmt diese Rechnung noch nicht, denn durch BoA I wird zumindest in den nächsten neun Jahren mehr Kohle in Niederaußem verbrannt als bisher.
"Ja, es gibt Überlappungen", räumte Drake ein. Wie viele BoA-Blöcke schlussendlich in Niederaußem stehen sollen, ließ er auf der ersten Sitzung des städtischen Arbeitskreises "Planung BoA" am Donnerstagabend im Auenheimer Ordenshof offen, aber: "Ich habe heute Bürgermeister Peters mitgeteilt, dass wir uns an die vom Rat gewünschte Input-Begrenzung halten und nicht mehr Kohle im neuen Niederaußemer Kraftwerk verbrennen wollen, als im alten Kraftwerk ohne den neuen BoA-Block verbrannt worden ist." Außerdem sicherte Drake zu, den Raum, in dem die Auswirkungen möglicher Kraftwerksneubauten auf die umliegenden Dörfer untersucht werden, von 1500 auf 2000 Meter Radius rund um die geplante Baustelle zu erweitern: "Damit ist Rheidt-Hüchelhoven einbezogen."
Obwohl RWE Rheinbraun damit von seiner ursprünglichen Position abgerückt ist, gibt es noch kein Einverständnis bei den Bürgern, wie Hans-Joachim Gille vom Stadtteilforum Rheidt-Hüchelhoven deutlich machte: "Durch den höheren Wirkungsgrad holen sie doch mehr Strom aus der Kohle. Ein BoA-Block und zwei 600 Megawattblöcke reichen für Niederaußem. Das ist neu für alt." Auch Niederaußems Ortsvorsteher Rolf Kremer (CDU), der die Versammlung leitete, sieht es ähnlich: "Weitere BoA-Blöcke wollen die Bürger nicht."
Drake betonte, Reihenfolge und Orte der Kraftwerksneubauten seien nicht mit dem Land abgestimmt. Seit dem Jahr 2000 seien 120 Varianten für Kraftwerksneubauten geprüft worden, Ende 2001 sei die gewünschte Konzentration auf die Standorte Neurath und Niederaußem erstmals öffentlich verkündet worden. Stadtplaner Joachim Heidemann widersprach, die Stadt sei erst im Sommer 2002 informiert worden. Nach den Sommerferien habe man das Thema der Politik vorgestellt. CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Winfried Kösters hingegen betonte, er habe von den RWE-Plänen erst im November erfahren.
Dieter Hunke erklärte für die Dorfgemeinschaft Niederaußem: "Wenn ich sehe, dass RWE große Landkäufe tätigt, dann müssen doch im Rathaus die Alarmglocken klingeln." Drake sagte, Landkäufe seien "in der Diskussion", es seien nur "erste Gespräche" geführt worden. Etwa ein Drittel der benötigten Baufläche für weitere BoA-Blöcke gehöre RWE. Klaus Gülden, Ortsvorsteher von Auenheim (SPD), sprach für die Menschen aus seinem Dorf: "Wir sind seit 35 Jahren großen Belastungen ausgesetzt. Wenn rund um unsere Häuser neue BoA-Blöcke entstehen sollen, dann fordern wir unsere Umsiedlung." Auch Ulrich Martin von der UBB / FDP betonte, es sei gerechter, das Kraftwerk Neurath in der ersten Phase des bis 2030 laufenden Kraftwerkserneuerungsprogrammes stärker auszubauen als das Niederaußemer.
Doch bisher hat RWE andere Pläne: 2008 soll BoA II in Neurath laufen, 2012 BoA III in Niederaußem. Stillgelegt werden aber bis dahin in Niederaußem nur zwei "kleine" 150 MW-Blöcke, dafür aber zwölf in Frimmersdorf und zwei in Weisweiler. Bei der nächsten Sitzung des Arbeitskreises soll RWE Alternativstandorte für neue Kraftwerke aufzeigen.

Düsseldorf hat das letzte Wort.
Damit RWE Rheinbraun in Niederaußem neue Kraftwerksblöcke bauen kann, muss die Firma Grundstücke kaufen oder pachten. Weiterhin braucht sie als erstes zusätzlich eine Zustimmung zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes. Diese Entscheidung wird im Regionalrat gefällt, der die Verfahrensherrschaft über den Gebietsentwicklungsplan hat. Der Regionalrat besteht aus demokratisch gewählten Vertretern aus den Kommunen des Regierungsbezirkes. In der Sitzung am Freitag, 4. April, steht in Köln das Thema "BoA in Niederaußem" auf der Tagesordnung.
Seit 1994 gibt es unabhängig davon eine Vereinbarung zwischen Rheinbraun, RWE und der Landesregierung. Darin wird RWE Rheinbraun gestattet, den Tagebau Garzweiler II auszukohlen, wenn die Firma den Kraftwerkspark modernisiert. Wo die effizienteren BoA-Blöcke allerdings gebaut werden, ist nicht vereinbart.
Wenn die Beschlüsse des Regionalrats dem Landesentwicklungsplan widersprechen, kann das Ministerium für Verkehr, Energie und Landsplanungen feststellen, dass der Regionalrat den Gebietsentwicklungsplan innerhalb angemessener Fristen ändern muss. Geschieht das nicht, kann das Ministerium die Planung "ganz oder teilweise selbst durchführen".

CDU gegen BoA.
Kölnische Rundschau
16.01.2003

KÖLN / BERGHEIM - Die CDU-Fraktionen im Regionalrat und im Bergheimer Stadtrat sind sich einig, dass den Anwohnern ein weiterer BoA-Block am Kraftwerk Niederaußem nicht zugemutet werden kann. "An diesem Standort ist die Belastungsgrenze erreicht worden", heißt es in einer Presseerklärung der CDU-Fraktion im Regionalrat Köln.
Am 4. April steht der Antrag auf Änderung des Gebietsentwicklungsplanes zugunsten der neuen BoA-Planung auf der Tagesordnung des Regionalrates. Eine Zustimmung der CDU-Fraktion zu diesem Antrag ist nicht zu erwarten. Die Christdemokraten haben die absolute Mehrheit im Regionalrat.
In Vorbereitung der Sitzung im April werden die Mitglieder des Regionalrats am Freitag, 14. März, zu einem Ortstermin nach Niederaußem kommen.

 

Ansprechpartner vor Ort

Rheidt / Hüchelhoven
Georg Keulertz; 02183-413030
Hans-Joachim Gille; 02183-7231

Auenheim
Wolfgang Sewelies; 02271-55789
Bedburg- Rath
Herbert Förster; 02272-918990

Büsdorf
Dr. Ruth Hausmann, 0171-2427240

Fliesteden
zur Zeit keine Kontaktperson
Glessen
Michael Broetje; 02271-52577
Oberaußem
zur Zeit keine Kontaktperson
Niederaußem
Dieter Hunke; 02271-52577
Stommelerbusch
Rolf Dohm; 0172-9356854
E-Mail info@bi-bigben.de

www.PunktumPunkt.de