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Pressestimmen 2005

Hier finden Sie einige Pressestimmen zum RWE-Konzern, zum BoA-Kraftwerk und zu unserer Bürgerinitiative Big BEN. Wir haben zusammengetragen was an Veröffentlichungen zu finden war. Auffallend ist dabei, dass das Unternehmen RWE nicht nur Strom produziert sondern auch fasst ausnahmslos negative Schlagzeilen.

29.12.2005 RWE baut neues BoA-Kraftwerk in Neurath Kölnische Rundschau
14.12.2005 RWE will Uraltmasten nicht auswechseln Netzzeitung.de
14.12.2005 Tausende Strommasten aus der Vorkriegszeit SPIEGEL
14.12.2005 Laut RWE Strommasten aus der Vorkriegszeit Kölnische Rundschau
13.12.2005 RWE früher informiert? Kölnische Rundschau
11.12.2005 RWE-Chef räumt Fehler ein Kölnische Rundschau
10.12.2005 CO2-Endlager gesucht DIE TAZ, Berlin
10.12.2005 RWE muss mit Kontrolle rechnen Kölner Stadt-Anzeiger
06.12.2005 RWE bestreitet Mitschuld Wdr.de
06.12.2005 RWE Power will fünf Milliarden Euro investieren Kölner Stadt Anzeiger
05.12.2005 Protest auf dem Kühlturm Greenpeace.de
05.12.2005 Poltik und Justiz erhöhen Druck auf RWE Kölnische Rundschau
03.12.2005 RWE waren Sicherheitsrisiken bekannt Netzzeitung.de
03.12.2005 RWE wusste von Materialmängeln Kölner Stadt-Anzeiger
01.12.2005 RWE Power will Abfall verfeuern Kölnische Rundschau
01.12.2005 RWE will auch im zweiten Kessel Müll verbrennen Kölner Stadt-Anzeiger
29.11.2005 100 Mio. Euro Schaden, Kritik an RWE n-tv.de
28.11.2005 Schneesturm lässt RWE kalt Boerse.ARD.de
28.11.2005 RWE kappt erneut die Leitungen Kölnische Rundschau
28.11.2005 RWE lehnt Schadensersatz strikt ab Kölnische Rundschau
28.11.2005 RWE soll für Schäden bei Stromausfällen haften Kölnische Rundschau
25.11.2005 Rheinisches Braunkohle-Revier ist größte CO2-Schleuder Europas Epo.de
16.11.2005 RWE steigert Gewinn Kölnische Rundschau
16.11.2005 RWE profitiert von höheren Strompreisen Kölner Stadt-Anzeiger
16.11.2005 RWE hält an Plänen zu Strompreiserhöhungen fest Kölnische Rundschau
08.11.2005 RWE npower erwirbt Great Yarmouth Power Boerse.de
08.11.2005 RWE kauft britisches Kraftwerk für 155 Mio GBP Finanztreff.de
08.11.2005 RWE gibt globales Engagement im Wasserbereich auf epo.de
08.11.2005 Verkauf der Wassersparte für RWE Befreiungsschlag DIE WELT
07.11.2005 RWE darf Klimakiller genannt werden News-Aktuell
04.11.2005 RWE leitet Kehrtwende ein Kölner Stadt-Anzeiger
04.11.2005 RWE braucht kein Wasser mehr Boerse.ARD.de
29.10.2005 Störung im BoA-Block Kölner Stadt-Anzeiger
29.10.2005 Bürger fordern Meßstation Kölner Stadt-Anzeiger
26.10.2005 RWE versteigert Kraftwerkskapazität in Internetauktion Frankfurter Allgemeine
26.10.2005 Argumentationshilfe RWE gegen den Atomausstieg Die Zeit.de
14.10.2005 Geisterdorf Otzenrath: Jetzt kommen die Plünderer EXPRESS
06.10.2005 Studien gegen Dreckschleudern taz NRW
04.10.2005 Dreckschleuder Frimmersdorf WDR-Aktuell
01.10.2005 Trittin wirft Eon und RWE "Abzocke" vor Kölner Stadt-Anzeiger
20.08.2005 RWE zensiert die Braunkohle-Geschichte des Marienfelds Umweltjournal
20.08.2005 Kartellamt prüft Strompreis-Beschwerden Tagesschau.de
19.08.2005 Trittin fordert Rechenschaft von RWE Financial Times
19.08.2005 Teurer Strom SPIEGEL
16.08.2005 Kleiner Laden gegen RWE-Pläne Kölnische Rundschau
12.08.2005 RWE profitiert von hohen Stromtarifen Kölner Stadt-Anzeiger
11.08.2005 RWE verteidigt gestiegene Strompreise Deutsche Presseargentur
11.08.2005 RWE für längere Laufzeiten der Kernkraftwerke Kölnische Rundschau
22.07.2005 Großbrand legt gesamtes Kraftwerk lahm Kölner Stadt Anzeiger
06.07.2005 Greenpeace protestiert gegen RWE-Kraftwerksneubau Kölnische Rundschau
23.06.2005 Bezirksregierung genehmigt Kraftwerksneubau Neurath Kölner Stadt-Anzeiger
19.06.2005 RWE dämpft Hoffnungen auf sinkende Strompreise Kölner Stadt-Anzeiger
20.05.2005 Wer hilft im Kampf gegen BoA-Pläne Kölnische Rundschau
16.04.2005 RWE baut Pilotanlage am BoA-Block Kölnische Rundschau
06.04.2005 Naturschützer und RWE weiter uneins Kölner Stadt-Anzeiger
04.04.2005 Feinstaubbelastung irrelevant Neuss-Grevenbroicher Zeitung
04.04.2005 Mit dem Staub packen wir sie Kölnische Rundschau
02.04.2005 Nicht besser als die alten Blöcke?! Kölner Stadt-Anzeiger
02.04.2005 59 Einwendungen gegen neuen BoA-Block Kölnische Rundschau
31.03.2005 Viele Fragen an die drei Politiker Kölnische Rundschau
10.03.2005 RWE zahlt 400 000 Euro Abfindung an Meyer Kölner Stadt-Anzeiger
25.02.2005 Gute Aussichten für Revier Kölnische Rundschau
24.02.2005 Aktionsbündnis gegen BoA lädt Politiker ein Kölnische Rundschau
24.02.2005 RWE plant hohe Investitionen Kölner Stadt-Anzeiger

RWE baut neues BoA-Kraftwerk in Neurath
Kölnische Rundschau, Online Ausgabe
29.12.2005

RHEIN-ERFT-KREIS. Mehr als zwei Milliarden Euro will RWE Power in den kommenden Jahren in die Region investieren. In Neurath soll ein Doppelblock eines Braunkohlenkraftwerkes mit optimierter Anlagetechnik (BoA) errichtet werden. In Niederaußem wird für 40 Millionen Euro eine Pilotanlage zur Kohlentrocknung entstehen, die den Wirkungsgrad des BoA-Blocks weiter steigern soll.
Zwei neue Gesichter im RWE-Power-Vorstand: Im Februar nimmt Jan Zilius als Nachfolger von Gert Maichel den Chefsessel ein. Der 58-jährige Jurist, der auch im Vorstand der RWE Holding sitzt, ist im Revier kein Unbekannter. Von 1990 bis 1998 gehörte er dem damaligen Rheinbraun-Vorstand als Arbeitsdirektor an. Diesen Posten hat nun im Power-Vorstand wiederum ein Rheinbraun-Urgestein inne. Erwin Winkel, viele Jahre Gesamtbetriebsrats-vorsitzender der Rheinbraun, wird im Juli in die Chefetage berufen.

Grünes Licht für BoA II in Neurath gibt der RWE-Vorstand im September. Die Baugenehmigung hat die Bezirkregierung Düsseldorf bereits im Juni erteilt. Zum Leidwesen der Umweltschützer.

Greenpeace-Vertreter sind bei der öffentlichen Anhörung im April noch zuversichtlich, die Genehmigung verhindern zu können. Als dies nicht gelingt, verschärft die Organisation den Protest. In einem Infocenter in Grevenbroicher Einkaufszentrum "Montanushof" machen die Gegner seit August ständig Stimmung gegen BoA und die gesamte Verstromung der Braunkohle. Und am Tag der Barbara-Feier in Paffendorf steigen am 5. Dezember Aktivisten dem Konzern aufs Dach. Eine Woche lang hält eine 30-köpfige Gruppe einen Kühlturm in Neurath besetzt. "Lebensgefährlich und rechtswidrig", kommentiert das Unternehmen. "Klimakiller" zischen die Umweltschützer.

RWE will Uraltmasten nicht auswechseln
Netzzeitung.de, Wirtschaft
14.12.2005

Obwohl jeder vierte Hochspannungs- Strommast von RWE schon vor dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurde, will das Unternehmen sie nicht komplett austauschen.
Solche Altmodelle seien überall in Europa im Einsatz.


Der Energiekonzern RWE hat eingeräumt, dass ein großer Teil seiner im Hochspannungsnetz eingesetzten Strommasten vor dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurde. Wie das Unterneh-men auf Anfrage der "Berliner Zeitung" bestätigte, wurden 10.300 der rund 44.000 Masten noch vor 1939 errichtet. Der Konzern plane indes keinen generellen Austausch dieses Altbestandes. Lediglich jene Anlagen, die extremen Zugbelastungen nicht mehr standhalten, sollen ausge-wechselt werden, berichtet das Blatt weiter. Das betreffe jedoch nur Masten, die vor 1930 aufgestellt wurden. Alle jüngeren Anlagen gelten dem Stromkonzern grundsätzlich als sanierungsfähig. RWE verweist zudem darauf, dass Anlagen mit ähnlich langer Nutzungsdauer auch bei anderen Unternehmen anzutreffen seien: "Vorkriegsmasten sind in ganz Europa in großer Zahl anzutreffen", zitierte das Blatt unternehmensinterne Unterlagen.

Mittel- und Niedrigspannungsnetze betroffen

Dem Bericht zufolge besteht indes bei allen Masten, die vor 1968 errichtet wurden, Bruchgefahr. Bei den aus so genanntem Thomas-Stahl hergestellten Anlagen waren bei einer Analyse Mitte der 90er Jahre Materialmängel festgestellt worden, die aus einem zu hohen Stickstoffgehalt resultieren. Dies könne zu Versprödungen führen und war Ursache der Mastumbrüche Ende November im Münsterland, als nach dem Wintereinbruch rund eine Viertelmillion Menschen tagelang keinen Strom mehr hatte.

Überdies seien Mastanlagen aus Thomas-Stahl nicht nur im Hochspannungsbereich eingesetzt worden, heißt es in dem Berliner Blatt. Auch im Mittel- und Niedrigspannungsnetz der Stromkonzerne seien solche mängelbehafteten Strommasten eingesetzt worden. Wie viele Anlagen im Mittel- und Niedrigspannungsnetz saniert werden müssen, sei indes nicht bekannt, hieß es.

Tausende Strommasten aus der Vorkriegszeit
SPIEGEL ONLINE
14.12.2005

Erst hieß es, der massive Stromausfall kürzlich im Münsterland sei Folge einer Art Naturkatastrophe gewesen, die Energiekonzerne treffe keine Schuld. Jetzt räumt RWE ein: Ein Großteil der 44.000 Strommasten seines Hoch- und Höchstspannungsnetzes wird bereits seit mehr als 65 Jahren genutzt.

BERLIN - Wie der Konzern auf Anfrage der "Berliner Zeitung" einräumte, wurden 10.300 der derzeit genutzten Hochspannungs-Masten bereits vor 1940 errichtet. Auch nach den Mastbrüchen im Münsterland, durch die kürzlich mehr als 200.000 Menschen mehrere Tage lang von der Stromversorgung abgeschnitten wurden, plane der Konzern offenkundig keinen Komplettaustausch dieses Alt-Bestandes.

Strommasten aus der Vorkriegszeit

Wie RWE erklärte, würden nur solche Alt-Masten ausgetauscht, die "nicht torsionssicher" seien, also extremen Zug-Belastungen eventuell nicht mehr standhalten würden. Wie aus internen RWE-Unterlagen hervorgehe, betreffe diese Austauschregelung im Wesentlichen nur jene Strommasten, die vor 1930 errichtet wurden, berichtet die Zeitung.

Der Rest gelte zunächst einmal als grundsätzlich sanierungsfähig. Nach Angaben des Konzerns handelt es sich bei der extrem langen Nutzung der Alt-Masten nicht um "ein RWE-Spezifikum". Bei anderen Unternehmen würden ähnlich lange Nutzungszeiten gelten: "Vorkriegsmasten sind in ganz Europa in großer Zahl anzutreffen."

Wie die Zeitung weiter berichtet, wurde der unter einem erhöhten Bruchrisiko stehende Thomas-Stahl von den Stromkonzernen in großem Stil auch bei der Herstellung von Strommasten für die regionalen Mittel- und Niederspannungsnetze eingesetzt. Während RWE für das Hochspannungsnetz schon 2003 ein mit 550 Millionen Euro dotiertes Sanierungsprogramm aufgelegt hat, habe das Unternehmen wie auch die anderen Stromkonzerne derzeit noch keinen Überblick darüber, wie viele Masten der Mittel- und Niederspannungsnetze wegen des erhöhten Bruchrisikos saniert oder erneuert werden müssen und wie teuer dies wird.

Laut RWE Strommasten aus der Vorkriegszeit
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
14.12.2005

DORTMUND - Ein großer Teil der 44 000 Strommasten des RWE- Hoch- und Höchstspannungsnetzes wird bereits seit mehr als 65 Jahren genutzt. Wie der Konzern auf Anfrage der "Berliner Zeitung" einräumte, wurden 10 300 der derzeit genutzten Hochspannungs-Masten bereits vor 1940 errichtet. Auch nach den Mastbrüchen im Münsterland, durch die kürzlich mehr als 200 000 Menschen mehrere Tage lang von der Stromversorgung abgeschnitten wurden, plane der Konzern offenkundig keinen Komplettaustausch dieses Alt-Bestandes.

RWE früher informiert?
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
13.12.2005

DÜSSELDORF - Der Stromkonzern RWE war laut einem Zeitungsbericht schon 1994 über eine erhöhte Bruchgefahr bei älteren Strommasten informiert. Das geht nach Informationen der "Berliner Zeitung" aus Werkstoffanalysen hervor, die der Konzern nach Mastbrüchen Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre bei verschiedenen Instituten in Auftrag gegeben hatte.
Zu den beauftragten Instituten habe 1994 das Staatliche Materialprüfungsamt in Dortmund gezählt. Dieses Institut sei seinerzeit vor allem vom Land NRW finanziert worden, das mit dem Wirtschaftsministerium auch die Fachaufsicht gestellt habe.

Das NRW-Wirtschaftsministerium teilte gestern mit, dass es 1994 nicht über die Untersuchung durch das Materialprüfungsamt informiert worden sei. Demnach habe das Dortmunder Amt seinerzeit keine Veranlassung gesehen, das Ministerium über die Ergebnisse der Prüfungen zu unterrichten, weil es sich um einen privatrechtlich erteilten Auftrag durch RWE gehandelt habe. Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) hatte bei dem Amt wenige Stunden zuvor einen "detaillierten Bericht" über die Untersuchung angefordert.

"Die Untersuchung war nicht Gegenstand irgendeines in NRW anhängigen energieauf-sichtsrechtlichen Verfahrens, sondern Folge eines einzelnen Schadens im süddeutschen Raum", so das Ministerium. Aussagen zur Standsicherheit des Mastes waren nach Angaben des Amtes nicht Gegenstand der Untersuchung. Laut RWE Energy waren bei einem starken Sturm 1992 in Bayern 19 Höchstspannungsmasten beschädigt worden.

RWE-Chef räumt Fehler ein
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
11.12.2005

ESSEN - Der Vorstandsvorsitzende des Essener Stromkonzerns RWE, Harry Roels, hat Kommunikationsfehler im Umgang mit brüchigen Strommasten aus Stahl eingeräumt. Mit dem Thema "Maststahlversprödung" hätte RWE früher an die Öffentlichkeit gehen sollen, sagte Roels dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel". Das Problem betreffe viele Stromunternehmen, zitiert der "Spiegel" den RWE-Vorstandsvorsitzenden in seiner neuesten Ausgabe.

Vor zwei Wochen waren nach heftigen Schneestürmen im Münsterland mehr als 80 Masten gebrochen und hatten einen beispiellosen Stromausfall verursacht, von dem mehr als 250 000 Menschen tagelang betroffen waren.

Es sei frühzeitig ein Sanierungsprogramm aufgelegt worden, das nach seinem Amtsantritt 2003 "beschleunigt" worden sei, sagte Roels dem Magazin. Forderungen, die Sanierung bereits früher als zum geplanten Zeitpunkt im Jahr 2015 abzuschließen, erteilte Roels eine Absage. Selbst wenn der Etat dafür verdoppelt würde, seien die Arbeiten nicht schneller zu erledigen. Im Wege stünden auch langwierige Genehmigungsverfahren von zum Teil bis zu fünf Jahren Dauer.

Roels räumte ein, dass 2900 der insgesamt 28 000 Strommasten aus dem zum Teil spröde gewordenen Thomasstahl im RWE-Netz in der Nähe von Wohngebieten stehen. Davon seien bereits etwa 70 Prozent saniert. Der Rest soll dem RWE-Chef zufolge bis Ende 2006 erledigt sein.

"Natürlich verstehe ich, dass dieses Thema bei den Menschen Emotionen weckt. Aber wir tun auch alles Menschenmögliche, die Probleme zu lösen. Um alles Träger aus Thomasstahl bis 2015 zu sanieren, würden nach heutigem Kenntnisstand 550 Millionen Euro benötigt. Sollte mehr notwendig sein, würde auch mehr Geld zur Verfügung gestellt.

Roels hält es nicht für redlich, die umgestürzten Strommasten im Münsterland allein auf die spröden Stahlmasten zurückzuführen. Das Phänomen sei auf ein Naturereignis zurück-zuführen, das nur einmal in hundert Jahren vorkommt. RWE haben in den vergangenen Jahren konstant rund zwei Milliarden Euro jährlich in das Netz investiert. "Ich muss dem Eindruck entschieden entgegentreten, dass die Vorfälle im Münsterland etwas mit unserem Sparkurs zu tun haben", sagte der RWE-Chef. "Wir sparen nicht auf Kosten der Sicherheit." Im Münsterland waren an einem Tag bis zu 50 Zentimeter Schnee gefallen.

Als Konsequenz aus den negativen Erfahrungen will Roels laut "Spiegel" nun gemeinsame Anstrengungen der Stromversorger anregen. Beispielsweise könnten alle Unternehmen gemeinsam Notsromaggregate anschaffen, die dann an zentralen Punkten gelagert werden könnten.

CO2-Endlager gesucht
Die Tageszeitung / Berlin, taz.de
10.12.2005

Auf der Klimakonferenz in Montreal war es ein großes Thema: In Zukunft sollen Kohle- und Gaskraftwerke CO2-frei Strom erzeugen. Dies soll geschehen, indem das Treibhausgas, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger zwangsläufig entsteht, zurückgewonnen und anschließend endgelagert wird. Das Prinzip wird Sequestrierung bezeichnet.

Doch so einfach ist das Verfahren nicht. Erstens ist die Technik der Abtrennung recht anspruchsvoll und noch lange nicht in der Größenordnung erprobt, wie man es für Großkraftwerke bräuchte. Zweitens ist noch nicht abschließend geklärt, in welchen geologischen Lagerstätten das Gas tatsächlich langfristig sicher eingeschlossen werden kann.

Eine der Optionen gilt ohnehin als nicht verantwortbar: "Eine Ablagerung in den Tiefen des Meeres lehnen wir strikt ab", sagt Franz May von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Denn in den Ozeanen sei die Gefahr zu groß, dass das Gas wieder ungewollt in die Biosphäre gelangt - die Konsequenzen für Mensch und Natur wären nicht kalkulierbar. "Auch die meisten anderen Länder sind daher von diesem Verfahren abgerückt", sagt May.

Während man in Europa auch von Kohleflözen bereits abgerückt ist, seien Erdgasfelder und Tiefenwässer denkbare Lagerstätten. Allerdings müsse noch reichlich Grundlagenforschung betrieben werden, bis man im Detail wisse, welche geologischen Formationen tatsächlich in Frage kämen. Folglich könne nicht seriös beurteilt werden, wie groß die Potenziale in Deutschland sind.

Entsprechend glaubt auch die Energiewirtschaft nicht an eine allzu schnelle Umsetzung einer großtechnischen CO2-Abtrennung. "Vielleicht in 10 bis 15 Jahren" könne die Technik einsetzbar sein, heißt es in einem Bericht der VGB PowerTech in Essen, einem Zusammenschluss der Kraftwerkswirtschaft. Auch Felix Christian Matthes vom Öko-Institut in Berlin dämpft die mancherorts herrschende Euphorie. Die bestehenden Kraftwerke für die Abtrennung des Treibhausgases seien "überhaupt nicht brauchbar". Man benötige völlig neue Anlagen, in deren Abgasstrom die CO2-Konzentration höher liegt als in den heutigen Anlagen. Der Glaube, man könne die bestehenden Kraftwerke mit einer CO2-Abscheidung nachrüsten, sei "eine Illusion".

Zudem, meint Matthes, sei "der Beitrag der Sequestrierung für den Klimaschutz begrenzt". Selbst wenn die Technik, der Matthes durchaus "mehr Chancen als Risiken" attestiert, eines Tages etabliert sei, könne sie höchstens 10 Prozent der Klimaschutzverpflichtungen Deutschlands abdecken - es fehle schlicht an Lagerstätten in großem Umfang.

Vor allem aber ist es der Energieverlust, der eine CO2-Abtrennung im großen Stil unattraktiv macht. Der Brennstoffbedarf der Kraftwerke wird durch die CO2-Abtrennung um etwa 25 Prozent ansteigen - was wiederum erhebliche Kosten verursacht. So schätzt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, dass sich "beim großtechnischen Einsatz der geologischen Sequestrierung die Stromkosten für den Endverbraucher um 40 bis 100 Prozent erhöhen" könnten. Szenarien gehen von Kosten zwischen 75 und 250 Euro für Abtrennung, Transport und Ablagerung einer Tonne CO2 aus.

Das beste Argument gegen die teure Sequestrierung liefert der Emissionshandel. Denn an den Märkten wird die Tonne CO2 derzeit für rund 21 Euro gehandelt. Das heißt: Es ist heute erheblich billiger, durch Energieeffizienz CO2-Emissionen zu vermeiden, als entstandenes Treibhausgas zu entsorgen.

RWE muss mit Kontrolle rechnen
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
10.12.2005

Das größte Energie-Unternehmen in NRW sieht nur wenig Chancen, die Sanierung oder Auswechslung der Überland-Masten zu beschleunigen.

DÜSSELDORF - Der Strom-Riese RWE denkt nach der Katastrophe im Münsterland darüber nach, "ein unabhängiges Gutachterbüro mit Überwachungsaufgaben für unsere Netze zu betrauen". Dies wolle man mit der zuständigen Bundesnetzagentur abstimmen; geplant ist ein Art "Netz-Audit", also eine Zertifizierung, wie es sie etwa für besonders umwelt- oder familienfreundliche Betriebe gibt.

Mit dieser Ankündigung versuchte Berthold Bonekamp, Vorstands-Chef der RWE Energy AG, am Freitag im Düsseldorfer Landtag der anhaltenden Kritik an seinem Unternehmen wegen des tagelangen Stromausfalls den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Der Wirtschaftsausschuss des Parlaments beriet in einer Sondersitzung über die Ereignisse. Vertreter von Koalition und Opposition warfen dabei die Frage auf, ob es künftig dabei bleiben könne, dass Stromversorger allein für die Sicherheit der Stromleitungen zuständig seien oder ob man dies nach dem Muster Tüv staatlichen Stellen übertragen müsse.

Mit der Sitzung ging es den Abgeordneten, wie Sprecher aller Fraktionen zu Beginn betonten, um Information und Aufklärung und nicht darum, das Unternehmen auf die Anklagebank zu setzen. Im Laufe der mehrstündigen Veranstaltung musste sich die RWE-Delegation aber zunehmend kritischeren Fragen stellen, insbesondere von Reiner Priggen. Mehrmals wollte der Grünen-Politiker wissen, ob die im "Spiegel" gedruckten Zitate aus einem internen RWE-Papier über die Gefährdung durch Strommasten aus Thomasstahl zutreffend seien. Bohnekamp beließ es bei dem Hinweis, das NRW-Wirtschaftsministerium habe alle notwendigen Unterlagen bekommen - einen Tag vor der Ausschusssitzung, wie Ministerin Christa Thoben (CDU) sagte.

Die hatte vor der Befragung der Unternehmensvertreter durch die Abgeordneten deutlich ihren Unmut darüber erkennen lassen, dass RWE erst 2015 alle als Problem erkannten Strom-masten saniert haben will. Vor dem Ausschuss gestand Bohnekampo nun zwar zu, RWE sei bereit, die Sanierung zügiger abzuwickeln, wenn Gutachten dafür einen Weg aufzeigen. An Kosten würde dies nicht scheitern. Gleichzeitig machte der Manager aber deutlich, dass er nur geringe Chancen für eine Beschleunigung sieht; die gefährde nämlich die Sicherheit der Stromversorgung.

Das Unternehmen blieb auch vor den Abgeordneten bei seiner Darstellung, dass für das Umfallen der Strommasten allein die Witterung (Schnee, massiver Eisbelag und Orkan) vorantwortlich sei und nicht das Material. "Kein in Westeuropa verwendetes Material hätte das ausgehalten", sagte Bohnekamp. Der früher eingesetzte Thomasstahl könne spröde werden, müsse es aber nicht.

Dennoch habe RWE 2001 ein Sanierungsprogramm mit 550 Millionen Euro gestartet und die betreffenden Masten in drei Kategorien eingeteilt. In Stufe 1 (vordringlich) seien 70 Prozent der 2846 Masten bereits saniert. Wo die noch zu bearbeitenden 981 Masten stehen, wolle man der Regierung mitteilen. Dort könnten sich dann die Landräte informieren. Priggen kritisierte diese Informationspolitik scharf.

Christa Thoben berichtete, von den 82 gebrochen Masten seien 52 aus Thomasstahl; aber keiner habe zur höchsten Priorität des RWE-Sanierungskonzeptes gehört. Auch Betonmasten seien gebrochen. Auf die Frage Priggens, warum das Unternehmen nicht das Wirtschafts-ministerium als Aufsichtsbehörde über den Sanierungsbedarf informiert habe, stellte Bohnekamp fest, die Masten aus Thomasstahl bedeuteten ein Risiko, aber keine Gefährdung. Die Ministerin stellte fest, seit 2003 seien die Dinge "unzulänglich" gelaufen. Damals hatte der "Spiegel" erstmals über die Problematik berichtet, aber keiner in der Politik reagiert.

Am Dienstag will Christa Thoben mit ihren Länderkollegen über Konsequenzen aus dem Schnee-Chaos beraten. Dabei geht es um höhere Anforderungen an die Haltbarkeit von Leitungen und Masten bei Eis, aber auch um Kontrollfragen für die Sicherheit der Stromnetze.

RWE bestreitet Mitschuld
Wdr.de - Wirtschaft
06.12.2005

Stromkonzern nimmt Stellung zu Stromausfall im Münsterland

Der Stromkonzern RWE hat eine Mitschuld an den Stromausfällen während der starken Schneefälle im Münsterland erneut bestritten. Dem Wetter hätte kein Mast in Mitteleuropa standgehalten, sagte RWE Energy-Chef Berthold Bonekamp.

Unter Druck: RWE Energy-Chef Bonekamp

Es war keine Überraschung, die der Vorstandsvorsitzende der RWE-Energy AG Berthold Bonekamp am Dienstag (06.12.05) den versammelten Journalisten präsentierte. Die Ursache für die massiven Stromausfälle im Münsterland liege ausschließlich beim Wetter. Keinesfalls sei der Stromkonzern Schuld daran, dass 82 Masten umgeknickt seien und bis zu 250.000 Menschen stunden- und tagelang ohne Strom auskommen mussten. Vielmehr habe es sich beim unerwarteten Wintereinbruch um ein "Jahrhundertereignis" gehandelt. Die Kombination aus nassem Schnee, Eis und Wind habe die Masten brechen lassen, so Bonekamp: "Die Unterbrechung der Stromversorgung ist auf die Naturkatastrophe zurückzuführen."

Gutachten soll abgewartet werden.

Offen blieb bei allen Ausführungen erwartungsgemäß die Frage nach einer juristischen Haftung, die millionenschwere Schadenersatz-Zahlungen für RWE bedeuten könnte. Eine solche Haftung würde nur bestehen, wenn man dem Konzern grobe Fahrlässigkeit nachweisen könnte. RWE habe daher jetzt einen unabhängigen Gutachter mit der Prüfung der Ursachen für den Black-out beauftragt, so der Vorstandschef. Bonekamp bezeichnete es als "Gebot der Fairness, das Ergebnis dieser Überprüfung abzuwarten, ehe man zu abschließenden Urteilen gelangt."

Masten werden ausgetauscht.

Mit Spannung wurde die RWE-Stellungnahme erwartet. Bonekamp wies in der Presse-konferenz den Vorwurf zurück, dass der Konzern zu wenig in die Netzinfrastruktur investiert habe. Jährlich gebe das Unternehmen rund zwei Milliarden Euro aus, die in die Netzinfrastruktur investiert würden. Diese Summe sei auch nicht zurückgefahren worden, um bei der Sanierung alter Masten Geld zu sparen, sagte Bonekamp. Dass es sich bei den zusammengebrochenen Masten um alte Masten aus so genanntem "Thomasstahl" gehandelt habe, sei falsch. Auch Trassen aus neueren Masten hätten die Belastung nicht ausgehalten, teilte RWE mit. Von den 82 abgeknickten Masten seien 52 aus Thomasstahl gewesen. Bis 2015, so Werner Roos von der RWE Energy AG, sollen alle Thomasstahl-Masten vorsorglich saniert oder ausgetauscht werden. Dafür habe der Konzern bereits 2001 rund 550 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

RWE Power will fünf Milliarden Euro investieren
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
06.12.2005

Vorstandsmitglied Matthias Hartung hob beim Barbara-Empfang die Bedeutung der Kraftwerke und Tagebaue für die Unternehmen in der Region hervor.

BERGHEIM/PAFFENDORF - Investitionen seien immer noch der Motor für Wachstum und Beschäftigung, sagte RWE Power-Vorstandsmitglied Matthias Hartung am Montag beim traditionellen Barbara-Empfang des Unternehmens auf Schloss Paffendorf. Vor zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung nannte Hartung die Summe von fünf Milliarden Euro, die sein Unternehmen in den nächsten Jahren investieren werde. Der mit Abstand größte Einzelposten sei der Bau des Kraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) am Standort Neurath.

Hartung, der für Vorstandschef Jan Zilius als Redner eingesprungen war, verwies allerdings erneut darauf, dass diese Investitionen einen "stabilen energiepolitischen" Rahmen bräuchten.

Die Kaufkraft der Mitarbeiter sowie die Aufträge für Kraftwerke und Tagebaue an Unternehmen in der Region seien "die Eckpfeiler" der hiesigen Wirtschaftskraft. Darüberhinaus seien die Investitionen des Unternehmens ein Plus für die Umwelt. Neue Kraftwerke mit "exzellenten Wirkungsgraden" würden alte Blöcke ersetzen. Zusätzlich habe der Vorstand beschlossen, in Niederaußem eine Pilotanlage zur Wirbelschichttrocknung zu errichten. Dadurch könne die Effizienz zukünftiger Kraftwerksgenerationen nochmals gesteigert werden. "Würde man unsere Technologie weltweit einsetzen", so Hartung, "könnten 1,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden."

Hartung erinnerte zwar an die im Herbst "hitzig" geführte Strompreisdebatte, lenkte den Blick der Gäste des Empfangs dann aber auf Erfreuliches aus dem Revier. Der Übergang aus dem Alt-Tagebau in das Gebiet von Garzweiler II laufe planmäßig, die Planfeststellung zur Verlegung der Autobahn 4 zwischen Kerpen und Buir komme ebenfalls voran.

Die gestiegenen Preise für Öl und Gas hätten zudem bei Briketts und beim Kohlenstaub eine rege Nachfrage ausgelöst, die kaum zu decken sei. Dass in den Power-Kraftwerken aber nicht nur Kohle, sondern auch Müll verheizt werde, sei auch "politisch gewünscht". Dadurch spare das Unternehmen Kohle.

Kritik am Unternehmen, die nach der Schneekatastrophe im Münsterland am Unternehmen laut geworden war, wies Hartung zurück: "Diese Belastung kann kein Netz der Welt aushalten." Während auf Schloss Paffendorf gefeiert wurde, demonstrierten am Kraftwerk Neurath Greenpeace-Aktivisten gegen den Kohlendioxid-Ausstoß des Energie-Erzeugers. Sie hatten am Kühlturm Transparente entrollt.

Protest auf dem Kühlturm
Greenpeace.de
05.12.2005

Greenpeace prangert Klimakiller RWE an: Verantwortliche für Klimatote dürfen nicht weitermachen wie bisher.

HAMBURG/DÜSSELDORF - Seit dem frühen Montagmorgen demonstrieren 30 Greenpeace-Aktivisten auf einem Kühlturm des RWE-Braunkohlekraftwerks in Neurath bei Köln gegen die andauernde Klimazerstörung durch den deutschen Stromkonzern. Kletterer haben dem heftigen Wind getrotzt und ein Banner mit der Aufschrift CO2 kills! Stop Klimakiller RWE an dem Turm befestigt. Die Aktivisten haben sich bei bitterer Kälte dort oben eingerichtet. Sie sind fest entschlossen, in über 100 Metern Höhe zu übernachten.

"Der Klimawandel bricht nicht über uns herein wie eine Strafe Gottes. Dafür gibt es Verursacher. Wir reden immer über die Opfer der Katastrophen, aber nie über die Täter. Einer davon, einer der ganz großen, ist RWE", sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Auf der Klimakonferenz in Montreal diskutieren Politiker zwar über Klimaschutz. Doch gleichzeitig plant RWE zehn neue Braunkohlekraftwerke, die das Klima weiter aufheizen, und die deutsche Politik schaut zu."

Dass im rheinischen Braunkohlerevier durch die vier RWE-Kraftwerke bereits heute mehr klimaschädliches Kohlendioxid produziert wird als in jeder anderen Region Europas, scheint den Stromriesen nicht zu stören. Ganz im Gegenteil: RWE plant den Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks in Neurath. Dieses soll - wie alle weiteren neuen geplanten Kraftwerke - einer neuen Anlagengeneration von Braunkohlekraftwerken mit optimierter Anlagentechnik (BoA) angehören.

"Zwar laufen die neuen Anlagen mit modernerer Technik als die alten. Aber davon dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Kohleverbrennung ist und bleibt schmutzig und ineffektiv. Daran ändern auch moderne Turbinen wenig", kritisiert Smid. Greenpeace fordert, dass RWE seine Pläne für den Bau des neuen Kraftwerks aufgibt und die Investitionssumme von 2,2 Milliarden Euro in klimafreundliche Energiegewinnung fließen lässt.

Klimawandel tötet!

Schon vor zwei Jahren schätzte die Weltgesundheitsorganisation, dass bereits heute weltweit jedes Jahr 150.000 Menschen durch den Klimawandel sterben: durch Unwetterkatastrophen, Hitze- und Kältetod bei Extremwetterlagen und sich ausbreitende Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber.

Eine Studie der UN rechnet mit Millionen Menschen, die in den nächsten Jahrzehnten wegen Stürmen, Dürren, Fluten oder Hitzewellen, hervorgerufen durch den Klimawandel, aus ihrer Heimat fliehen müssen. Erst vergangene Woche haben britische Wissenschaftler davor gewarnt, dass die US-amerikanische Golfküste bis Ende dieses Jahrhunderts unbewohnbar werden könnte, wenn die Hurricans weiter an Stärke zunehmen.

"Wir können nicht warten, bis die Klimakatastrophe schlimmer und schlimmer wird und mehr und mehr Menschenleben fordert. Diese Menschen brauchen jetzt unseren Schutz", erklärt Smid.

Wer CO2 produziert, muss dafür zahlen!

Von Bundesregierung und Umweltminister Sigmar Gabriel fordert Greenpeace, nicht länger klimazerstörende Braunkohleverbrennung durch kostenlose Emissionszertifikate mitzufinanzieren. "Wer Kohlendioxid in die Luft bläst, muss auch dafür zahlen", so Smid. Er fordert, die Verschmutzungsrechte nach Vorbild der UMTS-Lizenzen zu versteigern.

Poltik und Justiz erhöhen Druck auf RWE
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
05.12.2005

BERLIN/DORTMUND - Nach den Stromausfällen im Münsterland setzen Politik und Justiz den Energieriesen RWE immer stärker unter Druck. Das Amtsgericht Steinfurt beauftragte am Montag einen Bochumer Stahlbau-Experten mit einem Gutachten über die Stabilität der Strommasten. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) legte nach der Veröffent-lichung von Medienberichten über Sicherheitsmängel RWE Energy weitere Fragen vor. Der Bundesminister für Wirtschaft, Michael Glos, kündigte als Konsequenz aus den Stromausfällen Untersuchungen bei deutschen Energieunternehmen an. Er erwarte einen "dringenden Bericht über den Zustand der Netze".

Thoben forderte Aufklärung über Zahl und Standort gefährdeter Masten, den Gefährdungsgrad sowie Termine für anstehende Sanierungsmaßnahmen. "Alle Beteiligten brauchen jetzt schnell Klarheit über die tatsächliche Lage", unterstrich die Ministerin. Daher sei RWE aufgefordert, "unverzüglich, umfassend, präzise und chronologisch exakt" zu den Sicherheitsvorwürfen Stellung zu nehmen. Der Düsseldorfer Landtag wird sich am Donnerstag und Freitag in Ausschuss-Sondersitzungen mit dem Schneechaos befassen. Im Münsterland waren am vorvergangenen Wochenende etwa 50 Strommasten unter der Schneelast umgeknickt. Bis zu 250 000 Menschen waren anschließend tagelang ohne Strom und Heizung.

Vor der Beauftragung des Gutachters durch das Amtsgericht habe ein Landwirt aus Ochtrup ein selbstständiges Beweisverfahren gegen die RWE AG beantragt, teilte das Landgericht Münster mit. Damit könne eine Partei auch schon vor Klageerhebung die Sicherung von Beweisen beantragen, wenn zu befürchten sei, dass die Beweise sonst verloren gehen. Das Landgericht erklärte, durch das Gutachten solle geklärt werden, ob die umgestürzten Masten der RWE-Stromleitung zwischen Gronau und Metelen den Stabilitätsanforderungen entsprachen oder ob Materialermüdungen vorlagen. Der Landwirt habe seinen Schaden durch Stromausfälle mit 2000 Euro beziffert.

RWE hatte wiederholt alle Vorwürfe zurückgewiesen. Seit 2001 laufe ein 550 Millionen Euro teures Programm zur Mastsanierung. Zuvor war bekannt geworden, dass der für Hochspannungsmasten in Europa oft verwendete so genannte Thomasstahl spröde werden könnte. Rund 70 Prozent der 2900 Masten der sanierungsbedürftigsten Kategorie seien bereits ausgetauscht oder erneuert worden. Auch an Masten der anderen Kategorien werde bereits gearbeitet. Bis 2015 sollen alle 28 000 Masten, die aus Thomasstahl gefertigt wurden, saniert sein. Das sind rund zwei Drittel aller Strommasten des größten deutschen Stromnetzbetreibers. Nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" soll RWE bereits seit Jahren über Sicherheitsmängel im Hochspannungsnetz informiert gewesen sein.

Nach Ansicht des Bundes der Energieverbraucher gefährden marode Stromnetze die Stromversorgung. Nach der Liberalisierung des Strommarktes 1998 hätten die Stromversorger deutlich weniger in ihre Netze investiert als vorher, bekräftigte der Bund. "Die Verbraucher zahlen heute mehr für die Netze und bekommen weniger Sicherheit dafür". Die Netzqualität und die Versorgungssicherheit in Deutschland seien drastisch gesunken.

Die Verbraucher zahlten jährlich rund 18 Milliarden Euro für die Netze, sagte der Vorsitzende des Bundes, Aribert Peters. Davon würden aber nur zwei Milliarden in die Anlagen investiert. Ein Großteil des Betrags finde sich wahrscheinlich in den Gewinnen der Versorgern wieder.

Die Bundesnetzagentur hat unterdessen bisher noch keinen detaillierten Bericht von RWE zu den Stromausfällen und Mastbrüchen vorliegen. Das Unternehmen habe mitgeteilt, ein externer Gutachter sei mit der Ursachenanalyse beauftragt worden, sagte eine Sprecherin der Bundesbehörde in Bonn.

In Bayern und in Ostdeutschland sind wetterbedingte Stromausfälle wie im Münsterland nach Einschätzung der Stromwirtschaft unwahrscheinlich. Die Sprecherin des Energieversorgers Vattenfall Europe, Geraldine Schroeder, sagte in Berlin, "wir haben eine Sondersituation im Osten, weil wir ein komplett neues Netz haben". Seit den 90er Jahren sei fast das gesamte Hochspannungsnetz in den neuen Ländern für rund 1,2 Milliarden Euro neu gebaut oder saniert worden.

"Wir meinen, dass wir in Bayern weniger anfällig sind, weil wir mit extremen Wetterlagen mehr Erfahrung haben", sagte Herbert Dombrowsky, Chef des Branchenverbands VBEW, am Montag in München. Trotz der jüngsten Ausfälle im Münsterland gehöre das deutsche Stromnetz zu den sichersten in ganz Europa.

RWE waren Sicherheitsrisiken bekannt
Netzzeitung.de - Wirtschaft
03.12.2005

Die Vorwürfe gegen den Versorger RWE wegen des Stromausfalls in Westfalen reißen nicht ab. Der Konzern soll Informationen über Risiken zurückgehalten haben.

Nach den Stromausfällen im Münsterland mehren sich die Vorwürfe gegen den Energie-konzern RWE. Der Konzern soll seit Jahren über Sicherheitsmängel im Hochspannungsnetz informiert gewesen sein, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag unter Berufung auf firmeninterne Papiere. Danach haben schon 2003 bis zu 60 Prozent aller RWE-Hochspannungsmasten Materialfehler aufgewiesen.

Viele Masten würden den internen RWE- Risikoanalysen zufolge nicht einmal mehr 40 Prozent der normalen Zugbelastung standhalten. Bei extremen Wetterlagen könnte es laut Analyse auf Grund der Materialfehler zu "flächenhaften Mastumbrüchen kommen", schreibt das Magazin.

Personenschäden kalkuliert:

In dieser Analyse kalkulierten die RWE-Manager auch "strafrechtliche Haftungsrisiken durch Personenschäden" ein. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen solchen Unfall werde mit "bis zu 10 Prozent" eingeschätzt, zitiert das Magazin aus den internen Papieren.
RWE habe diese brisanten Informationen trotz der Warnungen der zuständigen Fachabtei-lungen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, schreibt das Magazin. Auch Behörden seien nicht unterrichtet worden.

RWE weist Vorwürfe zurück

RWE wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Man habe bereits vor Jahren alle alten Masten aus den sechziger Jahren und davor einer optischen Kontrolle unterzogen: "Aus der Intensiv-Inspektion der Masten durch Besteigung ergaben sich keinerlei Hinweise auf flächendeckende Sicherheitsmängel, zum Beispiel durch einen so genannten Sprödbruch, die wiederum auf einen, wie der Spiegel behauptet, gravierenden Sicherheitsmangel schließen ließe." Erkennbare Mängel seien sofort behoben worden.

Vorsorglich sollen alle Hoch- und Höchstspannungsmasten aus Thomasstahl, die in der Nähe von Bebauungsgebieten oder an Verkehrskreuzungen stehen, saniert oder ausgetauscht werden. Insgesamt, so RWE, handele es sich um 2900 Masten der Kategorie 1, von denen bislang rund 70 Prozent saniert oder ausgetauscht worden seien. Im kommenden Jahr werde das Programm für alle Masten der Kategorie 1 abgeschlossen sein.

RWE wiederholte noch einmal, dass die Schäden an Masten im Münsterland Experten zufolge auf die extreme Wettersituation mit daraus resultierender schwerer Eislast sowie Orkanböen zurückzuführen seien.

RWE wusste von Materialmängeln
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
03.12.2005

DÜSSELDORF - Nach den tagelangen Stromausfällen während der Schneekatastrophe im Münsterland gerät der Energieversorger RWE immer stärker in die Kritik. Das Essener Unternehmen soll zu wenig gegen Materialmängel an seinen Hochspannungsmasten unternommen haben. RWE wies am Wochenende die Vorwürfe zurück.

Wie der "Spiegel" unter Berufung auf interne Vorstandsberichte berichtet, hätten teilweise bis zu 60 Prozent aller RWE-Hochspannungsmasten schwerwiegende Materialfehler aufgewiesen. Viele Masten würden laut internen RWE-Risikoanalysen nicht einmal mehr 40 Prozent der normalen Zugbelastung standhalten. Dieses Problem sei schon seit dem Jahr 2000 innerhalb des Konzerns bekannt.

Ein Sprecher der RWE bestätigte, dass die bis zum Jahr 1967 hergestellten Strommasten aus so genanntem Thomasstahl "eine potenzielle Versprödungstendenz" aufwiesen, die zu einem Bruch des Stahls führen könne. Deshalb habe das Unternehmen bereits vor Jahren alle fraglichen Strommaste einer intensiven optischen Inspektion unterzogen. Hinweise auf flächendeckende Sicherheitsmängel hätten sich dabei nicht ergeben, bestehende Schäden seien sofort repariert worden. Von den rund 42 000 Hochspannungsmasten des früheren RWE Net wurden etwa 28 000 aus Thomasstahl produziert.

Die RWE hat nach eigenen Angaben bislang rund 70 Prozent von 2900 als besonders gefährdet eingestuften Strommasten saniert oder ausgetauscht. Der Rest der Maßnahme werde im nächsten Jahr abgeschlossen. Für die Sanierung der restlichen gut 25 000 Masten aus Thomasstahl sei ein Zeitraum bis zum Jahr 2015 vorgesehen. Dass bei der Sanierung des Netzes finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt haben könnten, streitet RWE ab. Für das gesamte Programm sei seit dem Jahr 2001 mehr als 550 Millionen Euro bereitgestellt worden. Das Sanierungskonzept wurde unter Einschaltung eines externen Gutachters entwickelt.

Großflächige Stromausfälle könnten sich bei starken Sturm- und Eisbelastungen wiederholen, schreibt die "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Spätestens seit dem Sturmtief "Lothar" vom Herbst 1999 wisse die Strombranche grundsätzlich von der erhöhten Bruchgefahr. Das bestätigte Werner Roos vom Netzvorstand der RWE-Tochter Energy dem Blatt. Für den Zusammenbruch der Stromversorgung im Münsterland seien jedoch die extrem hohen Eis- und Sturmbelastungen verantwortlich gewesen, denen auch erneuerte Strommasten aus den 90er Jahren nicht stand hielten. Insgesamt waren rund 50 Masten gebrochen.

Der Energieexperte der Grünen-Landtagsfraktion, Reiner Priggen, forderte die RWE auf, die Haftung für die durch Stromausfälle entstandenen Schäden zu übernehmen. Angesichts der nun bekannten Fakten könne man nicht mehr von "höherer Gewalt" sprechen.

Nach Expertenmeinung haben sich die Chancen für Verbraucher und Firmen auf Schaden-ersatz verbessert. "Wenn das Unternehmen voraussehen konnte, dass die Masten den Anforderungen nicht gewachsen sind, dann steigen die Chancen für die Verbraucher", sagte der Vorsitzende des Berliner Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg.

Mit einem Sonderkreditprogramm will die Landesregierung Unternehmen im Westmünsterland helfen. "Unterstützt werden Betriebe, die durch die Naturkatastrophe in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).

In der Nacht zu Sonntag waren erneut rund 10 000 Menschen im Raum Steinfurt ohne Strom. Anlass war die Reparatur einer Hochspannungsleitung nach dem Schneechaos. Die RWE hatte den Stromausfall vorher angekündigt und die betroffenen Einwohner mit Frühstücks-brötchen entschädigt.

RWE Power will Abfall verfeuern
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
01.12.2005

HÜRTH - RWE Power will künftig in seinem Kraftwerk Berrenrath auf dem Knapsacker Hügel neben Braunkohle dauerhaft so genannte Ersatzbrennstoffe verfeuern. Die bestehende Genehmigung, die seit 1994 bereits die Mitverbrennung von Klärschlamm in jeweils einem der beiden modernen Wirbelschichtkesseln erlaubt, soll entsprechend ausgeweitet werden. Neue Anlagen seien nicht nötig, sagte der Umweltschutzbeauftragte des Unternehmens, Klaus Henrichs, im Planungsausschuss.

Das Kraftwerk versorgt die benachbarte Brikettfabrik mit Strom und Dampf. Der Versuchs-betrieb für die Mitverbrennung läuft bereits: Pro Stunde werden neben 70 Tonnen Rohbraunkohle auch maximal 30 Tonnen Klärschlamm und zwölf Tonnen Sekundärbrennstoff verfeuert. Sekundärbrennstoffe sind sortierte Reste von Gewerbe- und Hausmüll, die nicht weiter verwertet werden können, aber seit Juli 2005 auch nicht mehr auf die Deponie gebracht werden dürfen - etwa Pappe, Papier, Kunststoffe, Fasern und Holz.

Moderne Rauchgasreinigungstechnik sorgt nach Angaben von RWE Power dafür, dass die strengen gesetzlichen Abgaswerte eingehalten werden. Durch die Mitverbrennung spart RWE zehn Prozent Braunkohle ein.

Vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren findet am 8. Dezember ein so genannter Scoping-Termin statt. Dabei wird das genaue Verfahren mit den zuständigen Fachbehörden und Umweltverbänden erörtert und festgelegt. Neben einer Umweltverträglichkeitsprüfung sollen ein Lärmgutachten im Hinblick auf den Anlieferverkehr per Lkw und ein Geruchs-gutachten erstellt werden. Mit der Genehmigung rechnet RWE Power Ende 2006.

Im Planungsausschuss zeigten sich alle Fraktionen aufgeschlossen für das Vorhaben. Durch die Mitverbrennung könne der Kraftwerksstandort zukunftssicherer gemacht werden, sagte Gerd Fabian. Und auch Sabine Faßbender (SPD) erhob keine Grundsätzlichen Bedenken. Allerdings betonten beide Politiker, es müsse sichergestellt werden, dass im Anlieferverkehr keine zusätzlichen Lastwagen durch Berrenrath rollen. RWE-Power-Mann Henrichs sagte entsprechende Maßnahmen zu.

RWE will auch im zweiten Kessel Müll verbrennen
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
01.12.2005

Eine Lkw-Ladung Klärschlamm soll pro Stunde verheizt werden.

HÜRTH - Seit 1994 verbrennt RWE in ihrem Kraftwerk Berrenrath in einem Kessel Klär-schlämme zusammen mit Braunkohle, um daraus Strom zu gewinnen. Eine Million Tonnen Klärschlamm wurden seither verbrannt, ohne irgendwelche Probleme zu verursachen, wie Klaus Henrich, bei RWE zuständig für den Umweltschutz, am Dienstag im Hürther Planungs-ausschuss erklärte.

Nun will das Unternehmen die Verbrennung von Zusatzstoffen auf den zweiten Wirbelschicht-kessel ausdehnen. Neben Klärschlämmen sollen in dem zweiten Kessel des Kraftwerkes künftig auch so genannte Sekundärbrennstoffe verbrannt werden. Dabei handelt es sich um aus Produktions- und Gewerbeabfällen aussortierten brennbaren Müll, wie Kunststoffe, Papier und Folie. Da die Kapazitäten zur Verbrennung dieser Stoffe nicht ausreichten, weil nach dem neuen Abfallgesetz nur noch unbehandelte Stoffe deponiert werden dürfen, will RWE seine Möglichkeiten in Knapsack ausdehnen.

40 Tonnen Klärschlamm pro Stunde - das entspreche einer Lkw-Ladung - sowie zwölf Tonnen Sekundärbrennstoff pro Stunde sollen dort künftig mitverbrannt werden. Durch das Füttern der Anlage mit Ersatzbrennstoffen spare RWE jährlich rund zehn Prozent Braunkohle.

Wie Henrichs erläuterte sei das Freisetzen von Dioxinen und Furanen "kein Thema", da eventuelle Schadstoffe in den Kohlefiltern der Anlage abgefangen würden.

Alle Parteien im Planungsausschuss begrüßten den Ausbau, da es eine Arbeitsplatz- und Standortsicherung für Knapsack sei. Allerdings wurde die Frage nach der Verkehrsbelastung laut. So wurde die Forderung gestellt, eine direkte Anbindung zur Autobahn zu schaffen.

Für die Genehmigung des Ausbaus ist das Bergbauamt bei der Bezirksregierung in Dortmund zuständig. Am 8. Dezember findet im Hürther Rathaus ein so genannter "Scoping-Termin" statt, bei dem die Fach- und Umweltbehörden festlegen, welche Voraussetzungen RWE erfüllen muss. Seit einigen Jahren verbrennt RWE Klärschlämme und Altholz auch in der Frechener Fabrik Wachtberg mit.

100 Mio. Euro Schaden, Kritik an RWE
n-tv.de, Wirtschaft & Börse
29.11.2005

Nach den tagelangen Stromausfällen im Münsterland nimmt die Kritik am Energiekonzern RWE zu. Der Stromriese sieht aber für Schadenersatz unverändert keinen Anlass. Die IHK Münster beziffert den Schaden, der Firmen in der Region entstanden ist, auf über 100 Mio. Euro.

Der Bund der Energieverbraucher zeigte sich verwundert, dass es in Deutschland, aber nicht in den benachbarten Niederlanden trotz vergleichbarer Wetterlage zu Stromausfällen gekommen war. Er warf dem RWE-Konzern Versäumnisse bei der Wartung seiner Stromnetze vor und hält ihn wegen Fahrlässigkeit für schadenersatzpflichtig. "RWE ist ganz klar in der Pflicht", sagte Verbandssprecher Aribert Peters am Dienstag.

Der Konzern habe seit Jahren immer weniger in die Netze investiert, gleichzeitig aber die Preise für die Netznutzungsentgelte erhöht. Zudem habe RWE fahrlässig gehandelt, da trotz des bevorstehenden Witterungsumschwungs keine Vorkehrungen getroffen worden seien. Durch besondere Schaltungen hätte die Strommenge in den Leitungen erhöht und diese erwärmt werden können, um ein Festfrieren von Schnee zu verhindern.

Ein RWE-Sprecher wies die Vorwürfe erneut zurück: "Das war höhere Gewalt." Das Ausmaß an Schnee, Kälte und Sturm sei nicht vorhersehbar gewesen. Der Konzern sei nicht haftbar zu machen. RWE hatte bereits am Wochenende Haftungsansprüche ausgeschlossen.

Bau und Instandhaltung der deutschen Stromnetze tragen rund ein Drittel zur Stromrechnung der Verbraucher bei. Viele Versorger begründen ihre in der Vergangenheit immer wieder erhöhten Strompreise unter anderem mit den Kosten für die Versorgungssicherheit. Einer Studie des Bundesverbands Neuer Energieanbieter und des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft zufolge zahlten die Stromkunden seit 2001 über eine halbe Milliarde Euro zu viel Netzentgelte.

Schneesturm lässt RWE kalt
Boerse.ARD.de
28.11.2005

Eine Ölheizung braucht Strom. Das mussten die Frierenden im Münsterland erfahren.
Doch Versorger sind nicht schadensersatzpflichtig, derweil erreicht die RWE-Aktie ein neues Allzeithoch.

Die Welt ist ungerecht: Da frösteln tausende Bürger in Nordrhein-Westfalen, weil der Strom ausgefallen ist, doch der größte Energieversorger vor Ort, RWE, muss keine Schadensersatzklagen fürchten.

Proteste der Verbraucher:
Seit drei Tagen sitzen immer noch viele Haushalte in kalten und dunklen Zimmern. Öl- und Gasheitungen funktionieren nicht. Der Grund: Heizbrenner brauchen Strom, um in Gang zu kommen. Doch wie konnte es passieren, dass Stromleitungen einfach so einknicken?

Der Bund der Energieverbraucher fordert eine Schadenshaftung durch den Versorger RWE. "Wer das Geschäft macht, darf sich bei der Haftung nicht drücken", erklärte der Bund. Es könne nicht sein, dass Gewinne der Stromkonzerne privatisiert und Kosten von der Allgemeinheit getragen werden müssten.

RWE weiter nach oben:
Die Investoren lässt das alles ziemlich kalt. Die RWE-Aktie eilt am Vormittag zum nächsten Allzeithoch. Das Unternehmen hat das Recht auf seiner Seite. Die Haftung beschränkt sich auf die Fälle, in denen Fahrlässigkeit und Vorsatz im Spiel waren.

Doch der Rekord-Schneesturm hat alle überrascht. Und auch wenn der Bund der Energieverbraucher bemängelt, dass die Branche ihre Investitionen in das Stromnetz Jahr für Jahr reduziert habe, so lässt sich daraus wohl kaum ein Fahrlässigkeitsvorwurf erhärten. Also gilt: Zähneklappern bei Verbrauchern, freudiges Zähne fletschen bei Investoren.

RWE kappt erneut die Leitungen
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
28.11.2005

MÜNSTER - Im Kampf gegen den Stromausfall im Münsterland haben die Einsatzkräfte am Montag wieder Rückschläge hinnehmen müssen. Am Abend musste für 40 000 Menschen die Stromversorgung wieder abgeschaltet werden, teilte der Netzbetreiber RWE mit. Insgesamt saßen damit wieder 90 000 Menschen im Dunkeln. Sie müssen nach Einschätzung von RWE wohl auch die vierte Nacht in Folge ohne Licht und Heizung verbringen. In den Kreisen Steinfurt und Borken herrscht nach wie vor Katastrophenalarm, der im Kreis Coesfeld am Nachmittag aufgehoben worden ist. Die Lage hatte sich bereits am Nachmittag zugespitzt, als knapp 500 Menschen in der Ortschaft Horstmar (Kreis Steinfurt) ihre Wohnungen verlassen mussten. Ein Strommast war eingeknickt und hatte sich zur Seite gedreht. Wann die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können, war zunächst unklar. Einige mussten in ein Notquartier im Nachbarort Emsdetten einziehen.

RWE lehnt Schadensersatz strikt ab
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
28.11.2005

MÜNSTER - Trotz einer ersten Entspannung am Montag sind im Münsterland nach dem Schneechaos vom Wochenende noch immer Zehntausende ohne Strom. Die Lage spitzte sich am Montagnachmittag nochmals zu, als knapp 500 Menschen in der Ortschaft Horstmar (Kreis Steinfurt) ihre Wohnungen verlassen mussten. Ein Strommast war eingeknickt und hatte sich zur Seite gedreht. "Wenn er umstürzt, reißt er mehrere andere mit", schilderte ein Feuerwehr-mann. Die Einsatzkräfte wollen den Mast nun mit Hilfe mehrerer Kräne und eines Berge-panzers der Bundeswehr abstützen. Wann die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können, war zunächst unklar.

Unterdessen hat in Politik, Wirtschaft und Kommunen die Aufarbeitung des folgenschwersten Stromausfalles in der deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen. Politiker verlangten vom Stromversorger RWE Aufklärung. Die Bundesregierung will einen Erfahrungsaustausch organisieren. "Es ist zu klären, wie es zu einer solchen Lage kommen konnte", sagte der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU). RWE lehnte eine Haftung für die Kosten des Debakels ab. Es handele sich um einen Fall von höherer Gewalt. Diese Einschätzung teilten auch NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) und die Westfälische Provinzial, die die Anlagen versichert. Wie hoch die Schäden wirklich sind, sei noch nicht zu beziffern, hieß es beim Stromkonzern RWE.

Der Netzbetreiber bekam Rückendeckung von Experten aus der Wissenschaft. "Für so extreme Wetterbedingungen kann man die Anlagen kaum auslegen", sagte am Montag Dr. Heiko Neus vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Auch der Karlsruher Professor für elektrische Energien und Hochspannungstechnik, Thomas Leibfried, sieht angesichts der Lage im Münsterland keine konkreten Versäumnisse der Stromversorger. "Naturkatastrophen gibt es immer wieder", sagte der Experte. Allerdings warnte er vor einer schleichenden Überalterung des Stromnetzes.

Die RWE-Techniker mussten am Nachmittag mehrere Rückschläge wegstecken. Sie hatten fieberhaft ganze Wohngebiete mit Notstromaggregaten und Ersatzleitungen versorgt. Teilweise brachen diese provisorischen Netze jedoch wieder zusammen, sagte ein Sprecher des Krisenstabes bei der Bezirksregierung Münster. So verringerte sich die am Mittag erreichte Zahl von 50 000 Menschen ohne Strom bis zum Abend nicht weiter. Am Wochenende hatten bis zu 250 000 Menschen in den Kreisen Steinfurt, Borken und Coesfeld im Dunkeln gesessen.

Die Betroffenen Bürger können nach Ansicht von Versicherern kaum auf die Regulierung ihrer Schäden hoffen. Sturm- und Schneeschäden an Gebäuden würden nur durch eine Elementar-versicherung gedeckt, erklärte die Verbraucherzentrale NRW. Ob verdorbenes Gefriergut erstattet werde, hänge von den jeweiligen Policen ab, sagte ein Sprecher der Westfälischen Provinzial.

Aus dem Kreis der Rettungskräfte wurde erste Kritik am Krisenmanagement laut. "Wir stehen uns hier die Beine in den Bauch", hatten Feuerwehrleute aus dem Hessischen berichtet. Mitgebrachte Notstromaggregate stünden nutzlos herum. Der Sprecher des Krisenstabes bei der Bezirksregierung Münster, Stefan Bergmann, wies die Kritik als unbegründet zurück. Es werde jedoch eine Manöverkritik geben.

Die Behörden in den vom Schneefall der vergangenen Tage besonders stark betroffen Gebiete warnten am Montag vor Dachlawinen in den Städten und vor Schneebruch in den Wäldern. Von den Waldschäden ist am stärksten das bergische Städtedreieck Remscheid, Solingen und Wuppertal betroffen. In einigen Kreisen wurde den Eltern auch für Dienstag frei gestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken. In der Regel sollte der Unterricht aber wieder aufgenommen werden.

Der Verkehr auf Straße und Schiene in Nordrhein-Westfalen hatte sich am Montag nach stundenlangen Verspätungen bei der Bahn am Wochenende, kilometerlangen Staus und gesperrten Autobahnen wieder normalisiert. Allerdings gab es vereinzelt noch Straßen-sperrungen wegen gefährlich tief hängender Stromkabel.

Verbraucherbund: RWE soll für Schäden bei Stromausfällen haften
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
28.11.2005

BONN - Nach den Rekord-Schneefällen und den Stromausfällen im Münsterland hat der Bund der Energieverbraucher eine Schadenshaftung durch den Versorger RWE gefordert. "Wer das Geschäft macht, darf sich bei der Haftung nicht drücken", erklärte der Bund am Montag in Bonn. Es könne nicht sein, dass Gewinne der Stromkonzerne privatisiert und Kosten von der Allgemeinheit getragen werden müssten. Der Bund der Energieverbraucher bemängelte, dass die Branche ihre Investitionen in das Stromnetz Jahr reduziert habe.

Rheinisches Braunkohle-Revier ist größte CO2-Schleuder Europas
Epo.de / Entwicklungspolitik online
25.11.2005

HAMBURG (epo). - Der Kraftwerksstandort Rheinisches Braunkohlerevier ist die größte Kohlendioxid-Quelle Europas. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Öko-Instituts im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. Zwischen Aachen, Düsseldorf und Köln betreibe der Stromkonzern RWE vier Braunkohlekraftwerke, "die auf kleinstem Raum zusammen mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen als jede andere Region Europas", so Greenpeace.

"Auf internationalen Klimakonferenzen wie der, die Montag in Montreal, Kanada, beginnt, spielt Deutschland sich gerne als Vorreiter beim Klimaschutz auf. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Politiker haben bisher die Klimazerstörung durch die RWE-Braunkohlekraftwerke nicht gestoppt, sondern sogar mit kostenlosen Emissionsrechten subventioniert", erklärte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Das Rheinische Braunkohlerevier ist ein klimapolitischer Schandfleck in Deutschland. Wer soll den Ankündigungen deutscher Politiker Glauben schenken, wenn wir nicht einmal unsere eigenen Hausaufgaben machen?"

Das Rheinische Revier ist ein von der Braunkohle geprägtes Gebiet, in dem die vier großen Kraftwerke Niederaußem, Frimmersdorf, Neurath und Weisweiler entlang des Tagebaus Garzweiler stehen. Zusammen stoßen sie Greenpeace zufolge fast 85 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr aus. Der gesamte Ausstoß an Kohlendioxid in den EU-Staaten beträgt jährlich rund vier Milliarden Tonnen. Allein das Rheinische Braunkohlerevier sei für mehr als zwei Prozent der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen in Europa verantwortlich, so das Ergebnis der Untersuchung.

"Das schlimmste ist, dass RWE jetzt plant, in Neurath noch ein weiteres Kohlekraftwerk zu bauen. Damit würde sich der CO2-Ausstoß noch einmal drastisch erhöhen", so Smid. Finanziell rentabel seien die klimazerstörenden Braunkohlekraftwerke, weil die Politik die Braunkohle durch kostenlose Emissionszertifikate unterstütze.
Greenpeace fordert, diese Verschmutzungsrechte nicht mehr kostenlos an die Stromkonzerne zu verteilen, sondern sie zu versteigern. "Nur so kann ein Anreiz für die Industrie geschaffen werden, den Klimaschutz endlich Ernst zu nehmen", sagte Smid.

Das Ökoinstitut hat die großen CO2-Quellen Europas analysiert. Dabei dominieren deutsche und polnische Kraftwerke die Liste der 30 Kraftwerke mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen. Der Energiekonzern Vattenfall stoße in seinen Kraftwerken Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe im Lausitzer Revier pro Jahr 51 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. Die polnischen Kraftwerksstandorte Belchatów, Rybnik, Brzezie k. Opola, Jaworzno, Laziska Górne und Polaniec seien für fast 65 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich.

RWE steigert Gewinn
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
16.11.2005

ESSEN - Der Versorgungskonzern RWE hat im bisherigen Jahresverlauf kräftig verdient und plant zum Jahreswechsel die nächste Strompreiserhöhung. Über die Höhe der Anpassung machte der Essener Konzern keine Angaben.
Während die Anträge zur Strompreisanhebung für Haushaltskunden bereits gestellt sind, will RWE beim Gas noch überlegen. Das sei auch abhängig von der Preisgestaltung der Gasproduzenten, sagte Finanzchef Klaus Sturany bei der Vorlage der Neunmonats-Zahlen in Essen mit. Die stark gestiegenen Energiepreise begründete der Konzern mit höheren Beschaffungskosten unter anderem für Kohle. Der Strompreis sei in Deutschland im ersten Halbjahr aber schwächer gestiegen als in anderen europäischen Ländern mit liberalisierten Märkten, betonte Sturany.

Den Zuwachs beim Betriebsgewinn von 4,46 auf 4,66 Milliarden Euro erklärte Vorstandschef Harry Roels mit den höheren Erlösen aus der Stromerzeugung und dem Strom- und Gasverkauf. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Niederländer dabei. Erwartet werde ein Überschuss im einstelligen Prozentbereich. Festhalten will RWE am Konzernumbau mit Schwerpunkt Gas- und Stromversorgung. Wegen der Trennung von Tochtergesellschaften soll der Umsatz mit rund 41 Milliarden Euro leicht unter das Vorjahresniveau von 42 Milliarden sinken. Der Verkauf der Beteiligungen schlug sich bereits in den Quartalszahlen nieder: So sank der Umsatz in den ersten drei Quartalen von 29,95 auf 29,41 Milliarden Euro, während der Überschuss um 90 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro zulegte.

RWE hatte sich in den vergangenen Quartalen von umfangreichen Beteiligungen wie dem Baukonzern Hochtief getrennt. Im Zuge der Konzentration veräußerten die Essener auch ihre Umweltsparte mit dem Kern Entsorgung und stellten das Wassergeschäft in Großbritannien und den USA zur Disposition.

Fortschritte machte RWE beim Abbau der Schulden, die in den ersten neun Monaten von 12,4 Milliarden auf 10,8 Milliarden Euro sanken. Dazu trug nach Darstellung von Sturany unter anderem der Verkauf von Beteiligungen bei. Der Schuldenstand soll sich aber zum Jahresende wieder leicht erhöhen, da RWE weiter investieren werde. Erst Anfang November hatte RWE den Kauf eines modernen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks für 230 Millionen Euro bekannt gegeben. Konkrete Großinvestitionen seien in naher Zukunft aber nicht geplant.

RWE profitiert von höheren Strompreisen
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
16.11.2005

ESSEN - Die deutlich gestiegenen Strom- und Gaspreise haben dem zweitgrößten deutschen Energieversorger RWE in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich mehr Geld in die Kassen gespült. Wie der Essener Konzern am Mittwoch mitteilte, stieg der Nettogewinn um
5,3 Prozent auf 1,697 Milliarden Euro. Das war allerdings weniger als von Experten erwartet: Von der AFP-Finanztochter AFX befragte Analysten hatten mit mindestens 1,715 Milliarden Euro gerechnet.
Zwischen Juli und September stieg der Konzernüberschuss um sechs Prozent auf
270 Millionen Euro. Der Umsatz ging in den ersten neun Monaten unter anderem wegen Firmenverkäufen um knapp zwei Prozent auf 29,4 Milliarden Euro zurück.
Grund für die gestiegenen Gewinne sind vor allem drastisch anziehende Energiepreise, aber auch Kosteneinsparungen bei RWE. So stiegen allein die Gaspreise in Europa nach RWE-Angaben in den ersten neun Monaten im Schnitt um 25 Prozent. RWE bestätigte zugleich die Prognose für das laufende Jahr. Beim Betriebsergebnis erwartet das Unternehmen einen Zuwachs im einstelligen Prozentbereich. Gleichzeitig sollen die Investitionen vor allem für die Modernisierung von Kraftwerken in Deutschland und Großbritannien auf insgesamt vier Milliarden Euro steigen.

RWE hält an Plänen zu Strompreiserhöhungen fest
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
16.11.2005

ESSEN - Der Versorger RWE will an den zum Jahreswechsel geplanten Strompreis-erhöhungen festhalten. Die Anträge seien gestellt und würden derzeit geprüft, bestätigte ein Sprecher von RWE Energy am Mittwoch in Dortmund. Die Erhöhungen sollen den überwiegenden Teil der Haushaltskunden betreffen. Über die Höhe wurden keine Angaben gemacht. Früheren Medienberichten zufolge könnte die Steigerung fünf bis sechs Prozent ausmachen. In den ersten neun Monaten hat RWE von hohen Strompreisen profitiert und sein Ergebnis gesteigert.

RWE npower erwirbt Great Yarmouth Power
Boerse.de, Finanzportal
08.11.2005

RWE nPower hat die Great Yarmouth Power Ltd (GYPL) von der BP UK Power Holdings Ltd übernommen. GYPL ist Eigentümerin des 420 Megawatt (MW) Gas- und Dampfturbinen-kraftwerks bei Great Yarmouth in Norfolk, Großbritannien.

Das Unternehmen wird ohne langfristige Gasversorgungs- und Stromabnahmeverträge zu einer Gesamtkaufsumme von 155 Mio. Pfund (ca. € 230 Mio.) erworben. Zu dem Kraftwerk gehören Kohlendioxid-Emissionsrechte gemäß den Vorgaben des EU-Emissionshandelssystems (erste Phase).

Das Kraftwerk Great Yarmouth wurde 2002 in Betrieb genommen und ist eines der modernsten Kraftwerke in Großbritannien. Es verfügt über einen guten Standort, ist hocheffizient und flexibel und kann entsprechend der wechselnden Nachfrage schnell und zuverlässig hochgefahren und abgeschaltet werden. Das Kraftwerk erzeugt so viel Strom, um mehr als 300.000 Haushalte zu versorgen.

"Dies ist eine wertvolle Ergänzung unseres diversifizierten Kraftwerksparks", so Andrew Duff, Vorstandsvorsitzender von RWE npower. Durch den Kauf erhöhe sich der Anteil der Stromerzeugung mit geringem Kohlendioxid-Ausstoß, was im derzeitigen Markt ein finanziell äußerst sinnvoller Schritt sei.
"Investitionen in den Neubau von Kraftwerken sind jedoch noch mit einem zu hohen Risiko verbunden auf Grund der Unsicherheiten, was die Umsetzung der neuen energiewirtschaft-lichen EU-Regelungen in Großbritannien angeht", so Duff.

Das Kraftwerk Great Yarmouth verfügt über eine fest zugeordnete Pipeline, die die Anlage direkt vor dem Gasterminal Bacton an das Nationale Gasnetz anschließt.

Der Erwerb erhöht den Bestand an sauberen GuD-Kapazitäten von RWE npower von 2.080 auf 2.500 MW. Im Besitz des Unternehmens befinden sich auch das GuD-Kraftwerk Didcot 'B' in Oxfordshire und Little Barford in Cambridgeshire.

RWE kauft britisches Kraftwerk für 155 Mio GBP
Finanztreff.de
08.11.2005

ESSEN - Die RWE AG, Essen, hat über ihre Tochter RWE npower die Great Yarmouth Power Ltd (GYPL) von der BP UK Power Holdings Ltd übernommen. GYPL besitze ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk bei Great Yarmouth in Norfolk mit einer Leistung von 400 Megawatt, teilte RWE am Dienstag mit. Das Unternehmen werde ohne langfristige Gasversorgungs- und Stromabnahmeverträge zu einer Gesamtsumme von 155 Mio GBP erworben. Zu dem Kraftwerk gehören Kohlendioxid-Emissionsrechte gemäß den Vorgaben des EU-Emissionshandels-systems (erste Phase). Das Werk wurde 2002 in Betrieb genommen und ist eines der modernsten Kraftwerke in Großbritannien, wie RWE schreibt.

RWE gibt globales Engagement im Wasserbereich auf
epo.de, Entwicklungspolitik online
08.11.2005

ESSEN (epo). - Der Essener RWE-Konzern hat sich entschlossen, sein internationales Wasserengagement auf ein Minimum zu reduzieren. Der Aufsichtsrat beschloss am
4. November 2005, die Tochterunternehmen Thames Water und American Water zu veräußern. Damit geht nach nur einem halben Jahrzehnt der Ausflug des RWE-Konzerns in das globale Wassergeschäft wieder zu Ende. Nachfolgend eine Analyse dieser Entwicklung von Frank Kürschner-Pelkmann.

"RWE räumt mit globalen Illusionen im Versorgungsgeschäft auf", lautete der Titel eines Beitrags in der Neuen Zürcher Zeitung vom 5. November 2005. Von den Erwartungen, als "global player" sprudelnde Gewinne zu machen, ist nichts übrig geblieben, und RWE wird seine Wasser-Tochterunternehmen nur mit Verlust verkaufen können. Als der Konzern Ende der 1990er Jahre ins internationale Wassergeschäft einstieg, prognostizierten Anlage-Analysten, dass mit dem immer knapper werdenden Gut Wasser Milliardengewinne zu machen wären: Wo Knappheit herrscht, winken große Geschäfte. Diese Einschätzung war selbst in den letzten Monaten noch in Artikeln für Kapitalanleger zu lesen. RWE hat auf die teure Art gelernt, dass dies so nicht stimmt.

Aber 1990 war die damalige Konzernleitung euphorisch und erwarb den Londoner Wasserversorger Thames Water zu einem deutlich überhöhten Preis. Die Aktionäre erhielten einen Zuschlag von 43% zum damaligen Aktienkurs von Thames Water. Den Anteilseignern kam dieses Angebot sehr gelegen. Nach mehr als einem Jahrzehnt hoher Gewinne und niedriger Investitionen in das Wasser- und Abwassernetz von London mussten sie nämlich damit rechnen, dass nun hohe Instandhaltungskosten und Investitionen in das marode Netz anfallen würden. RWE hingegen war vor allem an Thames Water interessiert, weil das Unternehmen in 44 Ländern rund um den Globus im Wassergeschäft tätig war. Auf einen Schlag wurde RWE so zum "global player". Außerdem wurde zu einem hohen Preis der US-amerikanische Versorgungskonzern American Water Works erworben.

Wie die französischen Konkurrenten Suez und Veolia musste RWE allerdings in den letzten Jahren erfahren, dass die Gewinne im Wasserbereich nicht so hoch wie erhofft ausfallen, weil die Aufsichtsbehörden den geplanten Erhöhungen der Wasserpreise nur begrenzt zugestimmt haben. Im Süden der Welt kam hinzu, dass es schlicht an Kaufkraft der Bevölkerung fehlte, um die hohen Einnahmeerwartungen der internationalen Konzerne zu erfüllen.

Auch gab und gibt es zwischen Montevideo und Manila massiven Widerstand dagegen, dass die Wasserkonzerne ständig die Preise erhöhen und ihre Leistungen unzureichend bleiben. Dies ist zum Beispiel in Jakarta der Fall, wo Thames Water sich engagiert hat. RWE hat deshalb schon vor Monaten die Entscheidung getroffen, sich aus dem Wassergeschäft in den Ländern des Südens zurückzuziehen. RWE-Chef Harry Roels erklärte im Frühjahr 2005 in einem Interview: "Das internationale Wassergeschäft außerhalb Großbritanniens und der USA ist kein Kerngeschäft mehr. Das werden wir abgeben." Nach der Ankündigung des Verkaufs von Thames Water und American Water erklärte Roels, das Konzept eines weltweiten Wasseranbieters sei "nicht aufgegangen".

Dass nun auch das Wasserengagement in Großbritannien und den USA beendet wird, hat mehrere Gründe. Ein Hauptgrund ist der hohe Investitionsbedarf. London ist dafür ein extremes Beispiel. Die Wasserverluste zwischen Wasserwerk und Wasserhahn sind in den letzten Jahren auf über 30% gewachsen. Das wollen die Aufsichtsbehörden nicht länger hinnehmen und fordern hohe Investitionen des Versorgungsunternehmens ein.

Milliardeninvestitionen sind auch im völlig überalterten Abwassernetz dringend erforderlich. Dies zeigt sich bei jedem stärkeren Regen, wenn die Siele überfließen und große Mengen ungeklärte Abwässer in die Themse fließen. Thames Water muss immer wieder wegen Umweltvergehen vor Gericht erscheinen, es gibt keine Alternative zu Investitionen in die Sanierung der Leitungsnetze, die zum Teil noch aus der Zeit von Königin Victoria stammen.

Aber statt der erhofften 38% Preiserhöhung für die kommenden fünf Jahre wurden Thames Water nur 22% bewilligt. Das hat angesichts des Investitionsbedarfs von etwa fünf Milliarden Euro gravierende Auswirkungen auf die Gewinne. Auch das US-amerikanische Leitungsnetz bedarf großer Investitionen. Gegenwärtig fließen mehr als 40% der RWE-Investitionen in den Wassersektor, der aber nur mit knapp 10% zum Umsatz beiträgt.

Hinzu kommt, dass das früher viel gepriesene "multi-utility"-Konzept sich als große Illusion erwiesen hat. RWE wollte in möglichst vielen Regionen der Welt Elektrizität, Gas, Wasser und andere Dienstleistungen aus einer Hand anbieten und dadurch Kosten sparen. Aber was seit mehr als einem Jahrhundert jedes kommunale Stadtwerk leistet, ließ sich global nicht durchsetzen, weil es RWE nicht gelang, alle Versorgungsbereiche in den gleichen Regionen zu übernehmen. Was übrig blieb, war ein Flickenteppich von Beteiligungen im Gas-, Strom- und Wasserbereich, verteilt über große Teile des Globus.

Als weiterer Faktor kommt hinzu, dass RWE wieder hohe Gewinne im Energiebereich erzielt. Als Ende der 1990er Jahre die europäischen Strom- und Gasmärkte liberalisiert wurden, rechnete RWE in diesen Bereichen wegen härterer Konkurrenz mit sinkenden Erträgen, ein wesentlicher Grund für die Expansion in den Wasserbereich. Aber inzwischen werden im Energiebereich wieder sehr hohe Gewinne erzielt, während der Wasserbereich längerfristig als ertragsschwächer angesehen wird. Der Anlagen-Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim erklärte am 24. Oktober 2005 in einem Interview zu RWE: "Mittlerweile haben sich die mittel- und langfristigen Aussichten in der Stromerzeugung wieder deutlich verbessert. Insofern ist der Wasserbereich nicht mehr zwingend notwendig für das Versorger-Geschäft".

Der Verkauf der Wasser-Tochterunternehmen hat auch den Vorteil, dass die Verschuldung des RWE-Konzerns weiter sinken wird. Durch viele Zukäufe war sie Anfang der 1990er Jahre auf etwa 24 Milliarden Euro gestiegen. Dank der anschließenden Verkäufe verschiedener Tochterunternehmen wie des Baukonzerns Hochtief ist sie inzwischen auf die Hälfte gesunken. Die geplanten Verkäufe erlauben eine weitere Schuldenabtragung und vermindern damit die Zinslast deutlich.

RWE will zunächst versuchen, Thames Water zu verkaufen, sei es durch einen direkten Verkauf an Investoren oder sei es durch einen Börsengang. Anschließend wird American Water abgestoßen. Bei beiden Verkäufen, die 2007 abgeschlossen sein sollen, ist gegenüber den überhöhten Einkaufspreisen mit Milliardenverlusten zu rechnen. Analysten rechnen mit Erlösen von 12 Milliarden Euro für beide Verkäufe, aber allein der Thames Water-Kauf hatte RWE etwa 11 Milliarden Euro gekostet.

Nicht mit verkauft werden die Beteiligungen von RWE an den Berliner Wasserbetrieben, an zahlreichen deutschen Wasserwerken und Stadtwerken sowie an Wasserwerken im osteuropäischen Raum. Die verbliebenen Wasseraktivitäten werden in RWE Energy integriert.

Den RWE-Aktionären wird versprochen, dass sie an den Verkaufserlösen partizipieren werden. In den kommenden zwei Jahren soll die Ausschüttungsquote des nachhaltigen Nettoergebnisses von 50% auf 70-80% steigen. Die Dividenden steigen also deutlich, und das hat bereits in den letzten Tagen zu einer merklichen Erhöhung des RWE-Kurses geführt.

Allerdings: Es entsteht ein neues Glaubwürdigkeitsproblem. Denn just zu dem Zeitpunkt, wo den Aktionären ein steigender Anteil an den Gewinnen versprochen wird, hat RWE eine Anzeigenkampagne gestartet, in der der Eindruck erweckt wird, unser Wohlstand hänge davon ab, dass RWE hohe Gewinne mache und diese investiere.

In der Anzeige wird nicht erwähnt, dass die Gewinne des "starken" Unternehmens zu 70-80% an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen, während die Strom- und Gaskunden mit wachsendem Zorn erleben müssen, dass die Preise ständig steigen. In der Anzeige ist von "marktgerechten" Preisen die Rede, und es heißt dann: "Wir sind bereit, dieses Geld zu investieren. Das ist unser Angebot an unsere Kunden sowie an Politik und Wirtschaft. RWE. Für Sie da."

Ob die Aktionäre vergeblich auf ihre hohen Dividenden warten müssen, weil der Konzern alles Geld investiert, oder ob die Kunden hohe Dividenden mit hohen Strom- und Gaspreisen bezahlen, das werden wir in den kommenden Monaten erleben.
Frank Kürschner-Pelkmann arbeitet als freier Journalist in Hamburg und hat u.a. "Das Wasser-Buch" veröffentlicht, das in diesem Herbst im Verlag Otto Lembeck erschienen ist. Weitere Informationen zu globalen Wasserproblemen finden Sie unter http://www.wasser-und-mehr.de/.

Verkauf der Wassersparte ist für RWE ein Befreiungsschlag
DIE WELT, Print-Ausgabe
08.11.2005

Versorger erhöht Chancen im Übernahme-Poker

ESSEN/BERLIN - Dietmar Kuhnt hatte eine Vision: Der ehemalige RWE-Vorstandsvorsitzende wollte den Verbrauchern Strom, Gas, Wasser und Entsorgung aus einer Hand anbieten. "Multi Utility" nannte sich diese Strategie. Ihr fühlte sich auch der Niederländer Harry Roels, seit 2003 RWE-Chef - verbunden - ganze zwei Jahre lang.

Seit Freitag ist alles anders:
Roels beendete die 20 Mrd. Euro teure Spritztour ins Wassergeschäft - und schließt damit in seiner fast geräuschlosen Art einen umfassenden Konzernumbau ab, in dessen Verlauf bei der RWE kaum ein Stein auf dem anderen blieb. So stieß Roels fast unbemerkt die Wassergeschäfte in Südamerika, Asien und Australien ab, verkaufte Beteiligungen wie Hochtief und Heidelberger Druck, veräußerte die Entsorgungssparte RWE Umwelt und setzte den Verkaufsprozeß für die Dienstleistungssparte RWE Solutions in Gang. Ergebnis: Die RWE ist ein fokussierter Strom- und Gasversorger, der groß und gleichzeitig schlank genug ist, um in der anrollenden Konsolidierungswelle der Energiebranche nicht unterzugehen.

Die Tochterunternehmen in Großbritannien und in den USA, Thames Water und American Water Works, sollen bis 2007 veräußert werden. Das Global-Player-Konzept habe nicht wirklich funktioniert, räumt Roels ein. Synergieeffekte hätten sich nicht wie erwartet eingestellt.

Überraschend kann diese Erkenntnis nicht gekommen sein. Schließlich ist das Wassergeschäft keines, das mit rasantem Wachstum glänzt - jedoch stetige, solide, vom staatlichen Regulierer abgesicherte Gewinne abwirft. Doch angesichts der geringen Synergie-Effekte mit anderen Sparten sei im Wassergeschäft einfach zuviel Kapital gebunden, befand Roels: Milliarden mußten ausgegeben werden, um die maroden Leitungsnetze abzudichten. Obwohl die internationale Wassersparte nur 23 Prozent des Gewinns einbrachte, erforderte sie 43 Prozent der Investitionen. Ein Mißverhältnis, das Roels sofort beendete, als er die Chance dafür gekommen sah.

Die Chance ergab sich durch das, was einige Analysten die amerikanische "Wasserblase" nennen: Die Aktien von US-Wasserversorgern gewannen seit Jahresbeginn enorm an Wert. Anteilsscheine von Aqua America, einem Wettbewerber der RWE-Tochter, verteuerten sich innerhalb weniger Monate um rund 35 Prozent. Damit sah Roels eine Möglichkeit, sich endlich mit keinen oder nur geringen Buchverlusten aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Sein Vorgänger Kuhnt hatte in Summe rund 20 Mrd. Euro für das Wasser-Geschäft in Großbritannien und den USA ausgeben. Analysten schätzen, daß American Water mit 8,4 Mrd. Euro von ihm bereits um 62 Prozent überteuert eingekauft wurde. Ingesamt dürfte Roels heute nur noch 13 bis 15 Mrd. Euro für die Beteiligungen erlösen können.

Trotz der drohenden Buchverluste war der Schritt überfällig. Denn im europäischen Energiepoker wird mit hohen Einsätzen gespielt: Frankreichs Energiemonopolisten Gaz de France und Electricité de France werden teilprivatisiert, in Spanien droht Marktführer Endesa die Übernahme, der gesamte osteuropäische Markt steht vor der Aufteilung. Es wird bald zu einigen teuren Bietergefechten gegen E.on und die anderen Rivalen aus Frankreich, Italien, Spanien und Schweden kommen. RWE hat nun die Chance, einige davon zu gewinnen.

Landgericht Köln bestätigt: RWE darf Klimakiller genannt werden
News-Aktuell, Presseportal
07.11.2005

Gericht lehnt einstweilige Verfügung gegen Greenpeace ab

HAMBURG - Das Landgericht Köln hat Greenpeace Recht gegeben: Der Energiekonzern RWE darf als Klimakiller bezeichnet werden. Am 26. Oktober wies das Gericht den Antrag von RWE auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Greenpeace zurück. Das Gerichtsurteil stellt ausdrücklich fest: RWE betreibt Kraftwerke und setzt große Mengen Kohlendioxid frei, die dem globalen Klimahaushalt nicht förderlich sind. Deshalb sei es schlüssig, RWE als "Klimakiller" zu bezeichnen.

Dazu erklärt Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace: "Da helfen alle gut gestalteten Werbeanzeigen nichts. RWEs Kerngeschäft ist die Energieerzeugung mit Uralttechnologie. Das gefährdet uns alle. Der Versuch von RWE, Greenpeace das Wort zu verbieten und die Menschen über die Auswirkungen ihrer Firmenpolitik zu täuschen, ist gescheitert."

Anlässlich des Weltjugendtages hatte das Landgericht Köln Greenpeace am 19. August 2005 auf Antrag des Stromkonzerns RWE verboten, ein Flugblatt über deren klimazerstörende Strompolitik zu verteilen. Mit dem Flugblatt wollte Greenpeace die Teilnehmer des Weltjugendtags darüber informieren, dass das sie umgebende Braunkohlerevier das Klima mit über eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid geschädigt hat. Auch das Marienfeld, auf dem der Abschlussgottesdienst stattfand, gehört zu diesem Revier. Bei einem Verstoß gegen das Verteilungsverbot drohte Greenpeace eine Strafe von bis zu 250.000 Euro. Diese einstweilige Verfügung ist nun hinfällig.

Greenpeace fragte in dem verbotenen Flugblatt u.a.: "Wussten Sie eigentlich, dass RWE der größte Klimakiller Europas ist, der statt in nachhaltige CO2-ärmere Technologien auf fossile rückständige Braunkohle setzt?" Schon heute ist RWE in Deutschland der größte Betreiber von Braunkohle-Kraftwerken. Europaweit ist RWE für 15 Prozent der Kohlendioxid-Belastung aus der Stromgewinnung verantwortlich und mit jährlich über 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid größter Produzent von Treibhausgasen europaweit.
Zusätzlich plant RWE in Neurath bei Köln zwei neue Braunkohle-Blöcke zu bauen. Das umstrittene neue Kraftwerk würde dann jährlich ca. 32 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft blasen, was fast dem Gesamtausstoß von Neuseeland entspricht. "Die Konzernführung von RWE handelt unverantwortlich. Statt aus den Klimakatastrophen der letzten Jahre zu lernen, macht RWE weiter wie bisher. Das Leid der Menschen, die durch die Unwetter geschädigt werden, scheint RWE egal zu sein", sagt Smid.

Für Klima-Wissenschaftler ist klar: Je mehr Kohlendioxid wir in die Luft ausstoßen, desto stärker heizt sich das Treibhaus Erde auf. Die Folgen: Gletscher schmelzen, Küstenregionen drohen im steigenden Meer zu versinken. Überschwemmungen, Stürme und Dürren nehmen zu. Greenpeace fordert von RWE in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu investieren statt in Braunkohle.

RWE leitet Kehrtwende ein
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
04.11.2005

ESSEN - Fünf Jahre nach dem milliardenschweren Einstieg ins weltweite Wassergeschäft hat der Essener Versorger RWE am Freitag eine Kehrtwende eingeleitet. Mit dem nun bis zum Jahr 2007 geplanten Verkauf von American Water in Nordamerika und RWE Thames Water in Großbritannien verabschiedet sich RWE-Konzernchef Harry Roels damit weitgehend von der unter seinem Vorgänger Dietmar Kuhnt eingeleiteten Strategie.

Der seit Februar 2003 an der Spitze des Essener Konzerns stehende Niederländer Roels hat nun die renditestarken Strom-und Gasmärkte ins Visier genommen. Im Zentrum werden dabei die zusammenwachsenden Strom- und Gasmärkte in Europa stehen, kündigte das Unternehmen am Freitag in Essen an. Im Blick seien etwa die Märkte in Osteuropa wie auch in Großbritannien, kündigte RWE-Chef Roels an.

Unter dem eher sperrigen Titel "Multi-Utility" hatte Roels- Vorgänger Kuhnt noch im Jahr 2000 für den Aufbau eines Versorgers "aus einer Hand" mit den Sparten Strom, Gas, Wasser sowie Entsorgung geworben. Passend dazu hatte er kurz vor dem Einstieg bei Thames Water das heute noch gültige RWE-Logo der "weißen Hand" aus der Taufe gehoben.

Millionen von bereits vorhandenen Stromkunden sollten nach den Ideen des damaligen RWE-Chefs auch für andere Produkte und Dienstleistungen wie Gas, Wasser und Müllentsorgung gewonnen werden. "Wenn man schon eine Kundenkartei hat, kann man die auch für andere Produkte nutzen und dabei erheblich Geld sparen", warb Kuhnt damals für seine Strategie.

Die erhofften Erfolge blieben jedoch nach Auffassung vieler Beobachter aus. Nach der Trennung von der Müllsparte stehen nun mit Ausnahme des kontinentaleuropäischen Wassergeschäfts weite Teile des damaligen Hoffnungsträgers auf der Verkaufsliste. Allein den Einstieg in das britische Wassergeschäft von RWE Thames Water hatte sich RWE damals rund sieben Milliarden Euro kosten lassen. Spekulationen über einen Ausstieg aus der wenig lukrativen Sparte hatte es bereits seit längerem gegeben.

Neben einem Schuldenabbau in Milliardenhöhe sollen auch die RWE- Aktionäre durch eine vorübergehende Erhöhung der Ausschüttungsquote von den nun vorgesehenen Verkäufen profitieren. Geplante Investitionen in das Strom-und Gasgeschäft stehen dagegen bei RWE bereits seit längerem ganz oben auf der Liste. In die Erneuerung des deutschen Kraftwerksparks und der Stromnetze sollen in den kommenden Jahren Milliarden Euro fließen.

RWE braucht kein Wasser mehr
Boerse.ARD.de
04.11.2005

Der deutsche Versorger hat Gerüchte bestätigt, nach denen er sich von seinen Wasser-Aktivitäten trennen will. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, sollen die Wasser-Töchter in den USA und Großbritannien unter den Hammer kommen.

In einem schwachen Gesamtmarkt gehörte die RWE-Aktie am Freitagnachmittag zu den wenigen Gewinnern im Dax. Die Nachricht, das man sich von den Wasser-Aktivitäten trennen will, hatten die meisten Investoren allerdings erwartet. Bereits vor knapp zwei Wochen war in verschiedenen Medien über diese Möglichkeit spekuliert worden.

Erst die USA, dann Großbritannien

Nun hat das Unternehmen per Pflichtmitteilung auch einen Weg aufgezeichnet, auf dem die Trennung vom Wassergeschäft ablaufen kann, die für das Jahr 2007 vorgesehen sind. So sollen nach Unternehmensangaben zunächst "verschiedene Veräußerungsaktivitäten" für die US-Gesellschaft American Water Works geprüft werden. Dazu gehören sowohl ein Börsengang als auch die "Veräußerung an eine Gruppe von langfristig orientierten Investoren".

Sobald dies geschehen sei, wolle man sich auch um den Verkauf der britischen Thames Water kümmern. Wie dieser "Verkaufsprozess" aussehen könnte verriet RWE am Freitag nicht.

Verkäufe nur mit Verlust

Bereits im Vorfeld der nun bekannt gemachten Entscheidung war über eine Abtrennung der Wasseraktivitäten von RWE gemunkelt worden. Nach Medienberichten sollten alle Wasser-Aktivitäten außerhalb Europas unter einem gemeinsamen Dach vereinigt und an die Börse gebracht werden.

Das Wassergeschäft gilt im RWE-Konzern als renditeschwach und deshalb nicht haltenswert. Allerdings hatte das Unternehmen die Firmen in den Jahren 2000, bzw. 2003 zu hohen Preisen gekauft, die selbst ein Börsengang derzeit kaum wieder einspielen könnte. Analysten rechnen mit einem potenziellen Erlös von zwölf Milliarden Euro aus dem Verkauf der Wasser-Töchter. Allein elf Milliarden Euro hatte RWE vor fünf Jahren in den Kauf von Thames Water investiert.

Dividende soll steigen

Am Erlös aus dem Verkauf der Wassersparte will RWE auch die Aktionäre beteiligen. Die Dividende soll deutlich steigen. Nach dem Verkauf von American Water soll die Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2006 auf 70 bis 80 Prozent des "nachhaltigen Nettoergebnisses" steigen, teilte RWE am Freitag in Essen mit. Nach der Veräußerung von Thames Water sei für das Geschäftsjahr 2007 ebenfalls eine Ausschüttungsquote von 70 bis 80 Prozent geplant.

Störung im BoA-Block
Kölner Stadt-Anzeiger, Print-Ausgabe
29.10.2005

BERGHEIM-NIEDERAUSSEM - In der Nacht auf Donnerstag wurden die Rauchschwaden über dem größten Kühlturm des Niederaußemer Kraftwerks plötzlich merklich kleiner. Nach und nach ließen sie ganz nach.
Der BoA-Block war ausgefallen, wie RWE-Power auf Anfrage bestätigte. Als Grund gab ein Firmensprecher "eine Störabschaltung wegen elektronischer Probleme" an. Der Schaden am modernsten und größten Kraftwerksblock in Niederaußem habe jedoch schnell wieder behoben werden können. An diesem Samstag soll der Block wieder ans Netz gehen. Über die Kosten der außerplanmäßigen Abschaltung konnte RWE keine Angaben machen.

Bürger fordern Meßstation
Kölner Stadt-Anzeiger, Print-Ausgabe
29.10.2005

PULHEIM - In heller Aufregung sind die Mitglieder des Aktionsbündnisses "Stommelner Bürger - Leben ohne BoA". Im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die neuen BoA-Anlagen in Niederaußem und Neurath sind sie auf Unterlagen der Bezirksregierung Düsseldorf gestoßen. Darin heißt es, dass in der Zeit vom 17. Dezember 2002 bis zum 17. Juli 2003 die Tagesgrenzwerte für Feinstaub in Stommeln 41-mal überschritten wurden. "Zulässig sind nach EU-Recht 35 Überschreitungen pro Kalenderjahr", sagen Dieter Bunge und seine Mitstreiter.

Aufgeschreckt durch die Zahlen haben die Aktivisten ein vierseitiges Informationsschreiben für die Bürger verfasst. Doch gehen Bunge und Co noch weiter: Bunge: "Wir fordern erneut, dass eine Meßstation in Stommeln installiert wird." In dieser Sache habe er bereits Bürgermeister Dr. Karl August Morisse angesprochen. Bunge: "Doch wir wollen einen erneuten Antrag stellen und haben an ihn, als ersten Bürger der Stadt, die Bitte, dass er uns unterstützt. Man muss sich gegen den Verursacher RWE stellen."
"Es muss auch ein Aktions- und Luftreinhalteplan her", ergänzt Helmut Spahn. Um diesem Ziel näher zu kommen, will das Aktionsbündnis in Kürze einen entsprechenden Antrag beim Umweltministerium NRW und bei der Bezirksregierung stellen. Wenn all diese Bemühungen nichts bringen, dann scheuen die Aktivisten auch vor einer Klage nicht zurück.

RWE versteigert erstmals Kraftwerkskapazität in Internetauktion
Frankfurter Allgemeine, FAZ.NET
26.10.2005

DÜSSELDORF - Als erster deutscher Stromerzeuger wird die RWE AG, Essen, im Januar 2006 Kraftwerkskapazitäten im Rahmen einer Internetauktion versteigern.
Anbieten will das Unternehmen dann Erzeugungskapazitäten von insgesamt 300 Megawatt (MW), die in Blöcken mit einer Mindestleistung von 10 MW ersteigert werden können, wie RWE am Mittwoch bekannt gab. Die Kapazitäten kommen nicht aus einem bestimmten Kraftwerk des Konzerns und sind den Angaben zufolge immer abrufbar. Interessenten könnten sich damit quasi "ein virtuelles Kraftwerk" ersteigern, sagte eine Konzernsprecherin. Das Angebot richte sich an energieintensive Unternehmen, aber auch an Stadtwerke, Regionalversorger und Energiehändler.

Der Preis für die jeweilige Strommenge hängt von dem in der Internetauktion ermittelten Fixpreis ab, zum Endpreis kommen dann noch die jeweiligen Marktpreise für Importsteinkohle sowie für die CO2-Emissionsberechtigungen. Mit der Versteigerung komme der Konzern den in jüngster Zeit vermehrt geäußerten Wünschen einerseits nach langfristiger Versorgungssicherheit und andererseits nach einer flexiblen und marktorientierten Preisgestaltung entgegen, erklärte RWE. Kunden erhielten im Zuge einer langfristigen Lieferbeziehung auch die Möglichkeit, unmittelbar von fallenden Preisen für Brennstoff und CO2-Zertifikaten zu partizipieren.

Eine Versteigerung von Erzeugungskapazitäten mit einer flexiblen Preisbindung hat es nach Angaben von RWE bislang in Deutschland noch nicht gegeben. Im Ausland habe es dagegen schon erste Erfahrungen mit diesem Instrument gegeben. Der Erfolg der Auktion werde daher auch Aufschluss darüber geben, wie groß die Akzeptanz solcher flexiblen Langfristprodukte im deutschen Strommarkt sei, erklärte der Essener Versorger. Durchgeführt wird die Versteigerung am 30. Januar 2006 von einem "renommierten und unabhängigen Auktionator". Die Lieferverträge sollen von 2007 bis 2009 und 2010 bis 2012 laufen.

Argumentationshilfe RWE gegen den Atomausstieg
Die Zeit.de, Die Zeit-Online, Wirtschaft
26.10.2005

Der Stromkonzern RWE wirbt in SPD-Kreisen für unbegrente Laufzeiten.

Die Betreiber der Atomkraftwerke haben die Hoffnung nicht aufgegeben, eine Große Koalition könne ihren umstrittenen Meilern ein längeres Leben vergönnen. Der Energieriese RWE spickt derzeit ausgewählte Parlamentarier mit einer zweiseitigen Argumentationshilfe, die keinen Zweifel daran lässt, wohin die Reise gehen soll: in Richtung der Aufhebung des rot-grünen Ausstiegsgesetzes. RWE lanciert das Papier während der Koalitionsverhandlungen vor allem an SPD-Parlamentarier, um in deren Reihen Zweifel an der Logik des Ausstiegs zu wecken; die Unionsparteien wollen ihn ohnehin rückgängig machen.

Eine "unbegrenzte Laufzeit", heißt es in dem Papier, trage nicht nur zur Minderung der Kohlendioxidemissionen bei, sondern auch »zur Stabilisierung der Strompreise« - und zum Koalitionsfrieden. Käme es nicht zu einer Aufhebung der Laufzeitbegrenzung, wäre laut RWE in der neuen Legislaturperiode mit "mindestens fünf" Anträgen auf Übertragung von Strom-kontingenten von jüngeren auf ältere AKW zu rechnen. Möglich ist die Mengenübertragung bereits nach geltendem Recht, sofern sich darüber Umwelt- und Wirtschaftsminister sowie das Bundeskanzleramt einig sind. Allerdings würde ein solches Vorgehen regelmäßig zu Konflikten führen und "zwangsläufig eine kontroverse Diskussion auslösen", warnt RWE.

Die dürfte dem designierten Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ohnehin nicht erspart bleiben. Denn neben den Konzernen wenden sich nun auch zwei Gewerkschaften vom Ausstieg ab: ver.di und die IG Bergbau, Chemie, Energie. Einvernehmlich mit RWE, E.on, Vattenfall und EnBW fordern sie: "Einzelne Energieträger dürfen nicht aus ideologischen Gründen aufgegeben werden."

Geisterdorf Otzenrath: Jetzt kommen die Plünderer
EXPRESS
14.10.2005

OTZENRATH - Menschenleere Straßen, streunende Katzen und überall Ruinen: Dem einst beschaulichen Dorf Otzenrath hat das letzte Stündlein geschlagen.
Weil er auf den Braunkohlevorkommen von Garzweiler II gebaut wurde, wird der fast 1.000 Jahre alte Ort von der Landkarte getilgt. Nur noch 40 von früher 1800 Einwohnern verharren in dem Geisterdorf, das einmal ihre Heimat war.

Und jetzt kommen die Plünderer. Die handgemalten Schilder der letzten hartnäckigen Bewohner sind unmissverständlich: "Jeder, der dieses Grundstück unrechtmäßig betritt, muss damit rechnen beschossen, geschlagen oder von Hunden gebissen zu werden", heißt es an der Hoftür eines Otzenrathers.

Andere Nachbarn sind weniger aggressiv, sie haben längst resigniert: "Bewohnt und ausgeraubt. Bitte nicht einsteigen, nix da."
Im zwischen Mönchengladbach und Aachen gelegenen Otzenrath herrschen Zustände wie in einem Endzeitfilm. Einwohnerin Heike K. (Name geändert) traut schon lange niemandem mehr über den Weg.

Als sie vor ihrem Haus aus dem Auto steigt, hält sie ein Messer in der Hand: "Die Plünderer klauen sogar das, was niet- und nagelfest ist", berichtet sie. "Die kommen in ganzen Horden in unser Dorf eingefallen, klettern ganz unverfroren über die Zäune auf unsere Grundstücke. Da kann es schon mal passieren, dass man nach Hause kommt und die stehen in deiner Wohnung."

Den Rest erledigen die Bagger der Firma Rheinbraun. Aus Angst, von den Schaufeln der Ungetüme im Schlaf überrascht zu werden, schrieben einige Nachbarn "dieses Haus wird noch bewohnt" an ihre Wände. Die meisten Otzenrather haben ihre Heimat aufgrund dieser Zustände längst verlassen.

Sie leben am "neuen Ort", wie sie das zwölf Kilometer entfernte Dorf Neu-Otzenrath einhellig nennen. Denn der zur Umsiedlung von Rheinbraun aus dem Boden gestampfte Ort kann für sie keine neue Heimat darstellen. Ihr Otzenrath ist tot.

Davon zeugt auch die evangelische Kirche: Der Wetterhahn ist von der Turmspitze verschwunden, das Gotteshaus vernagelt und ausgesegnet. Chaoten haben den letzten Respekt verloren, die Fenster der Kirche mit Steinen eingeworfen.

Auf dem benachbarten Friedhof wird fieberhaft gearbeitet - auch die Verblichenen müssen nach Neu-Otzenrath umgesiedelt werden. Hildegard F. kehrte vom "neuen Ort" noch einmal in ihr ehemaliges Heimatdorf zurück: "Ich wollte sehen, ob der Grabstein meiner verstorbenen Verwandten schon ausgegraben wurde."

Bei der Gelegenheit beobachtet sie das makabre Treiben auf dem Friedhof. Ein Grab nach dem anderen wird ausgehoben, ganze Gruften aus dem Erdreich gegraben. Dann werden die Toten nummeriert und abtransportiert. "Diese Arbeit will auch nicht jeder machen", weiß Hildegard F., "dafür gibt's von Rheinbraun eine Extra-Zulage."

Um die zahllosen Katzen, die seit längerem durch das Geisterdorf streunen, kümmert sich unterdessen so gut wie niemand, nach der Schließung der Bauernhöfe sind die Tiere verwildert. Die letzten verbliebenen Einwohner zeigen sich mit ihnen solidarisch. Heike K.: "Wir haben für die Katzen Futterkrippen auf dem ehemaligen Schulgelände eingerichtet."

Bald wird auch sie ihre Siebensachen packen und zum neuen Ort ziehen: "Wir haben alle von Rheinbraun eine Abfindung bekommen, können in Neu-Otzenrath nagelneue - verschuldete - Häuser beziehen. Trotzdem kann das die Heimat nicht ersetzen. Die altbekannte Nachbarschaft kommt sich dort seltsamerweise gegenseitig fremd vor. Irgendwie ist es da kälter als hier."

Studien gegen Dreckschleudern
taz NRW, Nr. 7786
06.10.2005

Greenpeace und WWF machen Druck auf RWE:

Der Essener Energiekonzern setze unvermindert auf die Verstromung der klimaschädlichen Braunkohle statt auf Gas und erneuerbare Energieträger.

Bis 2010 will der Essener Stromerzeuger RWE seinen Kraftwerkspark erneuern.
30 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid sollen dann aus der rheinischen Tiefebene in die Atmosphäre steigen. Kein Grund zum Lob für Greenpeace und World-Wildlife-Founf (WWF):
Unabhängig voneinander veröffentlichten beide Umweltorganisationen jetzt Studien, die die Umweltverträglichkeit des Energiekonzerns in Frage stellen.
Hauptkritikpunkt: Anstatt Alternativen zum Klimakiller Braunkohle stark zu machen, setze RWE auf Effizienzsteigerung in Kohlekraftwerken.

"Dass man uralte Dreckschleudern durch ein paar Modifikationen ein bisschen effizienter macht und das dann zum Klimaschutz erklärt, ist eigentlich ein Witz", sagt Regine Günther, die Leiterin des Klimareferats beim WWF. Unter dem Namen "Dirty Thirty" hat die Umweltorganisation vorgestern eine Rangliste der schmutzigsten Kraftwerke Europas herausgegeben. RWEs Braunkohleriesen Frimmersdorf, Weisweiler, Neurath und Niederaußem stürmten geschlossen die Top Ten (taz berichtete). Nicht weiter verwunderlich: Die Kraftwerke in Frimmersdorf (Platz 2) und Weisweiler (Platz 6) feiern in diesem Jahr 50. Geburtstag, die beiden anderen sind nur unwesentlich jünger.

Der Kraftwerkspark soll nun - mit Ausnahme von Weisweiler - durch die so genannten "Braunkohlekraftwerke mit optimierter Anlagetechnik" (BoA) ersetzt werden. Statt einem Kilogramm CO2 (in Frimmersdorf sogar 1,27 Kg) werden dort nur noch bis zu 700 Gramm pro Kilowattstunde in die Luft geblasen.
"Im Moment ist das natürlich eine Verbesserung", sagt WWF-Frau Günther." Aber: Wenn man ein Kraftwerk erst einmal hat, kann man nicht mehr viel dran rumschrauben." Vor diesem Hintergrund neue BoAs zu bauen, wie es in Niederaußem geschehen und in Neurath bei Düsseldorf geplant ist, sei das Gegenteil von visionär. 40 Jahre brauche ein Kraftwerk, um sich zu ammortisieren. Erst dann sei wieder eine Energiewende möglich.

Doch bei RWE ist Günthers Wunschalternative nicht so beliebt, sagt ein Konzernsprecher: "Die Braunkohle ist der einzige heimische Rohstoff. Sie macht uns unabhängig von internationalen Märkten. Gas- und Ölpreise steigen derzeit ins Unermessliche."

Doch die Rohstoffpreise sind für Jonas Mey von Greenpeace kein Argument: "Langfristig brauchen wir auch kein Gas mehr. Die regenerativen Energien sind weiter, als viele denken. Was fehlt, ist ein großer Konzern, der für die Infrastruktur sorgt." Mey ist Herausgeber der Studie "2000 Megawatt -sauber!", mit der sich Greenpeace direkt an die RWE richtet.
Die Macher der Studie haben sich die Eckdaten des geplanten Neurather BoA-Doppelblocks genommen und versucht, innerhalb dieser Maßgabe ein Alternative zu entwickeln:
2,2 Milliarden Euro Investitionskosten, 16.000 Terrawattstunden Stromerzeugung im Jahr, vor allem aber zu jedem Zeitpunkt eine Leistung von 2.000 Watt, ohne Schwankungen waren gefordert. Für Mey ist das trotz der Wetterabhängigkeit regenerativer Energien kein Problem.
Der Vorschlag von Greenpeace: Ein Netz dezentraler Energiequellen; Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme, Biomasse und Gas sollen ihre jeweiligen Schwächen gegenseitig neutralisieren. Noch spielt auch in diesem "virtuellen Kraftwerk" Gas zwar als Ersatzenergieträger eine wichtige Rolle, langfristig hält Mey auch komplett regenerative Lösungen für möglich.

So weit möchte RWE nicht gehen, aber immerhin sieht der Konzern in der Studie ein "sinnvolles Element zur Erweiterung des Energie-Mix". Zudem fühlt man sich in Essen mehr bestätigt als angegriffen: Denn RWE kümmere sich bereits genau um die erwähnten Dinge, vornehmlich Geothermie und Offshore-Windparks. Zum genauen Umfang dieser regenerativen Maßnahmen schweigt der Konzern allerdings. Da gehe es um zu viele zu kleine Töpfe, heißt es.

Jonas Mey hat etwas andere Erfahrungen, die er am Beispiel der Offshore-Windparks belegt: "Ich kenne genug Leute, die bereit wären, in dortige Windkraftanlagen zu investieren. Doch RWE war leider nicht bereit, ein Seekabel zu verlegen."

"Dreckschleuder Frimmersdorf"
WDR-Aktuell online / wdr.de
04.10.2005

NRW-Kohlekraftwerke gehören zu den schmutzigsten in der EU

Die Kohlekraftwerke in NRW gehören nach einer Studie der Umweltorganisation WWF zu den umweltschädlichsten Stromerzeugern in Europa. Zweitgrößte Dreckschleuder ist dabei das Kohlekraftwerk Frimmersdorf im Kreis Neuss.

In der Studie mit dem Titel "Dreckige Dreißig" werden die Kraftwerke mit dem stärksten Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) in Relation zu ihrem Effizienzniveau aufgelistet.
Fünf der zehn schmutzigsten Anlagen Europas stehen demnach in Deutschland.
Vier davon würden vom Energieunternehmen RWE in Nordrhein-Westfalen betrieben.
RWE sei der größte CO2-Produzent auf dem europäischen Energiemarkt, errechneten die Umweltschützer.

Die vier Anlagen aus NRW liegen alle am Rande der großen Braunkohletagebaue: Frimmersdorf bei Grevenbroich im Kreis Neuss liegt auf Platz zwei in Europa, das Kraftwerk Weissweiler bei Köln auf Platz sechs, Neurath, ebenfalls bei Grevenbroich gelegen, auf Platz sieben und das Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim auf Platz zehn.

CO2-reiche Braunkohle
"Dirty Thirty": Schmutzige Kohlekraftwerke


"Das ist auch kein Wunder", sagte Stefan Lechtenböhmer vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie zu wdr.de. "Die genannten Kraftwerke werden alle mit Braunkohle befeuert, und das ist nun einmal eine sehr CO2-reiche Energie."
Die CO2-Emissionen lägen gut doppelt so hoch wie bei einem modernen Gaskraftwerk und immer noch um einiges höher als bei einem Steinkohlekraftwerk.
"Dazu kommt, dass die Kraftwerke zum Teil sehr alt sind, einige Blöcke stammen noch von 1950 bis 1960."

RWE setzt auf BoA-Technologie

RWE will die alten Kraftwerksblöcke nach und nach durch moderne ersetzen. "Die heimische Braunkohle ist der einzige subventionsfreie Energieträger, der in Deutschland herangezogen werden kann", sagte Pressesprecher Manfred Lang. Man sei daher auf die Braunkohle angewiesen.
RWE investiere in Braunkohlekraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA), wie beispielsweise den neuen Block in Niederaußem. Dort habe man den CO2-Ausstoß gegenüber Altanlagen um 30 Prozent senken können.
Auch am Standort Neurath würden zwei neue Blöcke mit BoA-Technologie errichtet.

"Die Frage ist nur, ob es überhaupt sinnvoll ist, weiter auf die Verstromung der Braunkohle zu setzen, denn hier lassen sich nur Wirkungsgrade von um die 43 Prozent erreichen", so Stefan Lechtenböhmer.
Das bedeutet, dass nur 43 Prozent der in der Kohle enthaltenen Energie auch in Strom umgesetzt werden können. Dabei gelte dieser Wert für die neuen Blöcke im Kraftwerk Niederaußem. Die alten Braunkohlekraftwerke wie Frimmersdorf erreichten noch nicht einmal einen Wirkungsgrad von 30 Prozent.

Viele alte Kraftwerke werden ersetzt

Insgesamt beherbergt Deutschland nach der Studie des WWF neun der 30 dreckigsten Anlagen. Wie in NRW sollen in ganz Europa viele der älteren Kraftwerke dem zufolge jedoch in den kommenden Jahren vom Netz genommen werden. "Ein historischer Spielraum, um die Verschmutzung durch CO2 einzuschränken", heißt es in der Studie.
Würden sie durch modernere Kohlekraftwerke ersetzt, könne der CO2-Ausstoß bis 2030 um 13,5 Prozent gesenkt werden. Ein Wechsel zu Gaskraftwerken könne den CO2-Ausstoß um 47,8 Prozent reduzieren, ein Umstieg auf erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Wasserkraft um 73,4 Prozent.

Für seine Studie berechnete der WWF den CO2-Ausstoß pro produzierter Kilowattstunde Strom. CO2 ist das wichtigste Treibhausgas, das für den globalen Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Der Energiesektor sei verantwortlich für 37 Prozent des vom Menschen produzierten Kohlenstoffdioxids, sagte WWF-Energieexpertin Imogen Zethoven.

"Trittin wirft Eon und RWE "Abzocke" vor"
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
01.10.2005

HAMBURG - Mit scharfer Kritik hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) auf die Ankündigung der Energiekonzerne Eon und RWE reagiert, die Strompreise für Millionen Haushalte zum Jahreswechsel erneut deutlich anzuheben.
"Die Abzocke geht weiter, auch diese neue Strompreisrunde ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte Trittin der "Bild am Sonntag".
Zugleich appellierte der Grünen-Politiker an die Landesregierungen, die Preiserhöhungen zu verhindern.
"Ich fordere die Länder-Wirtschaftsminister auf, das nicht mitzumachen und ihre Genehmigung für die Tariferhöhung zu verweigern."
Sprecher von Eon und RWE hatten in der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe) bestätigt, dass nahezu alle regionalen Versorgungstöchter der beiden Konzerne in diesen Tagen die Genehmigung für die Preisanhebungen bei den Wirtschaftsministerien der Länder beantragen.
Zur exakten Höhe der angepeilten Preissteigerungen wollten sich RWE und Eon demnach noch nicht äußern, da die Daten zuerst den Behörden übermittelt werden müssten.
Aus Branchenkreisen verlautete jedoch, dass die Konzerne eine Anhebung von fünf bis sechs Prozent anstreben.

Bei RWE sind rund 7,2 Millionen und bei Eon rund acht Millionen Kunden von den geplanten Preiserhöhungen betroffen. Für weitere rund zwei Millionen Eon-Kunden in Bayern steht der Zeitung zufolge bereits fest, dass sie ab Januar 2006 mehr für ihren Strom bezahlen müssen.
Hier hatte die Staatsregierung schon bei der Genehmigung der letzten Tariferhöhung Ende 2004 eine weitere Anhebung mit genehmigt.

Dagegen will der Energiekonzern Vattenfall Europe mit den Versorgern Bewag (Berlin) und HEW (Hamburg) nach eigenen Angaben seine Stromtarife über den Jahreswechsel hinaus konstant halten.
Auf Nachfrage wollte sich der Konzern jedoch nicht dazu äußern, ob diese Zurückhaltung zumindest für das erste Quartal des kommenden Jahres und damit für die kalten Wintermonate Bestand haben wird. Auch die Karlsruher EnBW, die ihre Stromtarife für Haushaltskunden als einziger der großen Versorger nicht genehmigen lassen muss, plant nach Unternehmensangaben derzeit keine Preiserhöhungen zum Jahreswechsel.

"Weltjugendtag: RWE zensiert die Braunkohle-Geschichte des Marienfelds"
Umweltjournal / Online
20.08.2005

KÖLN - Das Landgericht Köln hat Greenpeace am Freitag auf Antrag des Stromkonzerns RWE verboten, ein Flugblatt über deren Klima zerstörende Strompolitik zu verteilen.
Mit dem Flugblatt hat Greenpeace die Teilnehmer des Kölner Weltjugendtags über den Kohlendioxid-Ausstoß durch die Verstromung von Braunkohle informiert.

Auf dem Marienfeld, auf dem am Sonntag der Abschlussgottesdienst des Weltjugendtags gefeiert werden soll, wurde früher Braunkohle gefördert. Bei deren Verbrennung wurden über eine Milliarde Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt. Bei Verstoß gegen die einstweilige Verfügung droht Greenpeace eine Strafe von bis zu 250.000,- Euro. Die Umweltorganisation wird Widerspruch einlegen.

"Das ist Zensur", sagt Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace. "RWE will sich auf dem Weltjugendtag als großer Sponsor präsentieren und Greenpeace verbieten, die wahre Geschichte über das Marienfeld zu erzählen." Greenpeace fragt in dem verbotenen Flyer:

"Wussten Sie eigentlich, dass dieser Tagebau von 1952 bis 1986 Braunkohle geliefert hat, aus der Brennstoffe und vor allem über eine Milliarde Tonnen des Klimagases Kohlendioxid frei gesetzt wurden?
Wussten Sie eigentlich, dass RWE, einer der international führenden Energieversorger, der größte Klimakiller Europas ist, der statt in nachhaltige CO2-ärmere Technologien auf fossile rückständige Braunkohle setzt?"

Das verbotene Greenpeace-Flugblatt ist eine satirische Abwandlung eines RWE-Flugblattes. RWE richtet sich damit ebenfalls an die Teilnehmer des Weltjugendtags und lobt die "nachhaltig hochwertige Rekultivierung" des Braunkohlen-Tagebaugebiets.
Die Stromerzeugung aus Braunkohle bezeichnet RWE darin als "sichere Versorgung von Millionen von Menschen".

"Wenn RWE an der Braunkohle festhält, ist das für Millionen von Menschen alles andere als sicher", sagt Karsten Smid. Für Klima-Wissenschaftler ist klar: Je mehr Kohlendioxid wir in die Luft ausstoßen, desto stärker heizt sich das Treibhaus Erde auf. Die Folgen:
Gletscher schmelzen, ganze Küstenregionen drohen im steigenden Meer zu versinken.
Überschwemmungen, Stürme und Dürren nehmen zu.
Greenpeace fordert von RWE, in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu investieren statt in Braunkohle.

Hier der Text des jetzt verbotenen Greenpeace-Flyers:

Junge, lebendige Landschaft
Wussten Sie eigentlich ...
... dass das Marienfeld, auf dem Sie den Abschlussgottesdienst des Weltjugendtags 2005 feiern, früher ein 250 Meter tiefer Tagebau war?
... dass dieser Tagebau von 1952 bis 1986 Braunkohle geliefert hat, aus der Brennstoffe und vor allem über eine Milliarde Tonnen des Klimagases Kohlendioxid frei gesetzt wurden?
... dass 675 Jahre Kulturgeschichte für immer verloren und durch Umsiedlung von Menschen in neue Orte nicht zu ersetzen sind?
... dass pro Tonne geförderter Braunkohle 650 Kubikmeter Wasser gefördert werden und dieses ungenutzt in Flüsse abgeleitet wird - Trinkwasservorräte von hervorragender Qualität, die unseren Nachkommen fehlen werden?
... dass RWE, einer der international führenden Energieversorger, der größte Klimakiller Europas ist, der statt in nachhaltige CO2-ärmere Technologien auf fossile rückständige Braunkohle setzt?

"Kartellamt prüft Strompreis-Beschwerden"
Tagesschau.de / Wirtschaft
20.08.2005

Preistreiberei bei E.ON und RWE?

Das Bundeskartellamt geht wegen der hohen Strompreise gegen die beiden größten deutschen Versorger RWE und E.ON vor. Die Behörde prüfe den Verdacht, wonach die beiden Stromriesen die Preise für CO2-Emissionszertifikate zuerst an der Strombörse künstlich in die Höhe getrieben und den höheren Börsenpreis dann als Kosten in den Strompreis einkalkuliert hätten, teilte die Behörde mit. Auslöser der Überprüfung seien zahlreiche Beschwerden aus der deutschen Industrie gewesen. Das Kartellamt habe die beiden Branchenführer aufgefordert, bis Mitte September zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, hieß es weiter. Danach werde man über weitere Schritte entscheiden.

Die Emissionszertifikate hatten RWE und E.ON im Frühjahr von der Bundesregierung kostenlos zugeteilt bekommen. Mit dem Emissionshandelssystem will Deutschland seine im Zuge des Kyoto-Protokolls zugesagten Klimaschutzverpflichtungen erfüllen.

Auch Vattenfall Europe und EnBW im Visier

Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegel" will das Kartellamt sich je nach Ausgang der Prüfung danach die beiden nächstgrößeren Versorger Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) vornehmen. Geprüft werde außerdem, ob E.ON und RWE ihre dominierende Marktstellung an der Leipziger Strombörse EEX missbrauchten, teilte das Kartellamt mit. Nach Berechnungen des Verbandes der industriellen Kraftwerksbetreiber (VIK) stellen die vier großen Versorger dort 81 Prozent der Stromerzeugungskapazität und 65 Prozent des Handels mit Kohlendioxid-Zertifikaten.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte die Versorger aufgefordert, ihre Preisgestaltung nachvollziehbar darzulegen. Die "Financial Times Deutschland" zitierte in ihrer Freitagausgabe aus einem Brief des Ministers an RWE-Chef Harry Roels. Trittin fordert von Roels darin Auskunft darüber, ob und wie viele Emissionszertifikate seit dem 1. Januar erworben und verkauft wurden und zu welchen Preisen. Die Zertifikate könnten nicht als Begründung für höhere Strompreise dienen.

Hitzewelle für Preissteigerung verantwortlich

Roels hatte die Preisgestaltung zuletzt noch einmal als vom Markt hervorgerufen verteidigt. Die Preise für CO2-Zertifikate seien beispielsweise wegen der Hitzewelle in Südeuropa gestiegen. Weil dort deswegen Kraftwerke ausgefallen seien, lieferten deutsche Versorger verstärkt Strom nach Frankreich oder Italien. Dazu müssten CO2-intensive Kohlekraftwerke stärker ausgenutzt werden. Mithin müsse man mehr CO2-Zertifikate kaufen, was deren Preis erhöhe, rechnete Roels vor.

"Trittin fordert Rechenschaft von RWE"
Financial Times Deutschland
19.08.2005

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat Deutschlands größten Stromproduzenten RWE aufgefordert, "nachvollziehbar darzulegen", ob und wie viele Emissionszertifikate zum Ausstoß von Kohlendioxid seit dem 1. Januar 2005 erworben und verkauft wurden. Deutlich soll werden, mit welchen Preisen diese Transaktionen abgewickelt wurden.

Der Brief des Umweltministers an Vorstandschef Harry Roels vom Dienstag dieser Woche, der der FTD vorliegt, wurde nachrichtlich auch an die Vorstandschefs von Eon, EnBW und Vattenfall Europe geschickt.
Es sei "in keiner Weise nachzuvollziehen", schreibt der Umweltminister, "die kostenlos erhaltenen Zertifikate als Begründung für höhere Strompreise" anzuführen. Die Notierungen für Grundlaststrom sind seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent nach oben geschnellt.

Seit Anfang 2005 müssen Erzeuger und Industriebetriebe EU-weit für jede von ihnen ausgestoßene Tonne Kohlendioxid (CO2) ein Zertifikat besitzen. Ziel der Regelung ist, dass die Firmen ihre Emissionen reduzieren, da ihnen sonst Mehrkosten für die Zertifikate drohen.

Geschenk des Umweltministers

Das Bundesumweltministerium teilte den Stromversorgern für die Zeit von 2005 bis 2007 knapp 1,2 Milliarden Zertifikate kostenlos zu. Damit müssen die Erzeuger nur wenige Lizenzen dazukaufen. Trotzdem legen sie den Preis für diese Zertifikate auf den Preis der gesamten von ihnen produzierten Stromleistung um. Schon im September 2004 rechnete RWE in einer internen Präsentation, die der FTD vorliegt, mit einem Zusatzprofit von 300 bis 350 Mio. Euro - verursacht durch das Geschenk des Umweltministeriums.

Unlängst verdächtigten einige Politiker und Energieexperten die Versorger sogar, den Zertifikats- und damit indirekt auch dem Stromkurs hochzutreiben, um den Zusatzprofit zu maximieren.

Trittin hatte das Verhalten der Versorger schon Anfang Juni in der FTD als "dreiste Abzocke" bezeichnet. Nun greift er zu härteren Bandagen, nachdem RWE-Boss Roels in der vergangenen Woche in Essen erklärte, die steigenden Zertifikatepreise würden den Strompreis nach oben treiben. Diese Begründung weist Trittin jetzt scharf zurück. Offensichtlich, so der Minister, diene der Zertifikatepreis nur dann als "Rechtfertigung für den Strompreis, wenn er steigt".

Antwort in "angemessener Frist"

RWE wehrt sich. Der Markt vollziehe das politisch gewollte Emissionshandelssystem nach, sagte ein Sprecher der Tochterorganisation RWE Trading der FTD. "Dieses System geht davon aus, dass Strompreise steigen, um emissionsärmere Kraftwerke zu bauen." Es sei nicht üblich, dass Unternehmen ihre Handelsstrategie offen legen. Roels werde Trittin dennoch in "angemessener Frist" antworten.

Auch das Bundeskartellamt bat RWE um Aufklärung. Dort reichte die stromintensive Industrie am vergangenen Freitag Klage wegen "Verdachts des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung" von EnBW, Eon, RWE und Vattenfall Europe ein. Die Versorger kontrollierten 81 Prozent der Stromerzeugungskapazität und 65 Prozent der CO2-Zertifikate, sagte Alfred Richmann, Geschäftsführer des Verbands der industriellen Kraftwirtschaft (VIK). Er fürchtet Mehrkosten von mindestens 1 Mrd. Euro, die "in keiner Weise mit tatsächlichen Kostensteigerungen erklärbar" seien.

Seit Beginn des Handels am 9. März sind an der EEX eine Million CO2-Zertifikate gehandelt worden. Die starken Kursschwankungen der Lizenzen gehen nicht immer mit entsprechenden Bewegungen am Strommarkt einher. So kostete am 7. Juli ein CO2-Zertifikat 29,03 Euro, am 22. Juli nur 18,00 Euro. Die entsprechenden Strom-Großhandelspreise erreichten aber an beiden Tagen keine Spitzenausschläge nach oben oder unten.

"Teurer Strom"
SPIEGEL / Online
19.08.2005

Kartellamt ermittelt gegen E.ON und RWE

Der rasante Anstieg der Strompreise in den vergangenen Monaten ruft nun die Wettbewerbshüter auf den Plan. Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen zwei Energiekonzerne eingeleitet.

RWE-Kraftwerke CO2-Handel im Fokus der Ermittler

BONN - Die Wettbewerbshüter gehen nach eigenen Angaben dem Verdacht nach, dass die Anbieter E.ON und RWE als marktbeherrschende Unternehmen ihre Stellung auf dem Strommarkt für Großkunden im Zusammenhang mit dem CO2-Emissionshandel missbrauchen. Beide Konzerne seien zu einer Stellungnahme bis Mitte September aufgefordert worden. Anschließend will das Bundeskartellamt über weitere Verfahrensschritte entscheiden.

"Wir werden mit einem Schreiben fristgerecht Stellung nehmen", sagte ein RWE-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zu dem möglichen Inhalt wollte er sich nicht äußern. Ähnlich zurückhaltend gab sich E.ON. "Wir prüfen das", sagte ein Sprecher.

Industrie attackiert die Versorger

Die Kartellwächter wurden unter anderem aufgrund einer Beschwerde der deutschen Industrie über die Preispolitik der großen Stromversorger tätig. Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) wirft den Energieunternehmen vor, die von der Bundesregierung unentgeltlich zugeteilten CO2-Emissionszertifikate mit einem vielfach höheren Börsenpreis als Kosten in den Strompreis einzukalkulieren. Der VIK hatte vergangene Woche einen entsprechenden Prüfantrag an das Kartellamt gestellt.

Nach Einschätzung des Verbands sind die steigenden Preise das Ergebnis der engen Verzahnung der Strom- und CO2-Zertifikatsmärkte. In den Händen der vier großen Anbieter E.ON , RWE , EnBW und Vattenfall Europe liegen demnach rund 80 Prozent der Stromerzeugungskapazität und gut zwei Drittel der Kohlendioxid-Zertifikate. Der VIK vertritt vorwiegend Industriekunden der großen Energieversorger sowie die Stadtwerke.

Umstrittener CO2-Handel

Seit Anfang 2005 müssen Erzeuger und Industriebetriebe EU-weit für jede von ihnen ausgestoßene Tonne Kohlendioxid (CO2) ein Zertifikat besitzen. Ziel der Regelung ist, dass die Firmen ihre Emissionen reduzieren, da ihnen sonst Mehrkosten für die Zertifikate drohen.

Der RWE-Sprecher verwies auf diese Zertifikateregelung, die als zusätzlicher Faktor den Großhandelspreis beeinflusse. "Europaweit fehlen Zertifikate für 200 Millionen Tonnen CO2", sagte er. Der Markt vollziehe daher nur das politisch gewollte Emissionshandelssystem nach. "Dieses System geht davon aus, dass Strompreise steigen, um emissionsärmere Kraftwerke zu bauen."

Attacke von Jürgen Trittin

Der Zertifikatehandel beschäftigt unterdessen auch die Politik. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat RWE in einem Brief aufgefordert, "nachvollziehbar darzulegen", ob und wie viele Kohlendioxid-Emissionszertifikate seit dem 1. Januar 2005 erworben und verkauft wurden - und zu welchen Preisen. Das gehe aus einem Brief des Umweltministers an RWE-Vorstandschef Harry Roels vom Dienstag dieser Woche hervor, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Es sei "in keiner Weise nachzuvollziehen", schreibt der Umweltminister, "die kostenlos erhaltenen Zertifikate als Begründung für höhere Strompreise" anzuführen. Die Notierungen für Grundlaststrom sind seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent nach oben geschnellt.

"Kleiner Laden gegen RWE-Pläne"
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
16.08.2005

GREVENBROICH - "Liebe RWE, die Braunkohle liegt hinter uns", ist Greenpeace überzeugt. Weil Mitarbeiter und Mitglieder der Umweltorganisation mit dieser Einschätzung zumindest im Revier in der Minderheit sind, wollen sie jetzt am Standort Grevenbroich Überzeugungsarbeit leisten. Im Einkaufscenter "Montanushof" hat Greenpeace unter dem Namen "Treib-Haus" einen kleinen Laden eröffnet, um vor Ort für regenerative Energien und gegen ein neues Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA) zu kämpfen. "Infocenter für Sonne statt Braunkohle", steht über dem Eingang.

"Es ist ein Experiment", sagt Pressesprecherin Carmen Ulmen, "einen solchen Laden gibt es anderswo nicht." Anlass, sich so zu präsentieren, sei die bevorstehende Investitionsentscheidung der RWE AG für neue BoA-Blöcke in Neurath. "Da wollen wir gegensteuern."

"Wenn diese neuen Blöcke gebaut werden, entsteht hier die größte Kohlendioxid-Schleuder Europas", sagt Karsten Smid, Energieexperte bei Greenpeace. Zusammen mit dem heutigen Kraftwerk Neurath werde die neue Anlage 30 Millionen Tonne Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen.

Wie lange sich der Laden in Gevenbroich halten wird, hängt vom Erfolg der Mission ab. Sollte RWE im Herbst den Verzicht auf den Neubau erklären, wäre das Ziel erreicht.

Im September sind mehrere Vorträge im Greenpeace-Info-Center geplant. "Die Legende von der sauberen Braunkohle" oder "RWE und die Umwelt" lauten beispielsweise einige der Themen. Weitere Auskunft gibt es unter (01 51) 16 96 65 56. (fun)

"RWE profitiert von hohen Stromtarifen"
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
12.08.2005

Harry Roels im Fokus: Der RWE-Chef konnte im Energiegeschäft höhere Erträge einfahren. Unternehmenschef Harry Roels plädiert erneut für längere Laufzeiten bei Atomkraftwerken.

ESSEN - Deutschlands Stromkonzerne scheffeln Milliarden. Mitte der Woche hatte der Düsseldorfer Energieriese Eon bereits einen stolzen Halbjahresüberschuss von drei Milliarden Euro gemeldet (plus sieben Prozent), gestern zog die Essener RWE Energie AG nach: Ihr Gewinn stieg im selben Zeitraum um fünf Prozent auf 1,43 Milliarden - vor allem wegen gestiegener Preise im Stromgroßhandel. Zugleich stöhnen viele Verbraucher über hohe Energietarife, und der Bund der Energieverbraucher spricht gar von "unredlich verdientem Geld".

RWE-Chef Harry Roels sagt hingegen: "Deutschland ist kein Insel." Steigende Strompreise seien ein "europaweiter Trend", dem sich kein Strommarkt entziehen könne. Die Großhandelspreise in Deutschland für Stromlieferungen im Jahr 2006 liegen laut Roels "niedriger als in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden".

Der RWE-Konzern sei "kein Spekulant, der kurzfristig von den höheren Strompreisen profitiert". Ohne Ökosteuer und Aufschläge zur Förderung erneuerbarer Energien läge der Preis pro Kilowattstunde Haushaltsstrom immer noch unter dem Niveau von 1998, argumentierte Roels. Für RWE-Haushaltskunden (mit Ausnahme von Sondervertragskunden) sollen die Strompreise bis Ende des Jahres stabil bleiben. Eine Prognose für 2006 wollte Vorstandsmitglied Berthold Bonekamp nicht abgeben. Er verwies darauf, dass die Gas- und Ölpreise "geradezu explodiert sind". Die Tarife für RWE-Gas wurden bereits zum 1. August in zwei der sechs Regionalgesellschaften des Konzerns angehoben. RWE beliefert mehr als sieben Millionen Haushalte und 400 000 Firmen mit Strom, Gas und Wasser.

Eine Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken, wie sie jüngst die CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ins Gespräch gebracht hat, wird von Roels begrüßt: RWE habe immer gesagt, dass eine längere Laufzeit "betriebswirtschaftlich vorteilhaft und energiewirtschaftlich sinnvoll" sei und zudem "sicherheitstechnisch uneingeschränkt verantwortbar". Eine Laufzeitverlängerung stelle die geplanten Milliardeninvestitionen in den Bau von neuen Kohlekraftwerken nicht in Frage. Größtes Projekt der nächsten Jahre ist das 2,2 Milliarden Euro teure zweite "Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik" (Boa) in Neurath. Voraussichtlich im Herbst werde der Vorstand die "endgültige Investitionsentscheidung" treffen, kündigte RWE an.

Vor der Essener Philharmonie, in der Roels die Halbjahresbilanz präsentierte, demonstrierten gestern Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace gegen den Boa-Bau in Neurath. Braunkohle sei "die klimaschädlichste aller Energieformen" hieß es. RWE solle besser in klimafreundlichere Gas- und Dampfturbinenkraftwerke investieren.

"RWE verteidigt gestiegene Strompreise - Gewinnsteigerung"
Deutsche Presseargentur
11.08.2005

ESSEN - Deutschlands grösster Stromerzeuger RWE hat die gestiegenen Strompreise verteidigt. "Deutschland ist keine Insel. Steigende Strompreise sind ein europaweiter Trend, dem sich derzeit kein Strommarkt entziehen kann", sagte Vorstandschef Harry Roels am Donnerstag bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Essen. Hauptgründe seien gestiegene Brennstoffkosten sowie höhere Ausgaben für CO2-Ausstossrechte. Wie den anderen drei grossen Energiekonzernen in Deutschland - E.ON, Vattenfall Europe und EnBW - bescherte das Geschäft mit Strom, Gas und Wasser auch RWE im ersten Halbjahr 2005 satte Gewinne.

Der Überschuss stieg um fünf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Roels machte sich erneut für eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken stark.

2005 sollen die Strompreise für RWE-Haushaltskunden in Deutschland nach Angaben des Vertriebs-Vorstands Berthold Bonekamp stabil bleiben. Ausnahme seien einige Sondervertragskunden. Es werde noch überprüft, wie sich die gestiegenen Preise für Rohstoffe und CO2- Zertifikate für 2006 auswirkten. Beim Gas seien die Preise für Haushaltskunden bereits in zwei der sechs deutschen Regionalgesellschaften zum 1. August erhöht worden. Für die übrigen Gesellschaften sei man in der Kalkulation. "Es kann auch Bereiche geben, wo wir erhöhen werden", sagte er.

Der RWE-Chef wies auf politisch gewollte preistreibende Faktoren hin wie etwa Ökosteuer und die Förderung von erneuerbaren Energien. Verbraucherschützer kritisierten am Donnerstag erneut eine Monopolstellung der Stromkonzerne.

Das betriebliche Ergebnis bei RWE stieg gegenüber dem Vorjahreswert um 5,3 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro. Bereinigt um Verkäufe und Wechselkurseffekte legte es um 11 Prozent zu.
Wegen Beteiligungsverkäufen (Heidelberger Druckmaschinen, RWE Umwelt) sank der Umsatz um 1,8 Prozent auf 20,73 Milliarden Euro. In Deutschland beliefert RWE rund 7,2 Millionen Haushalte und 400 000 Unternehmen mit Strom, Gas oder Wasser.

Der Bund der Energieverbraucher kritisierte erneut die hohen Gewinne der Stromkonzerne. "Das ist kein redlich verdientes Geld", erklärte der Vorsitzende Aribert Peters. Die Konzerne hätten es den Kunden unter Missbrauch ihrer Monopolstellung abgenommen.

RWE bestätigte seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Beim betrieblichen Ergebnis und beim Nettogewinn wird weiterhin ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich erwartet. Beim Umsatz wird durch die Verkäufe mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 42,1 Milliarden Euro gerechnet. RWE beschäftigte Ende Juni weltweit knapp 87 000 Menschen. Bereinigt um die nicht mehr bilanzierten Unternehmen stieg die Beschäftigtenzahl gegenüber dem Jahresende 2004 um knapp 1 Prozent an.

Ein Betrieb der Atomkraftwerke über die vereinbarten Restlaufzeiten hinaus sei betriebswirtschaftlich vorteilhaft und energiewirtschaftlich sinnvoll, sagte Roels. Ein Weiterbetrieb der Kernkraftwerke würde ausserdem erheblich zur Erfüllung der Klimaschutzverpflichtungen beitragen sowie positive Standorteffekte mit sich bringen. "Und er ist sicherheitstechnisch uneingeschränkt verantwortbar", meinte Roels. RWE betreibt zwei Kernkraftwerke und ist an einem weiteren beteiligt. Die Frage nach dem Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland "stellt sich zur Zeit nicht".

Vor dem Veranstaltungsgebäude, der Essener Philharmonie, demonstrierten rund 15 Greenpeace-Aktivisten gegen das geplante RWE- Braunkohle-Kraftwerk in Neurath bei Neuss. Die Umweltschutzorganisation forderte den Essener Energieriesen auf, in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und klimafreundlichere Gas- und Dampfkraftwerke statt in Braunkohle zu investieren.

"RWE für längere Laufzeiten der Kernkraftwerke"
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
11.08.2005

ESSEN - Der größte deutsche Stromerzeuger RWE hat sich erneut für eine Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken ausgesprochen. Ein Betrieb über die vereinbarten Restlaufzeiten hinaus sei betriebswirtschaftlich vorteilhaft und energiewirtschaftlich sinnvoll, sagte RWE-Chef Harry Roels in Essen. Ein Weiterbetrieb würde auch zur Erfüllung der Verpflichtungen im KLimaschutz beitragen. RWE betreibt zwei Kernkraftwerke und ist an einem beteiligt. Roels forderte ein neues energiepolitisches Konzept.

"Großbrand legt gesamtes Kraftwerk lahm"
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
22.07.2005

RHEIN-ERFT-KREIS / FRIMMERSDORF - Rund 100 Wehrleute aus der Umgebung kämpfen gegen ein Feuer in der Schaltanlage des RWE-Power-Kraftwerks Frimmersdorf. Fast zwölf Stunden vergehen, bis das Feuer endlich aus ist. Der Brand hat das Herzstück des ältesten Braunkohle-Kraftwerks in der Region getroffen. Der 2400-Megawatt-Koloss ist nicht mehr zu steuern: Elektrik, Wasserversorgung und die Kohlezufuhr können nicht mehr reguliert werden, im Kontrollraum laufen keine Messdaten mehr ein. Das Kraftwerk muss abgeschaltet werden. Gegen 7.30 Uhr wird der letzte der insgesamt 14 Blöcke heruntergefahren.

Auch die Stromerzeugung im benachbarten Kraftwerk Neurath wird in der Nacht gedrosselt. Die dortige Wasserversorgung ist an die Aufbereitungsanlage in Frimmersdorf angeschlossen. Die Aufbereitung wird später über Notstromaggregate gesichert und das Kraftwerk Neurath kann wieder volle Leistung bringen. Die öffentliche Stromversorgung, sagt RWE, sei durch das Verbundnetz sichergestellt und zu keiner Zeit gefährdet gewesen.

Alarm durch Rauchmelder

Kurz nach Mitternacht registrieren die Rauchmelder in der Zentrale das Feuer und schlagen automatisch Alarm. Die Werksfeuer Neurath / Frimmersdorf beginnt, den Brand mit Wasser zu bekämpfen. In den frühen Morgenstunden des Donnerstag scheint das Feuer gelöscht zu sein. Doch die Entwarnung kommt zu früh, es brennt erneut. Jetzt werden die Wehren aus Bedburg, Neuss, Grevenbroich und Mönchengladbach alarmiert. Speziallöschfahrzeuge mit Atemschutz, Drehleitern und Löschschaum, mehr als zwei Dutzend, eilen nach Frimmersdorf.
Die Werksfeuerwehr aus Niederaußem ist inzwischen vor Ort. Unter schwerem Atemschutz dringen die Wehrmänner in die Räume ein und spritzen von außen durch die Fenster Schaum. Schmorende Elektrokabel und Schaltanlagen erschweren die Löscharbeiten. Schließlich wird neben Schaum noch ein Gel eingesetzt, das die Feuerwehr eigens aus Viersen herbeischafft. Es verdrängt Sauerstoff, erläutert der Chef der Niederaußemer Werksfeuerwehr, Willi Kügeler.

Noch am Vormittag wird der Brand von außen über eine Drehleiter bekämpft. Nach jeweils 20 Minuten werden die beiden Männer im Korb abgelöst, sie sind erschöpft, ihre Gesichter rußgeschwärzt, wenn sie von der Leiter klettern. Trotz aller Schutzmaßnahmen muss einer der Wehrleute ins Krankenhaus gebracht werden. Es besteht der Verdacht einer Rauchgas-vergiftung. Doch er kann das Hospital bald verlassen. Sonst wird niemand verletzt. Erst gegen 11.30 Uhr gibt es die offizielle Entwarnung. Die Kriminalpolizei ist zwar schon vor Ort, die Ermittlungen können aber erst am Nachmittag aufgenommen werden. Die Brandursache ist unklar. Eine erhöhte Konzentration von Schadstoffen und damit eine Gefährdung der Bevölkerung habe nicht vorgelegen, sagt Pressesprecher Guido Steffens.

"Der Schaden geht in die Millionen", schätzt ein Mitarbeiter. Schon von außen ist das Ausmaß des Brandes zu erkennen: zerstörte Fenster, die Mauern sind rußgeschwärzt, herauslaufendes Löschwasser hat schmutzige Spuren hinterlassen. Innen ist alles verkohlt und schwarz, nur die angrenzenden Büroräume sind verschont geblieben. "Die Schaltzentrale muss völlig neu aufgebaut werden", sagt Kraftwerks-Spartenleiter Theo Tippkötter. Er und der stellvertretende Kraftwerksdirektor Dr. Hans-Jürgen Dürselen bekräftigen aber, dass "unverzüglich mit der Instandsetzung begonnen wird".

Pressesprecher Guido Steffen: "Der Schaden kann behoben werden, wir geben das Kraftwerk nicht auf." Innerhalb von Tagen ist es allerdings nicht zu reparieren, räumt Tippkötter ein. "Das heißt aber nicht, dass das Kraftwerk nun monatelang still steht". Derzeit läuft nichts, kein Watt Strom geht ins Netz. Erst Anfang des Monats war das 50-jährige Bestehen des Kraftwerks gefeiert wurden. An einen kompletten Stillstand in der Geschichte der Anlage kann sich keiner der Verantwortlichen erinnern.

"Greenpeace protestiert gegen RWE-Kraftwerksneubau bei Köln"
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
06.07.2005

Greenpeace will auf die Klimabelastung durch das
Verbrennen von Braunkohle aufmerksam machen.

KÖLN - Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath bei Köln gegen den geplanten Bau zweier Kraftwerksblöcke protestiert. Damit entstehe «Europas größter Klimakiller», sagte ein Greenpeace-Sprecher nach Beginn der Protestaktionen. Die Aktivisten hatten in der Nacht zu Mittwoch auf den Kühlturm des Kraftwerks die Forderung «Klimawandel, made in Germay - Abschalten!» projiziert und eine Mahnwache begonnen. Ein Sprecher der RWE Power AG wies die Vorwürfe zurück.

"Bezirksregierung genehmigt RWE-Kraftwerksneubau in Neurath"
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
23.06.2005

DÜSSELDORF / NEURATH - Die RWE Power AG kann ihr neues Braunkohlekraftwerk in Neurath (Kreis Neuss) bauen. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat dem Unternehmen am Donnerstag die Genehmigung dazu erteilt. "Ich erwarte einen Schub für die wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk", sagte Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD). RWE Power will im Januar 2006 mit dem Neubau beginnen und rund 2,1 Milliarden Euro investieren. Die beiden Kraftwerksblöcke sollen 2010 den Betrieb aufnehmen.

"RWE dämpft Hoffnungen auf sinkende Strompreise"
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
19.06.2005

BERLIN - Die Deutschen müssen ihre Hoffnungen auf sinkende Strompreise vorerst begraben. Auch Wettbewerb führe nicht automatisch zu sinkenden Preisen, sagte der RWE-Vorstandsvorsitzende Berthold Bonekamp der Tageszeitung "Die Welt". Er bezog sich damit auf das von der Bundesregierung verabschiedete neue Energiewirtschaftsgesetz, das für mehr Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt sorgen soll. Unter anderem soll eine Regulierungsbehörde Höchstpreise vorschreiben. Dies werde die Erlössituation beeinträchtigen, sagte Bonekamp dem Blatt.

"Wer hilft im Kampf gegen BoA Pläne"
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
20.05.2005

RHEIN-ERFT-KREIS - Big BEN, die Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung Niederaußem e.V., hatte die Parteien vor der Landtagswahl zum Gespräch gebeten. Im Hüchelhovener Pfarrsaal sollten die Politiker erklären, was die Anwohner des Kraftwerks von ihnen in Düsseldorf zu erwarten hätten.
Weil sie wussten, vor wem sie sprachen, sparten die Vertreter aller Parteien nicht mit Kritik am Vorgehen des Unternehmens RWE Power in Niederaußem. Von den Grünen war nichts anderes zu erwarten, aber sogar Karl-Heinz Weingarten (FDP) ätzte: "Was bei RWE als Informationspolitik abläuft, ist haarsträubend". Das sieht der Landtagsabgeordnete Michael Breuer (CDU) ähnlich: "So geht das nicht." Vom ursprünglichen Plan, zehn BoA-Blöcke in einer Reihe zu setzen - "eine gigantische Fehlkonstruktion" - sei RWE Power zwar abgerückt. Aber drei zusätzliche BoA-Blöcke neben dem schon bestehenden seien auch zu viel.

"Menschenwürdige Lebensbedingungen vor Ort", forderte auch SPD-Kandidat Guido von den Berg und bemängelte: "Die Konzernpolitik ist dabei, sich aus der Region zu verabschieden." RWE Power vergebe immer weniger Aufträge an Handel und Handwerk vor Ort, zahle keine Gewerbesteuer mehr und habe seinen Verwaltungssitz nach Essen verlegt.

Nach zwei Stunden Diskussion stellte sich allerdings heraus, dass es deutliche Unterschiede gibt, in der Art und Weise, wie und wo sich die Politiker für die Belange der Anwohner einsetzen wollen. Horst Becker und Rüdiger Warnecke von den Grünen waren sich einig mit dem Christdemokraten Michael Breuer: Die von RWE Power für ihr Projekt dringend benötigte Änderung des Gebietsentwicklungsplanes müsse im Regionalrat blockiert werden, bis der Konzern über die Standorte der neuen Blöcke verhandele. "Diese Verhandlungsergebnisse müssen dann in einem Vertrag festgelegt werden", betonte Becker. Absichtserklärungen von RWE reichten nicht aus.

Guido van den Berg (SPD) sprach sich dagegen für eine Zustimmung des Regionalrates zum Einstieg in das GEP-Verfahren aus: "Dort kann sich dann jeder einbringen."

Doch davor warnte Big-BEN-Sprecher Hans-Joachim Gille: "Sobald das GEP-Verfahren eingeleitet ist, gibt es keine Diskussion mehr über den Standort." Die werde RWE Power nur führen, wenn man dazu politisch gezwungen werde - und zwar im Regionalrat.

Im Düsseldorfer Landtag, da waren sich alle auf dem Podium einig, werden es schwer, ein Mehrheit zu finden, die RWE entgegentritt. Was BoA-Gegner da zu hören bekommen, machte Karl-Heinz Weingarten deutlich, als der FDP-Position formulierte: "Die Industrie muss verdienen können." Das klang dann schon vertrauter.

"RWE baut Pilotanlage am BoA-Block"
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
16.04.05 22:04

BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - RWE Power will am Standort Niederaußem weitere 40 Millionen Euro investieren. Auf dem vorhandenen Kraftwerksgelände soll eine Pilotanlage entstehen zur "Wirbelschicht-Trocknung mit interner Abwärmenutzung" (WTA). Im Mai oder Juni dieses Jahres will RWE Power nach Angaben eines Firmensprechers die Baugenehmigung beantragen.

Die in der WTA-Anlage getrocknete Braunkohle soll im Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA) verfeuert werden und den Einsatz von Rohbraunkohle um 20 bis 30 Prozent reduzieren. In Niederaußem solle nun "die technische und kommerzielle Reife" dieses Verfahrens nachgewiesen werden, verbreitete RWE Power gestern in einer Pressemitteilung. Vorstandsmitglied Johannes Lambertz äußert darin die Zuversicht, den Wirkungsgrad der BoA-Technologie von 43 Prozent um weitere 10 Prozent steigern zu können. Dadurch würden auch die Emissionen inklusive der CO2-Werte gemindert. Für den Betrieb der Anlage und die technische und wissenschaftliche Begleitung seien ungefähr 20 Mitarbeiter notwendig.

Verhandlungen mit der Stadt Bergheim

Derweil sind noch ein paar Hürden am Standort zu nehmen. Die Genehmigung für den zum Bau des BoA-Blocks eingerichteten Lager- und Montageplatzes läuft aus. Über eine Verlängerung muss noch mit der Stadt Bergheim verhandelt werden.
Dezernent Norbert Feith ist froh über die Pläne des Unternehmens, macht aber auch klar, dass für die weitere Nutzung des Montageplatzes ein ökologischer Ausgleich von RWE Power geleistet werden müsse. Das sei nach derzeitigem Stand der Verhandlungen aber offenbar kein Problem. Allerdings regt sich erster Bürgerprotest und politischer Widerstand in der Kreisstadt. Ein Anwohner hat den Antrag gestellt, den Montageplatz nach Ablauf der Genehmigung (Ende 2005) umgehend abzubauen und einer Nutzungsverlängerung nicht zuzustimmen. Auch der SPD-Stadtbezirk Außem plädiert für "einen zügigen Rückbau des Montageplatzes". Verwundert zeigen sich die Vorsitzende des Stadtbezirks, Elisabeth Demgensky, und ihr Stellvertreter Wolfgang Sewelies darüber, "dass die Stadtverwaltung Bergheim Vorstellungen für Ausgleichsflächen entwickelt hat, welche den am schlimmsten betroffen Stadtteil, nämlich Auenheim, in keiner Weise berücksichtigen".
Im Bürgerausschuss am Mittwoch, 20. April, um 17 Uhr im Rathaus werden die Anträge beraten. Dann stellen auch RWE-Power-Mitarbeiter die geplante Anlage vor.

"Naturschützer und RWE weiter uneins"
Kölner Stadt-Anzeiger, Print-Ausgabe
06.04.05 22:04

Ohne Annäherung beider Seiten ist der Erörterungstermin für den Bau eines BoA-Kraftwerks in Neurath zu Ende gegangen.

GREVENBROICH - Nach zweitägiger Diskussion der 56 Einwendungen gegen das Projekt hält es der "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" (BUND) weiterhin für nicht genehmigungsfähig.
RWE-Power rechnet dagegen mit einem Abschluss des von der Bezirksregierung Düsseldorf durchgeführten Genehmigungsverfahrens im Sommer diesen Jahres. Wie BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen mitteilte, hätten Vertreter des RWE im Rahmen des Erörterungstermines bestätigt, dass mit einer Stillegung von Altkraftwerken im Gegenzug zur Inbetriebnahme neuer BoA-Blöcke frühestens im Jahre 2010 zu rechnen sei. RWE-Power erteile damit der Erwartung der Politik nach einer unverzüglichen Stillegung von Altanlagen eine klare Absage.
RWE-Sprecher Andre Bauguitte wollte dies nicht so stehen lassen: So sei mit einer Stillegung von sechs alten 150-Magawatt-Blöcken bis zur Inbetriebnahme des neuen BoA-Kraftwerks zu rechnen. Auch die Feinstaubbelastung durch das neue Krafterk war Thema. Der BUND wies darauf hin, dass schon jetzt die Feinstaubbelastung im Umfeld von Tagebauen und Kraftwerken unzulässig hoch sei. RWE-Power betonte hingegen, dass der durch das Kraftwerk verursachte Anteil an den zulässigen Emissionen mit 0,3 Prozent verschwindend gering sei.
Der Erörterungstermin soll am Dienstag fortgesetzt werden.

"Feinstaubbelastung irrelevant"
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, Online-Ausgabe
04.04.05 22:04

Der Erörterungstermin zur geplanten BoA ging am Montag in die erste Runde. Im Schloss wurden Argumente für und gegen das Milliarden-Vorhaben ausgetauscht. Auch Greenpeace meldete sich zu Wort: Aktivisten forderten den Planungsstopp für „Deutschlands größte Kohlendioxid-Schleuder“.

Mit meterhohen Plakaten forderten Greenpeace-Aktivisten am Montag einen Planungsstopp für das geplante BoA-Kraftwerk in Neurath. Die Umweltorganisation sieht in dem Vorhaben die „größte Kohlendioxid-Schleuder Deutschlands“.

„Einspruch“ erhob Greenpeace am Montag gegen die Ausbaupläne von RWE Power: Zehn Aktivisten der Umweltorganisation demonstrierten vor dem Alten Schloss mit Plakaten gegen das geplante BoA-Kraftwerk - „der größten Kohlendioxid-Schleuder Deutschlands“, wie die Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne unterstrich. Ihre Kritik: Neurath setze bereits heute jährlich mehr als 16 Millionen Tonnen des Treibhaus-gases frei. Mit den beiden neuen BoA-Blöcken würde dieser Ausstoß nahezu verdoppelt. „Damit wäre das Kraftwerk einer der größten Klimagas-Produzenten in Europa“, so von Goerne. Dass Greenpeace vor dem Schloss demonstrierte, hatte einen Grund: Im Rittersaal des Grevenbroicher Wahrzeichens ging der Erörterungstermin für den BoA-Genehmigungsantrag von RWE Power in die erste Runde. Nachdem bis Mitte Januar rund 60 Einwendungen gegen den Kraftwerksbau bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingegangen waren, wurde am Montag mit den Gegnern das Für und Wider zu dem 2,2 Milliarden Euro teuren Projekt erörtert.

Die Moderation hatte Siegfried Goetsch, Dezernent bei der Bezirksregierung, übernommen. Als kompetenter Gesprächspartner stand Professor Dr. Günter Ernst, Leiter des Instituts für Technische Thermodynamik an der Universität

Karlsruhe, zur Verfügung. Professor Ernst ist im Rhein-Kreis kein Unbekannter: Der ausgewiesene Experte hatte bereits bei einer Sondersitzung des Rommerskirchener Gemeinderats zur Kühlturmtechnik referiert. Dieses Thema wurde am Montag ebenso ausführlich behandelt wie die meteorologischen Auswirkungen von Kühlturmschwaden und die Belastung durch Feinstäube.

Letztere waren für Dirk Jansen, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem schärfsten Kritiker des BoA-Projekts, „der eigentliche Knackpunkt“: „Das neue Kraftwerk würde die durch die Tagebaue verursachte dramatische Feinstaub-Belastung der Region weiter verschärfen“, befürchtet er. Und: „Bei der geplanten Laufzeit von 40 Jahren wird allein dieses Kraftwerk 500 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen“, kritisierte Jansen. Damit sei Grevenbroich nicht nur „Bundeshauptstadt der Energie“, sondern werde auch „Welthauptstadt der CO2-Emissionen“.

Mit Blick auf die Vereinbarkeit von Braunkohle und Klimavorsorge wies Dr. Manfred Kehr, Leiter des Bereichs „Kraftwerksplanung / Genehmigungen“ bei RWE Power, darauf hin, dass durch die Inbetriebnahme der Doppel-BoA in Neurath eine spezifische Kohlendioxid-Minderung von rund 30 Prozent im Vergleich zu Altanlagen erreicht werden könne. Dies belege den „deutlichen Technologievorsprung“ durch das neue Kraftwerk.

Den hohen Stellenwert der BoA-Blöcke für die Wirtschaftskraft der Region hob Dr. Eberhard Uhlig, Leiter der Kraftwerke Frimmersdorf-Neurath, hervor: „Diese Investition sichert langfristig mehrere Tausend Arbeitsplätze bei RWE Power sowie nicht zuletzt bei Zulieferern, Dienstleistern und durch Kaufkrafteffekte.“

Zudem werde ein bedeutender Teil der Hauptkomponenten für die Kraftwerksblöcke von Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen geplant und geliefert. Eine zusätzliche Belastung durch Feinstäube sieht Dr. Uhlig allerdings nicht: „Die maximale Zusatzbelastung durch den Betrieb der beiden Blöcke wird bei 0,1 Mykrogramm pro Kubikmeter Luft liegen.“ Dieser Wert bewegt sich an der absoluten Irrelevanzgrenze.“

Der Erörterungstermin soll am Dienstag im Alten Schloss fortgesetzt werden. Trotz der Einwände sieht es gut aus für eine zügige Genehmigung des Kraftwerks-Projekts - vor allem, weil auch der Feldhamster dem Vorhaben nicht mehr im Wege steht. Zuletzt hatte selbst NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn dem Verfahren einen aussichtsreichen Verlauf attestiert.

"Mit dem Staub packen wir sie"
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
04.04.2005

GREVENBROICH - Vor der Tür Greenpeace-Aktivisten mit Plakaten, im Rittersaal des alten Schlosses in Grevenbroich RWE-Power-Leute mit Laptop, Beamer und Tageslichtprojektor. Beim Auftakt der öffentlichen Erörterung im Genehmigungsverfahren zum Bau neuer Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Neurath sind publikumswirksame Auftritte auf beiden Seiten gefragt.

Siegfried Goetsch, Dezernent der Bezirksregierung Düsseldorf, der genehmigenden Behörde, moderiert das Aufeinandertreffen der beiden Lager. Da ist einmal RWE Power mit dem Anspruch auf ein Verfahren nach geltendem Recht. Da sind andererseits betroffene Bürger und Umweltschutzverbände, denen Gesetze und Verordnungen zum Teil nicht weit genug gehen.

An aktuellen und künftigen Staubbelastungen beißen sich die Parteien zu Beginn des Verfahrens fest. „Hier werden wir sie zu packen kriegen“, ist der Geschäftsleiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Nordrhein-Westfalen, Dirk Jansen, sicher, dass gerade dieses Thema, für das die Bevölkerung gerade durch bundesweite Diskussionen sensibilisiert ist, Einfluss auf das Verfahren haben wird.

Eine ehemalige Krankenschwester aus Gustorf berichtet über eine ungewöhnliche Häufung von Krebserkrankungen in ihrem Wohnort, die sie auf Feinstäube unter anderem aus dem Tagebau Garzweiler zurückführt. „Bevor die Ursache nicht eindeutig geklärt ist“, sagt sie, „darf hier überhaupt nichts Neues genehmigt werden.“

Wilhelm Robertz aus Pulheim-Stommeln wundert sich, dass der erste BoA-Block in Niederaußem 2004 statt mehr als 8000 nur 5000 Betriebsstunden vorzuweisen habe und dennoch ein hoher Schadstoffausstoß dokumentiert sei. „Wenig Betrieb, viel Staub“, attestierte auch Jansen dem Vorläufer der in Neurath geplanten BoA-Blöcke. Auch der Schwefelausstoß sei vergleichsweise hoch.

Die weltweit modernste Technik werde in Neurath eingesetzt, betont der Chef der Kraftwerke in Neurath und Frimmersdorf, Eberhard Uhlig, die Milliardeninvestition sichere tausende Arbeitsplätze nicht nur bei RWE Power, sondern auch bei allen Zulieferern. „Allein schon durch einen um 30 Prozent niedrigeren Brennstoffeinsatz verringert sich logischerweise gegenüber den alten Kraftwerken auch der Schadstoffausstoߓ, sagt Uhlig.

Der Umweltschutzbeauftragte des Unternehmens, Klaus Henrich, wirft dem BUND-Vertreter eine unseriöse Interpretation des Schadstoffausstoßes am BoA-Block in Niederaußem vor. Alle Grenzwerte würden nicht nur eingehalten, sondern weit unterboten.
Die öffentliche Erörterung wird heute ab 9 Uhr fortgesetzt.

"Nicht besser als die alten Blöcke?!"
RWE weist die Kritik des BUND am neuen BoA-Kraftwerk zurück.

Kölner Stadt-Anzeiger, Print Ausgabe
02.04.2005

RHEIN-ERFT-KREIS - Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat erneut Kritik am geplanten Bau eines weiteren Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Neurath geübt.
Mit Blick auf den Beginn des Erörterungstermins zum Bau des Kraftwerks am kommenden Montag in Grevenbroich sagte BUND-Landesvorsitzender Klaus Brunsmeier:
"Das BoA-Kraftwerk leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz und blockiert die längst überfällige Wende in der Energiepolitik."
Nach Angaben des BUND stoße die seit zwei Jahren laufende BoA-Anlage in Niederaußem teilweise mehr Schadstoffe aus, als die dort betriebenen Alt-Anlagen. Der BUND stützt seine Berechnungen auf ihm vorliegende Messergebnisse des Staatlichen Umweltamtes in Köln. Danach habe der BoA-Block in Niederaußem im Jahre 2003, bei einer Stromerzeugung von 5,37 Millionen Megawatt, pro Kilowatt 1,2 Kilogramm Kohlendioxid in die Luft geblasen. Ältere Blöcke hätten nur zwischen 1,06 und 1,13 Kilogramm des Schadstoffs ausgestoßen. Auch die Schwefeldioxidemission sei höher als bei Alt-Anlagen. Im Jahre 2003 seien in der neuen Anlage 0,34 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde Strom angefallen. Alt-Anlagen kämen hingegen auf einen Schwefeldioxid-Ausstoß von 0,14 bis 0,16 Gramm.

Über den hohen Schwefelausstoß hatten sich bereits Anfang des Jahres Bürger aus Stommeln besorgt gezeigt. Das Staatliche Umweltamt hatte ihnen mitgeteilt, dass der BoA-Block im vorigen Jahr insgesammt 1707 Tonnen ausgestoßen habe, bei einer Stromerzeugung von 5,3 Millionen Megawatt. Die alten Blöcke hätten acht Millionen Megawatt erzeugt und dabei nur knapp 1000 Tonnen in die Luft geschleudert.
"Die Daten lassen darauf schließen, dass der Wirkungsgrad des neuen BoA-Blocks nicht höher als bei den Altkraftwerken liegt", sagte BUND-Geschäftsführer Dirk Jansen.
RWE-Power-Sprecher Manfred Lang erklärte dazu, der Ausstoß von Schwefeldioxid sei allein abhängig von der Kohlemischung. Es gebe einen Grenzwert von 400 Milligramm pro Kubikmeter und der werde in keinem Fall überschritten. Ansonsten könne er die Angaben des BUND nicht nachvollziehen. "Der BoA-Block hat einen Kohlendioxid-Ausstoß von unter einem Kilogramm pro erzeugter Kilowattstunde und liegt damit 30 Prozent unter der Emission der alten Blöcke." Insgesamt liege der Wirkungsgrad der BoA-Anlage um ein Drittel höher als der der ältesten Blöcke.

59 Einwendungen gegen neuen BoA-Block
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
02.04.2005

GREVENBROICH - Das kann ein Marathon werden: 59 Einwendungen gegen den Bau eines Braunkohlenkraftwerkes mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Neurath werden ab Montag im öffentlichen Erörterungstermin in Grevenbroich diskutiert.

Im alten Schloss, Schlossstraße 19, wird am Montag, 4. April, ab 9 Uhr das Für und Wider der schriftlichen Einsprüche erörtert. Der Termin ist Bestandteil des Genehmigungsverfahrens unter der Hoheit der Bezirksregierung Düsseldorf. Vom 2. Dezember 2004 bis 3. Januar 2005 waren die Pläne öffentlich ausgelegt, bis zum 17. Januar 2005 hatten Bürger und Verbände Gelegenheit, Bedenken und Anregungen zu Protokoll zu geben.

RWE Power will in Neurath bis zu zwei Milliarden Euro in neue BoA-Blöcke investieren. Das Investitionsvolumen ist abhängig davon, ob ein Einzel- oder ein Doppelblock errichtet wird. Die Entscheidung darüber will der Konzern erst kurz vor Baubeginn fällen.

Trotz der Einwände sieht es gut aus für eine zügige Genehmigung, nachdem der sonst so mächtige Feldhamster dem Vorhaben laut Gutachten nicht im Weg steht. Zuletzt hatte auch NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn einen aussichtsreichen Verlauf des Verfahrens attestiert.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nutzt beim Erörterungstermin die Chance, seine Kritik an diesem und anderen geplanten Braunkohlenkraftwerken zu bekräftigen. BoA leiste „keinen Beitrag zum Klimaschutz“, sichere keine Arbeitsplätze, verursache „irreversible Eingriffe in den Naturhaushalt“ und blockiere „die längst überfällige Energiewende in Nordrhein-Westfalen“, schreibt BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen. Stattdessen solle RWE Power in Gaskraftwerke, Energiespartechnologien und erneuerbare Energien investieren.

Die Gegner weiterer Kraftwerksblöcke am Standort Niederaußem werden übrigens bei der Erörterung in Grevenbroich nur Zuschauer sein. „Einwendungen sind von uns nicht erhoben worden“, sagt Hans-Joachim Gille von der Bürgerinitiative Big BEN, „wir werden nur beobachten, um aus den dort möglicherweise gemachten Fehlern für unser Verfahren zu lernen.“

Viele Fragen an die drei Politiker
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
31.03.2005

PULHEIM - Von einem „Leben ohne BoA“ träumen die Mitglieder des Aktionsbündnisses Stommelner Bürger. Und um sich vor der Landtagswahl im Mai dieses Jahres einen Überblick über die Standpunkte der einzelnen Parteien zu verschaffen, hat der Sprecher des Aktionsbündnisses, Dieter Bunge, drei Politiker angeschrieben und ihnen einen Fragenkatalog zugesandt.

Empfänger dieser „offenen Briefe“ sind Landrat Werner Stump (CDU), NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) als Vertreterin der aktuellen Landesregierung, und der Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, der im Mai die Macht am Rhein übernehmen möchte.

Die Fragen drehen sich in erster Linie um den BoA-Block in Niederaußem, der seit seiner Inbetriebnahme noch immer nicht einwandfrei arbeiten soll und dessen Schwefeldioxid-Ausstoß im Verhältnis zu den alten Kraftwerksblöcken zu hoch sei, so BUND-Mitglied und Naturschützer Dieter Bunge. Er möchte - mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl - auch wissen, ob die Politiker, allen voran der Pulheimer Bürger Rüttgers, für die in Stommeln lebenden Menschen für die Zukunft weitere und zusätzliche Belastungen durch die Kraftwerke ausschließt oder nicht.

RWE zahlt 400 000 Euro Abfindung an Meyer
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
10.03.2005

ESSEN - Die RWE Energy AG hat ihr Arbeitsverhältnis mit dem ehemaligen CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer rückwirkend zum 31. Dezember vergangenen Jahres aufgehoben. Da das Verhältnis seit 1975 bestanden habe, bekomme Meyer 400 000 Euro Abfindung, berichtete ein Konzern-Sprecher am Donnerstagabend in Essen auf Anfrage und bestätigte damit Informationen der "Berliner Zeitung".

Der ehemalige CDU-General zahle aber 160 000 DM (81 806,70 EUR) zurück, die er im Juli 2000 von dem Unternehmen als Abfindung erhalten habe, sagte der RWE-Sprecher. Meyer hatte damals das Geld angenommen, obwohl er das Unternehmen dann doch nicht verließ. Der CDU-Politiker hatte Ende vergangenen Jahres sein Amt als Generalsekretär niedergelegt und versprochen, die umstrittene Abfindung an die Hilfsorganisation "SOS Kinderdörfer" zu überweisen. Der RWE-Konzern hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, diesen Betrag auf 100 000 EUR aufzustocken und der Organisation zukommen zu lassen.

Gute Aussichten für Revier
Kölnische Rundschau, Online-Ausgabe
25.02.2005

RHEIN-ERFT-KREIS - Aus Essen kommen gute Nachrichten für das Revier. Bei der Bilanzpressekonferenz gestern in Essen hat RWE-Chef Harry Roels in Aussicht gestellt, „alte Kraftwerke durch effizientere und damit wirtschaftlichere und umweltschonendere Technologien zu ersetzen“. Vorbei sei auch die Zeit „der großen operativen Personalreduktionen“. Das „ehrgeizigste Kostensenkungsprogramm der RWE-Geschichte“ sei erfolgreich beendet.

Zwölf Milliarden Euro sollen in den kommenden 15 Jahren investiert werden. Roels wiederholte, dass die endgültige Entscheidung über ein neues Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Neurath bereits im Herbst fallen wird. Neurath sei das Schlüsselprojekt der Investitionsplanung im Inland, sagte Roels.

RWE Power hat im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz des Wegfalls von Consol und der Kraftwerksgesellschaft in Portugal ein Plus von vier Prozent gemacht.

Der Wechsel an der Spitze von RWE Power wurde gestern nur am Rande erwähnt. Jan Zilius habe zusätzlich zu den Aufgaben im Vorstand der RWE Holding (Personalmanagement, Recht) den Vorstandsvorsitz bei RWE Power übernommen. „Schau mer mal“, beantwortete Roels die Frage, ob die Aufgabenverteilung so bleibt. „Wenn sich daran etwas ändert, werden wir es Ihnen rechtzeitig mitteilen“, versprach er den Journalisten.

Aktionsbündnis gegen BoA lädt Politiker ein
Kölnische Rundschau, Print-Ausgabe
24.02.2005

PULHEIM - Das Aktionsbündnis der Stommelner Bürger, das unter dem Titel "Leben ohne BoA" antritt, lehnt weiterhin den Bau neuer BoA-Kraftwerksblöcke im Stommelner Nahbereich ab, da die neue Technik von RWE-Power noch nicht ausgereift sei, wie es jetzt in einer Presseerklärung heißt.
Dieter Bunge, Mitglied des Naturschutzbund (Nabu): "Wir wollen weitere Investitionen, die zu unseren Lasten und zu Lasten unserer Gesundheit gehen, verhindern."

Gleichwohl möchte die Initiative auch regelmäßig Alternativen zu dieser Großtechnik aufzeigen, wobei die dezentrale Energieversorgung im Vordergrund steht. Die Mitglieder verweisen darauf, dass die Neufassung des Bundesgesetzbuches vom September 2004 den Kommunen die Möglichkeit gibt, beim Neubau von Häusern Solaranlagen vorzuschreiben. Wilhelm Robertz, Mitglied des Aktionsbündnisses: "Die Kommunen würden bei Ausschöpfung dieses Gesetzes einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten."
Landrat Werner Stump habe, so Bunge, vor einiger Zeit eine neue Wortschöpfung kreiert: Energiekreis. "Energie ist allerdings nicht nur die Verstromung von Braunkohle, Energie entsteht auch durch regenerative Energieen."
Nach Bunges Ansicht ist hier auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Rhein-Erft Kreises gefordert.

Zum Thema BoA wird das Aktionsbündnis am Mittwoch, 27.April, im Stommelner Pfarrzentrum eine Diskussionsrunde mit den Landtagskandidaten organisieren. Bunge: "Wir erwarten von den Politikern, die in den Düsseldorfer Landtag einziehen wollen, dass sie ihre Vorstellungen zur künftigen Energieversorgung vorstellen."
Zusagen der Landtagskandidaten von SPD, FDP und den Grünen lägen bereits vor, berichtet Bunge. Jürgen Rüttgers (CDU), der Ministerpräsident werden will, habe bislang noch nicht fest zugesagt.

"RWE plant hohe Investitionen"
Kölner Stadt-Anzeiger, Online-Ausgabe
24.02.2005

Der Reingewinn wurde im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 2,1 Milliarden Euro erhöht.

KÖLN -Auf Seite fünf im druckfrischen RWE-Geschäftsbericht lacht Gert Maichel noch frohgemut in die Kamera. Dabei hat der vormalige Chef der Kraftwerkstochter RWE Power inzwischen eher wenig Grund zur Heiterkeit. Vor zwei Wochen musste er unfreiwillig abtreten, nachdem ihm Managementfehler und auch die Mitverantwortung für die Laurenz-Meyer-Affäre angekreidet worden waren. Maichels Posten hat nun bis auf weiteres Personalvorstand Jan Zilius inne, in Doppelfunktion. Wie lange noch, dazu mochte sich Konzernchef Harry Roels gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Essen ebenso wenig äußern wie zur Rückkehr von Meyer. Der ehemalige CDU-Generalsekretär, der ohne Gegenleistungen vom RWE bezahlt worden war und deshalb von der politischen Bühne abtreten musste, "hat seine Arbeit bei uns wieder angeboten", bestätigte Roels lediglich. Es liefen Gespräche.

Weniger Umsatz

Der Holländer Roels ist nun im dritten Jahr Chef bei RWE, des größten Stromproduzenten im Lande. Er hat den Konzernumbau mit der Konzentration auf die Kerngeschäfte Energie und Wasser forciert. Nach dem Verkauf der schwierigen Töchter Heidelberger Druck und Hochtief soll in Kürze auch die Veräußerung von 70 Prozent des Großentsorgers RWE Umwelt an den Konkurrenten Rethmann abgeschlossen sein.
Für die übrigen 30 Prozent, die aus kartellrechtlichen Gründen nicht an Rethmann gingen, gibt es lauf Zilius "eine ganze Reihe von Interessenten".
Infolge von milliardenschweren Veräußerungen hat sich der RWE-Umsatz im vergangenen Jahr zwar um vier Prozent auf 42,1 Milliarden Euro reduziert. Beim Nettoergebnis legte der Konzern (verglichen mit dem um Firmenabschreibungen bereinigten Vorjahreswert) indes um zehn Prozent zu - in erster Linie eine Folge der höheren Energiepreise.
RWE sei gut aufgestellt für neue Investitionen, verkündete Roels. In den nächsten 15 Jahren sollen rund zwölf Milliarden Euro in die Erneuerung des Kraftwerksparks investiert werden. "Schlüsselprojekt" sei "zweifelsohne" das geplante zweite Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagetechnik (Boa) in Neurath, nicht weit von Köln. Die Genehmigung laufe, im Herbst werde "die endgültige Entscheidung" über den Bau fallen.
Außerdem würden "erhebliche Summen" in die Modernisierung des Stromnetzes gesteckt. Weltweit plant RWE bis 2009 Sachinvestitionen in der Größenordnung von 20 Milliarden Euro. Die jährlichen Ausgaben werden damit auf vier Milliarden Euro erhöht. Roels: "Das entspricht dem Investitionsvolumen der deutschen Maschinenbaubranche im Jahr. " Die Schulden des Konzerns haben sich binnen zwei Jahren fast halbiert: um elf Milliarden auf 12,4 Milliarden.

Nach dem Abbau von 12 500 Stellen im Zuge der Fusion mit VEW sei nun nur noch ein Stellenabbau im Rahmen der "natürlichen Fluktuation" geplant, sagte Roels.
2004 wurden deutschlandweit 3620 Stellen gestrichen.


Für das abgelaufene Geschäftsjahr will der Konzern die Dividende je Aktie um 20 Prozent auf 1,50 Euro anheben. Bis 2006 soll die Dividende jährlich um durchschnittlich 15 Prozent zulegen, verhieß Roels den Aktionären.

 

Ansprechpartner vor Ort

Rheidt / Hüchelhoven
Georg Keulertz; 02183-413030
Hans-Joachim Gille; 02183-7231

Auenheim
Wolfgang Sewelies; 02271-55789
Bedburg- Rath
Herbert Förster; 02272-918990

Büsdorf
Dr. Ruth Hausmann, 0171-2427240

Fliesteden
Elisabeth Hülsewig; 02238-945050
Glessen
Michael Broetje; 02271-52577
Oberaußem
zur Zeit keine Kontaktperson
Niederaußem
Dieter Hunke; 02271-52577
Stommelerbusch
Rolf Dohm; 0172-9356854
E-Mail info@bi-bigben.de

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