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Bürgerinitiative gegen BoA- Erweiterung
Niederaußem e.V.
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Pressestimmen 2006

Hier finden Sie einige Pressestimmen zum RWE-Konzern, zum BoA-Kraftwerk und zu unserer Bürgerinitiative Big BEN. Wir haben zusammengetragen was an Veröffentlichungen zu finden war. Auffallend ist dabei, dass das Unternehmen RWE nicht nur Strom produziert sondern auch fasst ausnahmslos negative Schlagzeilen.

21.12.2006 Industrie fordert von RWE und Eon Milliarden zurück - Kölnische Rundschau
21.12.2006 Fließen Strom-Milliarden zurück? - Kölnische Rundschau
20.12.2006 Kartellamt mahnt RWE ab - Kölner Stadt-Anzeiger
09.12.2006 Neue BoA-Pläne für Niederaußem? - Kölnische Rundschau
09.12.2006 Boa-Blöcke in Niederaußem? - Kölner Stadt-Anzeiger
23.11.2006 Prüft RWE einen neuen Tagebau? - Kölner Stadt-Anzeiger
13.11.2006 Geldmaschine Braunkohle - DIE ZEIT
03.11.2006 Gewerbegebiet im alten Tagebau - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
13.10.2006 Baustart für Logistikzentrum - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
27.09.2006 Ein Abschied vom Atomkonsens? - Kölnische Rundschau
25.09.2006 Die Zukunft wird vorsätzlich veruntreut - Kölner Stadt-Anzeiger
01.09.2006 Schäden am Kraftwerk beseitigt - Kölnische Rundschau
31.08.2006 Neue Rechnung für Neu-Etzweiler - Kölner Stadt Anzeiger
24.08.2006 Wir werden weiter große Kraftwerke brauchen - Kölnische-Rundschau
24.08.2006 Schulterschluss in Sachen Braunkohle - Kölner Stadt Anzeiger
24.08.2006 Grundstein für neues Mega-Kraftwerk - Kölner Stadt Anzeiger
23.08.2006 Kraft(werks)akt - Neuss Grevenbroicher Zeitung
23.08.2006 Mehr Ausstoß als Neuseeland - Neuss Grevenbroicher Zeitung
21.08.2006 Plan zur Luftqualität am Tagebau - Kölner Stadt Anzeiger
18.08.2006 Bergheimer Bürgermeisterin auf BoA-Baustelle - Kölnische-Rundschau
18.08.2006 CDA beklagt exzessiven Vorruhestand - Kölner Stadt Anzeiger
15.08.2006 Staub auch in Garzweiler ein Problem - Kölner Stadt Anzeiger
11.08.2006 Warmes Wasser unter der Erft - Kölner Stadt Anzeiger
10.08.2006 Geyener gegen neue Kraftwerke - Kölner Stadt Anzeiger
24.07.2006 Geheim-Beton für Zwillinge - Neuss Grevenbroicher Zeitung
15.07.2006 Europas größte Baustelle - Kölnische-Rundschau
15.07.2006 Kolosseum Neurath - Neuss Grevenbroicher Zeitung
14.07.2006 Ortsnetzstation / Protestplakat - Kölner Stadt Anzeiger
10.07.2006 Ende August wieder am Netz - Kölner Stadt Anzeiger
17.06.2006 Tagebau Garzweiler II geht in Betrieb - Kölnische-Rundschau
12.06.2006 Großbrand wütete im Kraftwerk - Kölnische-Rundschau
12.06.2006 Brand im Kraftwerk - Kölner Stadt Anzeiger
18.05.2006 Durchsuchungen bei RWE und Ruhrgas - Kölner Stadt Anzeiger
17.05.2006 EU-Razzia bei E.ON Ruhrgas und RWE - Kölnische-Rundschau
10.05.2006 Gewerbegebiet auf weichem Grund - Neuss Grevenbroicher Zeitung
04.05.2006 Mobile Mess-Station für Stommeln - Kölner Stadt Anzeiger
27.04.2006 Klüngel-Vorwürfe gegen RWE untermauert - Kölner Stadt Anzeiger
20.04.2006 BoA-Baustelle in Neurath kommt gut voran - Kölnische-Rundschau
14.04.2006 Kraftwerk als Herzstück - Neuss Grevenbroicher Zeitung
14.04.2006 RWE baut Kraftwerk in Holland - Kölner Stadt Anzeiger
14.04.2006 Kritik wegen RWE-Schwenk - Kölnische-Rundschau
06.04.2006 Der CO2-freie Klimafrühling - DIE ZEIT
06.04.2006 RWE verspricht Gewinn für alle - Kölner Stadt Anzeiger
31.03.2006 Kämpfen fürs Kraftwerk - Neuss Grevenbroicher Zeitung
30.03.2006 RWE plant Kraftwerk ohne CO2 - Neuss Grevenbroicher Zeitung
30.03.2006 RWE plant einmaliges Kraftwerksprojekt - Kölner Stadt Anzeiger
30.03.2006 RWE plant neues Kraftwerk - Kölnische-Rundschau
29.03.2006 Grüner Natur-Puffer - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
28.03.2006 Routenwechsel für Kieslaster - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
17.03.2006 Häuser für RWE-Bosse ausgestattet - Kölner Stadt Anzeiger
16.03.2006 Der letzte Zug nach Bergheim - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
01.03.2006 RWE-Kodex gilt nicht für alle Politiker - Kölnische-Rundschau
23.02.2006 RWE prüft Einstieg in Milliarden-Pipeline-Projekt - Financial Times
23.02.2006 RWE will Position in der Spitzenliga verteidigen - Hamburger Morgenpost
13.02.2006 RWE Power holt Ex-Bundesminister Clement - Kölnische-Rundschau
01.02.2006 Betriebsbeschränkungen Unumgänglich - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
23.01.2006 Kreisstraße sechs Monate dicht - Neuss-Grevenbroicher Zeitung
04.01.2006 Unternehmen auf Kurswechsel - FAZ.NET
02.01.2006 Start zur Errichtung der neuen BoA in Neurath - rwe.de
02.01.2006 Milliarden-Projekt geht an den Start - Neuss-Grevenbroicher Zeitung

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Industrie fordert von RWE und Eon Milliarden zurück
Kölnische Rundschau, Online Ausgabe
21.12.2006

Kartellamt teilt Kritik an Einpreisung von Klima-Zertifikaten

BONN - Wegen überhöhter Strompreise drohen den Energieversorgern RWE und Eon Schadenersatzforderungen ihrer Industriekunden in Milliardenhöhe.
Das Bundeskartellamt hat zunächst RWE abgemahnt. Der Konzern habe im Jahr 2005 missbräuchlich die fiktiven Preise für kostenlos zugeteilte CO2-Zertifikate in voller Höhe auf die Strompreise aufgeschlagen. Ein Verfahren gegen Eon solle folgen.

Gegen die Strompreiserhöhungen Anfang 2005 waren beim Bundeskartellamt zahlreiche Beschwerden aus der Industrie eingegangen. Der Verband der industriellen Energie- und Kraftwerkswirtschaft (VIK) bezifferte den durch CO2-Zertifikate verursachten Strompreisanstieg auf rund fünf Milliarden Euro pro Jahr.

Das Bundeskartellamt sieht die Anrechnung der Verschmutzungszertifikate in voller Höhe aus mehreren Gründen als unzulässig an. Wegen bestehender Rechtsunklarheiten gestand das Bundeskartellamt RWE immerhin zu, maximal 25 Prozent des Börsenwerts der CO2-Zertifikate auf den Strompreis aufzuschlagen.

RWE widersprach der Auffassung des Bundeskartellamtes nachdrücklich. Der Verband der Verbundunternehmen und Regionalen Energieversorger erklärte, nur wenn sich die Kosten der CO2-Zertifikate auf den Strompreis auswirkten, bestehe ein Anreiz, im Interesse des Klimaschutzes Emissionen zu reduzieren.


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Fließen Strom-Milliarden zurück?
Kölnische Rundschau, Online Ausgabe
21.12.2006

Kartellamt mahnt RWE wegen Emissionsrechte-Praxis ab - Industrie hofft

BONN - Die Energiewirtschaft ist für Ulf Böge in Sachen Wettbewerb ein kritischer Sonderfall. Daraus macht er keinen Hehl. Allein bei der Belieferung der Industriekunden mit Strom verfügten die Platzhirsche RWE und Eon über einen Marktanteil von satten 60 Prozent, sagt der Präsident des Bundeskartellamtes. Die beiden Unternehmen hätten hier eine "überragende Marktstellung". Also stößt sich Böge auch daran, dass die Konzerne den Wert ihrer kostenlos zugeteilten Emissionszertifikate für den Klimakiller Kohlendioxid in die Kalkulation der Strompreise mit einfließen lassen. RWE wurde nun abgemahnt, ein entsprechendes, seit Ende 2005 laufendes Verfahren gegen Eon soll "unmittelbar weitergeführt" werden.

Ein Vergleich mit anderen vom Emissionshandel ebenfalls betroffenen Industriezweigen zeige deutlich, dass etwa in der Mineralöl-, Stahl-, Zement- oder Papierindustrie die Umwälzung dieser Zertifikate nicht funktioniere, da hier eben Wettbewerb herrsche, machte Böge gestern in Bonn klar. Im übrigen sind auch die Stromtarife für Privatkunden kein Thema für das Kartellamt. Denn Böge verwies darauf, dass die Preise für Haushaltskunden von der Preisaufsicht der Bundesländer genehmigt werden.

Überschlägig zahlt die deutsche Industrie laut Kartellamt etwa neun Euro zu viel für jede Megawattstunde. Zulässig wäre es, höchstens drei Euro, also 25 Prozent des derzeitigen Börsenwertes der Zertifikate, auf den Strompreis aufzuschlagen. RWE erhebt jedoch die vollen zwölf Euro. Der Verband der industriellen Kraftwerkswirtschaft (VIK), der das Verfahren gegen die Stromkonzerne mit angestoßen hatte, beziffert den durch die Zertifikate entstanden Aufschlag auf immerhin fünf Milliarden Euro pro Jahr. Wenn RWE bis 22. Februar nicht einlenkt und das Kartellamt dann endgültig entscheidet, will der Verband diese Verluste ausgeglichen sehen. Böge ließ allerdings noch offen, wann mit konkreten Schritten zu rechnen ist.

Durch den Handel mit Verschmutzungsrechten sollen energieintensive Industrien einen Anreiz erhalten, ihren Kohlendioxid-Ausstoß zu senken. Senken die Unternehmen ihren Ausstoß tatsächlich, können sie die nicht benötigten Verschmutzungsrechte an der Leipziger Strombörse EEX anbieten, bei einem Anstieg muss zugekauft werden. Diese Rechte werden seit der Einführung des Zertifikatehandels im vergangenen Jahr gehandelt.

Streitpunkt ist aber eben, in welchem Umfang die Stromkonzerne den Wert der ihnen zunächst kostenlos zugeteilten Zertifikate in die Berechnung ihrer Tarife einbeziehen dürfen. Kritiker werfen den Stromkonzernen vor, ihre Marktmacht zu missbrauchen.

Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel zum Beispiel kämpft seit längerem gegen diese Praxis. Gestern rief er die Bundesregierung erneut auf, die Emissionszertifikate an die Stromkonzerne künftig zu versteigern und nicht mehr zu verschenken. So würden private und gewerbliche Stromkunden dauerhaft entlastet. Mit den Einnahmen sollte nach Ansicht von Rhiel die Stromsteuer gesenkt werden.


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Kartellamt mahnt RWE ab
Kölner Stadt-Anzeiger, Online Ausgabe
20.12.2006

BONN - Das Bundeskartellamt hält den RWE-Strompreis für die Industrie für ungerechtfertigt hoch. Es mahnte den Stromversorger wegen der Einbeziehung von Emissionszertifikaten für Kohlendioxid in den Preis ab. Eine vorläufige kartellrechtliche Überprüfung habe ergeben,
dass die unter Einrechnung der CO2-Zertifikate durchgesetzten Strompreise des vergangenen Jahres in erheblichem Maße missbräuchlich seien, teilte Kartellamtschef Ulf Böge am Mittwoch in Bonn mit.

Er geht davon aus, dass die industriellen Stromabnehmer auf dem Gerichtsweg versuchen werden, für 2005 Schadenersatz zu erwirken. RWE kann bis zum 22. Februar 2007 zu der vorläufigen Einschätzung Stellung beziehen. Bleibt das Kartellamt auch dann bei seiner Haltung, ist ein Sofortvollzug vorgesehen.

Das Kartellamt hatte auf Grund von Beschwerden der stromintensiven Industrie Ende 2005 Verfahren gegen RWE und die E.ON Energie AG eingeleitet. Das parallel laufende Verfahren gegen E.ON werde sich -unter Berücksichtigung der in diesem Verfahren gewonnenen Erkenntnisse - unmittelbar anschließen, hieß es.

RWE ist dem Kartellamt zufolge - bezogen auf die bundesweiten Strommärkte - gemeinsam mit E.ON marktbeherrschend. Zwischen den Unternehmen finde kein "wesentlicher" Wettbewerb statt, beide hätten im Verhältnis zu ihren Wettbewerbern "eine überragende Marktstellung". Die beiden Konzerne erzeugten gemeinsam rund 60 Prozent der Nettostrom-menge. Wegen dieser Position habe RWE den Preis der kostenlos zugeteilten Emissions-zertifikate auf die Kunden umwälzen können.

Ein Vergleich mit anderen vom Emissionshandel ebenfalls betroffenen Industriezweigen zeige, dass etwa in der Mineralöl-, Stahl-, Zement- oder Papierindustrie die Überwälzung der kostenlos zugeteilten Zertifikate nicht funktioniere, da dort ein Wettbewerb herrsche. Das Kartellamt billigte RWE für 2005 zu, die Einbeziehung von 25 Prozent des Zertifikatspreises nicht zu beanstanden.

In einer ersten Stellungnahme warf RWE der Wettbewerbsbehörde vor, sie habe bei ihrer Entscheidung die Grundlagen der Preisbildung auf dem Strommarkt ignoriert. Es sei nicht nachvollziehbar, dass in Europa einheitliche Marktmechanismen einen Verstoß gegen deutsches Kartellrecht bedeuten sollen, teilte RWE am Mittwoch mit. Auf allen europäischen Strommärkten werde der Zertifikatepreis im Strompreis berücksichtigt.

Der Verband der industriellen Kraftwirtschaft (VIK) als einer der Beschwerdeführer sieht in der Entscheidung die Bestätigung dafür, dass die Stromunternehmen ungerechtfertigte Milliardengewinne zu Lasten der industriellen Stromkunden gemacht haben.

Die abschließende Entscheidung des Kartellamtes im kommenden Jahr werde zu einem kurzfristigen Ausgleich der bisherigen Verluste bei den industriellen und gewerblichen Stromkunden führen, hieß es. Der Chef der Norddeutschen Affinerie, Werner Marnette, forderte betroffene Unternehmen auf, den Rechtsweg zu prüfen. "Wir überlegen das sehr genau", sagte er dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe).

Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel rief die Bundesregierung auf, die CO2-Zertifikate an die Stromkonzerne künftig zu versteigern und nicht mehr zu verschenken. So würden private und gewerbliche Stromkunden dauerhaft entlastet. Mit den Einnahmen sollte die Stromsteuer gesenkt werden.

Durch den Handel mit Verschmutzungsrechten sollen energieintensive Industrien wie etwa die Stromwirtschaft einen Anreiz erhalten, ihren Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu senken.


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Neue BoA-Pläne für Niederaußem?
Kölnische Rundschau, gedruckte Ausgabe, Nr. 286
09.12.2006

Bürgerinitiative Big BEN bereitet sich auf neuen Vorstoß von RWE Power vor

BERGHEIM / RHEIDT - Die Mitglieder von Big BEN bereiten sich auf eine neue Runde im Kampf gegen den Global Player RWE vor: Big BEN ist die Abkürzung für "Bürgerinitiative gegen BoA-Erweiterung Niederaußem e.V.". Nicht zuletzt den Aktivitäten von Hans-Joachim Gille, Heinz Peter Wolff und ihren Mitstreitern war es zu verdanken, dass der erste Vorstoß von RWE Power für eine Erweiterung des Niederaußemer Kraftwerkes im Jahr 2004 im Regionalrat abgelehnt wurde.

"Wir haben erfahren, dass RWE Power einen neuen Antrag zur Änderung des Gebietsentwick-lungsplanes (GEP) fertig oder fast fertig hat", sagte Hans-Joachim Gille gestern in einem Pressegespräch. "Nach dem, was ich gehört habe, planen sie zwei Blöcke. Ich nehme aber an, dass damit ein Doppelblock ähnlich wie in Neurath gemeint ist."
Zwar habe die Bezirksregierung den Eingang eines Antrags von RWE Power noch nicht bestä-tigt, Gille geht aber davon aus, dass seine Informationen stimmen, da sie ihm auch von Politi-kern vor Ort bestätigt worden seien.

"Wir werden natürlich dagegen kämpfen", kündigte Gille an. Heinz Peter Wolff ergänzte: "Wenn dieser Doppelblock fertig würde, dann stünde da ein gigantisches Bauwerk, das könnte man von Bonn aus sehen. "Der aus den Kühltürmen aufsteigende Wasserdampf würde den Himmel über den Dörfern von Rheidt bis nach Stommeln dauerhaft verschatten. Big BEN geht davon aus, dass RWE Power den Doppelblock zwischen das jetzige Kraftwerksgelände und die Landstraße 279 bauen will.

Dafür müsste der Gebietsentwicklungsplan geändert werden. Gille und Wolff sind nicht gene-rell gegen die Verstromung von Kohle in Kraftwerken. Aber die neuen Blöcke sollten an Stand-orten gebaut werden, die weniger dicht besiedelt sind. Vorstellbar wäre für Big BEN nur eine Lösung: "Abriss der alten Blöcke in Niederaußem und an ihrer Stelle einen neuen Block auf dem Kraftwerksgelände." Es dürfe in Niederaußem nicht mehr Kohle verbrannt werden als vor dem Bau des ersten BoA-Blocks.

Lothar Lambertz von der RWE-Power-Pressestelle erklärte auf Nachfrage, das Unternehmen sei dabei, seine Pläne für Niederaußem zu ändern - entsprechend den Auflagen, die der Regionalrat 2004 gemacht habe. Es gebe Kontakte zu den Verantwortlichen in der Region, der Konzern sondiere die Möglichkeiten. Aber es gebe keinen abgabereifen Antrag, den RWE Power bei der Bezirksregierung einreichen könne. Und in sechs Wochen?
Lambertz: "Das kann ich ihnen jetzt nicht sagen."


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Boa-Blöcke in Niederaußem?
Kölner Stadt-Anzeiger, gedruckte Ausgabe, Nr. 286
09.12.2006

RWE Power bestätigt Untersuchungen an allen Kraftwerksstandorten

BERGHEIM / RHEIDT-HÜCHELHOVEN - Nach Einschätzung der Bürgerinitiative gegen den Bau neuer BoA-Kraftwerke in Niederaußem "Big BEN" sollen zwischen Kohlebahn und Landstraße 279 zwei weitere BoA-Blöcke entstehen. Das gaben Hans-Joachim Gille und
Heinz Peter Wolff am Freitag bekannt. "Ich habe gehört, dass RWE Power einen neuen Antrag zur Änderung des Gebietsentwicklungsplanes fast fertig hat", sagte Gille.

Er gehe davon aus, dass auf dem Bauplatz des ersten BoA-Blockes ein neuer Doppelblock gebaut werden soll: "Politiker in Bergheim und im Regionalrat sind wohl schon informiert worden, bei der Bezirksregierung liegt allerdings noch kein Antrag vor. Alles läuft aber topsecret. Wir fürchten dadurch weitere Verschattungen durch die Kühlturmschwaden."
Ein Firmensprecher bestätigte nur, dass RWE Power zurzeit Flächen für neue Blöcke untersuche. Für weitere Aussagen sei es zu früh. RWE Power werde die Standorte prüfen und anschließend Anträge bei der Bezirksregierung stellen.

"Big BEN" will gegen das Bauprojekt kämpfen. Gille zitierte aus einem Schreiben von Vorstandsmitglied Dr. Johannes Lambertz vom Januar 2003. Darin versprach Lambertz, dass "die Menge der in den neuen Kraftwerksanlagen (einschließlich BoA 1) am Standort Niederaußem verstromten Braunkohle die bisher eingesetzte Kohlemenge nicht überschreitet".

Die Initiative kritisiert: "Seit vier Jahren ist der erste BoA-Block am Netz. Seitdem wird zusätz-liche Braunkohle in dem Kraftwerk verfeuert. Wenn neue Blöcke gebaut werden, muss der Kohleeinsatz erst einmal wieder auf den Stand vor dem Bau von Boa 1 zurückgefahren werden. Das geht nur, indem man alte Blöcke abschaltet."
Ein Sprecher von RWE Power widersprach: "Die Bandbreite des Braunkohleeinsatzes hat sich seit den 90er Jahren nicht verändert, auch nicht durch den BoA-Block."

Die Initiative fordert: "Erst soll man alte Blöcke abreißen, dann neue bauen."

Neurath und Niederaußem seien bevorzugte Standorte, weil sie in Bezug auf ihre Infrastruktur und ihre Anbindung an die Versorgungssysteme, wie Bandanlagen und Kühlwasser, "hervor-ragende Bedingungen" böten, räumte der RWE Power Sprecher ein.
Man untersuche aber auch andere Kraftwerksstandorte wie Frimmersdorf. Es sei noch zu früh, über Größe und konkrete Details zu sprechen. Der Regionalrat habe allerdings ein Zeichen gegeben, indem er den Plänen für drei neue Blöcke in Niederaußem widersprochen habe.

Gille glaubt, dass die Braunkohleverstromung noch viel länger dauert, als bisher angenom-men: "Bislang gilt, dass die Braunkohle noch bis 2045 reicht. Ein Kraftwerk hat aber eine Lebensdauer bis zu 50 Jahren. Wenn Neurath 2010 in Betrieb geht und anschließend Niederaußem noch gebaut wird, dann kommen wir auf größere Zeiträume."

Für einen längeren Einsatz der Kohle spreche auch der geplante Ausstieg aus der Kernkraft und die zunehmende Verbrennung von Müll und Klärschlamm in Braunkohlenkraftwerken, sagten Gille und Wolff. Der RWE Power Sprecher sagte, eine Verlängerung der Laufzeiten sei zurzeit nicht geplant.


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Prüft RWE einen neuen Tagebau?
Kölner Stadt-Anzeiger, Online Ausgabe
23.11.2006

Grüne aus Düren und dem Rhein-Erft-Kreis wollen Aufschluss eines neuen Abbaugebiets verhindern.

BERGHEIM / DÜREN - Die Grünen im Rhein-Erft-Kreis und im benachbarten Düren sind sicher: Wenn RWE Power wie angekündigt weiter neue, leistungsstarke Braunkohlekraftwerke zur Stromerzeugung baut, dann reicht der Kohlevorrat in den Tagebauen Hambach und Garzweiler zwischen Mönchengladbach, Düren und Bergheim bald nicht mehr aus.

Schon in weniger als zehn Jahren, wenn bis dahin vier geplante neue Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von 4000 Megawatt (MW) am Netz sind, gehe die Kohle absehbar zur Neige.
Die Grünen befürchten deshalb den Aufschluss eines weiteren Tagebaus. Und diesen vermuten sie zwischen Kerpen, Nörvenich und Erftstadt-Lechenich.

Dass in dieser Region Kohle liegt, ist seit langem bekannt. Rund 1,4 Milliarden Tonnen sind abbaubar, haben Experten schon vor mehr als 20 Jahren festgestellt. Zwei kleine Orte, nämlich Erp (Erftstadt) und Irresheim (Gemeinde Nörvenich) gaben dem 80 Quadratkilometer großen Bereich damals seinen Namen.

Im Rahmen der Genehmigung des Tagebaus Garzweiler II spielte Erp / Irresheim zwar nur die planungsrechtlich geforderte Alternativ-Lösung. Immerhin aber stellte die Landesregierung 1987 in einer Untersuchung fest, dass es überhaupt nur einen weiteren "möglichen Groß-tagebau, das Feld Erp / Irresheim" mit einer jährlichen Förderleistung von 40 Millionen Tonnen Kohle im Revier gebe.

Im Braunkohleplan-Entwurf zu Garzweiler II heißt es dazu: "Nur ein neu aufzuschließender Tagebau Erp / Irresheim (kann) den Deckungsbeitrag des Tagebaus Garzweiler II zur Energieversorgung mit einem vergleichbaren Kohlevorrat und einer vergleichbaren Jahresförderung erbringen."

Den Aufschluss wollen die Grünen jedoch verhindern und fordern den zügigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Beide Kreisverbände wollen dies auf dem Bundesparteitag Anfang Dezember durchsetzen. Für Oliver Krischer, Vorstandsmitglied der Dürener Bündnisgrünen, ist es daher besonders wichtig, auch den Bau weiterer Kraftwerke zu verhindern - um den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu verringern. Außerdem: "Mit dem Bau neuer Kraftwerksblöcke werden Fakten geschaffen", sagt Krischer. "Und dann muss Kohle her."

Die Grünen stützen ihre Argumentation auf "Zahlen von RWE Power", so deren Geschäftsführer im Rhein-Erft-Kreis, Johannes Bortlisz-Dickhoff. Demnach haben die neuen Kraftwerke eine Laufzeit von 40 Jahren. Schon ab 2020 würden die derzeit genehmigten Kohlevorräte kaum noch reichen. Krischer ist daher überzeugt: Spätestens 2010 - bis dahin gehen zwei neue Kraftwerksblöcke in Grevenbroich-Neurath mit einer Gesamtleistung von 2000 MW ans Netz - müsse die Tagebaufrage entschieden sein.

RWE Power bezweifelt die Berechnungen der Grünen und die so ermittelte Kohleknappheit. "Die haben vergessen, die alten Blöcke abzuziehen, die wir stilllegen - allein sechs 150 MW Blöcke bis 2010", sagt Pressesprecher Manfred Lang. RWE Power dementiert solche Pläne nicht, sagt derzeit aber nur: "Eine Entscheidung fällt - wenn überhaupt - erst in der zweiten Hälfte der nächsten Dekade." Also frühestens im Jahre 2015.

"Das Unternehmen will sich die Entscheidung so lange wie möglich offenhalten", kritisiert Krischer. Die Menschen in der Region hätten aber einen Anspruch darauf, so früh wie möglich informiert zu werden. "RWE Power muss seine Pläne so schnell wie möglich offenlegen."


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Geldmaschine Braunkohle
DIE ZEIT, die zeit online
13.11.2006

Eigentlich soll der Emissionshandel das Klima schützen. Stattdessen belohnt er die größten Luftverschmutzer und verschafft den Stromkonzernen Profite in Milliardenhöhe, sagen Kritiker. Was ist schiefgelaufen?

Die Idee ist bestechend simpel: Weil das Treibhausgas Kohlendioxid für einen Großteil der von Menschen gemachten Erderwärmung verantwortlich ist, soll zahlen, wer es in die Luft pustet. Dadurch werden die schädlichen Abgase teurer. Ab einem gewissen Preis lohnt es sich für den Verursacher, Geld in neue, sauberere Technologien zu stecken, statt weiterhin für die Verschmutzung der Umwelt zu zahlen.

Handelbare Emissionsrechte, wie sie im vergangenen Jahr von der Europäischen Union eingeführt worden sind, bewirken noch mehr. Durch sie setzt der Staat den Unternehmen eines Landes eine Emissions-Obergrenze. Jede Firma erhält eine gewisse Menge an Verschmut-zungsrechten. Alles Übrige regelt der Markt ganz elegant: Je nachdem, was für sie günstiger ist, kaufen die Unternehmen entweder Emissionsrechte hinzu oder investieren in neue, umweltschonende Technologien. So wird der Ausstoß an Kohlendioxid ganz automatisch genau dort gesenkt, wo es am wenigsten kostet.

So weit, so einleuchtend. Leider ist die politische Praxis komplizierter. Für sie ist in Deutschland Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verantwortlich, der im Sommer darlegte, wie er den Handel mit den Verschmutzungsrechten in Zukunft zu regeln gedenke. Zusammengefasst hatte er seine Absichten im "Nationalen Allokationsplan II", der für die Zeit von 2008 und 2012 gilt. Spätestens seither wird der Umweltminister von allen Seiten kritisiert. Er belohne die schmutzigsten Stromerzeuger, statt ihnen die Kosten ihres Verhaltens aufzubürden, und fördere neue Braunkohlekraftwerke; er schenke den Stromkonzernen zusätzliche Profite in Milliardenhöhe, und lasse die Verbraucher die Zeche zahlen, beanstanden die Kritiker. Zu ihnen gehören Ökonomen, Umweltschützer, Oppositions- und auch Regierungspolitiker.

Die Debatte kreist um zwei Probleme. Problem eins:
Gabriel verschenkt die Verschmutzungsrechte. Die Energiekonzerne müssen für die Zertifikate keinen Cent zahlen, schlagen aber deren Marktwert auf den Strompreis obendrauf. Dem Verbraucher bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als zu zahlen. Den Versorgern bringt diese Praxis jährliche Extraprofite in Milliardenhöhe ein, so genannte Windfall Profits.

Den Stromkonzernen darf man ihre Preispolitik nicht vorwerfen. Das klingt zwar zunächst widersinnig, doch die Unternehmen handeln nach einem grundlegenden ökonomischen Kalkül: Die Zertifikate stellen aus Sicht der Unternehmen einen Vermögenswert dar, ganz gleich, ob sie gekauft oder gratis erworben wurden. Dieser Wert geht bei der Stromerzeugung verloren, es entstehen also betriebswirtschaftliche Kosten. Die fließen in die Preiskalkulation ein wie andere Kosten auch. "Höhere Zertifikatspreise führen also ganz zwangsläufig zu höheren Preisforderungen", sagt Axel Ockenfels, Volkswirt und Leiter des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln.

Nun führen höhere Preisforderungen nicht zwangsläufig zu höheren Preisen. Es sei denn, die Anbieter haben die Macht, sich am Markt durchzusetzen. In einem oligopolistischen Strommarkt wie dem deutschen ist das für sie kein Problem, zumal die Verbraucher nur eingeschränkt auf die steigenden Preise reagieren können. Strom ist nun einmal kaum durch ein anderes Gut zu ersetzen und kann schlecht gelagert werden. Deshalb bleibt nur, zu kaufen, wenn man ihn braucht.

Die Alternative zur kostenlosen Vergabe wäre, die Verschmutzungszertifikate meistbietend zu versteigern. Davon hätten zwar die Stromkunden nichts, zumindest im ersten Schritt. Aber der Staat würde profitieren. Falls er seine Einnahmen nutzte, um die Stromsteuer zu senken, fiele der Strompreis dann doch wieder. Bis zu zehn Prozent der Emissionsrechte dürfte Gabriel nach EU-Recht versteigern. Das ist nicht viel, dennoch ist der Minister dagegen. Seine offizielle Begründung: Es herrsche kein Wettbewerb am Strommarkt. Deshalb könnten die Versorger die zusätzlichen Kosten allzu leicht wieder den Verbrauchern aufbürden.

Problem zwei:
Die Behörden verteilen die Zertifikate nach dem so genannten Grandfathering-Prinzip. Das bedeutet: Kraftwerke, welche die Luft besonders stark verschmutzen, erhalten auch für die Zukunft besonders viele Rechte - ganz umsonst. Davon profitiert vor allem die Braunkohle, denn sie erzeugt bei der Stromerzeugung besonders viel CO2, rund zweimal so viel wie beispielsweise Erdgas. Wie absurd das ist, zeigt das Beispiel RWE: Der Versorger, der einen Großteil seines Stroms aus Braunkohle erzeugt, ist der größte CO2-Emittent der Europäischen Union und wird also mit mehr Emissionsrechten bedacht als jedes andere Unternehmen. Ganz nebenbei beschert das Grandfathering Braunkohleverstromern auch einen höheren Windfall Profit als den saubereren Gaskraftwerken.

Weil alte Kraftwerke ihre jährlichen Emissionen unter dem kommenden Allokationsplan um 15 Prozent senken müssen, neue Kraftwerke aber über 14 Jahre lang vor solchen Forderungen geschützt werden, interpretieren die Kritiker die Regelungen zudem als Anreiz für die Stromversorger, noch schnell vor dem Inkrafttreten des neuen Plans neue Kraftwerke zu bauen. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, denn der deutsche Kraftwerkspark gilt als veraltet, und neue, in der Regel effizientere Anlagen werden dringend gebraucht. Doch Gabriels Gegner bemängeln, dass der Schwerpunkt des Neubauprogramms ebenfalls auf der schmutzigen Braunkohle liege.

Im Bundesumweltministerium verteidigt man sich: Auch Braunkohlekraftwerke müssten ihre Emissionen ab 2008 reduzieren, und zwar anteilsmäßig ebenso stark wie andere Kraftwerke auch. Absolut gerechnet, also in Kilogramm CO2, sei ihre Verpflichtung demnach deutlich höher als die der Gaskraftwerke. Besonders große Dreckschleudern würden dazu noch bestraft: Ihr Reduktionsziel liege bei 30 Prozent, doppelt so hoch wie das der anderen Anlagen. Neue Braunkohleanlagen hingegen erhielten etwas weniger Zertifikate als benötigt, müssten also hinzukaufen, während neue Gaskraftwerke "bedarfsgerecht" versorgt würden, wie es im Ministeriumsjargon heißt. Von einer Bevorzugung der Braunkohle könne also keine Rede sein.

Den Ministerialen gilt die Kritik an der Braunkohle als ideologisch verbohrt. Der Atomausstieg sei beschlossene Sache, Erdgas nur begrenzt vorhanden. Deshalb, so argumentiert ein Sprecher, sei "die Energiewende nicht nur mit erneuerbaren Energien und Gas zu schaffen."
An fossilen Kraftstoffen komme man eben nicht vorbei.

Tatsächlich, einen unbestreitbaren Vorteil hat die Braunkohle im Vergleich zum Erdgas, selbst wenn dies das grüne Gewissen schmerzt: Sie ist in Deutschland reichlich vorhanden. Erdgas hingegen findet sich vor allem in Russland und dem Iran - zwei Ländern, die ihre Ressourcen bekannterweise gerne auch als diplomatische Waffe nutzen. Beide könnten über künstlich hohe Gaspreise politischen Druck auf andere Länder ausüben, falls dies ihren Interessen dienlich ist, wie die Internationale Energieagentur IEA in ihrem jüngsten World Energy Outlook für möglich hält.

Im Extremfall könnte also weltweit die Suche nach sicheren Energiequellen den Klimaschutz untergraben, warnt die IEA. Im Bundesumweltministerium ist man derweil noch optimistisch, beides miteinander zu vereinbaren.


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Gewerbegebiet im alten Tagebau
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
03.11.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Gegenüber dem Neurather Kraftwerk liegt ein 130 000 Quadratmeter großes Grundstück brach. Das Gelände befindet sich zwar innerhalb der Grevenbroicher Stadtgrenzen, dennoch sollen auch die Rommerskirchener von ihm profitieren.

Der Grund: "Die Belastungen, die von Neurath ausgehen, betreffen auch die Nachbargemeinde, insbesondere Vanikum. Wir nehmen RWE nun partnerschaftlich in die Pflicht - der Konzern soll uns beim Erschließen eines gemeinsamen Gewerbegebiets behilflich sein", meint Bürgermeister Axel Prümm.

Sein Ziel: "Wenn das neue BoA-Kraftwerk seinen Betrieb aufnimmt, muss dort das erste Unternehmen stehen." In Jahren ausgedrückt: Ende 2009, Anfang 2010. "Wenn es geht, auch schneller", meint der Bürgermeister.

Um der Sache Nachdruck zu verleihen hat Prümm den städtischen Wirtschaftsförderer Ralf Müller mit einem Spezial-Auftrag versehen: Er kümmert sich vornehmlich um die Entwicklung des zukünftigen Gewerbegebiets. Sein erster und wichtigster Schritt: Der Grundstückskauf, die Stadt ist nicht Eigentümerin der Flächen.

"Ein Drittel gehört RWE, der Rest ist in Privatbesitz", erläutert Müller. Mit Unterstützung des Konzerns seien bereits erste Gespräche mit den Eigentümern geführt worden.

"Traumpreise" dürften sie jedoch nicht für ihr Land erwarten, denn: "Bei dem geplanten Gewerbegebiet handelt es sich um ein ehemaliges Tagebaugelände, das zugeschüttet wurde. Es ist also kein gewachsener Boden vorhanden", erklärt Ralf Müller.

Der Nachteil: beim Bau muss ein aufwendigeres Fundament gesetzt werden, was zusätzlich zu Buche schlägt. "Wir ermitteln zurzeit die Erschließungskosten, dann werden wir in erneute Gespräche mit den Eigentümern treten", so der Wirtschaftsförderer.

Parallel dazu werden bereits Kontakte zu möglichen Interessenten geknüpft. Axel Prümm favorisiert hier vor allem produzierendes Gewerbe aus dem Sanitärbereich.

Aus gutem Grund, wie er meint: Das Düsseldorfer Großhandelsunternehmen Gottschall und Sohn - es gehört zu den Großen in der Sanitärbranche - wird sich bis spätestens 2008 mit 200 Arbeitskräften auf einem 60 000 Quadratmeter großen Gelände in Vierwinden ansiedeln.

"Parallel dazu haben wir vor, einen von Gottschalls Wettbewerbern in Grevenbroich anzusiedeln. Da macht es Sinn, auch produzierendes Gewerbe aus diesem Bereich in die Stadt zu holen."

Möglicherweise ließen sich diese Firmen auch über den Energiepreis in die Schloss-Stadt locken: "Dort wo er produziert wird, ist Strom auch am günstigsten", meint Prümm. Der Standort Neurath sei insofern ideal.

Auch, was den Verkehr betrifft. Hier sieht Ralf Müller klare Vorteile: "Über die Buchholzer Straße ist die L 116 schnell zu erreichen, die wiederum zu den Autobahnen 46 und 61 führt. Und in anderer Richtung gibt es eine schnelle Verbindung zum Kölner Stadtgebiet."

Das sieht auch Bernd Sauer, Dezernent der Gemeinde Rommerskirchen, so: "Die Lage ist wirklich gut. Auch die Nähe zu den Kraftwerken spricht für sich, hier könnte zum Beispiel die Zulieferindustrie für eine Ansiedlung in Neurath gewonnen werden."

Profitieren sollen beide Kommunen über die Gewerbesteuern. Die Quote stehe jedoch noch nicht fest, ein Vertrag wird zurzeit vorbereitet, so Sauer. Eine mögliche Verteilung könnte so aussehen: 20 Prozent Rommerskirchen, 80 Prozent Grevenbroich. Bestätigen will diese Quote zurzeit jedoch keine der beiden Partnergemeinden.


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Baustart für Logistikzentrum
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
13.10.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Wenn sich die Kumpels aus dem Revier nach getaner Arbeit in die Kauen bewegen, um sich den Braunkohlenstaub abzuwaschen, greifen sie zum Duschgel. Das wird regelmäßig aus einem der zehn Lager angeliefert, die RWE Power zwischen Grevenbroich, Weisweiler und Knappsack unterhält.

In diesen Hallen hortet der Konzern all das, was in vier Kraftwerken und drei Tagebauen fürs tägliche Geschäft gebraucht wird. Reinigungs- und Hygienemittel gehören ebenso dazu wie Sicherheitsschuhe und Helme, Schrauben und Walzlager - insgesamt 90 000 Artikel im Wert von rund 300 Millionen Euro.

Jetzt zentriert das Unternehmen diesen Bereich: Im Neurather Kraftwerk - auf dem Gelände der schon vor Jahrzehnten abgerissenen Victoria-Brikettfabrik - wurde Freitag mit dem Bau eines 8000 Quadratmeter großen Logistikzentrums begonnen. "Mit diesem Projekt machen wir ab Mai nächsten Jahres die Materialversorgung für unsere Betriebe erheblich effizienter", betont Georg Petrich, Leiter der Abteilung Betriebsdienste bei RWE Power.

Standort-Analysen haben ergeben, dass von Neurath aus sämtliche Betriebsstätten des Konzerns innerhalb von 60 Minuten zu erreichen sind: "Das Gelände liegt zentral, in der Nähe der Autobahnen - ein starker Vorteil", so Petrich weiter. Mit einem spürbar erhöhten Verkehrs-aufkommen muss allerdings nicht gerechnet werden: Etwa 40 Lastwagen werden künftig das Zentrum ansteuern. "Die Belastung ist äußerst gering", urteilt Petrich.

Das Logistikcenter besteht aus einem Palettenlager mit 8820 Stellplätzen und einem fußballfeldgroßen Kleinteilelager, das vollautomatisiert wird. "Hier wird nichts mehr von Hand aus den Regalen genommen, sondern per Knopfdruck über Bediengeräte bestellt - alles hochmodern", berichtet Projektleiter Ulrich Teppler. Die Automatisierung hat ihren Preis.

Das neue Lager kommt nur noch mit 40 Mitarbeitern aus, bisher sind noch 70 in diesem Bereich beschäftigt. Entlassen wird jedoch niemand: "Jeder Mitarbeiter hat eine neue Aufgabe in einem anderen Bereich gefunden", betont Georg Petrich.

Wenn das neue Logistikzentrum im Frühjahr eröffnet, bleiben die zehn Altlager im Revier bestehen: "Dort werden weiterhin die großen Teile gehortet, in unmittelbarer Nähe zu den Betriebsstätten. Sie sind zu schwer, der Transportweg würde unnötig verlängert", meint Petrich. In Neurath wird ausschließlich das Material gehortet, was auf Paletten passt und mit der Hand zu greifen ist.

"Das sind die Kleinteile - von der Mini-Schraube bis zum Einweghandtuch. Es ist ein Gemischtwarenladen - was man bei uns nicht findet, gibt's auch nicht bei Obi", umschreibt es Ulrich Teppler.

Landrat Dieter Patt, der Freitag zu den Gästen des Baustarts gehörte, wertete die Investitionsentscheidung von RWE Power "als ein weiteres deutliches Zeichen für den Standort".
Der Konzern habe mit dem Rhein-Kreis, der Stadt Grevenbroich und der Gemeinde Jüchen nach wie vor verlässliche Partner an seiner Seite, obwohl diese auch die "großen Einschnitte und Belastungen" durch Kraftwerke und Tagebau tragen müssten.

Vor diesem Hintergrund forderte Patt weitere Investitionen ein: "Das Kraftwerk Frimmersdorf muss eine Zukunft unter modernen Gesichtspunkten haben", meinte der Landrat und machte deutlich, dass das geplante Kohlendioxid-freie Kraftwerk "nur an diesem Standort realisiert werden kann".

Bürgermeister Axel Prümm schloss sich den Forderungen von Dieter Patt an. Auch er ging auf die Umweltbelastungen des Konzerns ein und forderte RWE auf, für einen Ausgleich zu schaffen. Die Partnerschaft mit dem Energieerzeuger werde jedoch an diesem Punkt nicht scheitern, versicherte Prümm.


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Ein Abschied vom Atomkonsens?
Kölnische Rundschau, rundschau-online.de
27.09.2006

RWE-Antrag auf Laufzeitverlängerung für Biblis - Glos will mitentscheiden

BIBLIS - Der Energiekonzern RWE hat einen Antrag auf Laufzeitverlängerung für das Kernkraftwerk Biblis A (Hessen) gestellt. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, die gewünschte Übertragung von Strommengen aus dem - nur kurz in Betrieb gewesenen - Kraftwerk Mülheim-Kärlich auf Biblis A sei nicht im Gesetz vorgesehen. Deshalb werde zunächst geprüft, ob der Antrag überhaupt rechtlich begründet sei.

Nach bisherigen Maßgaben müsste der älteste deutsche Reaktor 2008 stillgelegt werden, RWE will die Laufzeit bis Mitte 2011 verlängern. Umweltverbände warfen RWE vor, sich vom 2000 geschlossenen Atomkonsens verabschieden zu wollen. Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag zum Atomausstieg bis 2020 bekannt.

Der Konzern geht davon aus, dass über den Antrag neben dem Umweltministerium auch das Wirtschaftsministerium und das Kanzleramt befinden müssen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kündigte an, er wolle bei der Entscheidung mitreden.

Die Reaktorblöcke in Biblis liefern umgerechnet Strom für mehr als sechs Millionen Haushalte. Sie decken damit etwa ein Drittel des Stromverbrauches von ganz Hessen ab. Block A ging 1974 ans Netz, Block B 1976. Seitdem erzeugten sie rund 450 Milliarden Kilowattstunden Strom, damit ist Biblis eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Kraftwerke.
Allerdings gab es vor allem im Block A immer wieder teils spektakuläre Pannen, etwa Risse in wichtigen Schweißnähten. 2003 stellte sich heraus, dass schon beim Bau ein Sieb im Notkühlsystem zu klein geraten war. Kritiker nennen Biblis A einen "Schrottreaktor", der zudem nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze oder Erdbeben gesichert sei.

RWE dagegen verweist zur Begründung für den angestrebten Weiterbetrieb auch auf Investitionen etwa in die Sicherheit des Kraftwerkes von rund 500 Millionen Euro seit 1999.


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"Die Zukunft wird vorsätzlich veruntreut"
Kölner Stadt-Anzeiger, gedruckte Ausgabe
25.09.2006

PULHEIM - Diesmal ist es umgekehrt. Diesmal sind es nicht die Umweltschützer, die protestieren, sondern die Mitarbeiter des RWE-Kraftwerks Niederaußem, allen voran der Vorsitzende des Betriebsrats, Harald Könen. "Moderne Kraftwerke - bester Umweltschutz", steht etwa auf einem der Transparente, das die Kraftwerker hoch halten. Die Menschen, die an ihnen vorbei in den Köster-Saal zur Tagung des Aktionsbündnisses "Zukunft statt Braunkohle" drängen, sind anderer Meinung. Für sie steht fest: Es geht ohne die klimaschädliche Braunkohle - mit Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Erdwärme und Gaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung.

Der erste Redner ist Bürgermeister Dr. Karl August Morisse. Und die Zuhörer merken gleich, dass er hier keinen Pflichttermin absolviert. Er wisse nicht, ob "die deprimierende Prognose", Braunkohle sei unverzichtbar, richtig sei, oder ob andere mit ihrer Behauptung richtig lägen, dass es preiswertere und umweltfreundlichere Alternativen gebe. "Was mit Sicherheit feststeht ist, dass wir die Zukunft vorsätzlich veruntreuen, wenn wir klimaschädliche Strukturen schon jetzt für vier Jahrzehnte und mehr zementieren und damit darauf verzichten, für alternative Entwicklungen Raum zu lassen, sie zu fördern und vom Entwicklungsfortschritt der nächsten 40 Jahre zu profitieren", rief er den mehreren hundert Besuchern des Bürgerforums in seinem Grußwort zu und erntete dafür lange anhaltenden Applaus.

Der bereits begonnene Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks in Grevenbroich-Neurath, der Aufschluss des Braunkohlentagebaus Garzweiler II und die Pläne des Unternehmens RWE Power zum Bau weiterer Kraftwerke haben nicht nur klassische Umweltschützer auf den Plan gerufen. Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten, verschiedener Parteien, Alte wie Jugendliche, interessieren sich jetzt für den Schadstoffausstoß eines Braunkohlenkraftwerks. Bestseller-Autor Frank Schätzing (Der Schwarm) weiß aus seiner Jugend in Hürth wie es ist, im Schatten eines Kraftwerks und am Rande eines Tagebaus zu leben. Jetzt hat er die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen. Aus gesundheitlichen Gründen ist er zwar nicht in Pulheim, lässt aber sein Grußwort verlesen und kommt zu dem Schluss, "dass es um nicht weniger als die Rettung unserer natürlichen Lebensgrundlagen geht."

Mit dem TV-Journalisten und Publizisten Franz Alt sowie dem Präsidenten der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energie (EUROSOLAR), dem SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, gelingt es den Veranstaltern, zwei der bekanntesten Verfechter für eine Wende in der Energiepolitik zu gewinnen. Alt spricht vom "wichtigsten Thema der Weltpolitik" und fordert die 100-prozentige Wende, weg von der Braunkohle, Atomstrom und Öl. Die regenerativen Energien reichten aus, wenn die Politik die Weichen richtig stelle. In anderen Ländern sei das möglich, so Alt. Er verwies insbesondere auf den etwa in Korea oder Taiwan boomenden Solarmarkt, von dem auch deutsche Firmen profitierten. Dort entstünden Arbeitsplätze, nicht in der Braunkohlenindustrie.

Hermann Scheer, Träger des alternativen Nobelpreises, ist in vielen seiner Bücher der Frage nachgegangen, warum selbst Wissenschaftler - gegen besseres Wissen, wie er meint - die Möglichkeit von Alternativen bestreiten. "Das eigentliche Problem ist kein technologisches, kein wirtschaftliches, sondern liegt in der Fortschreibung des jetzigen Energiesystems." In den bestehenden Strukturen sei eine Veränderung nämlich nicht möglich. Regenerative Energienutzung müsse dezentral organisiert werden - ohne Großkraftwerke und riesige Tagebaue, sondern in kleinen Einheiten, mit Solarzellen auf Hausdächern, Biogasanlagen und Wärmepumpen.

Die vielen Diskussionen am Rande der Veranstaltung zeigen, dass die Sorge um die Veränderung des Weltklimas die Menschen umtreibt. Es sei allerhöchste Zeit, den Ausstoß von Kohlendioxid zu stoppen - vor allem durch das Verbrennen des klimaschädlichsten aller Brennstoffe, der Braunkohle, heißt es.

In zahlreichen stets gut besuchten Vorträgen gehen Experten vom Wuppertal-Institut, vom Max-Planck-Institut oder von den Naturschutzorganisationen, der Frage nach den Auswirkungen des Klimawandels nach. Fazit: Die Häufigkeit von Hochwassern und heftigen Stürmen nimmt zu.

Zum Ende des Tages verabschieden die Organisatoren unter starkem Beifall der Besucher das "Pulheimer Manifest für eine Energieversorgung ohne Braunkohle". Zuvor noch bekennt sich der Kabarettist Jürgen Becker zu den Zielen und sorgt mit Ausschnitten aus seinem neuen Programm für Heiterkeit im Köster-Saal.

Das Aktionsbündnis "Zukunft statt Braunkohle" vertritt inzwischen nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Menschen. Gegründet wurde es von der Umweltschutzorganisation Greenpeace, dem nordrhein-westfälischen Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie dem Aktionsbündnis Stommelner Bürger "Leben ohne BoA" (Lob). An der Veranstaltung und am Rahmenprogramm beteiligten sich außerdem der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sowie der Fotograf Dieter Müller-Henning mit seinen Fotografien aus Orten, die dem Tagebau Garzweiler II weichen mussten. Titel der Ausstellung: "Sterbende Dörfer".


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Schäden am Kraftwerk beseitigt, Blöcke gehen wieder ans Netz
Kölnische Rundschau, rundschau-online.de
01.09.2006

BERGHEIM-NIEDERAUSSEM - Die beiden 600-Megawatt-Blöcke G und H am Kraftwerk Niederaußem, die Mitte Juni durch einen Brand außer Gefecht gesetzt worden waren, gehen in diesen Tagen wieder ans Netz. Bei der Wiederaufnahme des Betriebs kann es kurzzeitig zu Lärmbelästigungen kommen, weil Dampf über die Sicherheitsventile abgelassen werden muss.

Laut Mitteilung von RWE Power ist durch den Großbrand in den Kohlebunkern ein Schaden von rund 20 Millionen Euro entstanden. Beim Wiederaufbau sind die Brandschutzmaßnahmen, in die bereits in den vergangenen beiden Jahren rund vier Millionen Euro investiert wurden, noch einmal optimiert worden.

Das Gutachten zur Brandursache liege zwar noch nicht vor, heißt es in der Presseerklärung von RWE Power, Brandstiftung oder Sabotage seien aber nach Aussage der Kriminalpolizei mittlerweile auszuschließen.


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Neue Rechnung für Neu-Etzweiler
Gemeinde Elsdorf muss 630 000 Euro nicht genutzte Zuschüsse ans Land zurückzahlen.

Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
31.08.2006

Den Steuerzahler hat die Umsiedlung von fast 600 Dorfbewohnern mehr als vier Millionen Euro gekostet.

ELSDORF - Nur noch der Ausbau der Tanneckstraße in Neu-Etzweiler fehlt, dann ist die Umsiedlung der Orte Etzweiler und Gesolei tatsächlich komplett abgeschlossen. Die Endabrechnung liegt aber schon jetzt vor: Der Bau von Straßen, Wegen, Plätzen und Bürgerhaus in Neu-Etzweiler hat knapp zehn Millionen Euro gekostet.

Das Bergbauunternehmen RWE Power, das mit seinem Tagebau Hambach Urheber der Umsiedlung war, hat von diesen Kosten 55 Prozent getragen, den Rest übernahm der Steuerzahler - denn "nach dem Willen des Landes", so heißt es in den Förderrichtlinien, "soll zugunsten der Umsiedler in den neu entstehenden Orten ein städtebauliches Mehr erreicht werden". Die Kosten für dieses Plus, das den knapp 600 Bewohnern von Neu-Etzweiler den Verlust der Heimat erleichtern soll, übernahmen das Land zu 80 Prozent und die Gemeinde zu 20 Prozent.

Doch weil der Straßenbau bei der 1994 begonnenen Umsiedlung billiger ausgefallen ist als kalkuliert, hat die Gemeinde nun einen Bescheid vom Rechnungsprüfungsamt der Bezirksregierung erhalten: Knapp 630 000 Euro der insgesamt vom Land gezahlten Summe von 3,5 Millionen Euro für Straßenbau und Bürgerhaus müssen die Elsdorfer ans Land zurücküberweisen. "Der Gönner von damals ist der Feind von heute", sagt Bürgermeister Wilfried Effertz.

"Wir haben 1993 bei den Verhandlungen im Ministerium um jede Mark gefeilscht, weil wir ja nicht wussten, wie sich über den langen Zeitraum der Umsiedlung die Preise in der Baubranche entwickeln", berichtet Heinz-Peter Schmitz vom Fachbereich Planen und Bauen. Doch weil die Preise nicht so stark wie erwartet gestiegen seien, habe die Gemeinde die Umsiedlung "kostengünstig abwickeln können". Weil es im städtischen Haushalt keinen Sonderetat "Umsiedlung" gibt, trieb Volker Juhrich (FDP) im Hauptausschuss eine Frage um: "Wo ist das Geld geblieben?"

" Nach Auskunft des Bürgermeisters sind die in Raten ausgezahlten Zuschüsse des Landes im Gesamthaushalt aufgegangen und auch für andere Projekte als die Umsiedlung eingesetzt worden. Nun müsse die Rückzahlung ans Land mit einem Nachtragshaushalt ausgewiesen werden. "Das Geld ist im Interesse aller Bürger ausgegeben worden, nun zahlen es auch alle Bürger zurück."

Als vorbildlicher Umsiedlungsort gilt Neu-Etzweiler, auch dank der Landeszuschüsse für Straßen und Plätze.


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"Wir werden weiter große Kraftwerke brauchen"
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
24.08.2006

Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers legten Grundstein für BoA

NEURATH - "Schief", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel und war offenbar nicht zufrieden mit dem Sitz des von ihr eingebauten Grundsteins. "Egal", kommentierte RWE-Power-Chef Jan Zilius, "da bauen wir drüber, das sieht nachher keiner mehr."

Wenn viele mauern, wird die Sache nicht besser. Zimmermann Erwin Rohloff hatte zwar vorgemacht, wie man den Stein ordentlich in Spieß legt und passgenau einsetzt, aber Zilius ahnte schon, dass das kein Meisterwerk werden würde. "Wenn Chemiker, Physiker und Juristen so etwas in Angriff nehmen, geht das schon mal in die Hose."

SeiĀ“s drum, Merkel, NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, RWE-Chef Harry Roels, Gesamt-betriebsratsvorsitzender Günter Reppien und Zilius schafften es schließlich, den Metallzylinder, der eine von allen unterschriebene Urkunde, einige Münzen und eine Zeitung enthält, einzu-mauern und damit den Grundstein für die BoA-Blöcke zwei und drei in Neurath zu legen.

Sowohl Merkel als auch Rüttgers lobten das Projekt als wegweisende Maßnahme zur Siche-rung der Energieversorgung und die Investition von zwei Milliarden Euro als Vertrauensbeweis für den Standort Deutschland. Die moderne Technologie sei auch von hoher Bedeutung für den Export. Mit Blick auf die künftige Vergabe von Emissionsrechten versprach sie: "Wir werden wirtschaftliche Vernunft walten lassen."

"An einem Tag wie diesem ist das Glück für das Energieland Nummer eins in Deutschland fast vollkommen", frohlockte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, "das Wetter ist schön, wir haben einen hohen Gast und feiern 60 Jahre NRW." Dass ihm auf dem Weg zum Festakt auch Protestler begegnet waren, kommentierte Rüttgers so: "Weil Strom auch in Zukunft nicht einfach aus der Steckdose kommt, werden wir auch weiter große Kraftwerke brauchen, die die Grundlast sichern."

Harry Roels lud die Bundeskanzlerin gleich zum nächsten Termin in Neurath ein. 2010 soll das Kraftwerk fertig sein und ans Netz gehen. Und da ist es - drückte doch 2002 Merkels Vorgänger Gerhard Schröder den roten Knopf in Niederaußem - fast schon Tradition, dass die Regie-rungschefin das dann größte und modernste Braunkohlenkraftwerk der Welt in Betrieb setzt.

Wenn BoA zwei und drei ans Netz gehen, werden sie jeweils 1100 Megawatt Strom produzieren und einen Wirkungsgrad von 43 Prozent erreichen. Durch die höhere Effizienz werde im Ver-gleich zu herkömmlichen Kraftwerken der Schadstoffausstoß um 30 Prozent verringert, erklärte Roels den Gästen. Unter ihnen waren auchLandtagspräsidentin Regina van Dinther, NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben und Europaminister Michael Breuer.

Übten sich in Harmonie: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers traten in Neurath demonstrativ geschlossen auf. In Anspielung auf Meinungs-verschiedenheiten der vergangenen Tage schmunzelte Rüttgers: "So machen wir das jetzt immer."


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Schulterschluss in Sachen Braunkohle
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf der BoA-Baustelle.
Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
24.08.2006

Bei der Feier zur Grundsteinlegung gab es auch Proteste gegen den Bau der Kraftwerks-blöcke in Neurath.

RHEIN-ERFT-KREIS/NEURATH - "Es gibt schöne Tage im Leben, wenn einige Sachen zusammenkommen", sagte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Dazu zählte er launig auf: Das schöne Wetter, der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der 60. Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen. "Wenn dann noch eine Grundsteinlegung hinzu kommt, dann ist das Glück fast vollkommen. Wenn man einen Grundstein legt, dann gibt es keinen Weg mehr zurück" , freute sich der Ministerpräsident über den Bau des neuen Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Neurath. Damit werde die Führungsrolle Nordrhein-Westfalens als Energie- und Industrieland gestärkt.

Vor Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik demonstrierte Rüttgers auch den Schulter-schluss mit Angela Merkel und unterstrich die gemeinsame Position mit der Kanzlerin in der Frage der Braunkohle. "Es wäre ein Riesenfehler, auf die Braunkohle zu verzichten", sagte Rüttgers und lobte das Engagement des Energiekonzerns RWE und den Bau der 2,2 Milliarden teuren Anlage, die 2100 Megawatt Strom produzieren und in Jahr 2010 ans Netz gehen soll.
Ein Braunkohlekraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 43 Prozent sei ein Meilenstein in der Umwelttechnik, hielt Rüttgers der Hand voll Demonstranten entgegen, die ein paar Kilometer weiter einen Platz für ihren Protest gegen den Bau des Kraftwerks zugewiesen bekommen hatten.

Bundeskanzlerin Merkel, die gemeinsam mit Rüttgers in das riesige Zelt an der Baustelle kam, bescheinigte RWE-Chef Harry Roels: "Wir wissen diese Investition zu schätzen."
Der Energieträger Braunkohle sei für die Bundesrepublik "ganz wesentlich", sagte Merkel und versprach, die Bundesregierung werde stabile Rahmenbedingungen bis 2020 schaffen. Besonders angetan aber zeigte sich Merkel von Roels Ankündigung, RWE habe bis 2014 zwei Milliarden Euro für den Klimaschutz bereitgestellt. Wörtlich hatte Roels zum Klimaschutz-programm gesagt: "Dessen Herzstück ist das erste großtechnische kohlendioxidfreie Kraftwerk der Welt." Bislang steht allerdings noch nicht fest, ob dieses Kraftwerk, bei dem das Kohlen-dioxid aufgefangen wird, auf der Grundlage von Stein- oder Braunkohle entwickelt werden soll.

Im Jahre 2014, so Roels weiter, soll das erste Kraftwerk dieser Art mit eine Leistung von 450 Megawatt ans Netz gehen. Zu den bekannten Verfahren arbeitet RWE noch an einem alternativen Verfahren zur Abspaltung von Kohlendioxid - der nachgestellten Wäsche des klimaschädlichen Gases. Daraus würde sich unter Umständen die Möglichkeit "zur Nach-rüstung bestehender moderner Kohlekraftwerke eröffnen", sagte Roels.

Nach den Reden trugen sich die Gäste ins Goldene Buch der Stadt Grevenbroich ein und mauerten eine Urkunde, eine Tageszeitung und einen Satz Münzen ein.

Nicht alle waren nach Neurath gekommen, um die Grundsteinlegung an der Baustelle zu feiern. Zum Protest gegen den Bau eines weiteren "Klimakillers" hatten sich Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) des Naturschutzbund (Nabu) von Greenpeace, der europäischen Vereinigung Eurosolar, der Bürgerinitiativen Leben ohne BoA (LOB) und gegen die Verlegung der Autobahn 4 sowie der Lokalen Agenda der Stadt Pulheim versammelt. Ihre Losung: "Zukunft statt Braunkohle."

Trotz BoA bleibe Braunkohle der klimaschädlichste Energieträger. Und: BoA werde durch die Vergabe kostenloser Emissionszertifikate subventioniert, hieß es. Dirk Jansen, Geschäfts-führer des Landesverbandes des Bund und Dr. Gabriele von Goerne (Greenpeace) warfen RWE Power "Verdummung der Bevölkerung" vor. Eine BoA-Anlage sei zwar effektiver als die herkömmlichen, uralten Kraftwerksblöcke. Klimaschädliches Kohlendioxid werde damit aber nicht eingespart.

Helmut Spahn (Lob): "Man kann Kohlendioxid nur einsparen, wenn man die Kohle im Boden lässt." Das aber habe RWE Power nicht geplant. Statt dessen würde mit alter Technik weiter klimaschädlich Strom erzeugt. Spahn: "Es ist halt immer noch eine Dampfmaschine."

Das Neurather Kraftwerk mit einer Leistung von 2200 MW würde im Regelbetrieb stündlich 1800 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, 16 Millionen Tonnen pro Jahr. Auf die 40-jährige Laufzeit des Kraftwerks gerechnet, ergäbe das einen Ausstoß von 640 Millionen Tonnen.
RWE Power könne zwar in der Zeit mehr Strom erzeugen, der Umwelt nutze das aber nichts. Dass der Bau des neuen Kraftwerks mit kostenlosen Emissionszertifikaten subventioniert werde, wollte ein Sprecher von RWE Power so nicht gelten lassen.


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Grundstein für neues Mega-Kraftwerk
Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
24.08.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Zur offiziellen Grundsteinlegung auf der Baustelle des BoA-Kraftwerks in Grevenbroich Neurath kam gestern neben RWE-Chef Harry Roels und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Bau des Braunkohlekraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) ist unterdessen weit fortgeschritten. Einer der Treppentürme misst bereits mehr als 170 Meter. Roels sprach von der größten Baustelle Europas. Die 2,2 Milliarden Euro teure Energiefabrik soll einmal über eine Nennleistung von 2100 Megawatt verfügen und in der ersten Hälfte des Jahres 2010 den Betrieb aufnehmen. Merkel sagte, die Energieversorgung sei Herzstück einer jeden Industriegesellschaft und Braunkohle für Deutschland ein wesentlicher Energieträger. Umweltschutzorganisationen bezeichneten die neue Anlage als das "größte Klima-Killer-Kraftwerk Deutschlands".


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Kraft(werks)akt
Neuss Grevenbroicher Zeitung, NGZ Online
23.08.2006

Bundeskanzlerin Angela Merkel legt Grundstein für die Doppel-BoA
Kanzlerin in der Energiehauptstadt Grevenbroich


GREVENBROICH / NEURATH - Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat am Mittwoch gemeinsam mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Grundstein für das neue 2100-Megawatt-Kraftwerk in Grevenbroich-Neurath gelegt. Verfolgt wurde dieser symbolische Akt von rund 200 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die sich am Nachmittag auf der Baustelle eingefunden hatten. RWE investiert rund 2,2 Milliarden Euro in die Anlage, die im Jahr 2010 ans Netz gehen soll.

"Bundeshauptstadt der Energie" - dieser Titel wird der Kanzlerin wohl vorläufig in Erinnerung bleiben. Dafür sorgte Bürgermeister Axel Prümm, der gegenüber dem Gast aus Berlin eifrig für den Standort Grevenbroich warb. Er stattete Angela Merkel mit einem der blank polierten Hauptstadt-Sticker aus - selbstverständlich in der schwarz-rot-goldenen Ausführung. Merkel bedankte sich und sagte zu, bei künftigen Auftritten an deutschen Kraftwerks-Standorten darauf hinzuweisen, dass es an der Erft so etwas wie eine Hauptstadt gibt. Und da glänzten die Augen des PR-Strategen aus dem Rathaus.

Rund um Neurath ging am Mittwoch gar nichts mehr: Starke Polizeikräfte hatten das Gebiet um die BoA-Baustelle abgeriegelt. Nur geladene Gäste durften die Absperrungen passieren - und das waren rund 200 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Der Gast, auf den alle warteten, landete nach Plan gegen 14.45 Uhr mit einem Hubschrauber auf der Kraftwerks-Baustelle. Gut 15 Minuten später betrat Angela Merkel gemeinsam mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das geräumige Festzelt, das eigens zur Grundsteinlegung in der Nähe der gewaltigen Treppentürme errichtet wurde.
Begrüßt wurden die Gäste vom Hausherrn, dem RWE-Vorstandsvorsitzenden Harry Roels. Er unterstrich die Bedeutung des 2,2 Milliarden Euro teuren Kraftwerks, das "neue Maßstäbe in der Entwicklung der Braunkohlenverstromung" setzen werde. Mit einem Wirkungsgrad von 43 Prozent sei der 2100-Megawatt-Doppelblock weltweit die größte, modernste und effizienteste Anlage ihrer Art. "Das schlägt sich in einer spürbaren Entlastung der Umwelt nieder. Bei gleich großer Stromerzeugung sinken die jährlichen Kohlendioxid-Emissionen um sechs Millionen Tonnen", meinte Roels.

Dieses Thema griff Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vor dem Hintergrund der in der Nähe des Neurather Kraftwerks protestierenden Umweltschutzverbände auf: "Die BoA ist ein Meilenstein in der Umwelttechnologie und ein ungeheurer Fortschritt bei der Bewahrung der Schöpfung", sagte Rütters. Darauf sollte mit Stolz, nicht mit Kritik hingewiesen werden.

Bundeskanzlerin Merkel betonte, die Braunkohle sei einer der "ganz wesentlichen" Energieträger in der Bundesrepublik. Angesichts wachsender Energieabhängigkeiten müsse es für Deutschland Ziel sein, sich einen möglichst breiten Energiemix zu erhalten und durch moderne Technologie zum Energie-Lieferanten statt zum Energie-Importeur zu werden. Diese Technik könne aber nur exportfähig sein, wenn sie im eigenen Land angewendet werde.

Mit Skepsis betrachtete Merkel die Ankündigung von Harry Roels, bis 2014 ein erstes CO2-freies Kraftwerk bauen zu wollen, bei dem das Kohlendioxid aus den Abgasen abgetrennt und in unterirdischen Lagern gespeichert werden soll. "Diese Speicherung ist noch nicht der letzte Punkt in der Entwicklung", unterstrich die Kanzlerin. Es seien weitere Forschungen nötig, um das Kohlendioxid wieder in verwendbare Produkte umwandeln zu können.

Vor dem Zelt hatten Mitarbeiter von RWE den etwa ein Meter hohen Grundstein errichtet, der in das Kraftwerksgebäude integriert und später gut sichtbar sein wird. In einen Schlitz wurde die "Zeitkapsel" mit Urkunde, Münzgeld und der Mittwochsausgabe der Neuß-Grevenbroicher Zeitung versenkt und anschließend mit Kalksandsteinen versiegelt.

Polier Erwin Roloff aus Wassenberg wies die Kanzlerin kurz ins Maurerhandwerk ein, was jedoch unnötig war: "Bei den Unterrichtstagen in der früheren DDR habe ich in einem Spannbetonwerk gearbeitet und dort auch leichte Maurerarbeiten vorgenommen", meinte Merkel. Drei Mal tauchte sie die Kelle in den Mörtelbottich ein, dann war ihr Grundstein versenkt. Den Rest erledigten Jürgen Rüttgers, Harry Roels, RWE-Vorstandsvorsitzender Jan Zilius und Gesamtbetriebsratschef Günter Reppien. Anschließend gab's den obligatorischen Schnaps, an dem die Kanzlerin jedoch nur nippte. Übrigens: Die meterhohe Holzwand, die links neben dem Grundstein stand, war am Morgen von RWE-Mitarbeitern aus ganz bestimmten "Sicherheitsgründen" aufgebaut worden. Sie sollte verhindern, dass der Wind das Haar der Kanzlerin zerzauste.

Letzter Akt des gut einstündigen Besuchs war die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Grevenbroich. Bei dieser Gelegenheit gab Axel Prümm der Bundeskanzlerin noch eine kleine Rarität mit auf den Weg: Ein Bronze-Abguss des vom russischen Künstler Grigorij Jastrebenetzky geschaffenen "Kanzlerdenkmals", das im Original an der Karl-Oberbach-Straße zu sehen ist.


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"Mehr Ausstoß als Neuseeland"
Neuss Grevenbroicher Zeitung, NGZ Online
23.08.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Spektakuläre Kühlturm-Besteigungen gab es zum Besuch der Kanzlerin nicht: Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) protestierten am Mittwoch lediglich mit Warnschildern vor dem Kraftwerksgelände. Der Vorwurf der Umwelt-schützer: "RWE legt den Grundstein für eine weitere Zerstörung des Klimas."

"Die Politik der Regierung ist widersprüchlich. Sie erkennt zwar den Klimawandel inzwischen als Gefahr, dennoch kommt Angela Merkel zur Grundsteinlegung eines weiteren Klimakillers", kritisierte Gabriela von Goerne von Greenpeace. Statt Milliarden von Euro "für ineffiziente, klimaschädliche Kraftwerke zu verschenken", müssten Politik und RWE "endlich die Energie-versorgung neu gestalten und erneuerbare Energien massiv fördern".

Die Verfeuerung von Braunkohle zur Stromerzeugung verschärfe den Klimawandel erheblich: "Kein anderer Energieträger erzeugt pro Kilowattstunde Strom mehr Kohlendioxid", so von Goerne weiter. Alleine die BoA II/III in Neurath werde nach ihrer Fertigstellung "mehr Kohlen-dioxid ausstoßen als Neuseeland".

Mit dem neuen Kraftwerk werde die "das Klima und die Umwelt schädigende Energiepolitik für weitere 40 Jahre zementiert", kritisierte auch Klaus Brunsmeier, Landesvorsitzender des BUND. Der Ausbau von Energiespartechnologien und erneuerbaren Energien erleide durch "diese 2,2-Milliarden-Fehlinvestition einen herben Rückschlag".

Dirk Jansen, Sprecher des BUND-Landesverbandes zweifelt daran, dass das Neurather Kraftwerk neue Arbeitsplätze schafft: "Allein im vergangenen Jahrzehnt hat RWE Power die Stellenzahl in den Tagebauen und Kraftwerken des Rheinlands auf heute 8477 mehr als halbiert".
Dem gegenüber hätten die in Nordrhein-Westfalen angesiedelten Hersteller regenerativer Anlagen rund 3,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. "Über 15 000 Menschen arbeiten in NRW derzeit in der jungen Branche, bundesweit waren es 2005 rund 170 000 Arbeitsplätze", so Jansen.


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Plan zur Luftqualität am Tagebau
Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
21.08.2006

Die Bezirksregierung Köln lässt erneut die Urheber für Feinstäube in der Region ermitteln.

ELSDORF - Auf Beschluss der Kölner Bezirksregierung wird bis zum Herbst 2007 ein Luftreinhalteplan für die Region um den Tagebau Hambach erstellt. "Schon jetzt ist abzusehen, dass die Zahl der zulässigen Überschreitungen des Feinstaubgrenzwertes nicht eingehalten wird", sagt Franz W. Iven, Dezernent für Immissionsschutz bei der Bezirksregierung. Erlaubt sind 35 Überschreitungen, an der Messstation in Niederzier wurden in diesem Jahr schon 32 Überschreitungen registriert.

Weil bereits 2005 laut Iven "die Latte gerissen" wurde und der Tagebau Hambach als einer der Hauptverursacher für Feinstaub erkannt wurde, ist seit vorigen September ein Aktionsplan für den Tagebau Hambach in Kraft. Dieser Aktionsplan sieht kurzfristige Maßnahmen vor, um die Feinstaubbelastung schnell zu senken. "Das europäische Recht schreibt jedoch vor, dass die Grenzwerte dauerhaft eingehalten werden müssen", sagt Iven.

Im Laufe des nächsten Jahres müssten daher für den Luftreinhalteplan eine neue Ursachen-analyse erstellt und gegebenenfalls neue Maßnahmen ergriffen werden. "Wir müssen prüfen, wo die Emissionen herkommen und sie noch besser zuordnen", sagt Iven. "Eventuell müssen wir auch andere Verursacher mit ins Boot ziehen." Der Tagebau jedenfalls sei nachweislich für 25 Prozent der gesundheitsschädlichen Feinstäube in der Luft verantwortlich.

Darauf weist auch Lothar Lambertz, Sprecher von RWE Power, hin. "Man kann nicht immer nur RWE Power in die Pflicht nehmen, 75 Prozent der Belastung sind auf andere Quellen zurück-zuführen." Als weitere Verursacher kämen etwa der Autoverkehr und Wüstenstäube in Frage.

"Das heißt nicht, dass wir unsere Verantwortung nicht ernst nehmen", sagt Lambertz. "Wir haben bereits eine Menge an Maßnahmen in Angriff genommen, und es werden in den nächsten Monaten noch einige folgen." So geht RWE Power etwa mit Sprühnebelkanonen gegen Staubentwicklung vor.


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Bergheimer Bürgermeisterin auf BoA-Baustelle
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
18.08.2006

Zu einem Informationsbesuch trafen sich Mitglieder des CDA-Betriebsgruppenvorstandes RWE-Power unter Leitung ihres Vorsitzenden Wilfried Eßer mit der Bergheimer Bürgermeisterin Maria Pfordt auf der BoA-Baustelle in Neurath. Pfordt wurde begleitet vom Beigeordneten und Kämmerer Norbert Feith und Christian Brink von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Stadt.
Das Interesse der Besucher galt dem Baufortschritt des neuen Kraftwerks auch im Hinblick auf einen eventuellen Bau eines zweiten BoA-Blocks in Niederaußem.


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CDA beklagt exzessiven Vorruhestand
Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
18.08.2006

Die Betriebsgruppe bei RWE Power befürchtet zudem wachsenden Mangel

RHEIN-ERFT-KREIS / BEDBURG - Einen Mangel an Facharbeitern befürchtet der Vorstand der Betriebsgruppe der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) bei RWE Power. "Der starke Personalabbau und vor allen Dingen die exzessiven Vorruhestandsregelungen - auch in der rheinischen Braunkohlenindustrie - führen zu immer mehr Facharbeitermangel in den nächsten fünf Jahren.

Diese Position vertraten der Vorsitzende der CDA-Betriebsgruppe, Wilfried Esser, sowie Wilfried Woller vom Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Bergheim, Chemie und Energie (IGBCE) bei einem Gespräch über die Situation am Arbeitsmarkt, insbesondere im rheinischen Braunkohlenrevier, mit NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Lauman in Düsseldorf.
Es sei bedauerlich, so die beiden Gewerkschafter, dass die Lage auf dem Ausbildungsmarkt auch in diesem Jahr nicht gut sei. Es sei daher von besonderer Bedeutung, dass die Betriebe gerade heute auch über den eigenen Bedarf hinaus ausbildeten. Nur gut ausgebildete junge Menschen hätten auf dem Arbeitsmarkt eine Chance. RWE Power bildet in diesem Jahr wieder 220 Azubis in den verschiedenstens Berufen aus.

Laumann wies darauf hin, dass die Landesregierung Vorschriften und bürokratische Hemmnisse im Zusammenhang mit der Berufsausbildung abgebaut hätten. Das Argument vieler Firmen, die Ausbildung sei mit zu vielen Vorschriften und einem zu großen bürokra-tischen Aufwand verbunden, ziehe nicht mehr. Die CDA-Betriebsgruppe lud Laumann nach dem Gespräch zu einem Besuch ins Braunkohlenrevier ein.


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Staub auch in Garzweiler ein Problem
Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
15.08.2006

Noch ist aber unklar, ob der Tagebau der größte Verursacher in der Region ist.
Wie beim Tagebau Hambach soll ein Aktionsprogramm erarbeitet werden.


BEDBURG/GREVENBROICH - Seit Dezember 2005 wird in Grevenbroich-Gustorf Feinstaub gemessen, und in dieser Zeit wurde der erlaubte Höchstwert dort 40-mal überschritten. Weil aber binnen eines Jahres nur bis zu 35 Überschreitungen erlaubt sind, tagte gestern erstmals eine Projektgruppe, die einen Aktionsplan zur Feinstaubminimierung erstellen soll. Nach Angaben der Bezirksregierung Düsseldorf (RP) ist der "Tagebau Garzweiler und insbesondere der Kohlebunker ein maßgeblicher lokaler Feinstaubemittent".

Am Kohlebunker

Der RP Düsseldorf, RWE Power, das Bergamt Düren, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die Kommunen Grevenbroich und Jüchen werden nun gemein-sam versuchen, das Feinstaubproblem in den Griff zu bekommen. Wie RWE-Power-Sprecher André Bauguitte mitteilte, prüft sein Unternehmen derzeit, wie die Emissionen am Kohlebunker reduziert werden können.

Im Tagebau Hambach, auch dort wurde im vergangenen Jahr ein Aktionsplan erstellt, versucht RWE Power des Problems dadurch Herr zu werden, dass der Kohlebunker permanent mit Wasser berieselt wird. Auch Feinstnebelkanonen, sie ähneln Schneekanonen, sind dort im Einsatz. Wie Bauguitte weiter betont, können die Maßnahmen in Hambach aber nicht einfach auf den Tagebau Garzweiler übertragen werden. So sei bekannt, dass bei den in Hambach ermittelten Werten bis zu 25 Prozent aus dem Tagebau kämen. "Es ist aber nicht klar, ob der Tagebau in Garzweiler der größte Feinstaubverursacher in der Region ist."

BUND-Sprecher Dirk Jansen geht zwar davon aus, "dass der Hauptteil der Überschreitungen dem Tagebau und dem Kohlebunker" zuzusprechen seien. Dennoch könnten nicht alle Über-schreitungen durch den Tagebau verursacht worden sein. So müsse jetzt ebenfalls geklärt werden, welchen Anteil die drei Kraftwerke in Niederaußem, Neurath und Frimmersdorf hätten. "Ein Mitverursacher könnten die zahlreichen Haushalte sein, die in Grevenbroich immer noch mit Kohleöfen heizen." Schließlich müsse die mögliche Mitverantwortung des Straßenverkehrs und der örtlichen Landwirtschaft geklärt werden.

Auch RWE Power wünscht, dass jetzt alle möglichen Feinstaubquellen gefunden werden. Dazu allerdings gebe es derzeit noch zu wenige Daten. "Gemessen wird erst seit Dezember, wir benötigen aber die Daten eines ganzen Jahres", erklärt Bauguitte. Nach Angaben Jansens soll die Feinstaubmessstation noch bis Ende 2007 in Gustorf stationiert bleiben.

Jansen und der RP Düsseldorf gehen weiterhin davon aus, dass der Aktionsplan bis Oktober aufgestellt sein wird. Durch ihn sollen kurzfristige Reduzierungen des Feinstaubs erreicht werden. Bis zum Jahr 2008 soll ein kompletter "Luftreinhalteplan" vorliegen, der die Grenzwerte dauerhaft senken soll. Bereits in zwei Wochen will die Projektgruppe erneut tagen. Dann sollen die ersten Details diskutiert werden.


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Warmes Wasser unter der Erft
Kölner Stadt Anzeiger, Online Ausgabe
11.08.2006

Sümpfungsleitung "Wiebach II" wird an Kölner Randkanal angeschlossen.
Der Flutkanal darf nicht wärmer werden, als er schon ist.


BERGHEIM/KENTEN - Mächtige Eisenrohre liegen auf dem Feld am Erftflutkanal. Wenn man mit dem Fahrrad unter der Brücke am Kentener Vogelwäldchen hindurchfährt, dominieren sie die Landschaft. Bagger treiben derzeit einen Schacht unter dem Flussbett hindurch. Ziel ist es, die Riesenrohre der Leitung "Wiebach II", durch die RWE Power einmal das Grundwasser aus dem Tagebau Hambach abpumpen will, auf der anderen Seite der Erft mit der "westlichen Zuleitung zum Kölner Randkanal" zu verbinden. Das bestätigte Dr. Ulrich Kern vom Erftverband.

Das Grundwasser unter dem Tagebau Hambach wird derzeit über zwei Leitungen in die Erft gepumpt. Eine heißt "Finkelbachleitung". Sie mündet etwa in Bergheim-Paffendorf in die Erft. Die zweite wird "Wiebachleitung" genannt und mündet in Kenten in den Flutkanal. "Weil der Tagebau Hambach aber zukünftig weiter nach Süden verschwenkt, geht RWE Power auch im Süden von weiteren Steigerungen für das abzupumpende Grundwasser aus", erklärt Kern.

Es falle aber nicht nur mehr Wasser an, es werde auch wärmer, da das Grundwasser aus tieferen Erdschichten abgepumpt werde. Allerdings sei RWE Power bergrechtlich dazu verpflichtet, das Erftwasser in Kenten nicht weiter zu erwärmen. Deshalb werde ein Teil des Sümpfungswassers ab 2015 in den Kölner Randkanal geleitet. Eine Rohrleitung führe entlang des Flutkanals bis nach Kerpen-Götzenkirchen, von wo aus das Wasser über die Ville in den Randkanal gepumpt werden soll. Ein zweiter Grund für den Anschluss sei, dass RWE Power die Kühlwasser-Versorgung der neuen BoA-Kraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath sicherstellen wolle, so Kern.

Hinzu komme der Hochwasserschutz. RWE Power sei verpflichtet, in dem Maße Hochwasser in den Randkanal abzugeben, wie Grundwasser in die Erft eingeleitet werde, so dass sich der Hochwasserschutz der Region durch die Einleitung nicht verschlechtere, erläuterte Kern.

Den Kentenern, die eine weitere Verschlimmerung der Mückenplage befürchten, die im letzten Jahr dort aufgetreten war, entgegnet Kern: "Der Erftverband geht mit biologischen Mitteln gegen die Mückenschwärme vor."


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Geyener gegen neue Kraftwerke.
Sie befürchten, dass die Schadstoffe vor allem ältere Bürger belasten.

Neuss Grevenbroicher Zeitung, NGZ Online
10.08.2006

PULHEIM/GEYEN - Schon seit Jahren macht das Stommelner Aktionsbündnis "Leben ohne BoA" gegen den Bau von RWE-Braunkohlekraftwerken mit optimierter Anlagetechnik (kurz BoA) in Neurath und Niederaußem mobil. Im vergangenen Jahr haben sich 350 Sintherner und Manstedtener Bürger mit ihren Unterschriften dem Protest angeschlossen.

Nun melden sich auch Bürger aus Pulheim-Geyen zu Wort. 258 von ihnen protestieren dagegen, dass der Energieversorger Rhein-Energie an den beiden Standorten weitere BoA-Blöcke bauen will. In erster Linie kritisieren die Bürger, dass die Rauchwolken aus den Kühlturmen das Leben im Ort beinträchtigten (Verschattung). Das wirke sich auf die Gesundheit der Menschen aus, sagte nun Maria Polaczek, als sie Bürgermeister Dr. Karl August Morisse eine Unterschriftenliste übergab.

Insbesondere ältere Menschen mit Herz-Kreislauf-oder Atembeschwerden seien betroffen, sagte Polaczek, die dem Vorstand des Seniorenbeirates und der Seniorenunion in Pulheim angehört. Der Pulheimer Stadtrat hatte bereits im Juli 2004 eine Resolution zum Bau der geplanten BoA-Blöcke beschlossen. Die Politiker hatten das RWE aufgefordert, verbindlich zuzusagen, wann alte Anlagen abgeschaltet werden sollen.


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"Geheim-Beton" für Zwillinge
Neuss Grevenbroicher Zeitung, NGZ Online
24.07.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Was der Fachmann lässig als "Schlitz" bezeichnet, raubt dem Laien schon fast den Atem: In 40 Metern Tiefe schieben Raupenfahrzeuge hellbraunes Erdreich vor sich hin - und das auf einer Länge von 300 Metern.
Wer von oben in die größte Baustelle auf dem Neurather BoA-Gelände blickt, glaubt einen Ausschnitt des Tagebaus vor sich zu haben. "Hier entsteht der Schlitzbunker, der eine der Hauptschlagadern des neuen Kraftwerks sein wird", erklärt Rainer Leonhardt von der Baustellenleitung. Rund 55 000 Tonnen Braunkohle werden dort künftig zur Verfeuerung gelagert - für diese gewaltige Menge, die nur für 16 Stunden Stromerzeugung reicht, wird jetzt genügend Platz geschaffen.

Eine Steinwurfweite von der tiefsten befindet sich eine der höchsten Baustellen auf einem der größten Baugelände Deutschlands: 40 Mitarbeiter des Dortmunder Spezialunternehmens Wiemer & Trachte ziehen in Kletterbauweise den ersten der beiden BoA-Kühltürme hoch. Und das mit einer anständigen Geschwindigkeit: 1,20 Meter pro Tag. "22 Meter sind schon fertig. Derzeit sieht es danach aus, dass der erste Turm zum Jahresende die 172-Meter-Marke erreicht haben wird. Damit liegen wir bestens im Zeitplan", meint Leonhardt zufrieden.

Rund 22 000 Kubikmeter Beton werden für den Kühlturm benötigt, das Material wird gleich auf der Baustelle gemischt. Dabei greift RWE Power nicht etwa auf eine handelsübliche Mixtur zurück, sondern auf eine Spezialrezeptur. "Die Zusammensetzung ist aber geheim", erklärt Baubereichsleiter Martin Eyckeler und untersagt dem Pressefotografen im gleichen Atemzug eine Detailaufnahme des Materials - man weiß ja nie.

Eyckeler verrät nur so viel: "Es handelt sich um einen hochfesten Beton, der mit besonderen Zutaten versehen wurde, die wir für dieses Bauwerk unbedingt benötigen. Unter dem Strich ist das mehr Chemie als Beton." Ein Vorteil des Materials: Da es hochgradig säurefest ist, braucht der Kühlturm später keinen teuren Schutzanstrich mehr.


22 000 Kubikmeter Beton sind übrigens nicht allzu viel für ein solch gewaltiges Bauwerk.
"Im Fundament für die beiden Treppentürme, die in der Nachbarschaft stehen, stecken schon alleine 23 000 Kubikmeter drin", unternimmt Baustellenleiter Manfred Hensel einen Vergleich. So ist der Kühlturm denn auch keineswegs ein Dickhäuter: "Unten, an ihrer breitesten Stelle ist die Wand 86 Zentimeter, ab einer Höhe von 60 Metern ist sie nur noch 20 Zentimeter stark. In Relation gesetzt, würde eine Eierschale dicker sein", betont Martin Eyckeler.

Bevor der Beton mit dem Mischfahrzeug die Baustelle erreicht, wird jede Fuhre in einem Labor genauestens überprüft. "Dort wird gecheckt, ob das Material in Ordnung ist. Schließlich wollen wir später keine bösen Überraschungen etwa in Form von Rissen erleben", berichtet Rainer Leonhardt.

Verarbeitet werden kann der Beton übrigens bis zu einer Temperatur von 30 Grad. "Normalerweise ist das kein Problem, denn unsere Witterung gibt das sonst nicht her", meint Leonhardt. Im Super-Sommer 2006 mussten die Arbeiten jedoch schon an drei Tagen gestoppt werden: "Da war es deutlich heißer.

Der Beton wird dann zu schnell hart, auch das könnte Risse verursachen, die später die Festigkeit beeinträchtigen könnten." Auch bei anhaltender Hitze gilt auf der gesamten Baustelle die Helmpflicht. Wer die "Kappe" abnimmt, dem droht mächtig Ärger. Denn Sicherheit hat auf dem Gelände oberstes Gebot. Vor allem im Inneren des Turmes - dort wo später einmal die mächtige, mit Wasser gefüllte Kühlturmtasse stehen wird.

An diesem Ort steht ein riesiger Kran, gut 90 Meter hoch. Mit seiner Hilfe wird der in großen Kübeln geschüttete Beton zur Verarbeitung in luftige Höhen befördert. Rund um den Rohbau sind Gerüste mit einer Gesamtlänge von anderthalb Kilometern gespannt, dort wird der Beton von speziell geschulten Mitarbeitern in Formen gegossen. Wächst der Kühlturm, rücken die einzelnen Gerüstteile per Hydraulik nach - buchstäblich per Knopfdruck.

Und auch der Kran rückt nach: Er wird, je nach Baufortschritt, mit zusätzlichen Elementen ausgerüstet. "Später wird er es auf eine Höhe von 190 Metern bringen, er wird also deutlich höher als der Kühlturm sein", betont Rainer Leonhardt. Der Kranführer muss übrigens nicht an einer Leiter hochkraxeln, sondern wird per Einmann-Korb an seinen luftigen Arbeitsplatz gehievt. Da der Gang zur Toilette zu zeitaufwendig wäre, steht im Führerhaus für alle Fälle ein Eimer bereit.

Ist der erste Kühlturm fertig, starten die Arbeiten an seinem Zwilling. "Wir gehen derzeit davon aus, dass beide Bauwerke im Frühjahr 2008 fertiggestellt werden können. Wiemer & Trachte arbeiten daran, diesen Termin noch zu unterbieten", meint Baustellenleiter Manfred Hensel. In die beiden Kühltürme investiert RWE Power insgesamt 26 Millionen Euro. Das gesamte Kraftwerk, das 2010 ans Netz gehen soll, ist 2,2 Milliarden Euro schwer.


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Europas größte Baustelle
RWE und Siemens besiegeln Vertrag über Leittechnik für BoA

Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
15.07.2006

NEURATH - Ein Kühlturm und zwei Treppenhäuser für das Kesselhaus scheinen aus dem Boden zu schießen. In Zeitraffer ist es auf dem Display im Versammlungsraum des Infoge-bäudes am "Tor eins" zur Baustelle des Kraftwerkes Neurath zu sehen. Eine Kamera am Rande der Baustelle, montiert auf einem der Mannschaftscontainer an der angrenzenden Kiesgrube, zeichnet im Sekundentakt jeweils ein Bild auf. Für einen dramatischen Himmel sorgt das Kraftwerk Frimmersdorf im Hintergrund mit schnell ins Bild ziehenden Dampf-schwaden.

"Inzwischen haben wir nicht nur 2,4 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt, sondern sind mit den Treppentürmen von Block F bereits über 40 Meter hoch geklettert. Jeden Tag kommen zirka drei Meter hinzu. Die Bautätigkeiten haben Fahrt aufgenommen", frohlockte Johannes Lambertz, Vorstand der RWE-Power AG für das Ressort fossil gefeuerte Kraftwerke. Bereits in einigen Wochen könnten die Bauleute den ersten Grundstein für das Kesselhaus, das Herz-stück des Kraftwerkes, legen.

Nur wenige hundert Meter weiter ist noch etwas aus der Erde gewuchert, ein mehrgeschos-siges Containerlager, Tagesstätten mit Büros, Versammlungsräumen, Duschen, Toiletten und Spinden für die erwartete Zahl von 4000 Arbeitern, die später hier am Doppelblock zeitgleich arbeiten sollen. Zurzeit sind 400 Arbeiter im Einsatz. Damit es nicht bei Currywurst oder Döner bleibt, bietet ein Gastwirt in einem Baustellenrestaurant neben der Tagesstätte fünf Gerichte auf der Tageskarte an.

Baustellenleiter Manfred Henzel führt die Journalisten über das Gelände: "Nennen Sie es ruhig Europas größte Baustelle". Eine Baustelle der Superlative, auf der der Kühlturm mit 120 Metern Durchmesser mit Hilfe von schnellhärtendem Beton aus Kübeln und einem Klettergerüst um 1,20 Meter täglich wächst, die Grundrisse für einen Kohlenbunker zu erkennen sind, und im Keller des Kesselhauses die Gerüste vielgeschossig emporklettern.

Aber der Grund für die Besichtigung der Baustelle ist ein Vertragswerk, das Lambertz und Klaus Voges, Vorsitzender des Bereichsvorstandes Siemens-Power-Generation, vor surrenden und klickenden Kameras unterschreiben.

Für 90 Millionen Euro wird Siemens demnach das Leitwerk des neuen Kraftwerkes montieren, sozusagen das Nervensystem und Gehirn des Kraftwerkes.

Bereits bei BoA 1 habe Siemens ein so genanntes "Ein-Mann-für-1000 Megawatt-Konzept" gemacht, sagte Voges. Ein einziger Leitstandfahrer steuere und überwache die gesamte Stromproduktion. Jede Sekunde gehe es darum, Tausende von Daten sicher zu verarbeiten und intelligent zu verdichten, erläuterte Voges.

Im störungsfreien Betrieb seien das 20 bis 30 Meldungen pro Schicht, weitgehende automa-tische Kontrolle der Prozesse hätten Handeingriffe abgelöst, im Störungsfall aber bestehe Zugriff auf eine Vielzahl von Meldungen, Alarmen und Daten, sagte Voges.

Nein, es solle kein "Zweidrittel-Kraftwerk" werden, wie einer der Journalisten in der Fragerunde vermutete, das "Projekt BoA 2/3" heiße so, weil in Niederaußem eben der BoA-Kraftwerksblock 1 steht, klärte Johannes Lambertz auf. Der Doppelblock für 2,2 Milliarden Euro solle, einmal fertig gestellt, 2100 Megawatt Strom erzeugen. Er setze aber jetzt schon wichtige Wachstums-impulse. 150 Millionen Euro für Zulieferindustrie im rheinischen Revier und 690 Millionen Euro in Nordrhein-Westfalen insgesamt setzten Impulse, findet Lambertz.

Für den Fahrer einer der Betonlastwagen, der kurz vor Mittag schon seine vierte Ladung ins gefräßige Bauwerk pumpt, bedeutet das: "Arbeiten, so lange der Auftraggeber es wünscht."


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Kolosseum Neurath
Neuss Grevenbroicher Zeitung, NGZ Online
15.07.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Wie ein modernes Kolosseum wirkt der Bau des ersten Kühlturms des neuen BoA-Bocks mit 120 Meter Durchmesser. Nicht weit daneben ragen zwei gewaltige Beton-Säulen in die Höhe, erinnern an ein gewaltiges Stadttor. "Bei den Treppentürmen für das Kesselhaus sind wir auf der 70 Meter, jeden Tag wachsen sie um weitere drei Meter", erläutert Manfred Hensel, Bauleiter auf einer Baustelle mit später einmal 4000 Arbeitern.

RWE lud gestern zum Ortstermin auf die Baustelle für das 2,2 Milliarden teure Bauprojekt. Anlass war die Unterzeichnung für einen Vertrag mit einer deutlich geringeren Summe - immerhin aber noch 90 Millionen Euro. Siemens Power Generation (PG) liefert für beide
1000-Megawatt-Blöcke die Hauptleittechnik, außerdem Transformatoren und Antriebsturbinen für Speisewasserpumpen. "Die Leittechnik ist das Nervensystem, das Gehirn des Kraftwerkes", hebt Dr. Johannes Lambertz, Vorstand fossil gefeuerter Kraftwerke von RWE Power, die Bedeutung des Auftrags hervor, spricht von der "modernsten verfügbaren Kraftwerksleittechnik".

Er weist auch auf die Bedeutung des BoA-Baus für die Wirtschaft hin "Bis heute wurde bereits ein Auftragsvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro vergeben. Mit 690 Millionen verbleibt ein großer Teil in Nordrhein-Westfalen. Das rheinische Revier zwischen Köln und Düsseldorf sei dabei mit 150 Millionen Euro vertreten. Keinen Zweifel ließ Dr. Lambertz an der Bedeutung der rheinischen Braunkohle: "Vor dem Hintergrund hoher Brennstoffpreise auf dem Weltmarkt und steigender Importabhängigkeit ist die Braunkohle eine der tragenden Säulen der deutschen Energieversorgung" und werde, wie auch die Kernenerge weiter eine wichtige Rolle im Energiemix spielen.

"Kraftwerkssteller sind "zurzeit gut ausgelastet und bauen Personal auf", erklärt Klaus Voges, Vorsitzender des Bereichsvorstands Siemens Power Generation. "Es werden sowohl neue Gas- und Dampf als auch Kohlekraftwerke gebaut." Die gestiegenen Gaspreise seien Anlass für manches Unternehmen, nun den Bau von Kohle- statt Gaskraftwerken in Erwägung ziehen".

Die für Neurath georderte Leittechnik - das web-basierte Prozessleitsytem SPPA-T 3000 - ist eine Weiterentwicklung der für den BoA-Block in Niederaußem gelieferten Technik. Wie schon dort soll künftig ein einziger Mitarbeiter die gesamte Stromproduktion eines 1100 Megawatt-Blocks steuern und überwachen können. "Von dieser Leitstelle aus werden Kessel, Turbine und Nebenanlagen zentral überwacht", erläutert Karl Heinz Springer, Leiter für Leittechnik bei PG. Guido Schöddert, Projektleiter für den BoA-Doppelblock bei RWE, weist darauf hin, dass "alle Schaltungen für beide Blöcke getrennt und für jeden Block doppelt vorhanden sind".

Mit der Leittechnik in den alten Kraftwerken lässt sich das System nicht mehr vergleichen. In Frimmersdorf etwa werden von einer Blockwarte jeweils zwei der 13 wesentlich kleineren Blöcke gesteuert, währen die Eigenstromversorgung, die Transformatoren und Generatoren von der zentralen E-Warte kontrolliert wird.

Mit dem Einbau der neuen Computertechnik auf der BoA-Baustelle müssen die Siemens-Techniker aber noch bis 2008 warten: Die Gebäude für die Schaltanlagen und die Leitstelle zwischen den Blöcken fehlen noch. Bei der Rundfahrt im Allradbus hatte Bauleiter Hensel jedoch genügend andere Daten bereit, "Der erste Kühlturm wächst jeden Tag einen halben Meter und ist zurzeit 20 Meter hoch, wir verbauen dort 22 000 Kubikmeter säurebeständigen Beton." Wenig weiter sind schon die Fundamente des je 100 Meter langen und breiten Kesselhauses zu sehen. Etwas weiter geht es 30 Meter in die Tiefe: Der 300 Meter lange Kohlebunker ist ausgehoben und faßt 50 000 Tonnen Kohle, das reicht für 16 Stunden.


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Ortsnetzstation / Protestplakat
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
14.07.2006

Ortsnetzstation

BERGHEIM - Ab Montag, 17. Juli, verlegen Mitarbeiter der RWE Rhein-Ruhr AG und von ihr beauftragte Firmen rund 1000 Meter 1000-Volt-Niederspannungs- sowie 20 000-Volt-Mittelspannungskabel. Die Arbeiten werden im Bereich der Südweststraße und der Marienstraße durchgeführt und dauern bis Mitte August. Die Raiffeisenstraße wird für die Zeit der Arbeiten für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Fußgänger können aber den Zugang durch die Fußgängerzone weiterhin nutzen. Die Zufahrt und Anlieferung zur Fußgängerzone erfolgt über das Aachener Tor und die Bethlehemer Straße. Das Energieunternehmen weist darauf hin, dass aufgrund des Neubaus der Postgalerie die Ortsnetzstation an der Post verlagert wird.

Protestplakat

BERGHEIM/NIEDERAUSSEM - Mit einem Plakat protestieren die Mitglieder der Bürgerinitiative Big Ben gegen den Bau weiterer BoA-Blöcke. Das Plakat ist auf einem Anhänger angebracht und steht zurzeit in Niederaußem. Es soll die Bürger rings um die BoA-Baustellen auf die befürchtete Schattenbildung im direkten Umfeld der Kraftwerke hinweisen, sagt Sprecher Hans-Joachim Gille aus Rheidt-Hüchelhoven.


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"Ende August wieder am Netz"
Hoher Schaden nach Brand im Niederaußemer Kraftwerk

Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
10.07.2006

Vor der Reparatur mussten die rußgeschwärzten Blöcke zunächst von Schadstoffen gereinigt werden.

RHEIN-ERFT-KREIS - Schon nach einigen Tagen sind die Spuren des Unglücks von außen kaum noch zu sehen. Die zum Teil rußgeschwärzte Fassade ist wieder blitzeblank, als Europaminister Michael Breuer am Tag der Regionen in Niederaußem vorfährt. Im Innern des RWE-Kraftwerks Niederaußem aber sieht es wüst aus. Und es wird noch einige Zeit dauern, bis die Schäden und die Zerstörung durch das Feuer beseitigt sind.

Mit unvorstellbarer Wucht hat in der Nacht des 10. Juni eine Feuersbrunst dicke Gummibänder und Kabel verschmoren lassen, stahlarmierte Betonpfeiler dickster Bauart schwer beschädigt, Stahlträger, Kran-Brücken und Maschinenteile verbogen und jede Menge Schrott hinterlassen. Erst nach Tagen ist das Ausmaß des Schadens erkennbar. Auf 20 Millionen Euro beziffert Kraftwerksdirektor Theo Tippkötter derzeit die Kosten für die Reparatur von Gebäude und Anlagen.

Viel schwerer aber wiegt der lange Ausfall der zwei 600-MW-Blöcke. Der Strom, den sie nach einer kurzen Revision produzieren sollten, ist längst verkauft und muss jetzt deutlich teurer anderswo beschafft werden. Tippkötter beziffert die Verluste auf einen "größeren zweistelligen Millionenbetrag". Genaueres lässt sich aber erst später sagen. Denn der Strompreis schwankt - von Minute zu Minute.

Urlaub abgebrochen

Während die Blöcke "D", "E", "F", je 300 MW, nur leicht in Mitleidenschaft gezogen wurden und nach zehn Tagen wieder ans Netz gingen, wurden die Zerstörungen an den Blöcke "G" und "H" als Großschaden eingestuft. Der Leiter der Anlagentechnik, Achim Niepel, ist wie viele seiner Kollegen aus dem Urlaub zurückgekommen, um bei der Instandsetzung der Anlage zu helfen. Andere sind erst gar nicht gefahren und verschieben ihren Urlaub - bis "H" und "G" wieder Strom liefern. Mehr als 300 RWE-Mitarbeiter sind so über- und außerplanmäßig im Einsatz - neben den Arbeitern der Fremdfirmen.

Bevor die Sanierung überhaupt beginnen konnte, mussten die rußgeschwärzten Hallen und Maschinen gereinigt werden. Der Brandort war nach dem Feuer kontaminiert, etwa mit polychlorierten Biphenylen (PCB), die Krebs erregend sein sollen. Mehr als 100 Mitarbeiter mussten tagelang im Schichtbetrieb verkohlte Fließbandanlagen, Kräne, Wände und Decken reinigen - in Schutzkleidung, mit Atemmasken. Erst danach konnte der Schrott ausgeräumt und das Mauerwerk saniert werden. Inzwischen sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Vor dem Gebäude stapelt sich auf der einen Seite der Schrott, während daneben frisch angelieferte Neuteile auf ihren Einbau warten. Die meisten der Fließbänder-Getriebe, die die Größe eines Kleinwagens haben, können wohl wieder verwendet werden. "Da ist sogar noch die Farbe drauf", sagt Ingenieur Ingo Thiele und hofft jetzt, dass die Kollegen in der Hauptwerkstatt in Grefrath die Mechanik wieder flottmachen.

Die lang gezogenen Gebäude der Bekohlungsanalgen, 39 Meter über dem Boden, sind inzwischen vollständig eingerüstet. Männer mit dicken Overalls, Helmen und Atemschutz haben die Wände mit Sandstrahlern gereinigt, die oberste Schicht aus Putz und Beton vollständig entfernt und tragen nun Spritzbeton auf. Weiter unten, der Aufzug zeigt 17 Höhenmeter über dem Boden, liegt der eigentliche Kohlebunker, dort, wo das Feuer aus immer noch ungeklärten Gründen ausgebrochen ist, als Mitarbeiter einer Fremdfirma mit Instandsetzungsarbeiten beschäftigt waren. Auch hier wird pausenlos gearbeitet. Trotz des schweren Schadens sind Tippkötter und seine leitenden Ingenieure inzwischen optimistisch. "Ende August sind wir wieder am Netz - das wäre ein Rekord nach so einem Großschaden."

Einen anderen Rekord meldet er schon jetzt: Der BoA-Block habe im vorigen Jahr eine Auslastung von 96 Prozent erreicht. Nach der Revision über Ostern und einer zweitägigen Kontrolle seien die Kinderkrankheiten inzwischen beseitigt. "Das BoA läuft tadellos", sagt Tippkötter. Es übertreffe sogar leicht den Wirkungsgrad von 43 Prozent. Das hätten jüngste Messungen ergeben.

Keine Brandstiftung

Den Brand registrierten die Feuermelder bei der Bekohlungsanlage der Blöcke G und H in der Nacht zum 10. Juni gegen 0.45 Uhr. Eine Minute später löste ein Mitarbeiter Alarm aus. Binnen kürzester Zeit kämpften 250 Wehrleute der RWE, aus der Umgebung und aus Köln gegen das Feuer. Zwei Wehrleute wurden leicht verletzt. Gegen 5 Uhr war das Feuer unter Kontrolle.

Die Ursache ist noch unklar, die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Die Gutachter schlössen Brandstiftung aber inzwischen aus, heißt es.


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Der umstrittene Tagebau Garzweiler II geht am Wochenende in Betrieb
Der erste Bagger rollt jetzt an

Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
17.06.2006

KÖLN - In einem Abschiedsgottesdienst wird die Kirche im Ortskern von Otzerath demnächst "entwidmet". Ein Dekret des Aachener Bischofs wird sie dem weltlichen Gebrauch zurück-geben. Die Kerzen und das "Ewige Licht" werden gelöscht und der Tabernakel wird entfernt. Weltlich gebraucht wird die Erde unter der Kirche. Otzerath im Kreis Neuss ist der erste Ort, der wegen des Braunkohletagebaus Garzweiler II von der Landkarte verschwindet.

1700 Menschen aus Otzerath wurden umgesiedelt, insgesamt haben 7600 Menschen die Region verlassen, bevor am Wochenende der erste Bagger anrückt. 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle will RWE Power hier insgesamt abbauen. Dazu müssen die riesigen Schaufelrad-bagger die fünffache Menge Erdreich bewegen. Mit diesem Abraum soll der erschöpfte Tage-bau Garzweiler I verfüllt werden, an den sich Garzweiler II anschließt.

Garzweiler II soll bis 2045 jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen Kohle liefern. Der Tagebau deckt damit für rund 40 Jahre 20 Prozent der gesamten Stromversorgung Nordrhein-Westfalens und sechs Prozent der bundesdeutschen Stromversorgung. Insgesamt sicherte die Braunkohle im vergangenen Jahr 25 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland. 26,3 Prozent des Stroms wurden durch Kernkraftwerke erzeugt, 21,6 durch Steinkohlekraftwerke.

"Die Entwicklung der Weltmarktpreise für Energierohstoffe und die zunehmende Importab-hängigkeit verdeutlichen den Wert der heimischen Braunkohle, die in großer Menge vorhanden ist und ohne Subventionen auskommt", sagt RWE-Power-Vorstand Matthias Hartung.
Die Kohle aus Garzweiler II soll auch die Versorgung der zurzeit im Bau befindlichen BoA-Doppelblockanlage Neurath sichern, wo RWE Power rund 2,2 Milliarden Euro investiert. In die Vorbereitung von Garzweiler II hat das Unternehmen rund 600 Millionen Euro gesteckt. Garzweiler II sei für die langfristige Sicherung tausender Arbeitsplätze und für die sicher und wirtschaftliche Energieversorgung von großer Bedeutung, so Hartung.

Umweltverbände befürchten dagegen erhebliche Schäden für den Naturpark Maas-Schwalm-Nette an der deutsch-niederländischen Grenze, weil der Grundwasserspiegel abgesenkt werden muss.

LANGER STREIT

  • August 1987: Rheinbraun AG beantragt einen Braunkohlenplan für Garzweiler II mit 66 Quadratkilometern.
  • September 1991: Die NRW-Regierung begrenzt das Braunkohlefeld auf 48 Quadratkilometer.
  • März 1995: Das Umweltmininisterium genehmigt den Braunkohlenplan.
  • Dezember 1997: Genehmigung des Bergamtes Düren.
  • Juni 2005: Das Oberverwaltungsgericht Münster weist Klagen gegen den Rahmenbetriebsplan ab.
  • Juni 2006: Das Verwaltungsgericht Düsseldorf weist die Klage des BUND gegen die Zwangsenteignung seiner Obstbaumwiese ab
Am Wochenende nimmt der erste Braunkohlebagger in Garzweiler II die Arbeit auf.

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Großbrand wütete im Kraftwerk
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
12.06.2006

250 Feuerwehrkräfte im Einsatz - Zwei Leichtverletzte und hoher Sachschaden

BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Großalarm im Kraftwerk. Gegen 1.15 Uhr entdecken in der Nacht von Freitag auf Samstag Mitarbeiter der Schicht ein Feuer in der Bekohlung von Block H. Rasch greift das Feuer auf zwei benachbarte Blöcke über. Die sechs Mann starke Löschstaffel der Werksfeuerwehr ist allein machtlos. Um 2.18 Uhr löst sie über die Leitstelle des Rhein-Erft-Kreises Großalarm aus.

250 Feuerwehrleute rücken aus. Aus dem Kreis, aus Köln, Bonn, Dormagen und Heinsberg kommen die Einheiten. Spezialfahrzeuge werden sogar aus Dortmund geordert. Flammen schlagen aus den Lüftungsschlitzen von Block H. Die Betonwände sind bereits von Ruß geschwärzt. Eine schwarze Rauchsäule steigt in den Himmel. Der Qualm verlangt Einsatz von schwerem Atemschutz. Rund 40 Minuten reicht der Sauerstoffvorrat. 15 Minuten brauchen die Leute, um überhaupt zum Brand vorzudringen, die gleiche Zeit für den Rückweg. Bleiben knapp zehn Minuten zur Feuerbekämpfung. Völlig erschöpft kommen die Männer zurück.

Gegen 7.30 Uhr ist die Lage unter Kontrolle. Bilanz: Zwei leicht verletzte Feuerwehrleute und ein hoher Sachschaden. Trotz allem herrscht am Morgen Erleichterung. "Wir haben in den ver-gangenen Jahren mehr als 3,5 Millionen Euro in den Brandschutz investiert", sagt Kraftwerks-direktor Theo Tippkötter. Das habe sich nun bewährt.

RWE-Power-Chef Jan Zilius hat die Nacht am Telefon verbracht und ist inzwischen zusammen mit seinem Vorstandskollegen Johannes Lambertz vor Ort. Der BoA-Block und die konven-tionellen Blöcke A, B und C arbeiten einwandfrei. "Es hat keine Versorgungslücke, keinen Stromausfall gegeben", sagt Zilius. Block H sei zurzeit ohnehin nicht am Netz, ergänzt Lambertz, sondern in Revision. Seine beiden Nachbarn mit je 450 Megawatt Leistung mussten allerdings abgeschaltet werden.

Brandoberamtsrat Peter Siebert von der Einsatzleitung der Feuerwehr lobt die gute Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Feuerwehren und der Werkswehr. Siebert schaut sich auf dem Platz um und sieht immer noch in rußgeschwärzte Gesichter. "Unsere Leute sind platt", sagt er. "Die müssen jetzt erstmal wieder aufgepäppelt werden."


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Brand im Kraftwerk - 250 Feuerwehrleute waren am Samstag im Einsatz
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
12.06.2006

320 Arbeiter konnten sich unverletzt aus der Anlage von RWE-Power in Niederaußem in Sicherheit bringen.

BERGHEIM / NIEDERAUSSEM - Ein Großbrand auf dem Gelände des BOA-Kraftwerks hielt am Samstag für Stunden 250 Feuerwehrmänner in Atem. Um 1.15 Uhr war ein Feuer bei dem Energieversorger RWE-Power im Kraftwerk Bergheim-Niederaußem ausgebrochen.

Auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen Areal stehen zwei Kraftwerke: ein BOA-Kraftwerk mit einer Leistung von 1000 Megawatt, dass das größte Braunkohlenkraftwerk der Welt ist sowie ein zweites, etwa 30 Jahre altes Kraftwerk, das aus neun Heizblöcken besteht. Das Feuer brach im älteren Kraftwerk aus. "Der Block mit der Bezeichnung H war seit etwa vier Wochen wegen Revisionsarbeiten stillgelegt", so Werksdirektor Theo Tippkötter. In einem der acht Bunker, im Block H, war der Brand ausgebrochen. Kohle war keine in dem Anlagenblock. Nicht auszuschließen sei, dass die Kunststoffbeschichtung auf den Kohletrichtern in Brand geraten sei.

Zum Zeitpunkt des Brandes arbeiteten 320 Personen in der Anlage. Alle konnten das Werk verlassen, ohne in Gefahr zu geraten. Die Werkfeuerwehr eilte herbei. Obwohl keine Kohle in dem stillgelegten Block war, breitete sich der Brand schnell aus. Vermutlich schlug das Feuer auf die Förderbandanlage über, die die Rohkohle zu den einzelnen Bunkern transportiert. So erreichte das Feuer auch rasch den benachbarten Block G. Der war wegen Reparaturarbeiten an einem Kessel zwar abgeschaltet, jedoch waren die Bunker noch mit Kohle gefüllt. Schließ-lich breiteten sich die Flammen auf insgesamt fünf Blöcke aus.

250 Helfer aus dem gesamten Rhein-Erft-Kreis und andere Werksfeuerwehren sowie von der Flughafenfeuerwehr Köln/Bonn halfen bei den Löscharbeiten. Über die Ursache konnten noch keine Angaben gemacht werden. Mehrere Stunden zogen tiefschwarze Rauchschaden, die aus der Fassade des Kraftwerks quollen, über die Felder in Richtung Grevenbroich. Mehrere Heiz-blöcke wurden abgeschaltet. Die Stromversorgung wurde von anderen Kraftwerken übernommen.

Die Schadenshöhe steht noch nicht fest, jedoch wird von einem Gebäude- und Anlagenscha-den in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags ausgegangen. Dazu kommen die Kosten, die der Firma durch entgehende Stromlieferungen entstehen werden.


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Durchsuchungen bei RWE und Ruhrgas
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
18.05.2006

Ermittler der EU auch bei Energieunternehmen in Italien, Frankreich, Belgien und Österreich.

BRÜSSEL / DÜSSELDORF - Die EU-Kommission hat zum Schlag gegen alte Vorrechte der großen europäischen Gasversorger ausgeholt. Ermittler von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes durchsuchten Büros von Konzernen in fünf Ländern. Die Kommission hat sie im Verdacht, neuen Konkurrenten mit rechtswidrigem Verhalten keinen Platz am Markt zu lassen. Betroffen sind nach eigenen Angaben auch die deutschen Marktführer Eon Ruhrgas und RWE. Die Kommission nannte in Brüssel am Mittwoch keine Namen der betroffenen Unternehmen. Die Durchsuchungen hätten am Dienstag stattgefunden. Außer in Deutschland seien Unternehmen in Italien, Frankreich, Belgien und Österreich betroffen. In Ungarn durchsuchte die Kommission zudem Geschäftsräume von Stromversorgern.

Abschottung der Märkte

Die Europäische Kommission hatte bereits im Februar angekündigt, mehr Wettbewerb auf den europäischen Energiemärkten mit Kartellverfahren erzwingen zu wollen. Sie hat dazu eine umfassende Untersuchung gestartet. Diese Branchenuntersuchung soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Ein EU-Sprecher sagte, in den nun eröffneten Verfahren gehe es um Behinderungen beim freien Zugang von Konkurrenten der Marktführer zu Leitungen und Speichern. Auch eine Kartellbildung durch eine Aufteilung der Märkte sei nicht ausgeschlossen.

Kroes hatte in der Vergangenheit gegen eine Abschottung der Gas- und Strommärkte durch langfristige Lieferverträge Front gemacht. Ein Kommissionssprecher betonte, der Ausgang der gerade erst begonnenen Verfahren sei offen. Auch sei noch keine Schuld der Unternehmen bewiesen. Verfahren könnten sich mehrere Jahre hinziehen. Sie hätten keine Auswirkungen auf eventuelle Fusionsprüfungen der Behörde. Die Kommission kann bei Verstößen gegen EU-Wettbewerbsrecht Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

Eine Reihe großer Versorger bestätigte, von den EU-Beamten aufgesucht worden zu sein. Allein in Deutschland wurden nach Angaben des Bundeskartellamtes von nationalen und EU-Ermittlern sechs Unternehmen an zwölf Standorten durchsucht. Die deutschen Marktführer Eon-Ruhrgas und RWE waren nach eigenen Angaben ebenso betroffen wie der französische Energieriese Gaz de France oder die österreichische OMV.

Eon-Ruhrgas war erst kürzlich vom Oberlandesgericht Düsseldorf ein Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung vorgeworfen worden. Das Bundeskartellamt hatte Eon langfristige Lieferverträge mit Stadtwerken verboten, weil diese den Wettbewerb einschränkten. Eine RWE-Sprecherin sagte, sie könne bestätigen, dass Mitarbeiter der EU-Kommission auch RWE zu "Nachprüfungen" aufgesucht hätten. Der Konzern wolle "eng und konstruktiv" mit der EU-Kommission zusammenarbeiten. Auch ein Eon-Ruhrgas-Sprecher sagte den EU-Kartellwächtern Kooperation zu.


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EU-Razzia bei E.ON Ruhrgas und RWE
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
17.05.2006

ESSEN - Im Kampf gegen hohe Gaspreise und mangelnden Wettbewerb hat die EU-Kommission die Geschäftsräume der deutschen Energiekonzerne E.ON Ruhrgas und RWE durchsucht. Betroffen waren auch europäische Konkurrenten wie Gaz de France. Die Gasversorger sollen ihre marktbeherrschende Stellung illegal ausgenutzt haben. Die Razzien fanden bereits gestern statt. Falls die EU-Wettbewerbshüter Verfahren eröffnen und ihren Verdacht erhärten können, drohen den Konzernen Strafgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes.


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Gewerbegebiet auf weichem Grund
Neuss Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
10.05.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Um das interkommunale Gewerbegebiet, das rund um den Standort des im Bau befindlichen BoA-Blocks entstehen soll, war es in letzter Zeit fast schon auffällig ruhig geworden. Aus gutem Grund, wie jetzt im Planungsausschuss zu erfahren war: Über das Gewerbegebiet, das die Stadt und ihre Nachbargemeinde Rommerskirchen gemeinsam nutzen wollen, gibt es nämlich deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen RWE Power einerseits und den beiden Kommunen auf der anderen Seite.

Bei RWE Power bestehen erhebliche Bedenken gegen die Fortsetzung des angelaufenen Planverfahrens für die den Kraftwerksstandort umgebende "Mantelindustrie". Das Unter-nehmen hält die Tragfähigkeit des für das interkommunale Gewerbegebiet ins Auge gefassten Geländes für unzureichend, da es sich hier um eine verfüllte Tagebaufläche handelt. Die Mehrkosten für eine ausreichende Gründung künftiger Bauwerke hat RWE Power inzwischen auf 15 bis 155 Euro pro Quadratmeter beziffert, was aus der Sicht des Stromriesen "wirtschaftlich nicht vertretbar" sei. Das ist einem jetzt dem Planungsausschuss präsentierten Sachstandsbericht der Verwaltung zu entnehmen.

Als möglichen Alternativstandort hat RWE Power eine gleich gegenüber dem Kraftwerk Neurath liegende Fläche an der Landstraße 375 ins Gespräch gebracht. Weder Grevenbroich noch Rommerskirchen mögen sich allerdings hiermit anfreunden. Nötig wären nämlich aufwendige Änderungsverfahren des Gebietsentwicklungs-, wie des Flächennutzungsplans. Auch Belange des Denkmalschutzes seien berührt, da das neue Gebiet zu nahe bei den geschützten Gütern Neuhöfchen und Karlshof liegen würde.

Während Rommerskirchen die größere Nähe zum Ortsteil Vanikum kritisch sieht, wäre aus Grevenbroicher Sicht ein erhöhter Erschließungsaufwand für die Entwässerung nötig. Die Befürchtung der Stadt: Die Ersparnis durch einen Ortswechsel würde durch die erhöhten Kosten für die Entwässerung wieder zunichte gemacht.

Da sich in dem interkommunalen Gewerbegebiet überwiegend kleinere Betriebe ansiedeln sollen, relativieren sich der Stadt zufolge auch die Mehrkosten: Bei Gebäuden mit geringeren Traglasten lägen sie laut RWE Power bei zehn bis 20 Euro pro Quadratmeter. Eine weitere "deutliche Kostenreduzierung" ergibt sich nach Ansicht der Verwaltung dadurch, dass die zunächst befürchtete Notwendigkeit, Klär- und Filterbecken zu bauen, wohl nicht besteht. Um konkret planen zu können, hat die Stadt RWE Power jetzt um die Erstellung eines Versickerungsgutachtens gebeten. Eine weitere wichtige Hürde, die für das Gewerbegebiet genommen werden müsste, ist der Grunderwerb - die Stadt hat keine eigenen Flächen in dem Gebiet.


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Mobile Mess-Station wird die Feinstaubbelastung in Stommeln messen.
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
04.05.2006

PULHEIM - Nun ist es amtlich: Anfang Juni wird eine mobile Mess-Station neben dem Pavillon am Stommelner Dorfanger aufgestellt. Dort wird die Anlage ein halbes Jahr lang unter anderem Feinstaub, Stickstoffdioxid, Stickstoffmonoxid, Ozon, aber auch Blei, Cadmium und Nickel ermitteln.

Für die Mess-Station hatten sich in den vergangenen Jahren mehrere Fraktionen wie auch das Aktionsbündnis "Stommelner Bürger - Leben ohne BoA" stark gemacht. Die Aktivisten beklagen immer wieder, dass die Stommelner durch den Schadstoffausstoß der Braunkohlekraftwerke in Niederaußem, Neurath und Frimmersdorf einer erhöhten Belastung ausgesetzt seien.

Ende 2005 hatte der Umwelt-und Planungsausschuss auf Antrag der CDU das Aufstellen des Mess-Containers befürwortet, nachdem Reinhold Eisenburger vom Staatlichen Umweltamt Köln erklärt hatte, die Zusatzbelastung für Stommeln sei nicht signifikant.

FDP-Fraktionsvorsitzende Luzia Kilias meldete Bedenken an. Der Standort sei ohnehin schon belastet und folglich bedenklich. Ob nicht ein anderer Standort in Frage komme, fragte die Liberale im Stadtrat. Beigeordneter Michael Senk bat die Politiker, an dem Standort festzuhal-ten. Er sei mit Vertretern des Ministeriums für Umweltschutz und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) des Landes Nordrhein-Westfalen abgestimmt.


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Klüngel-Vorwürfe gegen RWE untermauert
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
27.04.2006

Ein "offenes Geheimnis" nennen Zeugen die Aussage, dass Chefs sich von Angestellten
ihre Villen renovieren ließen.


KÖLN / BEDBURG - Mit einem Siegeslächeln im Gesicht verließen Heinz Josef Fischermann und sein Anwalt Volker Drexler am Mittwoch das Kölner Landgericht. Erst kürzlich war der Bedburger Elektrohändler Fischermann zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er seinen ehemaligen Arbeitgeber RWE mit fingierten Rechnungen um mehr als 250 000 Euro geprellt hatte.

Weil Fischermann immer wieder öffentlich angekündigt hatte, ein ganzes "Geflecht von Klüngelei" aufdecken zu können, hatte RWE ihn zusätzlich wegen Verleumdung und Erpressung angezeigt. "Wir werden den Fall weiter prüfen, konkreten Handlungsbedarf sehen wir allerdings nicht", sagt dazu Staatsanwalt Gunnar Greier. Wenn jemand pleite ist und nach eigenen Worten "mit dem Rücken zur Wand steht" wie Fischermann, kann so ein Satz schon mal ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ex-Vorstand verstrickt?

Eine Verleumdungsklage des Konzerns dürfte auch deswegen wenig Aussicht auf Erfolg haben, weil Fischermann Namen nennt. Namen von Abteilungsleitern und Direktoren, die sich angeblich von ihm Hallenbäder, Fußbodenheizungen und Heizungen installieren ließen, Lohn und Material dafür über die Firma abrechneten. Namen auch von Zeugen. Von "rund zehn Personen" des Konzerns will Fischermann wissen, die sich auf Kosten des Konzerns und des Steuerzahlers bereichert hätten. Einer davon soll vor kurzem noch im Vorstand von RWE gesessen haben. Sechs der Namen sowie eine Liste der Häuser und Installationsarbeiten liegen dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vor.

"Ich möchte mich nicht öffentlich äußern und weiß auch gar nicht, ob ich noch Unterlagen dazu habe", sagt ein Abteilungsleiter des Kraftwerks Frimmersdorf, auf dessen Anweisung Fischermann eine Fußbodenheizung installiert haben will. Wenn bei ihm etwas gemacht worden sei, "dann immer mit offiziellem Auftrag der Geschäftsleitung". Andere angeblich in den Klüngel verstrickte Führungskräfte geben sich noch zugeknöpfter. Einige waren gestern telefonisch nicht zu erreichen, ein anderer ist inzwischen gestorben.

Strafrechtlich lassen sich die beschuldigten Männer nicht mehr belangen. Die meisten von Fischermanns Diensten in Privatvillen liegen über 15 Jahre zurück, die Vergehen wären längst verjährt. Ein Zeuge, der mit Fischermann bei RWE arbeitete, sagt allerdings: "Als ich im Jahr 2003 pensioniert wurde, ist es noch genauso gelaufen. Wer nicht mitzog, hatte ein Handicap für seine Karriere." Anzeige erheben will der Mann allerdings genausowenig wie einer, der sagt: "Die Geschichten, über die Fischermann jetzt spricht, galten im Betrieb als offenes Geheimnis."

Vieles wird vermutlich unklar bleiben, bevor es irgendwann ganz in Vergessenheit gerät. Es sei denn, der Konzern selbst handele. "Uns ist an Aufklärung gelegen, aber solange wir nur Informationen über Medien erhalten, bewegen wir uns auf zu dünnem Eis", sagte RWE-Sprecher Lothar Lambertz dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es müssten schon schriftliche Beweise auf den Tisch. Dann, so Lambertz, müssten an jeglichem Klüngel Beteiligte davon ausgehen, zur Rechenschaft gezogen zu werden: "Wenn uns Schaden entstanden ist, müsste der wieder gutgemacht werden." Zuvor möchte der Konzern in einem laufenden Zivilrechts-verfahren zumindest einen Teil der rund 250 000 Euro zurückerstreiten, um die Fischermann RWE betrogen hatte.

Da Fischermann selbst nicht liquide ist, könnte allein der Geschäftspartner seines Elektro-handels zur Zahlung herangezogen werden. Fischermann und Anwalt Drexler sind erzürnt über dieses Ansinnen von RWE, weil der Partner "rein gar nichts" mit Fischermanns dunklen Geschäften zu tun gehabt habe.

Persönlich verletzt

Mit den "unfairen Methoden" des Konzerns, um an das verlorene Geld zu kommen, begründen Anwalt und Mandant auch ihren offensiven Gang in die Öffentlichkeit. Er habe niemanden persönlich anschwärzen wollen, aber irgendwann gehe es nicht mehr anders, meint Fischermann. Man kennt es aus der Tierwelt: Verletzte Raubkatzen können gefährlich sein.


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Ende Mai beginnt der Kühlturm "zu klettern"
BoA-Baustelle in Neurath kommt gut voran - Hochbauten nehmen erste Konturen an

Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
20.04.2006

RHEIN-ERFT-KREIS - Die Fundamente sind beeindruckend. 2000 Tonnen Stahl verschwinden in der Erde und 11 000 Kubikmeter Beton zum Beispiel für jeden der insgesamt vier Treppen-türme, die später den Zugang zu den beiden Kesseln der neuen BoA-Blöcke in Neurath ermöglichen.

Das Ringfundament des ersten Kühlturms ist fertig. Ein paar Stützen ragen bereits in den Himmel und lassen erstmals die Konturen eines Hochbaus auf dem riesigen Areal erkennen. Sie werden derzeit mit einem Ringbalken verbunden. "Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, beginnt der Kühlturm zu klettern", sagt Baustellenleiter Manfred Hensel. So nennen die Fachleute den messbaren Höhengewinn. "Ab Ende Mai wächst er täglich um einen Meter, bis die Gesamthöhe von 173 Meter erreicht ist."

Von den Treppentürme für Block F ist außer dem Fundament noch nichts zu erkennen. Doch sie werden den Vorsprung des Kühlturms schnell aufholen, weil sie, wenn es erstmal in die Höhe geht, drei Meter pro Tag wachsen.

Manfred Hensel zeigt weiter im Osten auf ein weiteres Fundament. "Die Hauptschaltanlage für beide Blöcke", erklärt er. Von Block G ist bisher nur eine planierte Fläche zu erkennen.
"Wir bauen ihn mit einem Abstand von einem halben Jahr", erläutert der Baustellenleiter und wendet sich dann nach Norden. Ein riesiges Loch unterhalb des Anschlussgleises der Nord-Süd-Bahn stelle eine besondere Herausforderung dar. 40 Meter unter Niveau wird der Schlitzbunker angelegt, der zur Anlieferung und Bevorratung der Braunkohle dient, mit der die Blöcke befeuert werden. "Wissen Sie, welchem enormen Druck die Stützwand standhalten muss?", fragt der Ingenieur.

Der Bunker selbst wird eine Länge von 300 Metern haben, Bereite und Tiefe betragen je 30 Meter. Das reicht, um 48 000 Tonnen Braunkohle zu bunkern. Die lange Reihe der Superlative auf der größten Baustelle in Europa kann Manfred Hensel herunter beten: Allein zur Vorberei-tung des 37 Hektar großen Baugrundstücks seien bereits im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Kubikmeter Erde bei Planierarbeiten angefallen und per Kohlenbahn im Tagebau Bergheim verkippt worden. Seit dem offiziellen Start der Bauarbeiten müssten eine weitere Million Kubikmeter Aushub bewältigt werden, von denen etwa die Hälfte bis Ende März weggeschafft worden sei.

In unmittelbarer Nähe zum bestehenden Kraftwerk Neurath entsteht eine Containersiedlung, dreigeschossig. Büros und Mannschaftsunterkünfte enthalten die mobilen Einheiten. "In der Hochzeit 2007/08 werden hier 4000 Menschen arbeiten", sagt der Baustellenleiter. Zurzeit, auch diese Zahl hat er genau im Kopf, seien es 263.

2009 soll Block F mit einer Leistung von 1100 Megawatt ans Netz gehen, Zwillingsbruder G ein halbes Jahr später mit gleicher Leistung. Henseler ist zuversichtlich, dass alles planmäßig fertig wird. Er war schon als stellvertretender Bauleiter beim Bau des ersten BoA-Blocks in Niederaußem tätig und hat offensichtlich Spaß daran, die Verantwortung für ein solches Projekt zu tragen. Er schlafe gut, sagt er lachend. "Na gut, manchmal fällt mir schon auch nachts noch was ein."

Aber es seien eher die Kleinigkeiten, die schon mal Kopfzerbrechen bereiten. Die von Fremd-firmen nicht optimal ausgeführte Straßenreinigung zum Beispiel, kleinere Planungsfehler oder der Umgang mit einer regelrechten Lawine von Anfragen, die eine solche Baustelle auslöse. Aber das werde sich in den nächsten Monaten alles noch einspielen, ist Hensel auch hier ganz gelassen.

B0A II Fortschritt sichtbar

Mehr als zwei Milliarden Euro investiert RWE Power in das zweite Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA). BoA I in Niederaußem ist seit 2002 am Netz. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm das modernste Kraftwerk dieser Art im September des Jahres 2002 persönlich in Betrieb.

Im Unterschied zu Niederaußem entsteht in Neurath ein Doppelblock, der zusammen 2200 Megawatt Leistung bringen wird. 2009 soll Block F ans Netz gehen, im Jahr darauf folgt Block G. In Neurath macht sich bereits der Fortschritt gegenüber der ersten Anlage bemerkbar. So werden die beiden Kühltürme und die vier Treppentürme mit je 173 Metern Höhe rund 30 Meter niedriger sein als der Kühlturm in Niederaußem.


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Kraftwerk als Herzstück
Neuss Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
14.04.2006

ESSEN / GREVENBROICH - Die Knallermeldung auf der RWE-Hauptversammlung am Freitag in Essen hatte mit Grevenbroich oder einem CO2-freien Kohlekraftwerk nichts zu tun. Der RWE Konzern visiere den Bau eines kombinierten Steinkohle- und Biomassekraftwerks in den Niederlanden an, hatte RWE-Chef Harry Roels dort bekannt gegeben. Die von RWE Power geplante Anlage solle über eine Brutto-Leistung von 1600 bis 2200 Megawatt verfügen. Die Planung für das CO2-freie Kraftwerk mit möglichem Standort Grevenbroich wurde dagegen nur vage abgehandelt.

Vom "Herzstück unserer Innovationsoffensive" sprach Roels da und von einem "Quanten-sprung der Kohleverstromung". Vielmehr war dem Konzernchef nicht zu entlocken.
"Am Sachstand hat sich nichts geändert", sagte auch RWE-Pressesprecher Lothar Lambertz gegenüber der NGZ. Es stehe noch nicht fest, ob Stein- oder Braunkohle zum Einsatz komme. 2007 solle die Wahl auf einen Brennstoffträger und dann auch auf einen Standort fallen.


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RWE baut Kraftwerk in Holland
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
14.04.2006

ESSEN - Deutschlands größter Stromversorger, der Essener Energiekonzern RWE, baut sein europäisches Stammgeschäft weiter aus. Dazu will das Unternehmen neben Milliarden-investitionen in die bestehende Infrastruktur bis 2012 für 1,5 Milliarden Euro ein neues Großkraftwerk in den Niederlanden bauen, wie Vorstandschef Harry Roels am Donnerstag auf der Hauptversammlung sagte. Das Kraftwerk in Roels Heimatland soll 3,4 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Mit dem Bau steigt RWE zum größten niederländischen Versorger auf.

Unterdessen soll der angekündigte Verkauf des Wassergeschäfts in Großbritannien und den USA laut Roels bis zur Jahresmitte starten. Mit den Einnahmen will RWE das Geschäft mit Strom und Gas stärken. Insgesamt sollen 2006 bis 2010 rund 17,5 Milliarden Euro in Kraftwerke, Versorgungsnetze sowie in die Öl- und Gasförderung investiert werden. Das seien 3,5 Milliarden Euro pro Jahr und damit eine Milliarde Euro mehr als bisher geplant, betonte Roels.

Aktionärsvertreter kritisierten den Verkauf des Wassergeschäfts. Sie äußerten die Befürchtung, RWE könne dabei Geld verlieren und im Größenvergleich mit dem schärfsten Wettbewerber E.ON in die "zweite Reihe" zurückfallen. Darüber hinaus vermissten sie Pläne für größere Zukäufe. "Warum schränkt sich RWE so ein?", fragte der Sprecher der deutschen Schutz-vereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler.

Mit Ankündigungen neuer Zukäufe blieb Roels aber auf der Hauptversammlung zurückhaltend. Zwar wolle RWE auch langfristig zu den fünf weltweit führenden Strom- und Gasunternehmen gehören. Doch werde RWE "mit Disziplin und Augenmaß" wachsen. Der Konzern setze auf selektives Wachstum und sei dabei "nicht in Eile, auch wenn das in der momentanen Übernahme-Euphorie nicht im Trend liegt", sagte Roels mit Blick auf die E.ON-Pläne zum Kauf des spanischen Versorgers Endesa. RWE sei aber "von Großbritannien bis Bulgarien" gut aufgestellt, sagte Roels.

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich der RWE-Chef weiter optimistisch. Er bekräftigte die Konzernziele, das Betriebsergebnis um 5 bis 10 Prozent und das Nettoergebnis um 10 bis 20 Prozent zu steigern. Risiken für die Ergebnisziele sieht Roels in den höheren Beschaffungs-kosten für Brennstoffe und Emissionszertifikate. Nach dem neuen Allokationsplan der Bundesregierung müssen Industrie und Kraftwerke ab 2008 fünf Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 2004. Das treibt den Preis für die Kohlendioxid-Zertifikate in die Höhe.

Mit Blick auf den zurückliegenden Energiegipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte sich Roels erneut für einen Erhalt der Atomkraft in Deutschland stark. Im Hinblick auf die hohe Importabhängigkeit der deutschen Energieversorgung sehe er dafür "keine Chance". Für das Kernkraftwerk Biblis A, das einen großen Teil der hessischen Energieversorgung liefert, werde RWE daher eine Verlängerung des Betriebs beantragen.

Im Anschluss an die Hauptversammlung wurde Thomas R. Fischer erneut zum Vorsitzenden des RWE-Aufsichtsrats gewählt. Seine Amtszeit endet voraussichtlich mit der Hauptversamm-lung im Jahr 2011.


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Kritik wegen RWE-Schwenk
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
14.04.2006

ESSEN - Der RWE-Konzern hat heftige Kritik seiner Aktionäre wegen seines Strategie-schwenks und der Pläne zum Verkauf des Wassergeschäfts einstecken müssen. Aktionärsvertreter konfrontierten RWE-Chef Harry Roels auf der Hauptversammlung in Essen mit der Frage, wie er Umsatz- und Ertragslücken nach der Trennung von der Wassersparte schließen will.

Die RWE-Strategie bereite den Aktionären "Unwohlsein", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Tümmler sagte mit Blick auf die Fusionswelle in der europäischen Energiebranche: "Wir haben große Sorge, dass RWE in die zweite Reihe zurückfällt."

Vertreter amerikanischer Kommunen und Verbraucherorganisationen kündigten Widerstand gegen den beschlossenen Börsengang der amerikanischen Wassertochter American Water an. Laurell Prussing, die Bürgermeisterin der Stadt Urbana im Staat Illinois, forderte, den Kommunen einen Rückkauf zu ermöglichen.

Roels verteidigte die strategische Neuorientierung. Durch die Trennung vom Wassergeschäft könnten die Kräfte bei Strom und Gas gebündelt werden, wo schon seit Jahren die höchsten Renditen erwirtschaftet würden. Der Vorstandschef will, dass RWE langfristig zu den fünf führenden Strom- und Gaskonzernen in Europa gehört. Dabei bemesse er Größe nicht allein am Umsatzvolumen sondern auch an der Effizienz.

Trotz deutlicher Kritik an der Unternehmensstrategie nahmen Aktionäre Roels gegen unterschwellige Vorwürfe aus dem Aufsichtsrat und kritische Medienberichte in Schutz. Den Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Fischer, der auch Chef der WestLB ist, forderten sie auf, "endlich für Ruhe im Haus zu sorgen". Zu Spekulationen über die Zukunft von Roels sagte Fischer, dessen Vertrag werde bis zum Jahre 2008 erfüllt und nicht gekündigt.

Für das Jahr 2006 rechnet der Stromerzeuger mit einem Zuwachs beim betrieblichen Ergebnis von 5 bis 10 Prozent, beim Nettoergebnis mit einem Anstieg um bis zu 20 Prozent.


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Der CO2-freie Klimafrühling
DIE ZEIT, die zeit.de
06.04.2006

RWE will das sauberste Kohlekraftwerk der Welt bauen

Die Sensationsmeldung kam aus Essen: Hurra, wir sind Weltmeister!
RWE plant "das weltweit erste CO2-freie Großkraftwerk für Kohle". Dieses hypermoderne Werk soll blitzsauberen Strom aus billiger Kohle liefern. Deren Verfügbarkeit ist, anders als bei Öl und Gas, langfristig garantiert. Steckdosen, was wollt ihr mehr?

"Wir wollen die ökologische Revolution in der Kohleverstromung forcieren", verkündet stolz RWE-Chef Harry Roels. Mit 450 Megawatt könne das Zukunftswerk "bereits 2014 ans Netz gehen". Die tolle Nachricht vom CO2-freien Klimafrühling kam pünktlich zum Berliner Energiegipfel.

War auch höchste Zeit, das düstere Image der Kohle grün aufzuhübschen. Unsere Strom-wirtschaft benötigt dringend neue Kraftwerke, hat aber bei den Energieträgern fast keine Wahl: Gas ist zu teuer, Kernkraft unerwünscht, Wasserkraft ausgeschöpft, Windkraft unzuverlässig. Also her mit grüner Kohle. Roels rechnet vor, dass der Energiegehalt der wirtschaftlich abbauwürdigen rheinischen Braunkohle "1,3-mal so hoch ist wie der gesamte verbleibende Energievorrat von Öl und Gas in der Nordsee". Hinzu kämen die Braunkohlevorräte im mitteldeutschen Revier und in der Lausitz. Deutschlands verkannte Scheichtümer.

Leider fehlt Roels Visionen der Realitätsbezug. Die "CO2-Wäsche als Abtrenntechnologie aus Rauchgasen" gibt es für Großkraftwerke noch gar nicht.

Sie erzwingt riesige Materialschlachten. Da aus jeder Tonne Kohle über drei Tonnen CO2 entstehen, müssten in Deutschland Hunderte Millionen Tonnen des Gases jährlich end-gelagert werden, sollte die Kohle emissionsfrei bleiben. Eine Utopie. Zumal kein Saubermann weiß, wohin mit dem Gas. Tief in die Erde?

Wehe, ein Gasspeicher leckt und aus einer vormals stillen Quelle schäumt Sprudelwasser. Der Teufel wäre los. Drum fordert Roels, hier ganz Realist, die Erforschung der "geologisch sicheren Verpressung von CO2". Aber die Baugeschwindigkeit deutscher Endlager ist bekannt. Den Öko-Kohlestrom ab 2014 kann er abschreiben.


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RWE verspricht Gewinn für alle
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
06.04.2006

Ende des Jahres soll Biogasanlage neben dem Kraftwerk Neurath in Betrieb gehen.

RHEIN-KREIS NEUSS / NEURATH - Mit einem Modellprojekt will RWE Power testen, ob sich für den Energieversorger der Betrieb von Biogasanlagen im rheinischen Braunkohlenrevier lohnt. Bis Jahresende soll neben dem Kraftwerk Neurath im Rhein-Kreis Neuss eine solche Anlage entstehen, die sich RWE Power nach eigenen Angaben rund drei Millionen Euro kosten lässt.

1600 Haushalte könnten von hier aus rund um die Uhr mit Strom versorgt werden, den ein Generator aus dem Gas gärender Biomasse wie Maissilage gewinnt. Den Strom speist die Anlage ins Netz, die bei der Stromerzeugung entstehende Nutzwärme soll im Kraftwerk für Heizung und Klimaanlage genutzt werden. "Stromerzeugung ist die Kernkompetenz von RWE Power, und der Biogasbereich wächst beständig", begründete Projektleiter Thorsten Blanke das Engagement von RWE Power.

Positiver Nebeneffekt für die Landwirtschaft der Region: Die gerade erst von der Zuckermarkt-reform um Einkünfte gebrachten Landwirte könnten hier einen neuen Absatzmarkt gewinnen.

Alles, was grün ist

"Um diese Anlage zu füttern sind zwar nur rund 260 Hektar landwirtschaftliche Fläche nötig", sagte Werner Sihorsch, der bei RWE Power für die Landwirtschaft zuständig ist, bei der Vorstellung des Projekts im Kraftwerk Neurath. "Aber die Region bietet das Potenzial für den Ausbau solcher Anlagen. Es gibt hier ein riesiges landwirtschaftliches Produktionsgebiet, und verwenden können wir eigentlich alles, was grün ist."

Kraftwerksleiter Eberhard Uhlig sprach von einer "Gewinnsituation für alle Beteiligten". Die Probephase solle einige Jahre laufen, aber eine Entscheidung, ob noch mehr solcher Anlagen gebaut werden, könnte schon recht früh fallen. Denkbar seien Standorte im Dreieck zwischen dem Goldenbergwerk in Hürth, dem Kraftwerk Weisweiler und dem Kraftwerk Neurath.

Zuspruch findet das Vorhaben bei den Politikern der Region. Es seien für die Anwohner keine weiteren Belastungen zu befürchten, und die Landwirte erwarteten zufrieden stellende Preise für die von ihnen gelieferten Rohstoffe, sagte Grevenbroichs Bürgermeister Axel Prümm.

Nach Angaben von RWE Power ist durchschnittlich am Tag mit vier bis fünf Transporten zu rechnen, um die Anlage mit Biomasse zu füttern und den als Dünger verwendbaren Gärrest abzuholen. "In der Maiskampagne, die aber nur etwa zehn Tage dauert, wird es rund 80 Transporte täglich geben", sagte Projektleiter Blanke.


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Kämpfen fürs Kraftwerk
Neuss Grevenbroicher Zeitung, ngz Online
31.03.2006

RHEIN-KREIS NEUSS - Aus dem RWE-Vorstand gibt es eine erste Reaktion auf die Bitte von Landrat Dieter Patt, die am Donnerstag vorgestellten Pläne für das weltweit erste Kohlekraft-werk, das kein Kohlendioxid ausstoßen soll, im Rhein-Kreis Neuss umzusetzen: "Sie können sicher sein, dass wir die Bedeutung der Braunkohle und den Wert der Unterstützung im Revier entsprechend würdigen. " RWE hatte das Zukunftsprojekt am Donnerstag zwar in seinen technischen Dimensionen vorgestellt, die Standortfrage jedoch zunächst offen gelassen.

Angesichts der Konzentration der Energiewirtschaft im "Energiekreis" an Rhein und Erft glaubt Patt jedoch gute Trümpfe in der Hand zu haben. In Frimmersdorf, wo nach dem Neubau des BoA-Kraftwerkes in Neurath das alte Kraftwerk abgeschaltet werden soll, wäre ein konkreter Standort vorhanden, der sich leicht neu überplanen ließe.

Rhein-Kreis beim Energiegipfel

Das Thema "CO2-freies Kraftwerk" hat Patt zur Unterstützung seiner Initiative jetzt auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel weitergegeben. Der Landrat unterstützt damit sein Anliegen, dass der Rhein-Kreis eine Rolle beim Energie-Gipfel des Bundes spielen soll, zu dem Angela Merkel eingeladen hat. Mit einer Zusammenstellung aller energiepolitischen- und -wirtschaftlichen Initiativen, Unternehmungen und Projekte im Rhein-Kreis vom Tagebau und den Kraftwerken über Windkraft und Photovoltaik bis zur Brennstoffzellenforschung und einer Biogasanlage am Kraftwerk Neurath ließ Patt eine Synopse erstellen, die die Bundeskanzlerin überzeugen soll.

Das Ziel: Der Rhein-Kreis könnte beim Energiegipfel als Beispiel dienen und Standort von neuen Modellprojekten für eine zukunftsweisende Energiepolitik sein. Auch auf diese Initiative des Landrates gibt es positive Reaktionen: Willy Wimmer MdB lobte die kompetente Vorbereitung und CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla meldete: "Sie können sicher sein, dass die angesprochenen Gesichtspunkte bei den anstehenden Beratungen Berücksichtigung finden werden."


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RWE plant Kraftwerk ohne CO2
Neuss Grevenbroicher Zeitung, NGZ Online
30.03.2006

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Grevenbroich als großer Energiestandort - ohne dass Kohlendioxid-Abgase aus Kraftwerksschornsteinen kommen.

GREVENBROICH - Noch ist das eine ferne Vision, doch sie könnte Realität werden: RWE plant das weltweit erste Kohlendioxid-freie Großkraftwerk für Kohle inklusive Kohlendioxid-Speicherung. Eine Standortentscheidung steht noch aus, doch Kreis und Stadt setzen sich dafür ein, das - laut Konzern - "Leuchtturmprojekt der RWE-Klimastrategie" in den Kreis zu holen.

Ein Plädoyer für die Kohle gab am Donnerstag Jan Zilius, Vorstandsvorsitzender von RWE Power, ab: "Um die anspruchsvollen nationalen Klimaschutzziele erfüllen zu können, müssen wir alle Optionen nutzen." Wer bei der Klimavorsorge etwas bewegen wolle, "der muss sich auf die fossilen Energieträger konzentrieren".

Dazu hat der Energiekonzern ein Handlungspaket entwickelt. Ein wichtiger Baustein: "Das erste Kohlendioxid-freie Kohlen-Großkraftwerk der Welt, mit einer Leistung von 450 Megawatt, das 2014 ans Netz gehen könnte", so Zilius.

Das geplante Investitionsvolumen beträgt rund eine Milliarde Euro. Das Verfahren in Kürze: In mehreren Schritten entsteht aus der Braunkohle Wasserstoff und Kohlendioxid. Letzteres wird nicht in die Luft ausgestoßen, sondern über eine Pipeline zu einem unterirdischen Speicher geleitet.
Zunächst muss aber geprüft werden, ob das Kraftwerk mit Stein- oder Braunkohle betrieben werden soll. Dabei liegt die Präferenz laut RWE bei der "heimischen Braunkohle". Die Entscheidung über den Standort soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres fallen.

"Das weltweit erste großtechnische Kraftwerk mit integrierter Kohlevergasung, nachge-schalteter Kohlendioxid-Abtrennung und -Speicherung ist nicht nur ein Schritt für eine klimaschonendere und hochmoderne Energieumwandlung, sondern unterstreicht auch unsere technologischen Führungsanspruch", sagte Harry Roels, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, am Donnerstag.

Im Rhein-Kreis Neuss laufen schon Bemühungen, die vorhandene Kompetenzen des Energiestandortes bei RWE in die Waagschale zu werfen. "Bei diesem Kraftwerk handelt es sich um ein innovatives, wegweisendes Projekt. Ich stehe zu diesem Thema bereits mit RWE in Verbindung und setze mich dafür ein, dass dieses Kraftwerk an einem unserer Kraftwerks-standorte errichtet wird", erklärt Landrat Dieter Patt.

Der Kreis als Energiestandort weise schon jetzt eine große Energievielfalt - von der Braunkohleverstromung über die Windkrafttestanlage bis hin zur Photovoltaikanlage auf. Patt denkt nicht nur an die Stromgewinnung, sondern an ein umfassendes "Zentrum der Energie" von der Forschung und Entwicklung über die Stromgewinnung bis zur Rekultivierung: "Ich bemühe mich seit langem darum, Forschungslaboratorien und -Einrichtungen im Energiebereich in unseren Kreis zu holen."

Bürgermeister Axel Prümm setzt sich ebenfalls dafür ein, dass das Kohlendioxid-freie Kraftwerk nach Grevenbroich kommt, schließlich sei die "Bundeshauptstadt der Energie" der größte Kohlekraftwerksstandort in Deutschland. Auf diese Weise würden neue Arbeitsplätze entstehen - und dies "ohne Umweltbelastung für unsere Stadt".

Auch eine mögliche Fläche hat er schon im Blick - den Kraftwerksstandort Frimmersdorf. "Nach der Inbetriebnahme des BoA-Kraftwerks in Neurath ist die schrittweise Abschaltung von alten Blöcken in Frimmersdorf geplant." Auf der frei werdenden Fläche könnte das neue Großkraftwerk entstehen, Prümm spricht vom "organischen Wachsen". Ein Vorteil: Das Areal ist bereits als Kraftwerksfläche ausgewiesen.

"Wichtig ist jetzt, dass beim Energiegipfel, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel für April einlädt, die Weichen gestellt werden, wie die Bundesregierung sich die Energiepolitik vorstellt. Sowohl die Wirtschaft als auch die Stadt brauchen verlässliche Rahmendaten." Prümm schreibt jetzt zu dieser Frage der Bundeskanzlerin.

Neben der neuen Kraftwerkstechnologie entwickelt RWE auch Verfahren zur "nachgeschalteten Kohlendioxid-Wäsche", mit der vorhandene Kraftwerke auch in Grevenbroich umgerüstet werden könnten. Dabei wird das Kohlendioxid nach dem Verbrennungsprozess aus den Rauchgasen gewaschen.

Die neue Technik

Am Anfang steht die Braunkohle, am Ende Energie - der Prozess dazwischen unterscheidet sich von der bisherigen Verstromung. Die Braunkohle wird in einem Flugstromvergaser in ein Brenngas umgewandelt. Dieses wird entstaubt sowie vom Kohlendioxid gereinigt. Übrig bleibt Wasserstoff, der dann in einer Gasturbine verbrannt wird. Diese treibt den Generator an, der Strom erzeugt.

Die heißen Abgase - reiner Wasserdampf - werden in einer Dampfturbine genutzt, um einen zweiten Generator antreiben. Das abgetrennte Kohlendioxid - jährlich über zwei Millionen Tonnen - kommt verflüssigt über eine Pipeline in einen unterirdischen Speicher, etwa in einer ehemaligen Gaslagerstätte.


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RWE plant einmaliges Kraftwerksprojekt
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
30.03.2006

ESSEN - Mit einem weltweit einzigartigen Kraftwerksprojekt will der Essener RWE-Konzern die CO2-Belastung der Umwelt vermeiden. Das Gas werde dazu mit erstmals in großtechnischem Maßstab eingesetzten Verfahren abgetrennt und eingelagert, teilte das Unternehmen in Essen mit.

Als Speicher kämen dabei etwa ehemalige Erdgaslagerstätten in Frage. Die Gesamtkosten der Investition bezifferte das Unternehmen auf rund eine Milliarde Euro. Das 450 Megawatt-Kraftwerk könne frühestens 2014 ans Netz gehen. Erste konkrete Planungsschritte seien bereits eingeleitet worden, hieß es.

Unklar sei derzeit auch, ob das neue Kraftwerk mit Steinkohle oder Braunkohle betrieben werde. Dabei liege eine "Präferenz bei der heimischen Braunkohle", teilte RWE mit. Auch der Standort sei noch unklar. Mit ersten Entscheidungungen sei in der zweiten Jahreshälfte 2007 zu rechnen.

Ein Sprecher des RWE-Konkurrenten Vattenfall wies darauf hin, dass das Unternehmen bereits im Jahr 2008 die Errichtung einer Pilotanlage zur CO2-Abspaltung am Standort Schwarze Pumpe in der Lausitz plane. Das 30 Megawatt-Braunkohlen-Kraftwerk werde mit Investitionen von rund 40 Millionen Euro errichtet. Die Abspaltung des Kohlendioxids werde dabei jedoch nach einem anderen Verfahren als bei RWE erfolgen. Die Umsetzung im großtechnischen Maßstab sei dann in einem weiteren Schritt geplant.

Bis 2020 plant RWE Gesamt-Investitionen in seinen deutschen Kraftwerkspark von rund zwölf Milliarden Euro, teilte das Unternehmen in Essen mit. Allein rund 2,2 Milliarden Euro sollen dabei in den Bau eines zweiten und dritten Kraftwerksblocks in Neurath im rheinischen Braunkohlenrevier fließen. Darüber hinaus befinde sich ein neues Steinkohlekraftwerk in Hamm in Planung.

Für die nächste Kraftwerksgeneration, die nach 2010 errichtet werden solle, würden bereits neue Technologien entwickelt, um die Energieausbeute weiter zu steigern. Dadurch könne etwa der so genannte Wirkungsgrad neuer Braunkohlenkraftwerke auf über 50 Prozent erhöht werden.


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RWE plant neues Kraftwerk
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
30.03.2006

KÖLN - Der Essener RWE-Konzern will ein CO2-freies Kohlenkraftwerk entwickeln und dieses bis 2014 ans Netz zu bringen. Dies kündigte RWE-Power-Vorstandschef Jan Zilius an. Eine Milliarde Euro will RWE investieren. In der zweiten Jahreshälfte 2007 soll die Entwicklung so weit abgeschlossen sein, dass entschieden werden kann, ob Braun- oder Steinkohle als Rohstoff zur Energiegewinnung dienen. Wenn technisch machbar, soll die Braunkohle Vorrang haben, und das Projekt würde im rheinischen Revier realisiert, so Zilius.

In einem solchen Kraftwerk wird die Kohle zunächst getrocknet, dann vergast. Im dritten Schritt werden bis zu 95 Prozent Kohlendioxid (CO2) und Staub abgeschieden. Übrig bleibt Wasserstoff, der dann in einem aus Gas- und Dampfturbine bestehenden Kombikraftwerk zur Stromerzeugung genutzt wird. Das abgeschiedene CO2 wird abtransportiert und in Erdkam-mern gepumpt.

Das Verfahren wird weltweit erforscht und als vielversprechend eingestuft. RWE Power nimmt für sich in Anspruch, mit einem 450-Megawatt-Block "weltweit das erste großtechnische Kraftwerk mit integrierter Kohlevergasung" ans Netz bringen zu wollen.

Jan Zilius räumt ein, dass der Zeitpunkt der Ankündigung nicht zufällig ist. RWE erwarte von einem Energiegipfel mit Bundeskanzlerin Merkel am kommenden Montag eindeutige Signale der Politik. "Diese muss zu erkennen geben, was ihr die Lösung des CO2-Problems wert ist", sagte Zilius. Bei Genehmigungsverfahren müssten die Regierungen Farbe bekennen, durch Finanzmittel aus EU-Forschungsprogrammen könnten sie positive Anreize setzen.
"Von solchen Zuwendungen machen wir das Projekt allerdings nicht abhängig."

Bis 2020 plant RWE Gesamt-Investitionen in seinen deutschen Kraftwerkspark von rund zwölf Milliarden Euro. Allein 2,2 Milliarden Euro sollen dabei in den Bau zweier Kraftwerksblöcke in Neurath im rheinischen Braunkohlenrevier fließen.


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Grüner Natur-Puffer
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
29.03.2006

ROMMERSKIRCHEN - Es war ein hartes Ringen - mit sehr emotional geführten Diskussionen. Neben der Zukunft der Metallhütte Schumacher nahm kein anderes Thema in den vergangenen Jahren in der Rommerskirchener Politik mehr Raum ein als der Ausbau des Braunkohle-Kraftwerks in Neurath um zwei neue Blöcke (BoA). Denn die Belastungen dieser Erweiterung müssen auch die Bürger in den Orten Richtung Neurath und Grevenbroich tragen.

Die in zähen Verhandlungen zwischen Gemeinde und RWE Power erarbeitete Lösung, um diese Belastungen zumindest zum Teil aufzufangen, wird seit Mittwoch umgesetzt. Um Sinsteden und Vanikum entstehen Wald- und Strauchflächen als Grüngürtel und Natur-Puffer zum Kraftwerk.

Insgesamt 14 Hektar werden in diesem Frühjahr und im kommenden Herbst bepflanzt, damit die Bäume parallel zum Bau der BoA wachsen können und bereits eine gewisse Höhe haben, wenn im Jahr 2009 der erste der beiden Blöcke in Betrieb genommen wird.

"Die Menschen in Sinsteden und Vanikum sorgen sich um ihre künftige Lebensqualität - und diese Sorgen müssen wir ernst nehmen", erklärte Bürgermeister Albert Glöckner. Die Gemeinde habe eine ganze "Kette von Vereinbarungen" mit RWE geschlossen. Dazu gehöre die wichtige Zusage, dass nur zwei neue Kraftwerksblöcke gebaut werden. Ursprünglich hatte das Energieversorgungsunternehmen vier BoA ins Auge gefasst.

( Anmerkung von Big BEN: RWE hält nach wie vor an seiner Ursprungsplanung fest und die Flächen für mindestens vier BoA-Blöcke sind auch reserviert. Es ist im Übrigen Ansichts- bzw. Auslegungssache ob man z.B. den jetzt im Bau befindlichen Doppelblock als einen BoA-Block betrachtet oder als zwei, denn dann können vier BoA-Blöcke auch mal nur zwei sein. )

Dazu gehöre aber auch, dass die Ausgleichsflächen, die RWE als Ersatz für das jetzt bebaute Areal ausweisen muss, in erster Linie den Bürgern in der unmittelbaren Nachbarschaft zugute kommen sollen. Und das heißt konkret: Sinsteden und Vanikum sollen so gut wie möglich von den rauchenden Schornsteinen abgeschirmt werden.

Weite Teile dieser neuen Grünanlage sollen außerdem als Park- und Spaziergelände von den Anwohnern genutzt werden können. "Wir werden die Wege so legen, dass der Blick auf das Kraftwerk durch Grün verstellt ist", erklärte der beauftragte Landschaftsarchitekt Peter Smeets. An diesen Stellen könne auch darüber nachgedacht werden, Bänke aufzustellen.

In Richtung der Wohnbebauung würden bunt blühende Sträucher und kleinere Bäume gepflanzt, die abgestuft zum Kern des Grüngürtels größer würden. Außerdem sind Obstwiesen mit alten Sorten wie der Dycker Birne, dem Klarapfel oder dem Alten Boskop geplant.

"RWE Power weiß, dass der Bau der BoA-Blöcke der Bevölkerung in den Nachbarkommunen einiges abverlangt", sagte Kraftwerksdirektor Eberhard Uhlig. Deshalb sei das Unternehmen bereit, über die gesetzliche Pflicht hinaus für einen Ausgleich zu sorgen. Dies werde in Sinsteden und Vanikum gelingen.
"Die Beeinträchtigungen werden kompensiert, die Attraktivität der Orte wird erhöht", so Uhlig. RWE beweise mit der Umsetzung des Grüngürtels, dass der Konzern ein verlässlicher Partner sei.


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Routenwechsel für Kieslaster
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
28.03.2006

GREVENBROICH / NEURATH - Mit 70 Stundenkilometern brausen Schwerlaster von der Landstraße 116 auf die Kreuzung zwischen Neurath und Frimmersdorf zu. "Die nehmen die kürzeste Strecke vom Tagebau aus in Richtung BoA-Baustelle", sagt Manfred Kauertz.

Der stellvertretende Bürgermeister und SPD-Politiker aus Neurath ist besorgt. Mit einem persönlichen Brief hat er sich nun an die Stadtverwaltung gewandt. "Zahlreiche Bürger aus Frimmersdorf und Neurath haben kein Verständnis dafür, dass der Baustellenverkehr über die Kreisstraße 39 abgewickelt wird. Ein Neurather hat zudem eine Beschwerde an den Landrat Dieter Patt geschickt", berichtet Kauertz.

Die Kreuzung zwischen beiden Orten wird täglich von Schulkindern sowie Fahrradfahrern genutzt. "Der Verkehr hat durch die Baustelle massiv zugenommen, und die Schwerlaster fahren eindeutig zu schnell", so der Ratsherr.
Befürchtet hatte Manfred Kauertz dieses Szenario bereits nach dem ersten Spatenstich für den Ausbau des Kraftwerks: "Ich habe damals gefragt, wie RWE es im laufenden Betrieb organisieren will, ohne dass eine Belastung auf beide Ortsteile zukommt."

Ginge es nach dem Wunsch der Neurather und Frimmersdorfer würde ein Kreisverkehr das Geschwindigkeitsproblem auf der K 39 lösen. "Dafür hat die Kreisverwaltung jedoch kein Geld. Wir fordern nun eine alternative Route für die Baustellenfahrzeuge", so der Vize-Bürgermeister.
Die Lösung: Von der L 116 kommend fahren die Lastwagen weiter Richtung Bedburg auf der
L 213 und nehmen die Kreisstraße 24 an der Stadtgrenze als Ausweichstrecke Richtung BoA-Baustelle.

"Wir wissen von den Bedenken der Bürger und werden in dieser Woche ermitteln, wie viele Fahrzeuge die K 39 wirklich befahren", sagt Technischer Beigeordneter Werner Hoffmann auf Anfrage der NGZ.
Ebenso prüft die Kreisbehörde die Auswirkungen für Neurath und Frimmersdorf. Pressesprecher Reinhold Jung: "Unser Tiefbauamt hat bereits Kontakt zu RWE aufgenommen, und wir ermitteln nun, ob dort Handlungsbedarf besteht."

Im November verständigten sich Vertreter des Landesbetriebs Straßen, der Stadt Grevenbroich, des Rhein-Kreis Neuss und von RWE Power auf ein Verkehrskonzept rund um die BoA-Baustelle. "Damals fiel die Entscheidung für die K 39, weil die Schwerlaster, aus dem Tagebau kommend, so den kürzesten Weg über öffentliche Straßen zurücklegen", erklärt RWE-Sprecher Lothar Lambertz.

Die zweite Variante würde das jetzige "Verkehrsproblem" nur verlagern. "Die Schwerlaster - beladen mit Kies und Erdreich - überqueren dann nicht nur eine Kreuzung, wo es zu Rückstaus kommen könnte, sondern fahren direkt an der Ortschaft Pütz vorbei", erläutert Lambertz.

Eine bessere Lösung als die K 39 für die Baustellenfahrzeuge ist laut RWE derzeit nicht in Sicht. "Wir sehen den Vorschlag der Neurather und Frimmersdorfer Bürger durchaus kritisch. Um allerdings die überhöhte Geschwindigkeit der Lastwagen in den Griff zu bekommen, informieren wir regelmäßig die Fahrer der Transportunternehmen und bitten Stadt und Kreispolizei um Messungen im Kreuzungsbereich", so der Pressesprecher.

Um die Schwerlaster direkt zur BoA-Baustelle und nicht durch die Ortschaften zu leiten, wurden Anfang des Jahres mehrere Hinweisschilder entlang der Strecke aufgestellt.


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"Häuser für RWE-Bosse ausgestattet"
Kölner Stadt Anzeiger, Online-Ausgabe
17.03.2006

Der Elektrohändler und ein Einkäufer sollen das Unternehmen um 270 000 Euro geprellt haben.

KÖLN - Heinz-Josef Fischermann hatte bereits vor dem Auftakt des Zivilverfahrens im Oktober 2005 zugegeben, mit Hilfe seines Kompagnons Rechnungen gefälscht zu haben. Elektrokabel, Schalter und andere Teile hatte er an private Baustellen des befreundeten Einkäufers geliefert, die Rechnungen landeten bei RWE.

Irgendwann war der Schwindel aufgeflogen. Fischermanns Firma ist aufgelöst, er selbst längst pleite. Seinem Partner, der dank der Geschäfte einen beträchtlichen Reichtum angehäuft haben soll, wird in Neuss der Prozess gemacht. RWE hofft nun, das geforderte Geld von einem Elektromeister erhalten zu können, der den Betrieb in Bedburg einst mit Fischermann gegründet hatte.

Als einer der RWE-Anwälte während der gestrigen Sitzung vor dem Kölner Landgericht sagte, dass "ja nicht bewiesen" sei, ob der Mann nicht auch von den falschen Rechnungen gewusst habe, meldete sich der Verdächtigte empört zu Wort: "Es ist eine bodenlose Frechheit, mir das vorzuwerfen", sagte der Elektromeister.

Um Unterstellung, genauer gesagt um Verleumdung und Erpressung, geht es auch in der jüngsten Strafanzeige des Energieunternehmens gegen Heinz-Josef Fischermann. Schon vor Prozessauftakt hatte der Elektrohändler über seinen Anwalt Volker Drexler angekündigt,
ein ganzes Geflecht von Klüngelei bei RWE entwirren zu wollen. Von "unangenehmen Folgen für RWE" und geschmierten Geschäften war die Rede, scheinbar mit dem Rücken zur Wand stehend, hatte Fischermann angekündigt, "zur Not Ross und Reiter zu nennen".

Am Rande der Verhandlung gestern wurde Anwalt Drexler konkreter: Während Fischermann vor Jahren selbst bei RWE (damals noch Rheinbraun) angestellt gewesen sei, habe jener für hochrangige Angestellte des Energiekonzerns "ganz privat" Kabel verlegt und Beleuchtungen installiert.

"Ganze Schwimmbäder und Häuser" habe Fischermann für Konzernmitarbeiter ausgestattet. Es gebe genügend Zeugen, die Licht in diese dunklen Geschäfte bringen könnten. Die Klüngeleien lägen zwar länger als zehn Jahre zurück und seien daher nicht mehr strafbar - laut Drexler könnten die pikanten Details aber helfen, eine Mitschuld des Stromkonzerns zu beweisen.

Die jüngsten Vorwürfe ermunterten den Konzern, der Fischermann und seinen Partner bereits wegen Bestechung, Bestechlichkeit, Untreue und Betrug angezeigt hatte, zu einer neuen Anzeige. Im Falle der von Fischermann fingierten Rechnungen wirft Drexler dem Konzern vor, fahrlässig gegen seine Aufsichtspflichten verstoßen zu haben. Die Summe von 270 000 Euro hält er für zu hoch gegriffen.

Klar ist derzeit allein, dass es um 219 Lieferscheine geht, die Fischermanns Partner zum Teil blanko unterschrieben hatte. Um welchen Betrag RWE tatsächlich betrogen wurde, soll eine Aktenauswertung ergeben, die die Kläger bei der nächsten Verhandlung vortragen wollen.


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Der letzte Zug nach Bergheim
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
16.03.2006

NEURATH - "Ist das der Sonderzug nach Bergheim?", hätten in den vergangenen Monaten Besucher der BoA-Baustelle bei Neurath fragen können. Jetzt hat der letzte Zug mit Erdreich von der Baustelle die Grube des beendeten Tagebaus Bergheim erreicht - der letzte von genau 1498 Zügen.

"Damit ist ein wichtiger Bauabschnitt beendet", erläutert Baustellenleiter Manfred Hensel. Seit August wurde das 33 Hektar große Areal "plan" gemacht, wurden Höhenunterschiede beseitigt. "An manchen Stellen mussten wir bis zu neun Meter dicke Erdschichten abbaggern", so Manfred Hensel.

Insgesamt 1,4 Millionen Kubikmeter Löss und Kies waren zu bewegen, der weitaus größte Teil wurde auf der hauseigenen Nord-Süd-Bahn zum Tagebau Bergheim transportiert, der nach dem Ende der Kohleförderung verfüllt wird.

Die Niveauangleichung bildete eine gewaltige logistische Aufgabe, aber damit haben RWE Power und die beauftragte Firma ihre Erfahrung. Große Schaufelradbagger - eine Schaufel hat einen Durchmesser von sechs Metern - gruben das Erdreich ab. Extra für die Erdtransporte war ein rund 1400 Meter langes Förderband aufgebaut worden.

"Über einen Knotenpunkt wurde das Material Richtung altes Kraftwerk zu einem Absetzer transportiert, der die Waggons belud", so Hensel. Mehrere Züge mit jeweils zehn Waggons pendelten zwischen Neurath und Bergheim, jeder Zug fasst rund 675 Kubikmeter. "Wenn es tagelang regnete, kam am Absetzer viel Matsch an. Manchmal verklebten die Schurren", das sind die Übergabestellen zwischen den Förderband-Abschnitten.

Nicht das gesamte Material landete im Tagebau Bergheim. "Mit rund 200 000 Kubikmetern Boden kultivieren wir Flächen, über die der Transport den großen Braunkohlebaggern zwischen den Tagebauen Hambach und Garzweiler verlief."

Ein weiterer Teil wird am Rand der BoA-Baustelle gelagert, "Außerdem haben wir hier eine Mutterbodenmiete angelegt", erklärt der Baustellenleiter. Dieses Material werde gegen Ende der Bauarbeiten wieder auf den nicht bebauten Flächen aufgetragen. Nun rücken die Schaufelradbagger ab, demontiert die Erdbaufirma das lange Förderband.

Andere Arbeiten sind im Gange: Die Kühlwasserleitung von den Kühltürmen zum künftigen Maschinenhaus wird verlegt, die Rohre weisen einen Innendurchmesser von drei Metern auf. Auch die Fundamente für die Kühltürme mit einem Durchmesser von 120 Metern und einer Höhe von rund 170 Metern werden erstellt.

Etwas weiter laufen zurzeit die Bewehrungsarbeiten für die Fundamente der 172 Meter hohen Treppenbauten des Kesselhauses. "Ende April werden die Fundamente gegossen." Dabei werden rund 000 Tonnen Stahl und 11 000 Tonnen Beton verarbeitet.

Auch wenn die Eisenbahntransporte zum Tagebau Bergheim beendet sind, fallen auch in Zukunft große Mengen Aushub - auf den Flächen der künftigen Kraftwerksgebäude - an. Baustellenleiter Hensel beziffert das Volumen mit etwa einer Million Kubikmeter. Aus einem Drittel dieses Materials wird ein Sichtwall aufgeschüttet.


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RWE-Kodex gilt nicht für alle Politiker
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
01.03.2006

RHEIN-ERFT-KREIS. "Wer jedoch hauptberuflich ein öffentliches Amt oder ein politisches Mandat ausübt, darf weder als Mitarbeiter noch als Berater beschäftigt werden", heißt es im RWE-Geschäftsbericht 2005. Der neue Verhaltenskodex, der "Code of Conduct", soll "Verhaltenssicherheit für die interne Zusammenarbeit und für unsere externen Beziehungen" schaffen - so steht es im Bericht.

Für Bürgermeister und Landräte, die öffentliches Amt und politisches Mandat hauptberuflich in sich vereinen, gilt der Kodex allerdings nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn sie Mitglied im Beirat von RWE Energy sind. Im Gegenteil: Seit Januar 2006 erhalten sie für diese Tätigkeit sogar noch mehr Geld. Statt einer Grundvergütung von 6650 Euro gibt es zwar jetzt nur noch 4650 Euro, dafür erhalten diejenigen, die tatsächlich an den fünf Treffen pro Jahr teilnehmen, aber neben einer Aufwandsentschädigung von je 100 Euro nun auch ein Sitzungsgeld von je 500 Euro. Unter dem Strich also eine Vergütung von 7150 Euro.

In den Genuss der neuen Regelung kommen unter anderem die Landräte Hagen Jobi, (Oberbergischer Kreis), Günter Rosenke (Kreis Euskirchen) und Werner Stump, (Rhein-Erft-Kreis), die dem Regionalbeirat Mitte angehören. Als "ständige Gäste" in diesem Gremium müssen Bürgermeister Walther Boecker (Hürth), Landrat Frithjof Kühn (Rhein-Sieg-Kreis) und Oberbürgermeister Fritz Schramma (Köln) auf diese Vergütung verzichten, weil sie in Aufsichtsräten des Konzerns beziehungsweise in einer Gesellschaft mit RWE-Beteiligung tätig sind. Sie werden dort entschädigt. Boecker ist Aufsichtsrat bei RWE Power, Kühn bei RWE Energy, Schramma bei Rhein-Energie.

Beiräte seien bei großen Unternehmen in Deutschland üblich und nicht vom neuen Verhaltenskodex betroffen, sagt Sebastian Ackermann, Pressesprecher der RWE Energy. Die Gremien dienten dem Dialog und stellten den Austausch von Know-how sicher.


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RWE prüft Einstieg in Milliarden-Pipeline-Projekt
Financial Times Deutschland, ftd.de
23.02.2006

Der Essener RWE-Konzern prüft einen Einstieg bei einem milliardenschweren Pipeline-Projekt des österreichischen Energiekonzerns OMV. Auch Wettbewerber Eon hat Interesse an dem Vorhaben bekundet.

RWE-Chef Harry Roels will sich auf Mittel- und Zentraleuropa konzentrierenRWE sei einer der möglichen Partner eines Konsortiums zum Bau der neuen "Nabucco"-Pipeline um den österreichischen Energiekonzern, sagte RWE-Chef Harry Roels am Donnerstag in Essen. Allerdings seien bis zur Realisierung des Projekts noch umfangreiche Hürden zu nehmen.

Erst in der vergangenen Woche hatte Eon eine Kooperation mit OMV bei dem Projekt
"nicht ausgeschlossen". Die rund 3500 Kilometer lange Pipeline könnte eine neue Versorgungsverbindung für Gas zwischen Produzenten aus der Kaspischen Region wie dem Iran oder Aserbaidschan und Europa herstellen.

"Wir sind im Gespräch mit mehreren Unternehmen aus Westeuropa", bestätigte OMV-Sprecher Thomas Huemer am Donnerstag. Einzelheiten wollte der Sprecher zunächst nicht nennen. Die Entscheidung über einen Bau des 4,6 Mrd. Euro-Projekts werde Ende kommenden Jahres fallen. Nach dem Baubeginn im Jahr 2008 könnten erste Gaslieferungen bereits 2011 durch die neue Pipeline fließen. In der Endstufe im Jahr 2017 könnten bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich durch die neue Leitung nach Westeuropa gebracht werden, sagte Huemer.

RWE könnte den Anschluss verpassen.

RWE droht im Wettlauf mit Marktführer Eon den Anschluss zu verlieren. Roels sagte, der Essener Konzern plane derzeit keine Akquisitionen, die mit dem 30-Mrd.-Euro Übernahmeangebot des Rivalen für den spanischen Versorger Endesa vergleichbar seien. Bei seinen Zukäufen werde das Unternehmen auch weiter "mit Disziplin und Augenmaß" vorgehen.

"Für uns ist Größe kein Selbstzweck. Die Tatsache, dass man mehr Mittel für Investitionen und auch Akquisitionen hat, darf nicht dazu führen, dass einem das Geld gleich durch die Tasche brennt", sagte Roels, der dem Konzern in den vergangenen Jahren einen strikten Sparkurs verordnet und damit den Schuldenstand auf 11 Mrd. Euro halbiert hatte.


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RWE will Position in der Spitzenliga verteidigen
Hamburger Morgenpost, www.mopo.de
23.02.2006

ESSEN - Im Rennen der Energiegiganten um eine Führungsrolle in Europa will RWE-Chef Harry Roels die Position des Essener Konzerns in der Spitzenliga verteidigen.
"Wir sind keine Zuschauer", sagte Roels bei der Bilanzvorlage in Essen.

RWE habe seine eigene Strategie und werde die auch einhalten. "Größe ist dabei kein Selbstzweck", sagte er. Übernahmen müssten sich auch lohnen. Interesse meldete der RWE-Chef dagegen an einer möglichen Beteiligung an einem 4,6 Milliarden-Euro-Pipeline-Projekt des österreichischen Energiekonzerns OMV an. Nach der Preisrunde zum 1. Januar seien in diesem Jahr keine weiteren Strompreiserhöhungen geplant.

Zu möglichen Übernahmen durch RWE wollte er sich nicht äußern. "Ich mahne zu Coolness und Ruhe", sagte Roels. In der angestrebten milliardenschweren Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa durch den Düsseldorfer Konkurrenten E.ON sieht er für sein Unternehmen keinen Nachteil. "Endesa war für uns kein Thema", sagte er. "Vielleicht ist es nicht immer optimal, alles auf eine Karte zu setzen", meinte Roels.

Nach dem Umbau der vergangenen Jahre wolle RWE die Signale jedoch deutlich wieder auf Wachstum stellen und habe dabei den europäischen Energiemarkt im Blick. RWE werde seinen "hart erarbeiteten" finanziellen Handlungsspielraum jedoch nicht voreilig aufgeben.
"Wir sind nicht in Eile", sagte Roels. Erlöse etwa aus dem geplanten Verkauf von Teilen des Wassergeschäfts seien voraussichtlich erst im kommenden Jahr zu verbuchen.

Von 2006 bis 2010 wolle RWE im Schnitt jährlich 3,5 Milliarden Euro in Sachanlagen investieren. Durch die Projekte etwa zum Bau von Großkraftwerken werde das Unternehmen zu einem der größten Investoren in Nordrhein-Westfalen und Deutschland. RWE sei einer der möglichen Konsortium-Partner des österreichischen Energiekonzerns OMV zum Bau der neuen "Nabucco"-Pipeline, sagte Roels. Allerdings seien bis zur Realisierung des Projekts noch umfangreiche Hürden zu nehmen. In der vergangenen Woche hatte bereits E.ON ein Interesse an dem Milliarden- Projekt "nicht ausgeschlossen".

Die rund 3500 Kilometer lange Pipeline könnte eine neue Versorgungsverbindung für Gas zwischen der Kaspischen Region und Europa herstellen. "Wir sind im Gespräch mit mehreren Unternehmen aus Westeuropa", bestätigte OMV-Sprecher Thomas Huemer am Donnerstag. Die Entscheidung über den Bau werde Ende kommenden Jahres fallen. Erste Gaslieferungen könnten ab 2011 fließen. In der Endstufe im Jahr 2017 könnten bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich durch die neue Leitung nach Westeuropa gepumpt werden, sagte Huemer. Durch die geplante Ostsee-Pipeline sollen ab 2010 jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas aus russischen Feldern nach Europa fließen.

Daneben prüfe RWE den Bau einer neuen 380 000-Volt- Hochspannungsleitung zwischen Deutschland und den Niederlanden, sagte Roels. Nach den Stromausfällen im Münsterland werde RWE auch sein Modernisierungsprogramm für Strommasten intensivieren. Im Gasgeschäft sei neben den laufenden Gesprächen zum Kauf der SaarFerngas von der RAG auch ein Einstieg in den Markt für verflüssigtes Erdgas geplant.

RWE hatte im vergangenen Jahr den Überschuss um 4,4 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro erhöht. Der Umsatz ging durch den Verkauf von Beteiligungen leicht um 0,8 Prozent auf 41,82 Milliarden Euro zurück. Fortschritte machte RWE beim Abbau der Schulden, die im abgelaufenen Jahr von 12,4 auf 11,4 Milliarden Euro zurückgingen. Für 2005 soll eine Dividende von 1,75 Euro je Aktie nach 1,50 Euro im Vorjahr ausgeschüttet werden. Für das laufende Jahr erwarte RWE beim betrieblichen Ergebnis ein Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent, während beim Überschuss ein Plus in der Größenordnung von zehn bis 20 Prozent erwartet werde. Der Umsatz werde dagegen etwa auf dem Niveau des Vorjahres bleiben.


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RWE Power holt Ex-Bundesminister Clement in Aufsichtsrat
Kölnische-Rundschau, Rundschau-online.de
13.02.2006

ESSEN - Der Essener Stromerzeuger RWE Power hat den ehemaligen Bundeswirtschafts-minister Wolfgang Clement (SPD) in den Aufsichtsrat gewählt. Das gab das Unternehmen bekannt. Der SPD-Politiker wurde auf der Hauptversammlung des Unternehmens als neutrales Mitglied des 21-köpfigen Gremiums ernannt. Neutrale Mitglieder des Aufsichtsrates werden von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite einvernehmlich bestimmt.

RWE Power ist ein Tochterunternehmen des Essener RWE Konzerns und zählt mit seinen Atom- und Braunkohlekraftwerken zu Europas größten Stromproduzenten. Von 1998 bis 2002 war Clement Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen.


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Temporäre Betriebsbeschränkungen Unumgänglich
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
01.02.2006

Trotz des Feinstaub-Aktionsplans für den Tagebau Hambach: Im Vormonat erreichten die Konzentrationen im Bereich von Niederzier eine bundesweite Negativ-Rekordhöhe: 175 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wurden am 29. Januar um 13 Uhr gemessen - mehr als das Dreifache des zulässigen Tagesgrenzwertes von 50 Mikrogramm.

Darauf wies am Mittwoch der Landesverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hin. "Auch wenn - unterstützt durch die austauscharme Hochdruck-Wetterlage - die Feinstaub-Belastungen im Januar generell hoch waren, erweist sich der Tagebau Hambach wieder einmal als der ,Hot-Spot' in Nordrhein-Westfalen", erklärt Geschäftsführer Dirk Jansen.

13 Überschreitungen seien bisher registriert worden, maximal 35 seien nach dem Gesetz pro Kalenderjahr zulässig - damit sei das Kontingent schon jetzt zu einem Drittel ausgeschöpft. "Dass der Tagebau der Verursacher ist, ist mittlerweile unbestritten", meint Jansen. Die Mess-Station am Tagebau Garzweiler in Gindorf registrierte im Januar bereits acht Tagesgrenzwert Überschreitungen. Mit einer Konzentration von 95 Mikrogramm wurde hier am 28. Januar der "Spitzenwert" erreicht.

"Die hohen Konzentrationen zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen zur Senkung der Feinstaub-Belastung offenbar nicht ausreichen", unterstreicht Jansen.

Der BUND hält daher temporäre Betriebsbeschränkungen für unumgänglich. Die Umweltschützer hatten diese Forderung bereits in die Projektgruppe zur Erarbeitung des Feinstaub-Aktionsplans für den Tagebau Hambach bei der Bezirksregierung Köln eingebracht, waren dort aber auf Widerstand von RWE Power gestoßen. Dirk Jansen: "Eine entsprechende Ergänzung und Überarbeitung des Aktionsplans ist jedoch zwingend geboten, um die Bevölkerung wirksam zu schützen."


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Kreisstraße sechs Monate dicht
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
23.01.2006

NEURATH - Die Kreisstraße 26 zwischen dem Neurather Kraftwerk und der B 59 wird erneut gesperrt: Die 3,5 Kilometer lange Strecke macht für sechs Monate dicht. Der Grund:
RWE Power baut einen tausend Meter langen Lärmschutzwall.

Die Kreisstraße 26 zwischen dem Kraftwerk Neurath und der B 59 wird ab nächsten Montag für ein halbes Jahr gesperrt. RWE Power baut auf der nördlichen Seite des BoA-Geländes einen ein Kilometer langen und zehn Meter hohen Lärmschutzwall.

Es ist nicht die erste Sperrung der Kreisstraße 26 in der jüngsten Vergangenheit: Wegen der Vorbereitung des BoA-Baugeländes in Neurath musste die etwa dreieinhalb Kilometer lange Trasse bereits im vergangenen Jahr für vier Monate dicht machen. Mitte Dezember wurde sie wieder eröffnet - in Kürze werden jedoch erneut rot-weiße Sperrbaken aufgestellt: "Eine notwendige Maßnahme", erklärt André Bauguitte, Sprecher von RWE Power in Essen. Denn der Stromkonzern baut im nördlichen Bereich des neuen BoA-Doppelblocks einen Lärmschutzwall mit einer Länge von insgesamt tausend Metern. Dafür muss Erdreich in großen Mengen über die K 26 transportiert werden.


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Unternehmen auf Kurswechsel
Wasser künftig nur noch im Becken vor dem RWE-Gebäude
Frankfurter Allgemeine, FAZ.NET, Wirtschaft
04.01.2006

Ein glückloser Ausflug in das globale Wassergeschäft: RWE

Der Ausstieg aus dem globalen Wassergeschäft bedeutet für RWE eine Zäsur. Der Versorgungskonzern investierte in so kurzer Zeit in den Aufbau einer neuen Sparte soviel Geld wie nie zuvor in seiner bald einhundertzehnjährigen Geschichte. Seit dem Jahr 2000 wurden beim Kauf von ausländischen Wassergesellschaften in Europa, Amerika und Asien fast 13 Milliarden Euro bezahlt und zusätzlich mindestens acht Milliarden Euro Schulden in die Konzernbilanz genommen. Thames Water und American Water waren die dicksten Brocken, mit denen sich RWE auf Platz drei in der Weltwasserliga katapultierte.

Dieser beherzte Einstieg in das internationale Wassergeschäft war das Werk des vormaligen RWE-Chefs Dietmar Kuhnt mit seiner Führungsmannschaft, von der im Vorstand allein Finanzchef Klaus Sturany noch in Amt und Würden ist. Für den im November angekündigten Verkauf steht Kuhnt-Nachfolger Harry Roels. Der fand bei seinem Antritt Anfang 2003 eine maßgeblich vom Aufbau der Wassersparte geprägte Nettoverschuldung im Rekordwert von
23 Milliarden Euro vor.

Kein Schuß aus der Hüfte

Kuhnts Einstieg in das Wassergeschäft kurz nach der Liberalisierung des deutschen Strom- und Gasmarktes war kein Schuß aus der Hüfte, sondern eine intensiv diskutierte, plausible Entscheidung. Der im Laufe der Jahrzehnte zum Konglomerat gewucherte größte und reichste deutsche Stromkonzern sollte ganz auf das konzentriert werden, von dem man bei RWE viel versteht: das Versorgungsgeschäft. Dieser Strategie wurde nicht nur das mit hohem Aufwand aufgebaute Mobilfunkgeschäft (die E-Plus-Beteiligung) geopfert. Auch ältere Tochtergesellschaften mit guten Marktpositionen - Hochtief etwa oder Heidelberger Druck - standen auf einmal zum Verkauf.

Beim ehemaligen Strommonopolisten kennt man sich gut mit leitungsgebundenen Geschäften aus. Gern hätte der RWE-Vorstand das durch die Fusion mit VEW gestärkte Gasgeschäft stark vorangebracht und sich auf diese beiden Sparten konzentriert. Jedoch schien es unmöglich, zu dem damals noch fast unabhängigen Marktführer Ruhrgas nur annähernd aufschließen oder ihn gar übernehmen zu können. So bot sich als Alternative das Wassergeschäft an. In dieser Sparte sind aufgrund der technischen Gegebenheiten langfristig vergebene Wasserlizenzen typisch. Das verspricht an regulierten Märkten langfristig sichere Einnahmeströme.

Bei den Investitionen wurde nicht gegeizt

Auch gilt Wasser allgemein als wachstumsträchtig. In der Dritten Welt und in Schwellenländern ist die Versorgung mit akzeptabler Wasserqualität ein riesiges Problem. Selbst in den höher entwickelten Staaten zeichnet sich ein - trotz stagnierenden oder gar rückläufigen Verbrauchs - zunehmendes Geschäftsvolumen ab. Denn ein fast überall bestehender Modernisierungsbedarf bei den Abwasser- und häufig auch den Frischwasserleitungen rechtfertigt höhere Preise. So war der gesamte RWE-Vorstand in der Strategiedebatte zur Jahrhundertwende schließlich vom Charme einer neuen Sparte Wasser überzeugt. Dann wurde bei den Investitionen nicht gegeizt.

Im Prinzip hat sich an dieser Ausgangslage sechs Jahre später nichts geändert. Aber Kuhnt-Nachfolger Roels verfolgt nun andere Ziele. Seinen Auftrag, die Zukäufe zu konsolidieren und zu integrieren, hat er zu einem strikten Wertsteigerungskonzept weiterentwickelt. Als erstes fiel die bei RWE und VEW innerhalb einer Dekade mit hohem Geldeinsatz zum deutschen Marktführer ausgebaute Entsorgung durch den Rost der Wertbeitragsziele. Die in- und ausländischen Unternehmen wurden in kleinen und großen Paketen nach und nach verkauft.

Roels ließ von Anfang an die Zügel schleifen

Während RWE zumindest mehrere Jahre lang mit erprobten Fachleuten bemüht war, dem wild zusammengekauften Entsorgungskonzern Format zu geben, ließ Roels im Wassergeschäft von Anfang an die Zügel schleifen. Thames-Water-Chef Bill Alexander blieb auch nach der Übernahme durch RWE der ungekrönte König des Wassergeschäfts. Bei American Water verzichtete der Essener Konzern darauf, eigene Kräfte in der Führung zu installieren, um etwaigen Schadensersatzforderungen vorzubeugen.

In Deutschland wurde der Ausbau gestoppt. So verzichtete Roels im Frühsommer 2003 auf den von Kuhnt mit Eon hinter den Kulissen vorbereiteten Kauf von Gelsenwasser, dem größten privaten deutschen Wasserversorger. Wasser hat mit maximal 4,2 Milliarden Euro nur knapp zehn Prozent zum Konzernumsatz beigesteuert. Das daraus erwirtschaftete Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichte zwar 1,4 Milliarden Euro. Aber wegen des hohen investierten Kapitals und enormer Firmenwertabschreibungen blieb der Wertbeitrag negativ (2004: 189 Millionen Euro).

Bislang nur Verkäufe, keine bedeutende Übernahme unter Roels

So ist es nicht verwunderlich, daß der Kapitalmarkt den im vergangenen November angekündigten Rückzug begrüßte. Zumal Roels diesen Strategiewechsel mit dem Versprechen hoher Sonderdividenden versüßte. So soll die Ausschüttungsquote für die Jahre 2006 und 2007 auf bis zu 80 Prozent des Nettoergebnisses hochgezogen werden. Merkwürdig freilich ist dabei der gestreckte Fahrplan. Mit der kapitalmarktgefälligen Ankündigung wird heute der Kurs beflügelt. Nur könnte sich das ändern, wenn RWE die außerordentlich hohen Einstiegskosten nicht wieder einspielen kann und Buchverluste erleiden sollte. Schließlich ist seit diesen RWE-Investitionen am Markt für Versorgungsbeteiligungen eine Ernüchterung eingetreten und zudem mehr über die Schwachstellen von Thames und American Water bekanntgeworden.

Bei den bis 2007 angekündigten Verkäufen wird sich das freilich erst zu einem Zeitpunkt zeigen, wenn möglicherweise bereits ein Nachfolger für Roels gekürt oder gar installiert worden ist. Denn die Wettquote zur Verlängerung des Anfang 2007 auslaufenden Vertrages von Roels hat sich spätestens bei den Stromausfällen im Münsterland zu seinen Ungunsten verschlechtert. Es sind nicht nur weiche Faktoren, wie der Vertrauensverlust gegenüber den mit der Sicherheit des Stromnetzes befaßten Behörden, die Kritiker dem RWE-Chef vorhalten. Im Aufsichtsrat gibt es auch Mitglieder, denen ein nachhaltiger Ausbau der langfristigen Geschäftsgrundlagen wichtiger ist als der unter Roels auf 63 Euro etwa verdreifachte Börsenkurs. In dessen nunmehr dreijähriger Führungszeit ist zwar das Ergebnis stetig verbessert worden. Aber auf seinem Investitionskonto findet man allein Unternehmensverkäufe und noch keine einzige bedeutende strategische Übernahme.


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Start zur Errichtung der neuen BoA in Neurath
rwe.de RWE Power homepage
02.01.2006

ESSEN - RWE Power hat heute mit den Baumaßnahmen für die 2.200-Megawatt-Doppelblockanlage des neuen Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) am Standort Neurath begonnen. Nachdem die Bezirksregierung Düsseldorf den Antrag auf sofortige Vollziehung der Genehmigung für den Bau der Kraftwerksblöcke zugelassen hat, wird heute mit dem Aushub der Fundamente begonnen.

Auf der Baustelle in Neurath: Kraftwerksdirektor Dr.Eberhard Uhlig, Projektleiter Dr.Michael Müller und Bauleiter Manfred Hensel

RWE Power investiert rund 2,2 Milliarden Euro in das Projekt. Die Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks ist nach heutiger Planung für Ende 2009 vorgesehen.

Unmittelbar nachdem die Bezirksregierung Düsseldorf im Juni 2005 die Genehmigung des neuen Braunkohlenkraftwerks erteilt hatte, begann RWE Power unverzüglich zur Absicherung des Inbetriebnahmetermins mit den bauvorbereitenden Maßnahmen auf der Vorhabensfläche. Rund eine Million Kubikmeter Erdreich wurden bewegt, um das Bauplanum rechtzeitig für den Beginn der Baumaßnahmen fertig zu stellen. In den nächsten Monaten und Jahren werden ca. 4.000 Menschen auf der Baustelle und in der Umgebung tätig sein. Die wichtigsten Komponenten für das neue Kraftwerk werden von deutschen Herstellern geliefert.

Mit dem Bau der neuen BoA-Doppelblockanlage in Neurath auf Basis modernster und umweltschonendster Kraftwerkstechnologie setzt RWE Power die Erneuerung ihres Kraftwerksparks konsequent um.


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Milliarden-Projekt geht an den Start - Gelände nahezu komplett eingeebnet
Neuss-Grevenbroicher Zeitung, ngz-online
02.01.2006

NEURATH - RWE hat am Montag in Neurath offiziell mit dem Bau des neuen BoA-Kraftwerks begonnen. Innerhalb von drei Jahren soll die 2 200-Megawatt-Anlage hochgezogen werden. Voraussichtlich im Herbst wird das erste Gebäude fertiggestellt sein: ein 170 Meter hohes Kesselhaus für den Block "Friedrich".

Die größte Baustelle des Konzerns: Bagger, Raupen und Kipper bestimmen das Bild auf dem 33 Hektar großen Gelände.

Neun Meter unterhalb der Landstraße 375 sieht es aus wie im Tagebau: 24 Kipper, 14 Hydraulik- und zwei Schaufelradbagger sind seit einem halben Jahr im Einsatz, um den ehemaligen Acker baureif für ein Milliarden-Projekt zu machen. "Ein gigantisches Unternehmen", meint Berthold Jung, Polier des Tiefbau-Unternehmens Nowotnik, mit einem Blick auf eine der größten Baustellen des Landes.

Für ihn gehört der überwiegende Teil der Arbeiten bereits der Vergangenheit an. Denn das 33 Hektar große Gelände ist nahezu komplett eingeebnet, so dass der Bau des 2,2 Milliarden Euro teuren Doppel-Kraftwerks beginnen kann. "Seit dem Sommer haben wir hier gut eine Million Kubikmeter Abraum bewegt", betont Dr. Michael Müller, stellvertretender Projektleiter des BoA-Baus.

Über ein kilometerlanges Förderband wurde das Erdreich zum "Bahnhof" im Neurather Kraftwerk verfrachtet, dort auf die Nordsüdbahn geladen und zum Tagebau Bergheim gefahren. Die Grube lieferte ihre letzte Braunkohle im Jahr 2001, nun wird sie verfüllt - unter anderem auch mit Neurather Erde. "In Spitzenzeiten sind täglich 20 Züge mit insgesamt 200 Waggons in diese Richtung gefahren", unterstreicht Bauleiter Manfred Hensel.

Das Gelände ist größtenteils planiert, am Montag war offizieller Start des BoA-Baus. Projektleiter Dr. Michael Müller, Kraftwerksdirektor Dr. Eberhard Uhlig und Bauleiter Manfred Hensel erläuterten die Pläne des Milliarden-Projekts.

Obwohl das Kraftwerk noch nicht genehmigt worden war, hatte RWE Power schon im vergangenen Frühjahr schweres Gerät auf das Gelände zwischen Neurath und Vanikum transportieren lassen. Als Regierungspräsident Jürgen Büssow im Juni 2005 dann grünes Licht signalisierte, konnten die Vorarbeiten beginnen. Zwischenzeitlich wurden bei der Bezirksregierung jedoch noch Widersprüche eingelegt, die aber in den vergangenen Wochen zurückgezogen wurden.

Bis auf einen: Ein Landwirt wendet sich nach wie vor gegen das Projekt, weil er Verschattungen durch Kühltürme und Kraftwerksschwaden befürchtet und damit Ernteeinbußen verbindet. Damit das Milliarden-Projekt nicht verzögert wird, hat der Regierungspräsident noch vor dem Jahreswechsel die "sofortige Vollziehung" des Kraftwerksbaus angeordnet. "Somit liegen wir gut in der Zeit und können planmäßig mit dem Aushub der Fundamente beginnen", betont Konzernsprecher André Bauguitte.

Nach heutiger Planung soll das Kraftwerk Ende 2009 ans Netz gehen. "Bis dahin herrscht in Neurath Hochbetrieb. In den nächsten Monaten und Jahren werden rund 4 000 Menschen auf der Großbaustelle und in der Umgebung tätig sein. Die wichtigsten Komponenten für das neue Kraftwerk werden von deutschen Herstellern geliefert", so Bauguitte weiter.

Am Montag wurde mit dem Aushub für das rund 170 Meter hohe Kesselhaus des künftigen Blocks "Friedrich" begonnen, im Frühjahr - voraussichtlich im März/April - werden die Betonfundamente gegossen. "Das Gebäude wird in Gleitbauweise hochgezogen und wächst jeden Tag um einen Meter", weiß Dr. Michael Müller. Nach seinen Schätzungen wird das erste Kesselhaus bereits im Herbst fertiggestellt sein. Zeitversetzt wird an seinem Pendant für den Block "Gustav" gearbeitet.

Der BoA-Bau ist das größte Kraftwerks-Projekt des RWE Konzerns. Der Neurather Doppelblock soll künftig rund zehn Millionen Menschen mit Energie versorgen und rund zehn Prozent der Stromversorgung in NRW sichern. Wann der erste Spatenstich für die 2 200-Megawatt-Anlage gesetzt wird, steht noch nicht fest. Er soll aber im Verlauf des Frühjahrs vollzogen werden.


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Ansprechpartner vor Ort

Rheidt / Hüchelhoven
Georg Keulertz; 02183-413030
Hans-Joachim Gille; 02183-7231

Auenheim
Wolfgang Sewelies; 02271-55789
Bedburg- Rath
Herbert Förster; 02272-918990

Büsdorf
Dr. Ruth Hausmann, 0171-2427240

Fliesteden
zur Zeit keine Kontaktperson
Glessen
Michael Broetje; 02271-52577
Oberaußem
zur Zeit keine Kontaktperson
Niederaußem
Dieter Hunke; 02271-52577
Stommelerbusch
Rolf Dohm; 0172-9356854
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